2026/3 | Fachbeitrag | Tools

Learning-Content erstellen: Mit diesen KI-Tools klappt’s! Ein Erfahrungsbericht.

Immer mehr KI-Tools unterstützen dabei, Lernangebote zu konzipieren, Inhalte aufzubereiten oder Trainingsmethoden weiterzuentwickeln. Von der Recherche über die Erstellung didaktischer Materialien bis hin zur Visualisierung von Präsentationen eröffnen sich neue Möglichkeiten, Lernprozesse effizienter und zugleich abwechslungsreicher zu gestalten. Doch welche Anwendungen sind im Arbeitsalltag tatsächlich hilfreich? Und wie lassen sich KI-Tools so einsetzen, dass sie die eigene Expertise sinnvoll ergänzen, statt sie zu ersetzen? Learning Professinal Sabine Prohaska stellt ihre persönlichen KI-Favoriten vor.

Die folgende KI-Tool-Auszählung ist eine rein subjektive. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich stelle in ihr vielmehr die KI-Tools vor, mit denen ich persönlich als Trainerin positive Erfahrungen gesammelt habe und die mir

  • spürbar helfen, Zeit zu sparen und die Qualität meiner Unterlagen zu erhöhen sowie
  • neue didaktische Möglichkeiten in Trainings, Workshops und Lernsettings eröffnen.

ChatGPT: Mein didaktischer Sparringpartner

ChatGPT (in der Bezahlvariante) ist für mich ein zentrales Arbeitsinstrument geworden. Ich nutze das Tool nicht, um das Denken auszulagern, sondern um schneller in zielführende Denkprozesse zu kommen.

Besonders bewährt hat sich ChatGPT beim

  • Entwickeln praxisnaher Übungen,
  • Erstellen von Multiple-Choice-Fragen,
  • Strukturieren von Skripten und Handouts und
  • Formulieren von Transferaufgaben.

Der große Vorteil beim Arbeiten mit diesem KI-Tool ist: Ich starte bei meiner Lerntool-Entwicklung nicht mehr bei null. Die didaktische Feinjustierung des ChatGPT-Ofutputs, seine Anpassung an die jeweilige Zielgruppe und das Herstellen des Praxisbezugs bleiben jedoch meine Aufgabe; der Zeitaufwand hierfür sinkt aber deutlich.

Perplexity: Wenn die Recherche wirklich belastbar sein muss

Sobald es um eine fundierte, nachvollziehbare Recherche geht, greife ich zu Perplexity. Gerade in der Weiterbildung sind saubere Quellen ein Qualitätskriterium. Perplexity arbeitet mit Echtzeit-Websuchen und liefert die Quellen transparent mit. Das macht die Inhalte überprüfbar und aktuell. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber vielen generischen KI-Antworten.

Ich nutze Perplexity vor allem für

  • Hintergrundrecherchen für Fachinputs,
  • das Absichern von Studienzitaten und
  • das Erstellen fundierter Handouts.

KI-Tools zur Visualisierung

Bilder und Visualisierungen sind aus modernen Lernsettings nicht mehr wegzudenken. Die KI-Tools helfen mir hierbei gleich mehrfach und lösen nebenbei das heikle Thema des Urheberrechts.

Beim Visualisieren nutze ich

  • ChatGPT & Ideogram für einfache Bildideen,
  • Nano Banana (Google/Gemini) für Grafiken und
  • Gamma.ai für Präsentationsentwürfe

Der große Mehrwert dabei ist: Alle Materialien wirken "aus einem Guss"; sie sind visuell konsistent und schnell erstellt. Die Bilder, Folien usw. bearbeite ich anschließend jedoch noch nach. Das inhaltliche Finetuning liegt weiterhin bei mir. Die KI liefert Entwürfe und Strukturen, die meine Arbeit jedoch erheblich vereinfachen und beschleunigen.

NotebookLM: Aus Text wird Lernen

Ein echtes Aha-Tool für mich ist NotebookLM. Damit lassen sich aus bestehenden Dokumenten kurze Audio- oder Videoinhalte generieren. Das ist ideal für Learning Nuggets. Ich setze diese gerne ein als

  • Prework vor Trainings,
  • Follow-ups nach Seminaren und
  • kompakte Wiederholungen zwischendurch.

So entsteht Lernen nicht nur im Seminarraum, sondern eingebettet in den Arbeitsalltag.

KI-Tools live im Training

Besonders spannend wird es, wenn KI nicht nur im Hintergrund arbeitet, sondern live im Training eingesetzt wird. Ich nutze ChatGPT zum Beispiel über den Beamer, um

  • mit Teams eine "Pressemitteilung" über ihre Arbeit zu schreiben und
  • am Ende von Klausuren live einen Podcast über die Teamarbeit zu erstellen.

Das sorgt regelmäßig für Aha-Momente und zeigt eindrucksvoll, wie KI kreative Prozesse unterstützen kann, ohne sie zu ersetzen.

Künftige KI-Tool-Erprobung und Nutzung

KI-Tools werden sich weiterentwickeln, neue Anwendungen werden hinzukommen, andere wieder verschwinden. Deshalb bleibt es sinnvoll, neue Werkzeuge auszuprobieren, ihre Möglichkeiten auszuloten und Erfahrungen zu sammeln. Nicht jedes Tool erweist sich im Alltag als dauerhaft hilfreich - doch viele eröffnen neue Perspektiven für die Gestaltung von Lern- und Entwicklungsprozessen.

Entscheidend ist dabei weniger das einzelne Tool als die Bereitschaft, mit neuen Arbeitsweisen zu experimentieren und KI als Unterstützung im eigenen Arbeitsprozess zu nutzen. Wer dies tut, kann nach und nach herausfinden, welche Anwendungen wirklich einen Mehrwert bieten - etwa indem sie Recherche erleichtern, Materialien schneller entstehen lassen oder neue didaktische Formate ermöglichen.

So entsteht ein kontinuierlicher Lernprozess: KI-Tools liefern Impulse und eröffnen neue Möglichkeiten, während die fachliche Einordnung, die didaktische Gestaltung und der Praxisbezug weiterhin in der Verantwortung der Lern- und Wissensexperten bleiben.



Die Autorin:

Sabine Prohaska ist Inhaberin des Beratungsunternehmens seminar consult prohaska, Wien, das Unternehmen beim Implementieren einer neuen Lernkultur in ihrer Organisation unterstützt sowie Online- und Blended-Learning-Trainer und Coaches ausbildet. Sie betreibt mit Harald Karrer die Weiterbildungs- und Erfahrungsaustauschplattform https://trainerklub.com für im Weiterbildungs- und Personalentwicklungsbereich tätige Personen. Diese wurde Ende 2025 vom Berufsverband für Training, Beratung und Coaching (BDVT) mit dem Europäischen Trainingspreis in Gold ausgezeichnet.

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