2002/3 | Fachbeitrag |

Preserve: industrielles Wissensmanagement in der Praxis

von Axel Benz

Von Axel Benz

 

Das vom Stuttgarter Fraunhofer Institut für

Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) koordinierte Wissensmanagement-Projekt

Preserve

startete Anfang 2000 mit einem anspruchsvollen Ziel: dem Einsatz

von Wissensmanagement, um die Produktivität einer Industrieanlage

zu verbessern. Mittlerweile liegen erfreuliche Ergebnisse vor.

 

 

Preserve steht für "Productivity Engineering for innovative

Production Technologies by Knowledge-Based Service Networks".

Hauptziel des von der EU geförderten Projektes war es, ein

Wissensnetzwerk zwischen einem Anlagenbetreiber (der Salzburger

Aluminum AG, Hersteller von Aluminiumteilen für die Automobilindustrie)

und dessen Maschinenzulieferern (Bühler

AG, Elotherm

AG und CSP

SA) aufzubauen, um einer neuartigen Produktionstechnologie –

dem Thixoguss – zur Marktreife zu verhelfen. Beim Thixoguss-Verfahren

wird eine spezielle Aluminiumlegierung in einem halbfesten, butterartigen

Zustand verarbeitet, was erhebliche Vorteile für die Qualität

der Gussteile hat. Thixo-Teile sind z.B. so stabil, dass sie an

vielen Stellen Stahlteile ersetzen können. Das Verfahren ist

seit längerem bekannt und unter Laborbedingungen ausgereift,

kämpft aber noch um den Durchbruch am Markt.

 

 

 

Im Fokus von Preserve stand dabei, Wissen zu schöpfen und

Wissen zusammenzubringen: Unter welchen Bedingungen werden Teile

von hoher Qualität erzeugt? Wie werden Maschinenstörungen

behoben? Welche Einstellungen sind günstig für den Anlagenbetrieb?

Solche Fragen, die sich täglich neu stellen, lassen sich im

direkten Austausch zwischen Maschinenhersteller und Anlagenbetreiber

äußerst effizient beantworten. Und dieser Austausch erfolgt

natürlich am besten online. Nachdem in Preserve die Wissensziele

festgestellt und der Wissenszyklus definiert worden waren, wurden

folgerichtig Softwaremodule entwickelt, die – über das

Internet bedient – das Netzwerk bilden und unterstützen.

So kann heute z.B. der Produktionsleiter Maschinendaten oder Qualitätscharts

von zu Hause aus abrufen, die Maschinenhersteller können (wenn

der Anlagenbetreiber dies erlaubt) via Internet Einblick in die

Steuerungen nehmen oder diese updaten und das Wissen, das in der

Arbeit mit dem Kommunikationsnetzwerk entsteht, wird gesammelt,

von einem Wissens-Ingenieur redaktionell bearbeitet sowie durch

multimediale Elemente veredelt und schließlich in einer Wissensbasis

gespeichert, wo es den Maschinenbedienern und dem Management zur

Verfügung steht. Der gesamte Workflow findet über das

Web statt und kann mit jedem Browser bedient werden.

 

 

 

Im Laufe des Projektes ließ sich eine deutliche Verbesserung

der Anlagenproduktivität beobachten und es ist schon jetzt

absehbar, dass bis zum Projektende am 30. Juni 2002 die gesetzten

Ziele erreicht sein werden. Aus den Erfahrungen der Praxis wurde

in Preserve eine Standardvorgehensweise für das Wissensmanagement

in Produktionsbetrieben entwickelt, die auch auf andere Firmen übertragbar

ist. Die Preserve-Softwaremodule stehen in einer Demo-Version mit

voller Funktionalität über das Web zur Verfügung.

 

 

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