2002/10 | Fachbeitrag | Retrieval

"Esp@cenet – Schweizer Patente online"

von Jörg Wittkewitz

Von Jörg Wittkewitz

Inhaltsübersicht:

 

 

Das Eidgenössische

 

Institut für Geistiges Eigentum (IGE) fördert das geschäftliche

 

Potenzial, das in Patenten liegen kann. Damit die Öffentlichkeit

 

– im Besonderen die kleinen und mittleren Unternehmen –

 

für die Informationen in den Patentschriften sensibilisiert

 

wird, haben die Schweiz und andere Mitglieder der Europäischen

 

Patentorganisation ihre Datenbanken unter der Website www.espacenet.ch

 

im Internet zugänglich gemacht. Dort kann mit Hilfe intelligenter

 

und schneller Suchmechanismen nach den unterschiedlichsten Kriterien

 

recherchiert werden.

 

 


114 Jahre Patentwesen im Internet

 

 

Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE)

 

hat seinen Sitz in Bern. Es ist für die Belange des geistigen

 

Eigentums in der Schweiz zuständig und wurde 1888 gegründet.

 

Am 1. Januar 1996 erhielt es den Status einer selbständigen

 

öffentlich-rechtlichen Anstalt. Es hat die Aufgabe, die Belange

 

des Immaterialgüterrechts und vor allem seine Vorteile in der

 

Schweiz bekannter zu machen. Dazu gehört auch, auf die relevanten

 

Patentinformationen hinzuweisen und wie man sie ausschöpfen

 

kann. Im Internetzeitalter hat das IGE – im Verbund mit weiteren

 

europäischen Patentbehörden – hierzu mit der in Esp@cenet

 

zugänglichen Online-Sammlung von Patentdokumenten einen neuen,

 

zeitgemäßen Weg gewählt.

 

 

 

Eine Datenbank mit mehr als 200 GB Bilddaten und eine weitere mit

 

rund 700.000 Dokumenten und einem Umfang von 1,2 GB ermöglichen

 

den Blick auf alle Patente der Schweiz seit Gründung des Instituts

 

im Jahr 1888. Die Nutzung der Datenbank vermittelt einen guten Eindruck

 

über die Tiefe und Breite des Wissens in den Patentdokumenten.

 

Es kann nach Aussage des IGE jedoch nicht die professionelle Recherche

 

ersetzen, wenn es um endgültige Entscheidungen geht.

 

 

 

"Die Bereitstellung der gesamten Palette an Patentinformationen

 

in elektronischer Form war für die jüngeren Patente aus

 

den vergangenen zwei Jahren kein Problem, da sie bereits mit Computern

 

erfasst wurden", so Sabine Blaser, Projektleiterin Projektmanagement

 

& Internet am IGE. "Deutlich aufwendiger war die Einbeziehung

 

der Daten von 1888 bis zum Jahr 2000. Die Dokumente wurden sukzessive

 

eingescannt und nach Bild- und Textdaten getrennt. Erst auf diese

 

Weise konnte die manuelle Recherche in Unmengen von papiergebundenen

 

Dokumenten entfallen. Heute stehen alle Schweizer Patente auf Abruf

 

bereit und können im Internet auf einem Prototypen unter www.espacenet.ch/swiss.html

 

in ihrer ursprünglichen Form angesehen werden." Sabine

 

Blaser unterstreicht diesen Aspekt, denn im europäischen Verbund

 

ist nur die Schweiz in der Lage, bis ins 19. Jahrhundert sämtliche

 

Dokumente online anbieten zu können. Für die Recherche

 

benötigt der interessierte Nutzer nur einen Web-Browser.

