2017/12 | Fachbeitrag | Weiterbildung

Warum weniger mehr ist: Wie Unternehmen ihr Wissen erfolgreich mit Micro-Learning vermitteln

von Friedl Wynants

Inhaltsübersicht:

Micro-Learning sorgt durch seine modulare Struktur und Einbettung in den Alltag für eine permanente Wissensvertiefung. Dies ist einer herkömmlichen E-Learning-Einheit, die an einem Stück absolviert wird, didaktisch überlegen: Denn 60% des soeben Gelernten werden nahezu sofort wieder vergessen, der Rest mit der Zeit, wenn auch langsamer. Diese „Vergessenskurve“ zu unterbrechen ist die zentrale Herausforderung beim betrieblichen Lernen – lernen heißt also wiederholen. Zudem führen große Lerneinheiten mit hoher Informationsdichte zu einem befristeten Erinnerungsvermögen und schnellerem Vergessen im Vergleich zu einem regelmäßigen Abfragen des Gelernten. Der Erfolg durch große Lerneinheiten ist demnach vergänglich und verschwindet schnell. Lernen sollte deshalb auf mehrere Einheiten aufgeteilt werden – dann zeigen die Lernenden deutlich bessere Ergebnisse in der Erinnerung.

Gamification: Kleine, unterhaltsame Lerneinheiten

Nichts eignet sich dafür besser als kleine, unterhaltsame Lerneinheiten, die bequem in den Berufsalltag eingebettet werden können: Das am Morgen in einem kleinen Micro-Training Gelernte wird auf dem Heimweg abermals mit Hilfe einer mobilen App wiederholt und abgefragt. So können große Lerneinheiten in mehrere kleine aufgeteilt werden. Das bringt – neben dem didaktischen Nutzen des Unterbrechens der Vergessenskurve – weitere, auch organisatorische Vorteile mit sich: Micro-Learning ermöglicht dem Lernenden, in seinem Tempo zu lernen – nicht nur innerhalb einer Lerneinheit, sondern auch zwischen mehreren Modulen zu einem Thema. Und es ermöglicht „Learning on Demand“, was den Konsumgewohnheiten der kommenden Generation entspricht. Darüber hinaus sorgen interaktive Micro-Trainings dafür, dass der Lernende nicht nur rezipieren kann, sondern selbst aktiv werden muss. Diese Gamification steigert die Lernmotivation, erhöht die Verarbeitungstiefe und sorgt so dafür, dass Inhalte noch nachhaltiger vermittelt werden.

Interaktives Lernen bei T-Mobile Austria

Diese Vorteile machte sich auch T-Mobile Austria zunutze. Die österreichische Mobilfunkgesellschaft suchte nach einem Weg, Schulungsinhalte an Mitarbeitende zu vermitteln. Konkret ging es dabei um zwei Themen: „Kundenbindung“ und „LTE“. T-Mobile Austria hatte dabei ein klares Ziel: Die Inhalte sollten nicht nur nachhaltig an den Mann und die Frau gebracht werden, sondern der Zielgruppe auch Spaß machen. Denn so sollten die Mitarbeitenden das Gelernte schließlich auch an ihre Kunden weitergeben.

explain-it interactive bei T-Mobile Austria

Daher war schnell klar: Hier passt ein explain-it interactive wie angegossen – also Micro-Learning mit Erklärvideos, die die wichtigsten Lerninhalte vermitteln und in denen das Gelernte immer wieder durch kleine Interaktionen abgefragt wird. Die Bandbreite der Interaktionen reicht dabei von Quizzes über Drag-and-Drop bis hin zu Gamification-Elementen. Durch die Interaktionen werden die Mitarbeitenden ins Thema eingebunden und können ihr Wissen zeigen, vertiefen oder überprüfen. Die aktive Beteiligung führt außerdem zu einem nachhaltigen Lernerfolg. Bei den beiden explain-it interactives war jedoch noch ein weiterer Aspekt wichtig: Dass die Lernenden am Thema Spaß haben! Storytelling und abwechslungsreiche Interaktionen lockern das Thema auf und fesseln die Aufmerksamkeit der Lernenden.

 

Verschiedene Interaktionsmöglichkeiten

Erfolgsfaktoren des Micro-Learnings

Entscheidend für erfolgreiches Micro-Learning ist die didaktisch sinnvolle Aufbereitung des Lerninhalts. Das fängt damit an, sich mit der Zielgruppe auseinanderzusetzen. An wen richtet sich die Lerneinheit und was weiß die Zielgruppe bisher zum Thema? Denn je weniger Vorwissen eine Zielgruppe hat, desto mehr Raum sollte der Beantwortung der Frage „Warum sollte mich das interessieren?“ innerhalb der Lerneinheit eingeräumt werden, um so die Zielgruppe abzuholen. Bei mit einer Experten-Zielgruppe hingegen kann das „Wie“ im Mittelpunkt stehen und das „Warum“ kurzgehalten werden.

Weiter sollten Interaktionen kein Selbstzweck sein, sondern das Lernen auf verschiedenen Ebenen unterstützen. Dabei gibt es verschiedene Interaktionsmöglichkeiten, deren Einsatz von der Komplexität des Themas, der Zielgruppe und dem gewünschten Lernziel abhängt: Interaktionen ermöglichen zum Beispiel, zunächst das Interesse am Thema zu wecken. Diese Art der Interaktion hat einen explorativen und spielerischen Charakter, da es hier in erster Linie darum geht, für das Thema zu begeistern. Darüber hinaus können Interaktionen das zuvor Gelernte noch mal abfragen – das ist besonders dann sinnvoll, wenn das Thema sehr komplex ist und eine Abfrage des zuvor Gelernten die Vertiefung des Wissens fördern soll. Interaktionen können aber auch zusätzliches Wissen vermitteln, mit Hilfe von Transferaufgaben das Verständnis des Inhalts überprüfen oder gezielt Denkanstöße geben, die dafür sorgen, dass sich der Lernende mit dem Lerninhalt stärker auseinandersetzt.

Neben Interaktionen, die den Lernprozess unterstützen, ist auch Storytelling, das den Rahmen der verschiedenen modularen Lerneinheiten bildet, relevant, um für die Inhalte zu begeistern und dafür zu sorgen, dass Lernen Spaß macht.

Wenn all das zusammenkommt, dann ist weniger tatsächlich mehr – und Micro-Learning King, wenn es um die erfolgreiche Wissensvermittlung in Unternehmen geht.

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