Fachbeiträge

Ausgabe 12 / 2010
FachbeitragInnovationsmanagement

Open Innovation – Schlummerndes Wissen nutzen

von Peter Kürsteiner

In großen Organisationen wird häufig über mangelnde Information und Kommunikation geklagt. Mitarbeiter sind immer wieder erstaunt darüber, wie wenig sie vom Wissen und den Aktivitäten anderer Abteilungen und deren Kollegen mitbekommen. Auch die Kenntnisse von externen Marktteilnehmern wie Lieferanten, Kunden und Universitäten werden nur selten für die Generierung von Innovationen genutzt. Genau hier setzt Open Innovation an: Immer mehr Firmen bauen auf die Schwarmintelligenz von Gruppen und öffnen ihre Prozesse und Strukturen für die Außenwelt. Statt in einer hermetisch abgeschlossen Innovationsabteilung nur durch Produktentwickler neue Produkte zu erzeugen, werden Innovationen mit Impulsen und dem Wissen von Lieferanten, Kunden, Partnern, Trendscouts und Querdenkern entwickelt.

Inhaltsübersicht:

 

Beispiele, wie Firmen Impulse und Wissen von außen nutzen, gibt es mittlerweile viele. zum Beispiel die Firma 3M. Begonnen hatte das Unternehmen mit der Herstellung von Schleifpapier, wandelte sich dann aber zum branchenübergreifenden Multi-Erfinder. Heute ist 3M in vielen Bereichen mit diversen Produkten Marktführer. Wie Wissen, Ideen und Wünsche der Bürger direkt in die Politik einfließen können, ist auch in den Mitbestimmungsprojekten zu finden, mit denen sich das Fraunhofer-Institut seit einiger Zeit beschäftigt. So konnten z.B. die Kölner Bürger ihr Wissen und ihre Vorschläge zur Verwendung des Haushaltsbudgets aktiv einbringen. Um potenzielle Ideenlieferanten zu animieren, sollten Firmen eine enge Zusammenarbeit mit externen Impulsgebern aufbauen, die auf vielen Kanälen und Netzwerken reibungslos verläuft. Dr. Friedrich Stara, Vorstand der Henkel AG, spricht davon „good cases“ zu produzieren, in denen deutlich wird, dass externe Innovatoren sich mit ihren Erfindungen an die Firma wenden können.

 

Ideenwettbewerbe und Innovationsworkshops

Eine gute Möglichkeit, in kurzer Zeit das Wissen der gesamten Belegschaft zu nutzen, sind Ideenwettbewerbe. Mit einem klaren Motto, einer eindeutigen und inspirierenden Fragestellung und effizienten Abläufen können so in kurzer Zeit viele Ideen generiert werden. Wichtig sind auch hier effiziente Prozesse, die schnelle Prüfung der Ideen, die Ehrung der besten Ideengeber und anschließende Information der Belegschaft über die Umsetzung. Bei Innovationsworkshops können komprimiert die Ideen und das Wissen von externen Personen in die eigene Organisation einfließen. In einem vorher sorgfältig geplanten Ablauf werden dabei Ideen generiert, verdichtet, bewertet und anschließend priorisiert. Der Workshop beginnt bereits zuvor mit einer sorgfältigen Planung der Ziele, Methoden und vor allem auch der Teilnehmer, die als Ideengeber dienen sollen.

 

Die Fragestellungen, der Ablauf und die Zusammenstellung der Methoden sind entscheidend für die Quantität der Ideen. Die geschickte Zusammensetzung der Teilnehmer ist ausschlaggebend für die Qualität. Auf beides kommt es an. In der Praxis hat sich folgende Mischung bewährt: ein Drittel Fachleute, die mit dem Problem vertraut sind, ein Drittel erfahrene Fachleute aus anderen Bereichen (zum Beispiel Projektleiter, Ingenieure, Manager, Betriebswirte, etc.) und ein Drittel kreative Querdenker, die es sich trauen, auch „verrückte“ Ideen zu äußern und vorhandene Strukturen bei der Generierung von Ideen zu ignorieren. Wichtig ist dabei die Trennung der Phasen Ideengenerierung, Ideenverdichtung und Ideenbewertung. Ausschlaggebend für die Bewertung sind die beiden Kriterien „Auswirkung“ und „Umsetzbarkeit“. Damit Effizienz und Qualität sicher gestellt werden, sollte ein erfahrener Moderator den gesamten Prozess in Kooperation mit der Leitung sauber planen, moderieren und für die Dokumentation der Ergebnisse sorgen.

 

Wissen freisetzen durch die richtige Kultur

Eine innovative Kultur, in der vorhandenes Wissen freigesetzt werden kann, entsteht vor allem dann, wenn das Management Innovationen forciert und die richtigen Mittel (z.B. internes Firmenwiki) zur Verfügung stehen. Außerdem sollten die mittleren Führungskräfte bereit sein für Veränderungen und über eine hohe Methodenkompetenz (Moderation, Ideengenerierung, Kreativität, Konzeption und Projektmanagement) verfügen. Wichtig ist zudem, dass alle Mitarbeiter hinter der Organisation stehen und sich und ihr Wissen gerne einbringen. Mitarbeiter innovativer Unternehmen verwenden zirka 20 Prozent ihrer Zeit für Weiterbildung und zehn Prozent für Kreativität und Innovation.

