2024/4 | Fachbeitrag | Tools

Sicher am Kubernetes-Steuer: Vor diesen Fehlern müssen sich Admins hüten

von Armin Kunaschik

Kubernetes hat die Orchestrierung von Containern beherrschbar gemacht. Die Bedienung der Open-Source-Plattform ist allerdings keinesfalls trivial. Die hohe Komplexität verführt im praktischen Einsatz selbst Experten zu Fehlern. Die Folgen können gravierend sein - sind aber vermeidbar.

Bildquelle: (C) Daniel Mena / Pixabay

Kaum ein Administrator kommt heute noch ohne Kubernetes (K8s) aus, um Container zu verwalten. Der große Funktionsumfang der Orchestrierungs-Plattform ist allerdings Fluch und Segen: Einerseits lässt sie praktisch keinen Wunsch im Hinblick auf das Erstellen, Betreiben und Managen von Containern offen. Andererseits verleitet das hohe Komplexitätslevel auch versierte K8s-Administratoren zu Fehlern. Zu den beliebtesten gehören die unbedachte Containerisierung von Applikationen, die Zurückhaltung bei festen Vorgaben hinsichtlich Requests und Limits sowie die mangelnde Abstimmung der Probes auf die Applikationen. Die folgende detaillierte Analyse dieser Fehler soll Administratoren helfen, sie zu erkennen und zu vermeiden.

Chaotische Containerisierung

Der Hype um Container ist ungebrochen. Viele Unternehmen möchten mit ihnen ihre Anwendungen modernisieren. Doch nicht alle Apps eignen sich für den Container-Betrieb. Monolithische Legacy-Anwendungen sind das beste Beispiel dafür, denn sie sind zu groß, zu ressourcenhungrig, schlecht skalierbar und zu unflexibel. Auch Apps, die eine lange Laufzeit erwarten und mit einem unerwarteten Abbruch Probleme haben, sind nicht ideal: Container sind unveränderlich und müssen daher bei Änderungen neu gestartet werden. Um Datenverlust, eingeschränkter Verfügbarkeit und schlechter Performance vorzubeugen, sollten Administratoren nur Anwendungen in Containern ausrollen, die für den Betrieb in einer solchen Umgebung geeignet sind. Feste Vorschriften gibt es nicht, aber grundsätzlich sind Twelve-Factor-Apps ein guter Kompass. Sie umfassen eine Reihe von Regeln und Standards für moderne Applikationen, die auf den Cloud-nativen und verteilten Betrieb in K8s ausgelegt sind. In den meisten Fällen werden Entwickler nicht um ein Redesign herumkommen, denn Kubernetes spielt seine größten Stärken in Verbindung mit Microservices aus.

Besonderes Augenmerk müssen Entwickler zudem auf das Logging legen, das im Zusammenhang mit Containern einige Besonderheiten aufweist. Normalerweise schreiben Applikationen ihre Logs in Dateien. In einer Container-Umgebung geht das allerdings nicht, denn deren Dateisystem ist in der Regel nicht beschreibbar. In den seltenen Fällen, wo es das ist, gehen die Logs aber beim Container-Restart verloren. Aus diesem Grund sollten Entwickler die Standard-Datenströme stdout (Standard Out) und stderr (Standard Error) verwenden, um ihre Logs an die Container-Runtime weiterzuleiten. Sie kann die Logs verarbeiten und falls nötig an einen zentralen Log-Speicher wie ElasticSearch, Loki oder Splunk transferieren.

Renitente Ressourcenplanung

Auch eine unzulängliche Ressourcenplanung bereitet beim Betrieb von Containern große Probleme. In Kubernetes steuern Administratoren deren Verteilung über Requests und Limits. Requests entsprechen den benötigten Ressourcen, die das Orchestrierungs-Tool für die einwandfreie Ausführung eines Containers bereitstellen muss. Limits hingegen stellen Grenzwerte dar, bei deren Erreichen Kubernetes einem Container keine zusätzlichen Ressourcen mehr zuteilt. Jedoch setzt K8s auf die freiwillige Einschränkung, so sind standardmäßig weder Requests noch Limits aktiviert, das heißt jeder Container kann sämtliche Ressourcen eines Cluster-Knotens nutzen.

