2009/1 | Fachbeitrag | Dienstleister

Externe Kompetenzen – Fehlendes Wissen einkaufen

von André Kiehne

Inhaltsübersicht:

 

In einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) geben 65 Prozent der befragten IT-Unternehmen an, dass der Mangel an Spezialisten ihre Geschäftstätigkeit bremst. „Der Arbeitsmarkt für hoch qualifizierte IT-Experten ist inzwischen leer gefegt“, bestätigt auch Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Die demografische Entwicklung dürfte diese Situation in Zukunft noch verschärfen, wie die Zahlen zeigen: Für die Altersgruppe von 35 bis 50 Jahre wird in den nächsten 15 Jahren ein Rückgang um etwa 28 Prozent in Deutschland und um rund 15 Prozent in Großbritannien prognostiziert. In den Industrienationen wird alle zehn Minuten ein Baby-Boomer 60 Jahre alt.

Der Kampf um die Spezialisten ist vorprogrammiert. Nicht jedes Unternehmen wird in der Lage sein, genügend Fachkräfte für seine Unternehmens-IT zu finden. Der Aufwand, geeignete Bewerber zu finden, wächst mit der Spezialisierung. Häufig übersteigen auch die Gehaltsvorstellungen der potenziellen Mitarbeiter das verfügbare Budget um ein Vielfaches. Hinzu kommen noch die Kosten für spezielle Qualifizierungsmaßnahmen oder eventuell nötige Zertifizierungen. Darüber hinaus ist es aufgrund des großen Wettbewerbs um die Fachkräfte schwer, sie langfristig an das Unternehmen zu binden.

 

Umdenken: Neue Strategien sind gefragt

 

Angesichts der knappen Ressource Wissen gilt es, das wertvolle Know-how der internen IT-Organisation möglichst effizient für die spezifischen Geschäftsziele des Unternehmens einzusetzen. Wie aber sichert man sich die Verfügbarkeit von Know-how, dessen Erwerb sich über den klassischen Schulungsweg nicht lohnt, zu lange dauern würde oder schwer zu finden ist? Eine Antwort darauf ist der Zukauf von Wissen für Routinearbeiten, wie etwa für die Einrichtung und den Betrieb von IT-Arbeitsplätzen. Denn gerade bei Aufgaben, die einen besonders hohen Einsatz von Personal oder Know-how erfordern, kann ein IT-Verantwortlicher gleichzeitig Kosten und Betriebsrisiken senken, wenn er die Verantwortung gezielt an einen spezialisierten Dienstleister delegiert.

Analog zur Produktion von komplexen Gütern wie Autos nimmt der IT-Partner dabei die Rolle eines hoch qualifizierten Zulieferers ein. Die IT-Abteilung lagert einen definierten Teil ihrer Produktion – in diesem Falle die IT-Arbeitsplätze – aus. Ein Werkvertrag bestimmt das zu liefernde Ergebnis, etwa die Verfügbarkeit oder die Reaktionszeiten. Bei dieser Art der Bereitstellung geht das Unternehmen gewissermaßen einen Dienstvertrag mit einem virtuellen, idealen Mitarbeiter ein: Er ist nie krank, hat nie Ausfallzeiten aufgrund von Schulungen oder Urlaub und bringt stets das neueste Wissen mit. Natürlich gibt es diese Eigenschaften nicht in einem Menschen vereint. Vielmehr sorgt der Dienstleister dafür, dass die ausgelagerten Aufgaben unter den definierten Vertragsbedingungen von den Experten jederzeit zuverlässig erledigt werden.

 

Besonders flexibel: IT-Arbeitsplätze mit Wahlmöglichkeit

 

Zugegeben, die Strategie der gezielten Auslagerung von Aufgaben ist nicht neu. Doch innovative Konzepte wie Managed Workplace von Fujitsu Siemens Computers ermöglichen den Unternehmen permanenten Zugriff auf eine enorme Bandbreite an stets aktuellem Spezial-Know-how. Es erstreckt sich über den klassischen Fat Client über Thin-Client-Modelle bis hin zu virtuellen Arbeitsplätzen (Virtual Workplaces) – inklusive Telefon, Drucker und Netzanbindung.

Das Unternehmen kann für jeden einzelnen Mitarbeiter festlegen, welche Variante den individuellen Anforderungen am besten entspricht und den passenden Arbeitsplatz wählen. So kann beispielsweise für einen Außendienst-Mitarbeiter ein virtueller Client am günstigsten sein. Denn hier ist vor allem wichtig, dass die Daten selbst bei Abhandenkommen des Geräts gut geschützt sind, ohne den Mitarbeiter einzuschränken. Für einen Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung hingegen, der in der Regel mit großen Datenmengen und speziellen Programmen und Anwendungen arbeitet, dürfte ein Fat Client geeigneter sein.

Um diesen Anforderungen intern gerecht zu werden, müssen Unternehmen viele unterschiedliche Plattformen und Anwendungen betreiben, was mit einem hohen personellen Aufwand verbunden ist. Hinzu kommen die Kosten für regelmäßige Updates, etwa die Einführung innovativer Technologien wie Voice over IP oder Unified Communications. Ein IT-Dienstleister kann diesen Aufwand auf viele Unternehmen verteilen. Gleichzeitig profitieren die Organisationen von der Erfahrung aus vorangegangenen Projekten. Das heißt: Sie müssen das Know-how nicht erst mühsam aufbauen.

 

Fazit: Der Mix macht’s

 

Mit Managed-Workplace-Konzepten können Unternehmen hoch spezialisiertes Fachpersonal von Routinearbeiten entlasten, anstatt immer mehr Plattformen, Applikationen und unterschiedliche Technologien in Eigenregie ins Haus zu holen. Auf diesem Weg lassen sich Aufwandsspiralen stoppen und die Time-to-innovate verbessern. Gleichzeitig können Unternehmen ihre eigenen Entwicklungsrisiken senken und die Einführungszeiten für neue Projekte deutlich verkürzen; langwierige Vorlaufprojekte entfallen komplett.

Die Kombination von Know-how-Aufbau und -zukauf wirkt sich noch aus weiteren Gründen positiv auf die Bilanz aus: Einheitliche und standardisierte Prozesse für Bereitstellung, Governance, Compliance und auch Entsorgung seitens des Dienstleisters erhöhen die Sicherheit und die Produktivität der Mitarbeiter. Gleichzeitig erlaubt der Service-Zukauf eine vielfältige Client-Landschaft mit hoher Flexibilität: Zwar sind die Prozesse standardisiert, die Auswahl an Hardware und Software kann jedoch individuell an jedes Unternehmen angepasst werden.

Der interne Know-how-Aufbau lässt sich somit auf wenige steuernde Fachkräfte beschränken. Dennoch hat das Unternehmen jederzeit Zugriff auf eine stets aktuelle Wissensbasis und kann sich diese langfristig sichern.

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