 

Der Innovationsprozess – von der Idee zum Serienprodukt


Der Innovationsprozess – von der Idee zum Serienprodukt

 

Ideen generieren – die wichtigsten Methoden im Überblick

Nachfolgend sind die geläufigsten Methoden zur Generierung neuer Ideen kurz beschrieben.

 

Brainwriting-Pool: Statt einer langen ineffizienten Besprechung können in kurzen Ideensessions schnell viele gute Ideen generiert werden. Eine Methode, die ohne vorheriges Training direkt eingesetzt werden kann, ist beispielsweise der Brainwriting-Pool. Dabei generiert eine Gruppe gleichzeitig Ideen für verschiedene Fragestellungen oder Themenbereiche. Benötigt werden mehr Zettel mit unterschiedlichen Fragen als Teilnehmer. Ohne zu sprechen, notieren die Teilnehmer Ideen zu den Fragestellungen auf den Zetteln und legen sie anschließend wieder in die Mitte des Tisches (den Pool). So entstehen in kurzer Zeit viele Ideen, die anschließend demjenigen übergeben werden, der für die Lösung der jeweiligen Fragestellung verantwortlich zeichnet.

 

Brainstorming: Wissen und Ideen der Teilnehmer eines Brainstormings kommen dann ans Tageslicht, wenn die Phasen „Ideen sammeln“ und „Ideen bewerten“ voneinander getrennt werden. Dabei kommt es nicht darauf an, dass unsinnige Ideen sich vielleicht doch durchsetzen könnten. Vielmehr geht es darum, die inspirierende freie Stimmung zu erzeugen, die gute Ideen hervorbringt und Kreativität und Wissen der Mitarbeiter freilegt.

 

Walt-Disney-Methode: Hierbei handelt es sich um eine Methode, die den Prozess der Ideenfindung strukturiert. Dabei wird die Generierung von neuen Ideen in drei Phasen eingeteilt und nacheinander bearbeitet.

  • Träumen: Visualisieren der Idealsituation. Wie wäre es optimal?
  • Planung: Wenn das ginge, wie könnte das konkret aussehen? Wie viele? Wer? Wann? Nutzer? Zielgruppe? Etc.
  • Kritik: Kritische Überprüfung der Grobplanungen. Filter ansetzen und Ideen bewerten.

 

Anschließend beginnt der Prozess wieder von vorne und endet nach mehreren Durchgängen nach der Planungsphase. Wenn eine Gruppe diesen Prozess gemeinsam durchläuft, verdichten sich die guten Ideen immer mehr und werden zu umsetzbaren Plänen.

 

 

Morphologischer Kasten: Bei Produktvarianten kann der Morphologische Kasten hilfreich sein. Hierfür werden alle Stellschrauben (Parameter) auf der y-Achse einer Matrix und alle möglichen Variablen auf der x-Achse aufgelistet. Anschließend werden die passenden Variablen zusammengestellt.

 

Tisch Variable Variable Variable Platte Glas Holz Metall Beine Holz Metall Kunststoff Füße 3 4 5


Beispiel für einen morphologischen Kasten

 

Gedächtnistraining mit Mnemotechnik

Doch wie wird man selber innovativer und wie kann man sein Wissen noch besser nutzen? Fangen wir beim Nutzen von Wissen an: Die besten Methoden hierfür findet man in der Mnemotechnik – eine Sparte der Zauberkunst. Die Mnemotechnik setzt auf folgende drei Elemente: Auslöser als Anker, geistiger Klebstoff, geistige Bilder. Auslöser erzeugen eine automatische Erinnerung an gespeichertes Wissen. Beim Einprägen von Namen könnte dies eine Auffälligkeit, wie z.B. ein besonderer Schnurrbart, sein. Der geistige Klebstoff hilft, um vom Auslöser (Schnurrbart) wieder auf den Namen zu kommen. Und das geistige Bild erinnert an den Namen.

 

Ein Beispiel zur Erläuterung. Der Herr mit dem auffälligen Schnurrbart heißt „Koch“. Man stelle sich einen Koch vor, dessen Schnurrbart beim Abschmecken immer wieder im Essen hängt. Dadurch verankert sich der Name sofort im Gedächtnis und kann später als Wissen leicht abgerufen werden. Ein einziger Name stellt noch keine Hürde dar; diese Methode funktioniert aber auch noch bei 20 Namen in kürzester Zeit. Die Denkweise dafür verlangt Kreativität.

 

Fazit

Die Produkte von heute sind die Ideen von gestern und die Ideen von heute werden die Produkte von morgen sein. Die Innovationskraft einer Organisation lässt sich erhöhen, wenn das Management Innovationen priorisiert und entsprechende Hilfsmittel und Freiräume zur gezielten Nutzung von Wissen zur Verfügung stellt. Teams werden durch den Einsatz von Kreativitätstechniken innovativer und Einzelpersonen durch die innere Bereitschaft zur Veränderung. Wer sich, sein Team und seine Organisation auf Innovationskurs bringt, wird sich nachhaltig vom Wettbewerb unterscheiden.

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