2014/6 | Fachbeitrag | Best Practice

Eurowings: Airline setzt auf neues Intranet für Luft- & Bodenpersonal

von Juliane Lengning

Inhaltsübersicht:

Als Tochter der Lufthansa AG führt Eurowings im Verbund der Lufthansa-Gruppe vor allem Zubringer- und Regionalflüge durch. Die Flotte besteht aus zahlreichen modernen Kurz- und Mittelstreckenjets. Doch auch am Boden hat sich Eurowings gewichtige Partner an Bord geholt. Die Intranet-Portale iBase und Flybase wurden von T-Systems Multimedia Solutions zu einer einheitlichen Plattform zusammengefügt und modernisiert. Sie sorgen dafür, dass Mitarbeiter mit Informationen wie Landebahnsituation, Crew-Anweisungen, Verspätungsübersichten aller Flüge mit Grund und Dauer, Fälligkeiten für Trainings oder Lohnabrechnungen stets auf dem aktuellen Stand gehalten werden können.

iBase basiert auf dem Content-Management-System Drupal und versorgt das Bodenpersonal mit wesentlichen Informationen. FlyBase richtet sich an das Cockpit- und Kabinenpersonal. Das System basierte ursprünglich auf Sharepoint 2003, dessen Support Microsoft im September 2013 jedoch eingestellt hat. Lizenzen für neue Sharepoint-Version wurden als zu kostenintensiv eingeschätzt. So benötigte Eurowings einen Plan B und musste sich zeitnah überlegen, wie die darin enthaltenen Informationen den Mitarbeitern künftig zur Verfügung gestellt werden können.

Auf der Suche nach kompetenten Partnern für dieses Projekt traf Eurowings auf die T-Systems Multimedia Solutions. „Wir konnten bereits gute Erfahrungen während unserer Zusammenarbeit mit T-Systems sammeln. Da lag es nahe, für dieses Projekt an deren Tochter heranzutreten, die auf derartige Herausforderungen spezialisiert ist“, sagt Thomas Muth, CIO bei Eurowings. „Beim Auswahlprozess waren uns drei Aspekte besonders wichtig: Die neue Plattform sollte sich kontinuierlich weiterentwickeln, die Komplexität reduzieren und eine doppelte Datenpflege vermeiden lassen.“ Nach dem halbjährigen Auswahlprozess ging es Ende Oktober 2012 schließlich in die konkrete Planung und Umsetzung.

Einheitliche Oberfläche: Aus zwei mach eins

Mit dem Abschied von Sharepoint 2003 entschied man sich dafür, Flybase in das Portal iBase zu integrieren. Zu Beginn des Projekts wurden intensive Workshops mit allen Beteiligten durchgeführt, darunter mit den Administratoren der Datenbank und der SAP-Abteilung. Bei der Integration von Flybase in iBase standen die Verantwortlichen vor der Herausforderung, zwei zuvor getrennte Benutzeroberflächen zu einer einheitlichen Plattform zusammenzuführen. Bei der Umsetzung wurde Flybase mittels Java Framework in iBase realisiert und einzelne Anwendungen als Module in Drupal integriert. Eine technische Hürde ergab sich dabei durch viele verschiedene Backend-Systeme, die alle eingebunden werden mussten. Nach erfolgreicher Integration wurde das neue System in einer Testumgebung geprüft und erst im Anschluss in die Produktivumgebung übernommen.

Heute bezieht sowohl das Kabinen- und Cockpit- als auch das Bodenpersonal seine Informationen über eine einheitliche Oberfläche. Eine doppelte Datenpflege ist damit überflüssig. Mitarbeiter erhalten relevante Informationen über eine allgemein zugängliche Seite mit der Bezeichnung „Briefing“ und eine personalisierte Seite (Personal Daily). Die Nutzerverwaltung und Authentifizierung erfolgt über Active Directory. Das neue Intranet bietet ein sehr granulares Benutzerrechte- und Rollenkonzept, was eine zielgruppengenaue Zuweisung redaktioneller Inhalte ermöglicht. Die Daten lassen sich aber nicht nur über firmeninterne Rechner abrufen: Ein Web-VPN bietet viel Flexibilität, so dass Eurowings-Mitarbeiter zum Beispiel auch von zu Hause aus sicher auf Intranet-Informationen zugreifen können.