Verlassen sich Administratoren auf diese Methode, ist keine sinnvolle Ressourcenplanung möglich. Daher ist es Pflicht, diese Einstellungen zu forcieren. Doch auch unter dieser Voraussetzung ist Vorsicht geboten: Durch zu hohe Request-Werte droht eine ineffiziente Ressourcen-Nutzung und es können horrende Kosten entstehen, wenn die Container in einer Cloud-Umgebung laufen. Legen Administratoren sie zu niedrig an, startet die Applikation eventuell erst gar nicht oder läuft zu langsam, weil zu viele andere Container um die Ressourcen konkurrieren (Noisy-Neighbor- Effekt). Auch zu niedrige Limits bergen Gefahren, etwa Performance-Einbußen. Im schlimmsten Fall beendet die Plattform Container, obwohl die nötigen Ressourcen eigentlich vorhanden wären. Zu hohe Limits bergen das Risiko von Speicher- oder CPU-Engpässen, falls mehr Ressourcen angefordert werden, als real zur Verfügung stehen. Dies kann ebenfalls zur negativen Beeinflussung von Applikationen untereinander führen. Im Extremfall verdrängt ein Container den anderen.

Administratoren brauchen für das Feintuning der Ressourcenverteilung also etwas Geschick und Hilfe, etwa von Monitoring-Tools wie Prometheus und Policy-Engines wie OPA-Gatekeeper oder Kyverno. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, dass jede Anwendung (oder jeder Container) maximal die Ressourcen erhält, die sie für einen funktionalen Betrieb benötigt.

Problematische Probes

Probes sind konfigurierbare Sensoren, mit denen Administratoren die Funktionsfähigkeit von Containern und den darin enthaltenen Anwendungen oder Microservices prüfen. Kubernetes bietet derer drei: Startup Probes, Readiness Probes und Liveness Probes. Mit ihnen können Administratoren zudem bestimmte Verhaltensmuster für Kubernetes definieren, die das Orchestrierungs-Tool durchsetzt, wenn eine festgelegte Situation eintritt. Der Klassiker ist etwa ein Container-Neustart, wenn eine Applikation nicht mehr korrekt funktioniert. Administratoren müssen die Konfiguration von Probes auf jede Anwendung individuell zuschneiden, daher kommt es oft zu Fehlern.

Startup Probes prüfen, ob ein Container läuft und die Prüfung durch eine weitere Probe überhaupt möglich ist. Ob der Service innerhalb eines Containers betriebsbereit ist, finden Administratoren mit Readiness Probes heraus. Über sie können sie zudem dessen Erreichbarkeit manipulieren. Lässt der Service Interaktionen mit Benutzern oder anderen Services zu, sollten Administratoren diese Probes auf jeden Fall einsetzen. Jedoch sollten sie vorsichtig sein, denn falsche Einstellungen führen an dieser Stelle dazu, dass der Service beispielsweise fehlerfrei läuft, für User aber trotzdem nicht erreichbar ist. Liveness Probes prüfen, ob die Container-Anwendung insgesamt noch korrekt funktioniert. Administratoren müssen dafür allerdings passende Indikatoren bestimmen, sonst drohen unnötige Neustarts des Containers.


Der Autor:

Armin Kunaschik ist Senior DevOps Engineer bei Consol: "Das hohe Komplexitätslevel von Kubernetes macht Administratoren das Leben schwer. Wichtig ist, dass sie ihre Anwendung in- und auswendig kennen, sodass sie die Orchestrierungs-Plattform optimal konfigurieren können."

