2015/4 | Editorial | E-Government

Von der Verwaltung zum Social Business?

von Oliver Lehnert

E-Government, vernetzte Verwaltung, Behörden 2.0 – Schlagworte gibt es, wie so oft, viele. Sie alle beschreiben den Weg von öffentlichen Ämtern hin ins digitale Zeitalter. Der Pfad dorthin ist oft steinig. Doch die Zeit drängt: Es bleiben nur noch 4,5 Jahre – dann sind alle Bundesbehörden verpflichtet, ihre Akten elektronisch zu führen. So sieht es das E-Government-Gesetz vor. Eine Mammut-Aufgabe, der sich die Verwaltungen derzeit stellen. Denn in vermutlich keinem anderen Bereich ist das Dokumentenaufkommen so groß wie bei den Behörden. Hinzu kommen rechtliche Aspekte – von Aufbewahrungsfristen über Dokumentationspflichten bis hin zum Datenschutz. Warum die Zeit knapp werden könnte bis 2020 und welche Hürden es auf dem Weg zum Erfolg zu überwinden gilt, beschreibt E-Government-Experte Stefan Kirchner in unserem Titelthema ab Seite 26.

Doch nicht nur die E-Akte stellt die Behörden vor immense Herausforderungen. Die sich zuspitzende Demografiespirale und der damit verbundene War for Talents könnte den Beamtenapparat vor noch viel größere Probleme stellen. Nachwuchssorgen und der Verlust von wertvollem Erfahrungswissen müssen parallel zur Digitalisierung der Akten gemeistert werden. Auch hierfür gibt es wieder zahlreiche Schlagworte: Social Media ist eines davon. Employer Branding ein anderes. Beide haben aber in der Verwaltung noch nicht flächendeckend Einzug gehalten. Vielleicht rückt der Nachwuchs aus den Reihen der Digital Natives ja schon bald mit digitalen Kompetenzen nach? Fehlanzeige, dämpft Thomas Langkabel, National Technology Officer bei Microsoft Deutschland und Vorsitzender des Arbeitskreises E-Government des BITKOM e.V., die Hoffnungen. Denn digitale Inhalte spielen in der Verwaltungsausbildung derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Er fordert in seinem Fachartikel ab Seite 18 daher die Innenministerkonferenzen und den Bundestagsauschuss auf, eine Offensive zur Digitalisierung der Verwaltungsausbildung auf die Agenda zu setzen. Die Zeit drängt!

Was andere noch vor sich haben, hat die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen schon geschafft. Sie setzt auf Collaboration-Tools, um Know-how zu sichern und die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. So soll zum einen das wertvolle Erfahrungswissen dokumentiert und zum anderen digitaler Nachwuchs angelockt werden. Die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen will sich als attraktive Arbeitgebermarke etablieren. Dazu gehört eine zukunftsgerichtete Strategie ebenso wie digitale Prozesse. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 24.

Auch ein Blick über die Landesgrenzen hinaus kann helfen, um neue Impulse für die digitale Verwaltung zu erhalten. Oder Best Practices, wie gelebtes E-Goverment aussehen kann. In den Niederlanden machen selbst kleine Gemeinden mit ECM- und EIM-Lösungen von sich reden – und sorgen dank innovativer Softwareunterstützung für Transparenz und kundenorientierte Services. Mehr dazu erfahren Sie ab Seite 22.

Doch nicht nur Behörden und Verwaltungen sind durch die digitale Transformation herausgefordert. Auch Unternehmen – vom KMU bis hin zum großen Konzern – kämpfen mit den Hürden, die sich auf dem Weg zum Social Business stellen. Technik, Kultur und Rechtslage sind die größten Stolpersteine, hat René Werth von der IBM herausgefunden. Lösungen, diese unbeschadet zu überwinden, gibt er ab Seite 10.

Ein spannendes Thema, viele Schlagwörter und noch mehr Praxistipps für das Tagesgeschäft – ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

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