Die unter „Briefing“ abrufbaren Daten sind speziell auf das Kabinen- und Cockpit- Personal abgestimmt. Sie umfassen unter anderem Berichte über den Zustand bestimmter Flugzeuge oder Landebahnen sowie Handbücher und geben sogar Informationen zu Crew-Mahlzeiten und Übernachtungsmöglichkeiten am Zielflughafen. Ferner ist es möglich, Auskünfte über Flugverspätungen zu erhalten. Diese Daten werden spätestens alle zehn Minuten aktualisiert und lassen sich bis zu sechs Monate zurückverfolgen.

Unter „Personal Daily“ erhalten Anwender eine Fülle an personalisierten Informationen, darunter Angaben zum aktuellen und darauffolgenden Tag. Mitarbeiter erfahren, welche Flüge sie als nächstes begleiten, erhalten Auskunft über An- und Abreisen, darüber, welche Kollegen auf dem Flug mit dabei sind, wie viele Passagiere an Bord sein werden und welche Mahlzeiten es gibt. Ferner finden sie betriebliche Anweisungen und können ihre Urlaubstage oder eventuelle Fehlzeiten eintragen. Darauf basierend erstellt die zuständige Abteilung konkrete Einsatzpläne.

Durchstarten dank besserer Arbeitsentlastung und mehr Sicherheit

Eine besondere Funktion bietet das „Flight Safety Reporting“. Über diese Seite haben Eurowings-Mitarbeiter die Möglichkeit, unter anderem Verbesserungsvorschläge zu tätigen, wie zum Beispiel Optimierungen beim Boarding-Prozess. Ferner ist es möglich, Berichte über die Flugsicherheit zu erstellen, zum Beispiel für den Fall eines defekten Sitzplatzes an Bord. Derartige Berichte lassen sich schnell und gegebenenfalls vertraulich an die zuständige Abteilung übermitteln.

Eine wesentliche Arbeitserleichterung ergibt sich durch die in das Portal integrierte Suchmaschine, die Dokumente nach bestimmten Inhalten durchsuchen kann. So lassen sich schnell und einfach Informationen in Handbüchern, Betriebsvereinbarungen, Formularen und Vorschriften recherchieren, wie zum Beispiel für das korrekte Verhalten zur Beantragung bei Dienstreisen.

Fehlerfrei: Portal erhielt sofort grünes Licht

Beim Live-Gang im September 2013 testete Eurowings das neue Portal bis ins Detail. Es gab keinerlei Probleme oder Störungen, was für ein derart großes Projekt ungewöhnlich ist. Gefragt nach ihrer Meinung zum neuen Intranet äußerten sich die Eurowings-Mitarbeiter im November 2013 durchwegs positiv, besonders was das Design und die Handhabung des Portals angeht. Heute greifen 800 Angestellte regelmäßig auf das in Deutsch und Englisch abrufbare Intranet zu, der Großteil davon gehört dem Kabinen- und Cockpit-Personal an.

„Das neue Portal hat unsere Erwartungen und Wünsche vollkommen erfüllt“, freut sich Muth. „Die Zufriedenheit unter den Anwendern ist deutlich gestiegen, wie die Mitarbeiterumfrage zeigte. Die Tatsache, dass keine doppelte Datenpflege mehr nötig ist, spart uns Zeit und Nerven.“ Bestehende Funktionen wurden konsolidiert und verbessert. Die Folge: Das System läuft heute deutlich stabiler und lässt sich jederzeit weiterentwickeln. „Das weitere Vorgehen hängt von den Wünschen der jeweiligen Fachbereiche ab“, erklärt Muth. „Doch durch das neue Intranet sind wir für die Zukunft bestens gerüstet und können es an andere Bedürfnissen jederzeit anpassen.“

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

POLIZEI-ONLINE - Ein Innovationsprojekt für Polizei und Landesverwaltung

WISSENplus
Mit POLIZEI-ONLINE betreibt die Polizei Baden-Württemberg ein fortlaufend weiterentwickeltes Bildungs- und Wissensmanagement-System, das mittlerweile national und international Vorbildfunktion hat und als Grundlage für vielfältige Kooperationen dient. POLIZEI-ONLINE bietet an jedem Arbeitsplatz eine umfassende und bedarfsoptimierte Wissensplattform, die weitreichende Informationen sowie Fachanwend...

