Fachbeiträge

Ausgabe 10 / 2018
FachbeitragWeiterbildung

LMS: Digitale Neuzeit für Wissensmanager in der Bildung

von Manuel Nitzsche

Radikal verändert Technologie und ihre Omnipräsenz Wissen und Bildung: Wissen gewinnt einen neuen Stellenwert, wird anders geschaffen und vor allem anders erworben als bis dato. Aus Dozenten werden Wissensmanager und Lerncoaches.

Inhaltsübersicht:

Es herrscht Einigkeit, dass sich die Anforderungen an Bildung und Ausbildung in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert haben. Auf dem Weg in die Berufswelt rücken neue Fertigkeiten und Kompetenzen in den Vordergrund, die Hochschulen vermitteln müssen. Es geht nicht mehr nur um Faktenwissen, sondern zuerst um die Kompetenz, Probleme selbstständig lösen zu können. Hierzu gehören Aspekte wie kritisches Denken, Kreativität, dann aber auch soziale Fähigkeiten. So ist etwa kooperatives Vorgehen in Teams gefragt, um komplexe Aufgaben zu lösen.

Arbeitsmarkt und Studierende mit neuen Anforderungen

Gleichzeitig haben sich die Erwartungen der Studierenden verändert und neue Lernstile herausgebildet. Wer gewohnt ist, unabhängig von Ort und Zeit Informationen abzurufen (etwa per Smartphone auf Wikipedia) und dann mit Freunden via Messenger-Dienst zu diskutieren, der erwartet das auch von seinem Lernumfeld. Neue Medien der Wissensvermittlung wie Erklärvideos haben sich etabliert. Das kann nicht ohne Folgen für Lernprozesse bleiben, denn Studierende und Arbeitgeber erwarten, dass Absolventen optimal für das Arbeitsleben vorbereitet sind. Wie aber tragen Bildungseinrichtungen dem Wandel angemessen Rechnung? Die Frage war jüngst Thema der Untersuchung „Digitale Transformation in Deutschlands Hochschulbildung: Wie ein modernes Lernmanagementsystem Veränderungen bewirken kann“ der Marktanalysten von IDC.

Interaktion zwischen Studierenden und Dozenten intensiviert

Auf den digitalen Wandel müssten sich Universitäten, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen besser einstellen, fordern die Strategen von IDC. Denn bisher waren technologische Infrastruktur und Learning Management Systeme (LMS) an Hochschulen vor allem darauf ausgerichtet, Inhalte zu speichern und Kursabläufe zu organisieren. Doch Bildung in der digitalisierten Welt stellt neue Anforderungen. Cloudbasierte LMS seien daher auch keine passiven Systeme mehr, sondern ermöglichen heute – so IDC – die Interaktion zwischen Studierenden und Lehrenden. Diese Interaktion ist auch zentrales Ziel der Bildungseinrichtungen, denn sie geben als eine der wichtigsten Prioritäten für 2018 in einer Befragung die „Verbesserung der Erlebnisse von Studierenden“ an.

Personalisiertes Lernen – Wissensmanager und Lerncoach

Damit zeigt sich ein Paradigmenwechsel hin zum „personalisierten Lernen“ an, denn Wissensschaffer, -manager und Dozenten sind zwar einerseits gefordert, bei Lernangeboten auf geänderte Anforderungen einzugehen. Andererseits steht ihnen dank technologischer Weiterentwicklung natürlich auch ein größeres Repertoire an Lernmedien und -mitteln zur Verfügung. Das lässt sich nutzen. Denn so kann der Lernende zu großen Teilen selbst bestimmen, wann und wie er sich Wissen aneignet. Nutzt er ein Lernvideo, das Lehrbuch oder genügt ihm der Präsenzunterricht? Er kann beliebig oft wiederholen oder sein Wissen vertiefen, sich mittels Kollaborationswerkzeugen mit Kommilitonen austauschen sowie seinen individuellen Lernfortschritt überprüfen. Damit ändert sich die Rolle des Dozenten radikal: Er ist nicht mehr primär Wissensquelle, sondern Wissensmanager und Lerncoach. Wissenstechnologien können Routinetätigkeiten übernehmen, was für Lehrende mehr Raum für Kompetenzvermittlung schafft.

Fünf zentrale Anforderungen an digitale Lernumgebungen

Welche Eigenschaften aber sollte ein LMS bieten, um personalisiertes Lernen zu ermöglichen und zum Gelingen des digitalen Wandels in Bildungseinrichtungen beizutragen? IDC nennt fünf zentrale Aspekte:

  1. Zum einen sollte eine Lernumgebung alle Aspekte des Lernprozesses vollständig abdecken – angefangen bei der Erstellung des Kursmaterials bis hin zu Einreichung von Abschlussarbeiten – und sich intuitiv benutzen lassen. Das gilt für Dozenten und Studierende gleichermaßen, denn ein unverständliches oder kompliziertes Werkzeug wird schlicht nicht genutzt.
  2. Zweitens sollten sich logische Lernpfade abbilden lassen: Studierende erhalten Inhalte entsprechend ihrem Lernfortschritt und in didaktisch sinnvoller Auswahl; zudem sollten sie die Option erhalten, den Lernprozess individuell mitzugestalten.
  3. Drittens sichert die Integration ganz unterschiedlicher Lernmedien wie Video, Text, Ton, Bild oder Chat die Personalisierung des Lernens. Je nach Lernstil und Präferenz kann der Lernende den für ihn am besten geeigneten Weg des Wissens- und Kompetenzerwerbs wählen.
  4. Interaktionsmöglichkeiten zwischen Peers und/oder Dozent innerhalb der Lernumgebung sieht IDC als entscheidenden Baustein.
  5. Mithilfe von Bewertungsoptionen können Lernende ihren Lernfortschritt eigenständig im Blick halten, zugleich erlauben analytische Funktionen eines LMS auch Lehrenden Einblick in den Lernprozess. Werden alle Übungen in der geplanten Zeit absolviert oder haben etwa alle Kursteilnehmer an der gleichen Stelle Verständnisprobleme? Mit diesen Kenntnissen lassen sich Lernmaterial verbessern und Wissenslücken gezielt schließen.

Ein cloudbasiertes LMS sieht IDC explizit als Impulsgeber für Wandel in Bildungseinrichtungen und die Cloud selbst sogar als „Katalysator“.

Was Analysten Bildungseinrichtungen und Universitäten empfehlen

Modernisierung oder Neueinführung einer digitalen Lernumgebung stehen bei vielen Hochschuleinrichtungen auf der Agenda. Als entscheidend sehen die Analysten hierbei die „Ausrichtung am Bedarf der Nutzer – nicht an internen Prozessen oder Strukturen“. Denn das LMS sollte die Interaktion – zwischen Studierenden und Lehrenden sowie der Studierenden untereinander – fördern und sich damit von der älteren LMS-Generation abheben. War früher die Bereitstellung von Kursplänen- und -materialien eine wichtige Funktionalität, geht es heute um die gemeinsame Bearbeitung von Lerninhalten – rund um die Uhr und an allen Orten der Welt. Dozenten, Wissensarbeiter und Wissensvermittler in der Bildung können sich auf Entlastung und Unterstützung bei der Wissensvermittlung freuen: Mehr Zeit für Forschung, Lehre und Studierende.

 

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