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32010
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Rückbesinnung auf alte Werte

von Gabriele Vollmar

In der ersten März-Woche habe ich die staatliche marokkanische Wasserwirtschaftsbehörde ONEP bei ersten Schritten auf dem Weg zu einem eigenen Wissensmanagement begleitet. In einem Strategie-Workshop mit Führungskräften aus den verschiedenen Organisationsbereichen forderte eine der Teilnehmerinnen dabei eine Rückbesinnung auf alte Werte der marokkanischen Gesellschaft. Sie erzählte, dass sich ein Mann in Marokko traditionell durch drei Dinge Respekt erwerbe.

In der ersten März-Woche habe ich die staatliche marokkanische Wasserwirtschaftsbehörde ONEP bei ersten Schritten auf dem Weg zu einem eigenen Wissensmanagement begleitet. In einem Strategie-Workshop mit Führungskräften aus den verschiedenen Organisationsbereichen forderte eine der Teilnehmerinnen dabei eine Rückbesinnung auf alte Werte der marokkanischen Gesellschaft. Sie erzählte, dass sich ein Mann in Marokko traditionell durch drei Dinge Respekt erwerbe:

  1. indem er durch seine Arbeit Reichtum für seine Familie und seine Nachkommen schaffe,
  2. indem er seinen Kindern eine gute Erziehung angedeihen lasse und
  3. indem er sein „savoir-faire“, also sein Handlungsund Erfahrungswissen, erfolgreich an Jüngere weitergebe.

Letzteres müsse, so die Teilnehmerin, als gelebter Wert anstelle des durchaus mittlerweile üblichen „Mein Wissen, meine Macht“-Denkens als Voraussetzung für ein erfolgreiches Wissensmanagement wieder Einzug in die Organisationen halten. Folgerichtig wurde die Implementierung eines strukturierten Nachfolgeprozesses als ein operatives Ziel in den Zielekatalog für das Wissensmanagement der ONEP aufgenommen. Wenn wir nun in einem kleinen Gedankenspiel an die Stelle des „Mannes“ die Organisation setzen, so erwirbt sich eine Organisation dadurch Respekt, dass sie

  1. nachhaltige Werte schafft,
  2. ihre Organisationsmitglieder wirkungsvoll in ihrer Entwicklung unterstützt ,
  3. Rahmenbedingungen herstellt, das organisationale Wissen, wozu auch das Wissen „alter“ Organisationsmitglieder gehört, in der Organisation – vielleicht auch über ihre Grenzen hinaus (?) – sinnstiftend weiterzugeben.

Respekt, der jenseits des Shareholder Value erworben wird. Aber wozu? Organisationen, vor allem diejenigen, die einem privatwirtschaftlichen Zweck dienen, handeln schließlich nicht aus altruistischen Motiven.

Nun, ein durchaus eigennütziger Grund liegt im so genannten War for Talents. Rein monetäre Argumente sind in diesem Wettkampf wohl kaum die nachhaltigsten Argumente – vor allem sind der wechselseitigen Aufrüstung in der Regel Grenzen gesetzt.

Vielleicht also sind es diese immateriellen Werte, die eine überraschende und gleichzeitig auch anhaltende Anziehungskraft auf talentierte Nachwuchskräfte ausüben?

Und hier sind kleine und mittlere Unternehmen, anders als im rein monetären Wettstreit, keineswegs unterlegen. Ganz im Gegenteil, haben sie aufgrund ihrer überschaubareren Strukturen und kürzeren Entscheidungswege oft sogar mehr Möglichkeiten, neuen Mitgliedern – und mit diesen einem neuen Denken – notwendige Freiräume und Entscheidungsspielräume zu gewähren und damit deren Entwicklung wirkungsvoll zu unterstützen. Eine Entwicklung, die eben nicht im geschützten Raum von ausgefeilten Weiterbildungsprogrammen und High-Potential-Initiativen stattfindet, sondern auf der Grundlage der Übertragung echter Verantwortung.

Dazu gehört sicherlich Mut. Doch vielleicht ist ja auch der Mut einer dieser alten Werte, auf die eine Rückbesinnung sich lohnt. Was meinen Sie?

Übrigens: Erfolgreiche Entwicklungsunterstützung durch einen lebendigen Wissensaustausch leisten seit Jahren die regionalen Wissensmanagement-Stammtische der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. Der Frankfurter Stammtisch feiert im Sommer sein 100. Treffen. Auf www. gfwm.de können Sie sich über den Stammtisch in Ihrer Region informieren. Schauen Sie mal rein! Dazu braucht es gar nicht so viel Mut ... versprochen!

Ihre Gabriele Vollmar

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