Weiterlesen

Gängige Methoden der Einzelberatung

Maßnahmen der individuellen Personalentwicklung nehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Zahlreiche aktuelle Untersuchungen zeigen, dass ein starker Zuwachs der individuellen Unterstützung in Form von Coaching, Mentoring bzw. Einzelberatung in den nächsten Jahren zu erwarten ist. Die Zielsetzung ist klar: individuelle Entwicklung soll einen höheren Wirkungsgrad beim Klienten (der zu beratenden Pe...

Weiterlesen

Maschinenbau 2.0 – die Effizienz liegt im Netz

WISSENplus
Unternehmen stehen oft vor der Herausforderung, schnell auf Marktveränderungen reagieren zu müssen. Kürzere Time-to-market-Zeiten lassen keinen Spielraum für langwierige Prozesse oder das Suchen nach Informationen. Flexible, webbasierte Redaktionssysteme, die ein kollaboratives Arbeiten ermöglichen, werden daher zu immer bedeutenderen Erfolgsfaktoren. Auch im Maschinenbau. Denn so werden Kunden, Partne...

Weiterlesen

Wiki-Service bei der Bundeswehr

WISSENplus
Im Internet sind die Werkzeuge des sogenannten „Mitmach-Webs“ längst etabliert. Die Philosophie von Web-2 .0-Anwendungen widerspricht jedoch zunächst den festen Regeln und Verfahren der hierarchischen Organisation bei der Bundeswehr. Entsteht ein Mehrwert für das Informations- und Wissensmanagement der Bundeswehr durch die Bereitstellung eines Wikis? Um diese Frage zu beantworten, startete im März 2...

Weiterlesen

Im Wald der Buzzwords

Meinen wir alle das Gleiche oder dasselbe, wenn wir von Intranet, Social Intranet oder Mitarbeiterportal sprechen? Ist es das Gleiche oder dasselbe, wenn Mitarbeiter interaktiv zusammenarbeiten oder Partner im Unternehmen mehr Enterprise-Collaboration-Funktionen nutzen? Ist es das Gleiche oder dasselbe, wenn User am digitalen Workplace arbeiten oder Mitarbeiter sich mit Single Sign-on ins Enterprise Portal ...

Weiterlesen

In Projekten lernen

Vor allem große Firmen haben schon heute Wissensmanagement-Systeme im Einsatz und bedienen sich komplexer Konzernlösungen. Doch unser Land ist nicht durch Großunternehmen, sondern durch den Mittelstand geprägt. Und hier sind - zumindest wenn es um die Branche der Software-Entwicklung geht - die Firmen noch weit weg von der angepriesenen Wissensgesellschaft. Sicher, die Idee ist großartig, als Mitarbeit...

Weiterlesen

Flughafenlogistik – der wachsenden Luftfracht Herr werden

Container beladen, entladen, zwischenlagern und zum gewünschten Zielort verfrachten – auf Flughäfen gehört das zur alltäglichen Routine. Damit die Flughafenlogistik stets weiß, wo sich die einzelnen Container befinden und wohin sie befördert werden müssen, ist ein ausgeklügeltes Wissensmanagement unabdingbar. Kaum einer weiß das besser als die DHL Hub Leipzig GmbH, der Betreiber von Europas moder...

Weiterlesen

46 Berufsschulen in einer Community - die Stadt Hamburg macht es vor

WISSENplus
Die Arbeit an Berufsbildenden Schulen hat sich stark verändert. Unterrichtete der Lehrer einst im 45-Minuten-Rhythmus allein seine Klasse, ist heute der handlungs- und lernfeldorientierte Unterricht die dominierende Unterrichtsform. Lernfelder orientieren sich an konkreten Geschäftsprozessen und umfassen als Unterrichtseinheiten mehrere Fächer und größere Zeiträume. Dieser Unterricht kann nicht ...

Weiterlesen