2010/6 | Fachbeitrag | Changemanagement

Innovationspotenziale erkennen - Wettbewerbsfähigkeit steigern

von Matthias Nolden

Inhaltsübersicht:

 

Auch wenn erste Signale andeuten, dass sich die Wirtschaft von der Finanzkrise langsam erholt, so herrscht in vielen, noch vor einiger Zeit erfolgreichen Betrieben Kurzarbeit, Absätze sind rückläufig oder stagnieren bestenfalls – und alle Beteiligten sind bemüht, weitere Kosten einzusparen. Aber gerade Krisenzeiten decken eigene Schwächen erbarmungslos auf. Werden bisherige Markterfolge nur verwaltet oder wird auch darauf gesetzt, kontinuierlich Innovationsprozesse anzustoßen, um mit besseren Lösungen auch neue Kunden zu erreichen? Durch ein systematisches Vorgehen lassen sich Innovationspotenziale erkennen und Gewinn bringend nutzen, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

 

Health-Check – Innovationspotenziale systematisch ausloten

Durch eine methodische Hinterfragung – den so genannten Health-Check – lässt sich kurzfristig abklären, ob die Unternehmensaktivitäten alle für Innovationen wichtigen Aspekte abdecken, wie diese Aktivitäten ausgeprägt sind, wo der größte Handlungsbedarf besteht und wie dieser im Detail aussieht. Darauf basierend kann dann im Anschluss in kleinen Projekten untersucht werden, wie optimale Prozesse und Vorgehensweisen aussehen, wie andere Unternehmen erfolgreich(er) agieren und wie diese Informationen für das Unternehmen genutzt werden können, um sich erfolgreich und gestärkt wieder am Markt zu positionieren. Oft sind es nur kleine Themen, aber viele kleine Veränderungen können bekanntermaßen Entscheidendes bewirken.

 

Interviews – Innovationschancen erfragen

 

Wie sieht das Vorgehen nun im Detail aus? Nach einem Vorgespräch, in dem kurz die aktuelle Situation im Unternehmen aufgezeigt wird und das als Vorbereitung dient, werden in einem Interview mit der Geschäftsführung alle relevanten Aktivitäten gemeinsam eingeschätzt. Dabei beziehen sich die Fragen auf fünf Hauptfelder:

  • (Innovations-)Strategie,
  • Entwicklung des Produkt- bzw. Dienstleistungsportfolios,
  • Finanzierung bzw. Budget für Innovationen,
  • Technologie, Standards und Patente sowie
  • Mitarbeiter und Unternehmenskultur.

Oft wird bei der Frage nach Innovationen und Innovationsmanagement nur auf die technischen Aspekte abgezielt. Aber bei einer ganzheitlichen Betrachtung dieser Thematik sind die Mitarbeiter und die Unternehmenskultur mindestens genauso wichtig wie die Technik selbst. Ohne entsprechend aus- und fortgebildete Mitarbeiter und hinreichende Motivation, sich Neuem zu öffnen, werden die meisten Anstrengungen nicht fruchten.

 

Unternehmenssituation erfassen – weitere Akteure einbinden

Nach dem Interview mit der Geschäftsführung kann entschieden werden, weitere Interviews mit Führungskräften und Experten durchzuführen, um eine noch ausführlichere Bewertung aller Aktivitäten zu erhalten. Dabei können die Interviews den gleichen Umfang haben wie bei der Geschäftsleitung oder sich nur auf bestimmte Themenfelder und Einzelaspekte beschränken. Hierdurch erhält man zusätzlich u.a. Auskunft darüber, ob es beim Thema Innovationen eine unternehmenseinheitliche Sicht und zusätzliche Ideen und Vorschläge zur Optimierung der Innovationspotenziale aus Experten- bzw. Betroffenen-Sicht gibt. Darüber hinaus fühlen sich die Mitarbeiter eingebunden, sodass sie Änderungen aufgeschlossener gegenüber stehen.

 

Die genannten fünf Hauptfelder werden in den Interviews umfassend abgefragt und subjektiv bewertet. Handlungsfelder lassen sich mit einer einfachen Darstellung schnell und einfach erkennen und in Folge priorisieren:

 

Handlungsfelder lassen sich mit einer einfachen Darstellung schnell und einfach erkennen

Handlungsfelder lassen sich mit einer einfachen Darstellung schnell und einfach erkennen

 

Innerhalb dieser fünf Hauptfelder lässt sich der Handlungsbedarf dann noch weiter detaillieren, sodass einzelne Themenkomplexe besser greifbar werden. Dies wird hier am Beispiel der Innovationsstrategie verdeutlicht:

 

Durch weitere Differenzierung werden Handlungsbedarfe noch detaillierter greifbar

Durch weitere Differenzierung werden Handlungsbedarfe noch detaillierter greifbar

 

Auswertung – Interviews analysieren

Aufgrund der Fragestellungen im Interview können nun in der Auswertung direkt die Ansatzpunkte identifiziert werden, bei denen sich Prozesse und Abläufe gezielt verbessern lassen. Und dies ist das Spezielle an dem Vorgehen: durch die Beantwortung der Fragen mit „Ja“ oder „Nein“ erhalten sie ohne großen Auswertungs- und Analyseaufwand direkt Ideen für Ansatzpunkte. Nämlich überall da, wo sie mit „Nein“ geantwortet haben. Beispiel: Wird z.B. bei der Frage: „Werden Kundenfeedbacks oder Kundeninterviews geführt und ausgewertet?“ mit „Nein“ geantwortet, so könnte dies eine Sofort- Maßnahme sein, um von Kunden neue Impulse für ihre Innovationen zu erhalten.

 

Externe Unterstützung – der neutrale Blick

 

Nun werden Sie vielleicht geneigt sein zu sagen: „Natürlich ist mein Unternehmen richtig aufgestellt“ und „Wir haben vielfältige Aktivitäten rund um das Thema Innovationen“. Aber vielleicht sollte man sich auch manchmal die Frage stellen: „Warum sind meine Mitbewerber erfolgreicher als ich?“. Nun, die Erkenntnis ist nicht neu, dass das Selbstbild irreführend sein kann. Oft werden auch die viel zitierten Scheuklappen bemüht. Deshalb kann externe Unterstützung bei der Durchführung eines solchen Health-Checks durchaus von Nutzen sein:

  • Es erfolgt eine neutrale Betrachtung der Innovationsfähigkeiten aus verschiedenen Perspektiven.
  • Alle innovationsrelevanten Aktivitäten im Unternehmen werden umfassend eingeschätzt und dokumentiert.
  • Das Ergebnis beinhaltet einen Überblick über systematische Aktivitäten ohne nennenswerten Handlungsbedarf.
  • Gleichzeitig werden die Felder identifiziert, in denen Verbesserungspotenziale bestehen.
  • Handlungsoptionen sind sofort ersichtlich und können priorisiert werden.
  • Und: Die Umsetzung der Handlungsempfehlungen kann entweder mit eigenen Ressourcen und/oder mit Hilfe externer Unterstützung (Coaching, Beratung) erfolgen.

 

 

Fazit

Demzufolge ist der Aufwand, der zu investieren ist, minimal. Das Ergebnis und was daraus zu machen ist, kann aber entscheidend dafür sein, wie es mit dem Unternehmen weitergeht.

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