2018/4 | Editorial | Weiterbildung

Weiterbildung: Gut gerüstet für die Zukunft?

von Oliver Lehnert

Weiterbildung ist wichtig – und wird künftig noch weiter an Bedeutung gewinnen. Nach Angaben des Instituts für deutsche Wirtschaft (IW) Köln investieren 85 Prozent der Unternehmen in den Kompetenzausbau ihrer Mitarbeiter und geben dafür pro Jahr 33,5 Milliarden Euro aus. Aus gutem Grund! Schließlich nimmt die Halbwertzeit von Wissen stetig ab. IT-Fortschritt, Digitalisierung und demografischer Wandel treiben diesen Trend weiter voran. Hinzu kommt, dass wir uns in einem tiefgreifenden Umbruch befinden. Wohin die Reise geht, bleibt – zumindest im Detail – vorerst ungewiss. Welche Jobprofile wird es morgen noch geben? Wie sehen die beruflichen Herausforderungen der Zukunft aus? Und wie können Sie sich die Wissensarbeiter, aber auch die Unternehmen als Ganzes darauf vorbereiten? Ein Kompetenzaufbau mit langfristiger Perspektive ist angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen nur schwer möglich. Es geht vielmehr darum, erforderliches Know-how adhoc aufzubauen. Idealerweise ohne wochenlange Vorlaufzeit und ineffizienten Reiseaufwand – dafür aber mit größtmöglichem Return on Education. Geht das überhaupt?

Laut IW Köln bilden sich deutsche Arbeitnehmer pro Jahr mehr als 17 Stunden weiter. Bei den Lernenden kommt das grundsätzlich gut an. Immerhin bewerten sie Maßnahmen zum Wissenserwerb als wichtiges Mittel zur Mitarbeiterbindung. Weiterbildung wirkt motivierend und gilt als Zeichen der Anerkennung. Diese Wirkung verpufft jedoch schnell, wenn sich das gebuchte Seminar als langweiliger Frontalunterricht ohne Praxisbezug entpuppt. Oder der Lernstoff nicht dem tatsächlichen Wissensbedarf entspricht. Das soll nicht heißen, dass klassische Weiterbildungsformate ausgedient haben. Aber es wird höchste Zeit, sie an die neuen Bedürfnisse der Arbeitnehmer anzupassen. Und hier sind an erster Stelle die Personalverantwortlichen gefordert.

Sie müssen evaluieren, welche Kompetenzen bereits vorhanden sind – und wo es Wissenslücken gibt. Anschließend folgt die Suche nach der „richtigen“ Lernform. Dabei scheint ein Mix aus verschiedenen Kanälen und Formaten am erfolgversprechendsten. Die genaue Zusammensetzung ist dabei individuell verschieden. Wichtig ist lediglich, dass Weiterbildung nicht zur Einbahnstraße wird. Digitale Elemente gelten dabei als Garant dafür, dass ein aktiver Austausch zwischen Wissensgebern und -nehmern stattfindet. Collaboration führt zu einem Mehr an Vernetzung, erhöht den Praxisbezug und den Transfer in den Arbeitsalltag.

Und: Arbeiten und Weiterbilden darf kein Entweder-oder sein. Vielmehr muss es gelingen, den Wissenserwerb ganz selbstverständlich in den Job zu integrieren. Genauso wie die Grenzen von Berufs- und Privatleben immer mehr verschmelzen, kommt auch das Lernen zunehmend aus seiner Isolation heraus und wird künftig fester Bestandteil von Job und Freizeit werden. Lernen immer und überall heißt das neue Credo.

Wie situatives Lernen gelingen kann und welche Formen der Weiterbildung sich künftig durchsetzen werden, das lesen Sie im Titelthema der aktuellen Ausgabe von „wissensmanagement – Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration“ ab Seite 20.

Übrigens: Auch die 14. Stuttgarter Wissensmanagement-Tage am 23. & 24. Oktober 2018 versprechen einen einzigartigen Wissenszuwachs. Big Player und Hidden Champions geben zu diesem Anlass Einblick in ihre Wissensarbeit, erklären ihre Digitalisierungsstrategien und skizzieren, wie sie die Herausforderungen der nächsten Jahre meistern wollen. Lernen auch Sie von Unternehmen wie Merck, DHL Express, VW und BMW! Als Abonnent der Zeitschrift „wissensmanagement“ profitieren Sie zudem von attraktiven Teilnahmekonditionen. Entdecken Sie die Programm-Highlights jetzt unter www.wima-tage.de.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kompetenzstandards mit KI konzernweit durchsetzen

Seit Corona ist nichts mehr, wie es war. Auch in der beruflichen Fortbildung hat sich die Digitalisierung deutlich beschleunigt. Holger Offermanns, Global Head of Digital Learning bei der TÜV Rheinland Akademie, berichtet von aktuellen Digitalisierungsoffensiven des in mehr als 25 Ländern weltweit tätigen Kompetenzentwicklers. ...

