2017/8 | Fachbeitrag | Cloud Computing

Jobchancen in der digitalen Welt: Was macht eigentlich ein Cloud-Administrator?

von Peter Holländer

Inhaltsübersicht:

Um Wege zur praxisnahen Qualifizierung zu erleichtern, hat der größte private Bildungsanbieter in Deutschland das erste herstellerunabhängige Cloud-Kompetenzmodell für IT-Entscheider und IT-Professionals entwickelt: In einer dreiteiligen Serie beschreibt Peter Holländer von der TÜV Rheinland Akademie das Aufgaben-Spektrum und die beruflichen Aussichten von Cloud-Spezialisten wie Cloud Administrator, Cloud Developer und Cloud Architekt.

Die Cloud wird zum Standard

Im Rahmen der digitalen Transformation ist die Cloud eine Basistechnologie, in großen Firmen gehört sie längst zum Standard. Meist ist es das Top-Management, das mit der Cloud Kostenvorteile, Ergebnisverbesserungen und Innovationspotenziale verbindet. Weitere klare Treiber sind die Fachbereiche. Kostensenkung, Skalierbarkeit, Hochverfügbarkeit, eine beschleunigte Produktentwicklung, Standardisierung oder Zentralisierung: Die Liste der Argumente, die für einen Einsatz der Cloud sprechen, ist lang und selbst Skeptiker erkennen sie inzwischen an.

Sicherheitsbedenken halten sich hartnäckig

Dennoch plagen sich viele deutsche Unternehmen nach wie vor mit Sicherheitsbedenken, wobei diese bei den verschiedenen innerbetrieblichen Interessensgruppen unterschiedlich ausgeprägt sind. Während Fachfunktionen und Stakeholder aus den Business-Prozessen vor allem beschleunigte Dynamiken für ihr Geschäft sehen, stehen die Funktionen für IT-Sicherheit und Datenschutz dem Thema erfahrungsgemäß eher kritisch gegenüber: Auch weil es in den Unternehmen an Qualifikationen bzw. Spezialisten fehlt, die sich mit der Thematik wirklich auskennen. Angesichts des quasi leergefegten Fachkräfte-Markts werden Unternehmen verstärkt darüber nachdenken müssen, interne Mitarbeiter zu Cloud-Spezialisten weiter zu qualifizieren. Eine Management-Aufgabe, die top-down gesteuert werden muss, denn häufig ist damit nichts weniger als die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens verbunden.

Der Weg in die Cloud als Change-Prozess

Der Weg in die Datenwolke ist immer auch ein Change-Prozess, denn die Cloud bedeutet loszulassen, ohne die Hoheit und Kontrolle über die eigenen Assets abzugeben. Die interne IT nimmt hier die unerlässliche Funktion der Schaltzentrale ein, denn die Anforderungen an den Cloud-Einsatz müssen fachlich richtig gesteuert werden. Dazu bedarf es IT-Know-hows, möglicherweise sind auch neue Prozesse, Kompetenzen und Schnittstellen zu definieren, zugleich aber Technologie und Prozesse des Cloud Providers zu verstehen. Künftig wird es noch wichtiger sein, dass sich die internen IT-Spezialisten mit den Experten aus den Fachbereichen auseinandersetzen und sich auf allen Seiten ein Verständnis der Möglichkeiten und Herausforderungen in der Zusammenarbeit innerhalb der Cloud entwickelt.

Was muss ein Cloud-Experte können?

Doch was zeichnet Cloud-Spezialisten aus? Dr. Constantin Söldner, Geschäftsführer der Söldner Consult GmbH und Spezialist für Cloud-Trainings, hat es auf den Punkt gebracht: „Die Cloud hebt das Silo-Denken auf, weg vom Spezialisten für Networking oder Storage, hin zum Generalisten, der sich in vielen verschiedenen Bereichen zurechtfindet. Cloud-Experten müssen daher einen ganzheitlichen Blick auf die spezifischen Anforderungen ihrer Anwendungen an die Cloud einnehmen.“  Angesichts der dynamischen Bedrohungslage und immer restriktiverer regulatorischer Anforderungen ist Awareness für sensitive Themen wie Cyber Security und Datenschutz nach Meinung des Experten für Cloud-Trainings von immer höherer Relevanz. „Themen wie Docker und DevOps erfordern neue Herangehensweisen und mehr Querschnittsdenken. Gefragt sind auch Entwicklerfähigkeiten, Skriptsprachen zu beherrschen gehört zu den Mindestanforderungen“, weiß Dr. Söldner aus seiner langjährigen Trainings- und Beratungspraxis. 

