Fachbeiträge

Ausgabe 9 / 2013
FachbeitragKommunikation

Wissenstransfer: Videos sagen mehr als tausend Bilder

von Stefan Hoeper

Wer sich bei YouTube durchklickt, könnte bisweilen zu dem Schluss kommen: Das Video im Netz ist zum reinen Unterhaltungs- und Werbemedium verkommen. Aber Video kann wesentlich mehr. Kein Medium transportiert Wissen und Informationen so komprimiert, authentisch und nachhaltig, wie das bewegte Bild. Man könnte meinen, das bedeutet zwar Komfort für den Betrachter, aber großen Aufwand für den Urheber des Inhalts. Wenn man sich wiederum YouTube ansieht, regiert nicht selten das Video, das mit Geschick und einfachsten Mitteln erstellt wurde. Welche Rolle könnte das hausgemachte Video zukünftig für effizientere Prozesse im Unternehmen spielen?

Inhaltsübersicht:



Video-Konferenzen sind in Zeiten von Diensten wie Skype oder Google Hangout nichts Neues mehr. Man hat sein Gegenüber nun mal gerne vor sich, wenn auch nur via Bildschirm. Diese Art, miteinander zu kommunizieren, ist möglicherweise persönlicher als telefonieren, auch auf große Entfernung und über mehrere Kulturen hinweg, steigert aber nicht dauerhaft die Effizienz unternehmenseigener Prozesse. Die Konversation ist anschließend nicht archiviert und dient lediglich dem unmittelbaren Austausch von Informationen. Richtig spannend wird Bewegtbild, wenn es intern so genutzt wird wie online auf Plattformen wie YouTube. Sachverhalte können so kompakt dargestellt und zu jederzeit weltweit auf Abruf (on demand) verfügbar sein. Aus der unternehmensinternen Plattform lassen sich auch die Adressaten einschränken, beispielweise bei vertraulichen Inhalten.

Videos statt Anleitungen

Videos müssen nicht aufwändig produziert sein. Sie basieren vor allem auf Wissen oder gegenständlichen Informationen. Zum Beispiel in der Forschung: Die so genannten Standard Operation Procedures (SOP) sind schriftliche Anleitungen für Mitarbeiter in Labors. Die Dokumente enthalten nicht nur Hinweise für die Bedienung von Apparaten und Maschinen, sondern auch für die bestimmte Schritte, die sie Mitarbeiter dabei immer gehen sollten. Forschungsunternehmen, die das Medium Video für sich entdecken, können den Wissenstransfer mit Videos nicht nur beschleunigen, sondern zum Beispiel durch unmissverständliche, ergänzende Bewegtbilder die Fehlerquote im Labor senken. Auch wesentliche Teile technischer Studien können mithilfe von Videos präziser begleitet, festgehalten und für Kollegen transparent gemacht werden. Effizienz und Nachhaltigkeit im Forschungsalltag.

Wissensmanagement statt Dokumentenverwaltung

Lebendige Inhalte transportieren nicht nur Informationen, sondern auch Emotionen und hautnahe Eindrücke. Welche Rolle spielt Streaming Media im Wissensmanagement nach dem technischen Vorbild von YouTube? Bisherige Lösungen bauen vor allem auf Bild- und Textbasis. Das Wissen im Kopf der Mitarbeiter ist für Unternehmen heute wertvolles Kapital, das nicht verloren gehen darf. Umso wichtiger ist es, die Möglichkeiten zur Archivierung und der Wiedergabe von Know-how so einfach zu gestalten, wie das Abspielen eines YouTube-Clips.

Mit heute vorhandenen Software-Lösungen stellt die reine Infrastruktur für ein solches Corporate TV keine Hürde mehr dar. Dennoch stehen Unternehmen, die ihr Wissensmanagement mit Video lösen möchten, vor der Aufgabe, das Medium in den Unternehmensalltag zu integrieren und ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, gezielt darauf zuzugreifen. Übersichtliche Mediatheken und Kanäle machen es Mitarbeitern möglich, die Videos in geschlossenen Arbeitsgruppen oder übergreifend dem gesamten Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Die wertvollen Clips können dabei auch über Ländergrenzen hinweg allgemeine und spezifische Wissensstände verbessern.

Mit Videos wird auf YouTube jeder zum Sender und Empfänger komprimierter, einfach erfassbarer Informationen. Dieses Prinzip können Unternehmen mit Ihren Mitarbeitern systematisieren.

„Ich kann’s besser“

Im technischen und forschenden Bereich arbeiten Unternehmen mit komplexen Anlagen, Geräten und Verfahren. Hersteller wissen bereits das Medium Video zu nutzen und liefern digitale Bedienungsanleitungen gleich mit. Was der Gerätehersteller empfiehlt, ist zwar in den seltensten Fällen zu bemängeln. In der Praxis zeigt sich aber wie so oft, dass Learning by Doing zu einzigartiger Effizienz führt. Ein Mitarbeiter, der sich besonders gut mit einem bestimmten Verfahren oder Gerät auskennt, kann mit Video-Lösungen seine über Jahre erarbeiteten Erfahrungswerte und sofort umsetzbares Wissen festhalten und vermitteln.

Zusammenarbeit – Kollaboration mit Bewegtbild

Ob in der Kundenbetreuung, in PR und Marketing oder in der Entwicklung: Niemals war schnell und einfach verfügbare Information in Teams so wichtig wie heute. Auf Abruf verfügbares Wissen beschleunigt Abläufe nicht nur in Beispielen wie den oben genannten Lernprozessen und im Wissenstransfer, sondern kann auch im Tagesgeschäft unterstützen. Welche Erkenntnisse gab es gestern? Die neuesten Video-Beiträge in den abonnierbaren Channels geben schnell und plakativ Aufschluss. Wie sehen die neuen Produkte aus oder welche Forschungsergebnisse gibt es? In abgeschlossenen Gruppen lassen sich vertrauliche Informationen einer vordefinierten Nutzerschaft zugänglich machen.

Mitarbeiter werden Sender und Empfänger von Wissen. Auf Basis von Social-Media-Plattformen ist das Wissensmanagement keine Einbahnstraße mehr. Das übergreifende Kollektiv aus Kreativität und Erfahrung sorgt für ein enormes Wettbewerbspotenzial, nicht nur bei global agierenden Unternehmen.

Effiziente Prozesse in Arbeitsgruppen mit geteilten Video-Inhalten

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