2023/8 | Fachbeitrag | Leadership

Recruiting-Trends 2023: Wie Unternehmen heute im War for Talents gewinnen

Der Fachkräftemangel stellt Recruiter weiterhin vor große Herausforderungen. Knapp die Hälfte aller offenen Stellen für Qualifizierte konnten im ersten Quartal 2023 rein rechnerisch nicht mit passenden Kandidaten besetzt werden, so die aktuelle KOFA-Analyse. Doch im War for Talents sind Unternehmen nicht hilflos. Mit der richtigen Strategie und digitalen Prozessen können sie sich einen Vorsprung verschaffen. Was erwarten Bewerber und welche Rolle spielt KI, um neue Talente zu gewinnen?

Bildquelle: (C) VIN JD / Pixabay

1. Hybride Arbeitsmodelle etablieren

Hybrides Arbeiten ist keine Corona-Begleiterscheinung mehr, sondern ein Muss für moderne Arbeitgeber. 68 Prozent der Young Professionals sagen, dass ihnen die Möglichkeit remote oder im Home Office zu arbeiten wichtig bis sehr wichtig ist, so eine Universum-Studie. Viele Unternehmen haben darauf bereits reagiert und das folgende Modell etabliert: Ein paar Tage vor Ort sind für die Mitarbeitenden Pflicht, um die Unternehmenskultur und den Team-Zusammenhalt zu stärken. Abgesehen davon kann jeder frei entscheiden, wann er wo arbeiten möchte. Hybrides Arbeiten funktioniert, wenn man entsprechende Strukturen und Prozesse schafft. Dazu gehören neben geeigneter Technik auch Compliance- und Security-Richtlinien. Zudem können Recruiter mit virtuellen Vorstellungsgesprächen, Online-Assessments und Remote-Onboarding Grenzen überwinden und Flexibilität gewinnen.

2. Bewerbungshürden weiter abbauen

Je einfacher sich Kandidaten bewerben können, desto besser. Ein nutzerfreundlicher Bewerbungsprozess mit einem modernen Recruiting-System ist daher Pflicht. Empfehlenswert sind etwa Funktionen, die Informationen aus dem Lebenslauf automatisiert an die richtige Stelle im System bringen - das erspart Bewerbern und Recruitern lästiges Eintippen. Außerdem sollten Bewerbungen direkt aus Xing und LinkedIn und via Smartphone möglich sein. Und warum Zeit mit einem Anschreiben verschwenden? Viel besser lässt sich die Motivation in einem persönlichen Gespräch abfragen. Dann zeigt sich auch gleich, ob "die Chemie stimmt".

3. Auch international auf Kandidatensuche gehen

Der deutsche Arbeitsmarkt ist weitestgehend leergefegt. Doch auch im Ausland gibt es gut ausgebildete Fachkräfte, die sich nicht selten einen Umzug nach Deutschland vorstellen können. Es kann sich also lohnen, auch international auf Stellensuche zu gehen und ausländische Fachkräfte bei der Einreise, beim Visa-Antrag und anderen Hürden zu unterstützen. Hilfreich sind hier Systeme, die die Stellenbörsen in anderen Ländern kennen und bespielen können. Wer bereits New Work und digitale Prozesse zur Zusammenarbeit etabliert hat, für den kommt vielleicht sogar eine komplette Remote-Anstellung in Frage.

4. Green Recruiting: Nachhaltigkeit in der Unternehmenskultur verankern

Nachhaltigkeit ist vor allem für die jungen Nachwuchskräfte ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers. Laut einer Studie von StepStone und Handelsblatt Research würden sich 70 Prozent der Befragten eher bei einem Unternehmen bewerben, das Wert auf Nachhaltigkeit legt. Unter den Studierenden der begehrten Fachbereiche Ingenieurwesen, IT/Informatik, Naturwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften sind es sogar 80 Prozent, so die Universum Student Survey. Unternehmen sollten Nachhaltigkeit leben und fest in ihrer Kultur verankern. Ob Fuhrparks mit E-Autos, Ladestationen, E-Bikes oder Initiativen, um Ressourcen zu sparen: All das fördert ein positives Arbeitgeber-Image und sollte sich im Employer Branding widerspiegeln - zum Beispiel auf der Website, Social-Media-Kanälen und in Stellenangeboten.