Weil Unternehmen im Rahmen der digitalen Transformation zunehmend schneller und agiler reagieren müssen, müssen sich Cloud-Spezialisten nicht nur mit Automatisierungstools auskennen. Darüber hinaus sind sie Kosten-Controller: „Weil der Aufwand in der Cloud on-Demand abgerechnet wird, müssen sie die laufenden Kosten im Blick behalten, also bestehende Architekturen regelmäßig auf den Prüfstand stellen können“, so Dr. Söldner. Eine weitere Aufgabe, die ihnen eine wichtige Rolle im Unternehmen sichert und spannende wie dynamische Tätigkeiten in einem zukunftsorientierten Umfeld verspricht.

Der Cloud-Administrator und sein Kompetenzprofil

Um Unternehmen wie IT-Professionals eine praxisnahe Qualifizierung zu ermöglichen, hat TÜV Rheinland das herstellerneutrale Cloud-Kompetenzmodell entwickelt. Es deckt die drei wichtigsten Schlüsselqualifikationen ab, die Unternehmen und Märkte heute benötigen: den Cloud Administrator, den Cloud-Entwickler und den Cloud-Architekt. Der Cloud-Administrator ist demnach eine unverzichtbare Schlüsselkompetenz im Unternehmen, doch was genau macht er eigentlich? Nach dem Cloud-Kompetenzmodell liegt der Fokus hier mehr im administrativen Bereich der Systeme. Cloud-Administratoren kennen die Möglichkeiten, die Cloud-Strukturen Unternehmen bieten und sind Experten im Umgang, in der Wartung und dem Patching in der Cloud.

Die primäre Rolle des Cloud-Administrators umfasst die Installation, Konfiguration und Administration von Hersteller-Technologien, bestehend aus On-Premise-Infrastruktur, Private, Hybrid und Public-Cloud-Lösungen. Fundamentales Grundwissen zur Sicherheit und User-Verwaltung gehört zu seinen Kernkompetenzen. Wesentliche administrative Aufgaben und Verantwortlichkeiten betreffen die Administration des Active Directory, den Hosted Exchange sowie die Drittanbieter-E-Mail-Archivierung. Professionelle Cloud-Administratoren sollten sich mit den Datenwolke-Angeboten der Cloud-Anbieter und Hersteller wie Microsoft, Oracle, VMware und Amazon AWS auskennen.

Wissenslücken bei Cloud-Administratoren schließen

Entsprechend des Kompetenzmodells der TÜV Rheinland Akademie müssen Cloud-Admins eine Cloud von Grund planen, zeitlich optimal bereitstellen, sie überwachen und alle Systeme sicher analysieren können. Sie wissen, wie man eine On-Premise-Infrastruktur installiert und Private-, Hybrid- und Public-Cloud-Lösungen etabliert. Sie können schließlich eine Vielzahl von Servern in der Cloud verwalten, kennen die Unterschiede zwischen den Cloud-Technologien und bewerten, was für welche Bedarfe im Unternehmen geeignet ist. Darüber hinaus verstehen sie, wie die Cloud mit der bestehenden IT-Infrastruktur des Unternehmens im eigenen Rechenzentrum interagiert. Sie können Office 365 installieren und selbstständig administrieren und schließlich auch eine Private Cloud nicht nur betreiben und monitoren, sondern auch eigenständig konfigurieren und bereitstellen. Sie sind in der Lage, mehrere Tausend Server in der Cloud zu verwalten und kennen hilfreiche Strategien für den sicheren und effizienten Betrieb, darunter Incident Response Management oder die Verzahnung von Cloud-Strategien mit Identity-und-Access-Management.

Fazit

Der Cloud-Administrator ist der „Tempelwächter“ der Unternehmens-Cloud-Architektur und zugleich der Business-Enabler, weil er weiß, was das Unternehmen businessseitig an Ressourcen benötigt, die Angebote der Cloud-Service-Provider kennt und weiß, welches Angebot am besten geeignet ist, den technologischen Bedarf des Unternehmens zu decken. Die Qualifizierung zum Cloud-Administrator beinhaltet Theorie und Anwendungsbeispiele und dauert je nach Vorkenntnissen und angestrebter Tiefe zwischen zehn und 25 Tagen, sofern herstellerspezifische Kompetenzen im Rahmen der Weiterbildung mit aufgebaut werden sollen.

Derzeit verdient ein Cloud Administrator je nach Qualifikation, Einsatzort, Unternehmensgröße und Personalverantwortung zwischen 2.600 bis 5.400 Euro monatlich – und liegt damit unter dem eines Cloud-Entwicklers. Welche Aufgaben der Cloud Developer hat und wie er sich vom Cloud-Admin unterscheidet, erfahren Sie im nächsten Monat in der zweiten Folge dieser Artikelserie unter dem Titel: Was macht eigentlich… der Cloud Developer?

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