Fachbeiträge

Ausgabe 3 / 2018
FachbeitragCollaboration

Soziale Medien im Arbeitsalltag: Fluch oder Segen für Führungskräfte?

von Lutz Hirsch

Im Zeitalter der Digitalisierung werden sie auch im beruflichen Kontext immer wichtiger: Soziale Medien wie WhatsApp, Facebook, YouTube & Co. Unternehmen, die heute moderne Intranets einführen, setzen auf Social Media als elementare Bestandteile der digitalen Plattform. Denn genau diese Tools werden laut aktueller msg services-Studie von 77 Prozent der Büroangestellten gewünscht. Doch was nach schöner neuer Arbeitswelt klingt, sorgt bei vielen Führungskräften oft noch für Unbehagen. Sie fürchten den Verlust von Macht und Kontrolle, ihr Herrschaftswissen teilen und auf jede noch so unwichtige Nachricht reagieren zu müssen.


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Inhaltsübersicht:

Und dennoch: Zukünftig wird kein Weg an diesen modernen Kommunikationsinstrumenten vorbeiführen. Gerade junge Talente erwarten sie an ihrem Arbeitsplatz. Für Managerinnen und Manager bedeutet das: Sie sollten sich ein modernes Intranet und die in ihm enthaltenen sozialen Funktionen lieber früher als später zunutze machen, um ihrer Führungsaufgabe im digitalen Zeitalter gerecht zu werden. Dabei hilft es schon, ein paar einfache Handlungsempfehlungen zu befolgen:

1. Die Angst vor Informationsüberflutung ablegen und Marschrouten definieren

Soziale Medien führen nicht automatisch zu einem „Zuviel“ an Nachrichten und Informationen. Im Gegenteil: Durch die in modernen Intranets gelebte Transparenz und die Möglichkeit, Personenprofilen zu folgen, können Experten für bestimmte Themen im Unternehmen deutlich schneller identifiziert werden. Managerinnen und Manager sollten daher darauf vertrauen, dass sie nicht zu jedem Thema befragt, sondern die passenden Experten zurate gezogen werden bzw. diese sich – z. B. bei für alle Intranet-Nutzer einsehbaren Beiträgen im Aktivitätenstrom – direkt angesprochen fühlen.

Was Führungskräfte aber dennoch unbedingt tun sollten: Sie sollten von vornherein festlegen, für welche Themen es nach wie vor offizielle Wege gibt und die Marschrouten hierfür definieren (z. B.: Bei Personalgesprächen werden weiterhin E-Mails verschickt etc.).

2. Den Mitarbeitern vertrauen - denn sie wissen, was sie tun

Mitarbeiter vergessen beim Klick ins Intranet nicht auf einmal, wer ihre Führungskraft ist und wie sie sich ihr gegenüber zu verhalten haben. Ein modernes Intranet macht Hierarchiegrenzen zwar insofern durchlässiger, als dass es die schnelle Vernetzung – auch mit Führungskräften - ermöglicht. Es löst Hierarchien aber nicht auf und ist immer auch ein Spiegel der im Unternehmen gelebten Kultur und Verhaltenskodexe. Ein simples Beispiel: In Unternehmen, in denen Vorgesetzte gesiezt werden, werden sie auch bei der Ansprache über soziale Medien nicht plötzlich geduzt.

3. Authentisch kommunizieren - Führungskräfte entscheiden selbst, was sie posten, teilen und kommentieren

Inwiefern sie soziale Medien nutzen, um mit ihren Mitarbeitern zu kommunizieren und zu interagieren, entscheiden Managerinnen und Manager selbst. Sie können in unterschiedlichem Ausmaß aktiv werden. Durch ein „Gefällt mir“ von relevanten Beiträgen sprechen sie Wertschätzung für das Engagement einzelner Mitarbeiter aus. Durch das Teilen von Beiträgen heben sie relevante Beiträge hervor. Mit Hilfe eines Kommentars sind leitende Angestellte in der Lage, Teammitglieder und Mitarbeiter ebenfalls zu motivieren sich aktiv zu beteiligen. Und durch das Veröffentlichen eigener Beiträge – die Königsklasse der internen Social-Media-Nutzung – kommunizieren Führungskräfte ihre eigenen Ansichten transparent und fordern aktiv Feedback ein.

4. Durch Meinungsbarometer und Blitzumfragen am Puls der Mitarbeiter bleiben

Moderne Intranets mit sozialen Elementen eignen sich zudem gut für Meinungsbarometer und Blitzumfragen zu Themen wie „Haben wir die aktuelle Unternehmensstrategie verständlich erklärt?“, „Ist das neue Produkt A besser als das alte Produkt B?“ oder auch „Sollten wir im nächsten Jahr wieder an der Konferenz XY teilnehmen?“. Mit Ja/Nein-Fragen dieser Art wird den Mitarbeitern Wertschätzung entgegengebracht und sie werden stärker ins Unternehmensgeschehen involviert. Auch lohnt es sich, die Kollegen über Abstimmungen einzubinden. Ein Beispiel: „Zu welchem Thema soll unser Geschäftsführer ein kurzes Video-Statement abgeben? a) Trend digitaler Arbeitsplatz, b) Strategie 2018, c) Corporate Social Responsibility. Beschlüsse der Geschäftsleitung oder Ähnliches sollten allerdings nicht zur Abstimmung gestellt werden.

5. Die eigene Rolle als Führungskraft durch die Nutzung neuartiger Kommunikation stärken

Wer als Führungskraft soziale Medien nutzt, der rückt deutlich näher an sein Team. Er kann seine Mitarbeiter direkt und unkompliziert erreichen, ihnen Feedback geben oder auch ein solches einfordern. Zudem unterstützen Social Media Führungskräfte nicht nur bei der Strategievermittlung, sondern auch dabei, ihre Vorbildfunktion bestmöglich auszufüllen. Durch die modernen Kommunikationsmittel können Entscheidungsträger schnell und einfach Lob und Anerkennung aussprechen und so die Mitarbeiter für die tägliche Arbeit motivieren. Und nicht zu vergessen: Durch die Nutzung neuartiger Kommunikationsinstrumente werden Führungskräfte zu entscheidenden Treibern des digitalen Wandels von innen heraus und machen den Change sichtbar.

Fest steht: Soziale Medien sind nicht Fluch, sondern Segen für Führungskräfte. Wissen Entscheidungsträger diese Tools richtig und sinnvoll für sich zu nutzen, so sind sie bestens gerüstet für ihre Führungsaufgaben im digitalen Zeitalter.

 

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