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

KI als Gamechanger für operative Exzellenz

WISSENplus
Die 6. jährliche Horváth-Studie "CxO Priorities" zeigt, dass die Neuordnung der Weltwirtschaft auch die deutsche Industrie maßgeblich verändert. Sie hat unter anderem gravierende Folgen für die Verteilung von Investitionen, bei denen Unternehmen zunehmend die operative Exzellenz in den Mittelpunkt stellen. Doch wie lässt sich die operative Exzellenz nachhaltig steigern? Die größten St...

Weiterlesen

IT-Security im Spannungsfeld von KI, Krisen und Compliance

WISSENplus
Neue Technologien bringen stets zusätzliche Risiken mit sich, die verstärkte Investitionen in die IT-Sicherheit erfordern. Das ist bei KI nicht anders. Allerdings birgt sie gleichzeitig auch enormes Potenzial für neue, ausgefeilte Abwehrmechanismen mit hohem Automatisierungsgrad....

Weiterlesen

Mit GenAI gegen den demografischen Wandel?

WISSENplus
Wenn erfahrene Teammitglieder das Unternehmen verlassen - altersbedingt oder durch einen Jobwechsel -, droht erfolgsentscheidendes Fachwissen verloren zu gehen. Eine geeignete, KI-basierte Wissensstrategie bietet Organisationen die Chance, Spezialkenntnisse systematisch zu erfassen, kontextbezogen verfügbar zu machen und Mitarbeitenden wertvolle Unterstützung an die Hand zu geben. ...

Weiterlesen

Wie Führungskräfte bei Festo die richtigen Worte finden

WISSENplus
Ob im Feedbackgespräch, beim Konfliktmanagement oder bei schwierigen Zielvereinbarungen: Führungskräfte stehen zunehmend unter Druck, in kritischen Gesprächssituationen souverän zu agieren. Doch wie lassen sich diese Soft Skills effizient und praxisnah schulen, insbesondere in global agierenden Unternehmen? Der Automatisierungsspezialist Festo setzt auf eine KI-gestützte Lösung, die realistische...

Weiterlesen

Von Pilotprojekten zur Strategie: In vier Stufen zur erfolgreichen KI-Transformation

Auch wenn Künstliche Intelligenz auf jeder Agenda steht, bleiben viele der angestoßenen Initiativen hinter ihren Erwartungen zurück. Der Grund ist selten technischer Natur, die Probleme liegen vielmehr in einem Vorgehen, das KI als isolierte Projekte und Einzelmaßnahmen versteht. Ein vierstufiges Framework zeigt, wie sich mit einem AI-First-Ansatz erste Experimente zu einem tragenden Element der Infrast...

Weiterlesen

KI – der stille Wissensarbeiter

WISSENplus
Wissenstransfer beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, Wissen systematisch von einem Akteur zum anderen Akteur zu übertragen. Übertragen bedeutet, dass das Wissen gezielt einem neuen Akteur übergeben wird - mit dem Ziel, dass der Empfänger das übertragene Wissen nutzen kann. Daraus resultiert die Frage, was Wissen überhaupt ist. Nonaka et al. charakterisieren Wissen in diesem Kontext als dynami...

Weiterlesen

85 Prozent weniger Routinearbeit: Automatisierte Sicherheits- und Zuverlässigkeitsüberprüfung bei den Landespolizeien im Saarland und in Rheinland-Pfalz

WISSENplus
Bei den Polizeibehörden im Saarland und in Rheinland-Pfalz sorgte eine steigende Zahl an Zuwanderungs- und Asylanträgen in den vergangenen Jahren für eine stark wachsende Nachfrage nach Aufenthaltsgenehmigungen. Die zentrale Herausforderung dabei: Die obligatorische Sicherheitsüberprüfung war vollständig manuell organisiert, mit entsprechend hohem Personalaufwand. Mit einer automatisierten Lösung tra...

Weiterlesen