Fachbeiträge

Ausgabe 1 / 2004
FachbeitragWeiterbildung

Flexibles Lernen im Selbstlernzentrum bietet übertragbare Lösungen

von Dr. Marita Alami und Sabine Hager

Blended Learning heißt das Zauberwort, wenn es darum geht, dem Akzeptanz-Problem beim elektronischen Lernen zu begegnen. Doch bleiben bei diesem Wechsel zwischen rein elektronischen Lernsequenzen und Präsenzphasen die Flexibilitätsvorteile des E-Learnings weitgehend auf der Strecke. Einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen Akzeptanz und Flexibilität bieten Selbstlernzentren. Gute Erfahrungen hat damit das IT-Kompetenzzentrum forumF in Köln gesammelt: Es bietet elektronisches Lernen im sozialen Kontext und bleibt dabei genauso flexibel wie das Online-Lernen am Arbeitsplatz oder am heimischen PC.

Von Dr. Marita Alami und Sabine

Hager

 

Inhaltsübersicht:

 

 

 

Für Unternehmen und Organisationen mit Interesse

am E-Learning stellt sich schnell die Frage einer praxisnahen Umsetzung. Die

verfügbaren Lernplattformen sind inzwischen technisch weit entwickelt,

flexibel anpassbar und von den Kosten her nicht mehr nur für Großunternehmen

interessant. Eine größere Rolle spielen deshalb Akzeptanz, angestrebter

Nutzen der gewünschten Lösung und der menschliche Aspekt des Lernens.

Das IT-Kompetenzzentrum forumF in Köln stellt E-Learning in den sozialen

Kontext und macht das Selbstlernzentrum zur Basis des erfolgreichen, selbstgesteuerten

Lernens am Computer.

 

E-Learning zur betrieblichen Weiterbildung bietet Unternehmen viele Vorteile.

Das Lernen wird individualisiert, orts- und zeitunabhängig und findet im

persönlichen Tempo der Lernenden statt. Punktgenaue Lerninhalte können

speziell auf das Unternehmen zugeschnitten und zeitnah bereitgestellt werden.

Darüber hinaus bieten Online-Coaches und -Tutoren individuelle Betreuung

und Feedback per E-Mail. Unterm Strich ist diese Form der Qualifizierung oft

kostengünstiger, da keine Reisekosten anfallen und sich die Ausfallzeiten

der Beschäftigten reduzieren. Zudem wird die Bildungskontrolle optimiert,

die Personalentwicklung erfolgt gezielter und betriebliche Prozesse werden weniger

gestört. Schöne neue Welt des E-Learnings... Tatsächlich?

 

Das Problem mit der Akzeptanz

Wäre da nicht das Problem mit der Akzeptanz. Aktuelle Studien zeigen,

dass nur etwa 10 Prozent der Beschäftigten die E-Learning-Angebote ihrer

Unternehmen nutzen. Die Gründe sind vielfältig: E-Learning erfordert

ein hohes Maß an Selbstlernkompetenz in Form von Selbstorganisation und

Selbstmotivation. Diese sind zwar in der Regel vorhanden, bedürfen aber

einer kontinuierlichen Pflege und Anleitung. Technikgestütztes Lernen stößt

bei vielen Menschen immer noch auf Abneigung und wird als unpersönlich

und fremdbestimmt empfunden. Der soziale Austausch mit anderen Teilnehmern,

wie er in Präsenzseminaren stattfindet, fehlt oder ist nur virtuell möglich.

In der Folge fühlen sich die Beschäftigten nicht wirklich von E-Learning-Angeboten

angesprochen. Elektronische Lernplattformen und Lernangebote bringen damit nicht

den versprochenen Erfolg für das Unternehmen und entpuppen sich im schlimmsten

Fall als Investitionsruine.

 

Erfolgsaktoren

Natürlich lässt sich immer Einiges optimieren, um die Akzeptanz für

die neuen Lernangebote zu verbessern. Nutzerfreundlichkeit und Zielgruppengenauigkeit

der eingesetzten Lernsysteme wollen geprüft und die Motivation der Lernenden

durch internes Marketing und Anreizsysteme gefördert werden. Auch sollte

geklärt sein, welchen Stellenwert Lernen und Qualifizierung innerhalb des

Unternehmens einnehmen und welche Zielvorstellungen mit der Implementierung

der elektronischen Bildungsangebote verbunden sind. Hier können Organisationsentwicklungsprozesse

hilfreich sein und den Weg ebnen zu einer verbesserten unternehmenseigenen Lernkultur

– Stichwort: Lernende Organisation.