Weiterlesen

Content Delivery: Wissen schnell & sicher verteilen

WISSENplus
Wenn es darum geht, zuverlässig, sicher und in sehr guter Qualität große Datenmengen wie Videos, Schulungs- und Seminarmaterialien an eine Vielzahl von Studenten oder Mitarbeiter zu senden, dann sind Content Delivery Networks (CDN) die beste Wahl. Bei CDNs handelt es sich um weltweite Servernetzwerke, die die angeforderten Daten dezentral an die Empfänger in der Nähe senden. Sie bieten Schutz vor...

Weiterlesen

Lebenslanges Lernen: Wissenserwerb im Praxischeck

WISSENplus
Die Gemeinhardt Gerüstbau Service GmbH hat für seine 42 Mitarbeiter einen so genannten Bildungs-Quickie entwickelt: Der Sondergerüstbauer spendiert allen das Abo für die Blinkest-App sowie für drei Monate die Audible-App. Die Zusammenfassung von mehr als 3.000 Sachbüchern und der Zugang zu Hörbüchern ist nur eines von vielen Angeboten, mit denen die Sachsen ihre Mitarbeiter fit machen. Rund 15...

Weiterlesen

Learning for Future: Welches Wissen ist wichtig?

WISSENplus
Unsere komplexe, volatile Arbeitswelt fordert von Organisationen und ihren Mitgliedern kontinuierliches Weiter-, Neu- und Umlernen. Statt den Fokus auf den Erwerb spezifischer Fähigkeiten zu legen, unterstützen moderne Lernkulturen die Entwicklung eines Learning Mindsets: einer Haltung, die von Selbststeuerung, Lernfähigkeit und Selbstreflexion geprägt ist. Im Fokus stehen Metakompetenzen, die die...

Weiterlesen

Corporate Learning: Wo stehen wir jetzt & in drei Jahren?

WISSENplus
Während digitale Dienste schon lange integraler Bestandteil unseres beruflichen Alltags sind, werden die Instrumente zum digitalen Lernen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung oftmals noch stiefmütterlich behandelt. Wo im Privatleben längst Tablets und Cloudservices auch für eigene Lerninteressen angesagt sind, spricht man in so manchen Unternehmen noch von Zukunftsmusik. ...

Weiterlesen

Smart Learning: Weiterbildung neu gedacht

Auch in der betrieblichen Weiterbildung ist derzeit scheint angesichts von Kontaktbeschränkungen und Abstandsgeboten ein einfaches "Weiter so!" nicht möglich. Und vielerorts auch gar nicht gewollt, denn wer sich in den vergangenen drei Monaten an Homeoffice und vernetztes Arbeiten gewöhnt hat, der will nicht unbedingt zurück in alte Muster. Freie Zeiteinteilung und Selbstbestimmung gehören zu den groß...

Weiterlesen

„Schau hin!“ Video-Tutorials auf dem Vormarsch

WISSENplus
Als am 03. August 1984 um 10:14 Uhr Michael Rotert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Telematik an der Universität Karlsruhe, die Botschaft von Deborah Brittner aus dem US-Bundesstaat Massachusetts auf seinem Terminal erhielt, konnte er nicht erahnen, dass dies die Geburtsstunde einer neuen Art der Informationsverteilung sein würde: Deborah Brittner war eine Mitarbeiterin des CSNET, ei...

Weiterlesen

Universität St. Gallen: So funktioniert Lernen heute

WISSENplus
Wissen managen, Wissen vermitteln, Kompetenz aufbauen - wer kann das besser, wer ist auf diesem Feld erfahrener als eine Universität? Welche Rolle also spielen digitale Technologien für die Wissensvermittlung an einer Hochschule? Besonders ambitioniert positioniert sich die Universität St.Gallen (HSG). Sie sieht sich als eine der führenden Wirtschaftsuniversitäten in Europa und legt großen Wert ...

Weiterlesen