5. Kostendruck mit HR-Analytics mindern

Immer neue Krisen erschüttern aktuell die Wirtschaft. Unternehmen müssen daher ganz besonders darauf achten, Kosten zu sparen und ihre Budgets effektiv zu nutzen. Ein gutes HR-Analytics-Tool hilft dabei, datenbasierte Entscheidungen zu treffen. Es kann zum Beispiel den Erfolg von Recruiting-Strategien messen und ermitteln, welche Recruiting-Kanäle sich lohnen. Mithilfe von umfangreichen Daten und Analysen können HR-Verantwortliche Trends identifizieren, Engpässe im Recruiting-Prozess erkennen und Auswahlverfahren optimieren.

6. KI einsetzen

ChatGPT ist in aller Munde. Auch im Recruiting kann der intelligente Bot unterstützen und viel Zeit sparen. Innerhalb von Sekunden verfasst er zum Beispiel ein Stellenangebot. Druckreif ist der Text zwar nicht, er liefert aber eine solide Arbeitsgrundlage, die sich dann noch verfeinern lässt. Je genauere Anweisungen man der KI gibt und je besser der Input, desto höher die Textqualität. Außerdem kann ChatGPT auch kreative Teaser-Texte für Facebook, Xing oder LinkedIn schreiben, passende Hashtags identifizieren und geeignete Stellenportale recherchieren. Letzteres macht ein modernes Bewerbermanagement-System ohnehin: Es hat alle relevanten Jobbörsen integriert und schlägt automatisch vor, welche erfolgversprechend sind. KI wird Recruiter nicht ersetzen, bietet aber wertvolle Unterstützung. Intelligente Algorithmen helfen zum Beispiel auch dabei, Lebensläufe zu analysieren, Kandidaten zu bewerten und den passenden Bewerberpool zu identifizieren.

Fazit

Unternehmen müssen sich heute aktiv um neue Kandidaten bemühen und dabei über den Tellerrand hinausblicken. Entscheidend ist, ein attraktives Angebot zu schaffen, das Nachwuchskräfte anzieht - und dies auch entsprechend zu kommunizieren. Dazu gehört hybrides Arbeiten ebenso wie Nachhaltigkeit. Steffen Michel, Geschäftsführer von MHM HR, rät: "Eine attraktive Arbeitgebermarke wird langfristig Top-Talente anziehen und an das Unternehmen binden. Ganz wichtig ist dabei auch, für eine gute Candidate Experience zu sorgen. Ein benutzerfreundlicher, transparenter und schneller Bewerbungsprozess hat direkten Einfluss darauf, wie Kandidaten das Unternehmen wahrnehmen. Wer dagegen schlechte Erfahrungen macht, teilt seinen Frust mit Freunden - welche dann die Negativpresse wiederum weiterverbreiten. HR-Abteilungen sollten daher alle technischen Mittel ausschöpfen, um ihre Recruiting-Prozesse zu optimieren. KI kann ein hilfreicher Baustein sein. Entscheidend aber ist ein modernes Bewerbermanagement-System."



Der Autor:

Steffen Michel ist Geschäftsführer von MHM HR in Stuttgart. MHM HR steht seit 2001 für durchdachte und intelligente Softwarelösungen "made in Germany". Die innovative Softwareschmiede aus Stuttgart liefert sowohl SaaS-Standardlösungen als auch individuelle und maßgeschneiderte Systeme in den Bereichen Recruiting und Bewerbermanagement. Beratungsleistungen zu den Themen Social Recruiting, Bewerbermanagement und Multiposting von Stellenanzeigen runden das Portfolio ab.

(Bildquelle: MHM HR)

Web: www.mhm-hr.com

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