Eine Lösung: Blended Learning

Bevor man aber das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen muss, kennt die Branche

eine andere Antwort auf das Akzeptanz-Problem: Blended Learning heißt

das Zauberwort und meint alternierende Lernformen, bei denen sich reine E-Learning-Sequenzen

mit Präsenzphasen abwechseln. Sicher ein guter Weg, um die Kluft zwischen

Mensch und Technik mit direkten persönlichen Kontakten zu überwinden

und durch gesetzte Termine die Lernmotivation zu fördern. Dabei werden

jedoch – wie schon beim althergebrachten Präsenzlernen – Lernprozesse

gleichgeschaltet und viele Flexibilitätsvorteile des E-Learnings aufgegeben,

denn das Blended-Learning-Konzept setzt voraus, dass eine Mindestanzahl von

Lernenden in einem vorgegebenen Zeitraum dieselben Lernziele erreicht.

 

Akzeptanz plus Flexibilität: das Selbstlernzentrum

Wenn es also darum geht, unter Beibehalten der Flexibilitätsvorteile des

E-Learnings dem EDV-gestützen Lernen zur Akzeptanz und damit zum Erfolg

zu verhelfen, müssen Lösungen gefunden werden, welche die Neuen Medien

nach vorne denken. Gute Erfahrungen hat in dieser Hinsicht das IT-Kompetenzzentrum

forumF in Köln mit seinem Selbstlernzentrum gesammelt, denn es bietet elektronisches

Lernen im sozialen Kontext und bleibt dabei genauso flexibel wie das Online-Lernen

am Arbeitsplatz oder am heimischen PC.

Das Angebot reicht von der Vermittlung von EDV-Anwendungskenntnissen über

betriebswirtschaftliche Weiterbildung bis zu IT-Fachwissen und Qualifizierungen

in Modulform. Dabei ist es gelungen, auch technikferne und lernungeübte

Zielgruppen mit dem Medium E-Learning vertraut zu machen und in das selbstständige

Lernen einzuführen. Gelernt wird an 40 Multimedia-PCs. Den Unterricht übernimmt

meist der Computer mit ausgesuchter Lernsoftware. Aber auch andere Formen des

Selbstlernens, zum Beispiel mit Arbeitsaufträgen und Lehrbriefen, sind

ergänzend möglich. Die Vorteile des Selbstlernzentrums liegen in den

passgenau zugeschnittenen Lerninhalten, der freien Wahl der Lernzeiten und der

individualisierten Lerngeschwindigkeit. Hier greifen die Vorteile des elektronischen

Lernens. Hinzu kommt die persönliche Präsenz von Lern-Tutoren, welche

die Lernenden unterstützen, die gesetzten Lernziele zu erreichen. Dabei

geht es vor allem darum, Hemmschwellen abzubauen und tragfähige menschliche

Brücken zwischen den E-Learning-Angeboten und den Lernenden zu installieren.

Ein Phänomen, das sich durch unterschiedliche Bildungs- und Gesellschaftsgruppen

zieht.

 

Die Resonanz der Teilnehmer auf diese Form des E-Learnings ist durchweg positiv.

Die Flexibilität des Lernens spielt dabei für viele eine herausragende

Rolle. Darüber hinaus bleiben die Lernenden nicht allein, sondern finden

persönliche Ansprache, Begleitung und Motivation und erreichen die gesteckten

Lernziele. Damit bietet das Selbstlernzentrum eine alternative Lösung für

das E-Learning-Akzeptanz-Problem, ohne wesentliche Flexibilitätsvorteile

aufzugeben.

Selbstlernzentren in Unternehmen

Es ist ja nicht so, dass es in Unternehmen keine Selbstlernzentren gibt, aber

häufig sind sie verwaist und werden wieder abgebaut. Was ist also das Neue

am Konzept des forumF? Es ist der Fokus auf den direkten sozialen Kontext, in

dem E-Learning erfolgreich praktiziert wird, denn es braucht eine menschliche

Komponente, um das technikgestützte Lernen zum Erfolg zu führen. Sie

sollte aber so gestaltet sein, dass sie die Errungenschaften der Neuen Medien

nicht ad absurdum führt und kann völlig getrennt vom fachlichen Online-Tutoring

organisiert sein.

 

Notwendig ist also ein persönliches Lern-Tutoring, das sich ohne großen

Aufwand den individuellen Lern-Arrangements anpasst. Dies ist der soziale Kern

des Selbstlernzentrums, welcher sich hervorragend in die betriebliche Praxis

integrieren lässt, auch wenn auf ein betriebliches Selbstlernzentrum als

Ort des Lernens verzichtet wird. Ein Lern-Tutoring im Unternehmen einzuführen,

ist eine vergleichsweise kleine Maßnahme und dennoch der Schlüssel

zum Erfolg bestehender E-Learning-Angebote unter Wahrung der Individualität

und Flexibilität des Lernens.

Fazit

E-Learning ist eine neue Form des Lernens und sie wird nicht in der Schule

gelehrt. E-Learning bietet viele Vorteile sowohl für die Lernenden als

auch für die Unternehmen. Wenn es gelingt, die Nachteile abzubauen, ohne

die Vorteile aufzugeben, dann ist der Fortschritt erreicht.

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