 

 

Seitenanfang

Suchen und Finden in Esp@cenet

 

 

Bei der Vielzahl der Dokumente und Daten, die sich aus Bildern,

 

Metadaten wie Titel und Patentinhaber sowie Kurzbeschreibungen zusammensetzen,

 

mussten die Datenbanken und das Filesystem mit einer leistungsfähigen

 

Suchmaschine verbunden werden, damit die Suche den unterschiedlichen

 

Anforderungen gerecht wird, was mehr als reine Basis-Funktionen

 

erfordert. Unterstützung fand das IGE bei Verity, einem führenden

 

Anbieter von Knowledge-Management-Tools und -Plattformen. "Die

 

Verity-Suchmaschine hat nicht nur die Suche mit Wildcards und Scores

 

ermöglicht, sondern konnte eine Geschwindigkeitssteigerung

 

realisieren, die wir zuvor nicht für möglich gehalten

 

haben", so Sabine Blaser weiter.

 

 

 

Die digitalisierten Schweizer Alt-Daten, die im europäischen

 

Patentamt in Den Haag elektronisch archiviert sind, wurden von den

 

VMS-Servern auf die NT-Server des IGE übertragen und in ein

 

für das Internet nutzbares Image-Format konvertiert. Verity

 

hat im Anschluss daran den Zugriff auf die Textdaten mit der entsprechenden

 

Indizierung ermöglicht und thematische Kollektionen erstellt,

 

die ein leichtes automatisches Update erlauben.

 

 

 

Welche Such-Optionen in der Schweizer Version des Esp@cenet realisiert

 

wurden, zeigt ein einfacher Blick auf die Website: Außer dem

 

Titel, in dem mit Booleschen Verknüpfungen die Suche präzisiert

 

werden kann, gibt es sieben weitere Eingabefelder und Suchindizes.

 

Innerhalb kürzester Zeit stehen die entsprechenden Dokumente

 

zur Verfügung und können online angesehen bzw. als PDF-File

 

heruntergeladen werden.

 

 

screenshot picture
Über die Such-Maske von Esp@cenet können die Nutzer nach unterschiedlichsten Kriterien in über 700.000 Schweizer Patentschriften recherchieren.

 

 

Das Web-Hosting für die Bereitstellung der Schweizer Patentdaten

 

erfolgt im Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum.

 

Sabine Blaser fügt hinzu: "Ohne die Suchmaschine von Verity

 

könnten wir die geforderte Performance mit den Servern nicht

 

sicherstellen." Im IGE wird die Verity-Suchmaschine jedoch

 

nicht nur für den öffentlich zugänglichen Teil des

 

Internetauftritts genutzt, sondern darüber hinaus auch auf

 

dem Patentserver, der für die Nutzung durch internationale

 

Patentinstitute und registrierte Anwender zur Verfügung steht.

 

"Der IBM-Patentserver, den wir auch hier in der Schweiz nutzen,

 

setzt ebenfalls auf einer Datenbank auf, die alle derzeit rund 7,5

 

Millionen Patente enthält", erklärt Alfred Hänni

 

von der IGE-Systemtechnik ergänzend. "Das schnelle Indizieren

 

der Informationen, die in Jukeboxen auf mehr als 7.000 CDs archiviert

 

sind, übernimmt ebenfalls die Suchmaschine von Verity. Wegen

 

der erfolgreichen Nutzung des Produktes auch in anderen Ländern,

 

standen daher alternative Angebote nie zur Debatte."

 

 

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Patentrecherchen statt Doppelentwicklungen

 

 

Welche Möglichkeiten ausführliche Patentrecherchen in

 

vielen Bereichen bieten können, unterstreicht die Erkenntnis,

 

dass allein bei europäischen Unternehmen jährlich rund

 

15 Millionen Euro für Doppelentwicklungen ausgegeben werden.

 

Und das nur, weil sie zuvor nicht sichergestellt haben, ob innovative

 

Lösungen für ihre Produkte oder Ziele in ähnlicher

 

Form bereits existieren. Das IGE vermittelt folgerichtig den Kontakt

 

zwischen Markt und Erfindern zum beiderseitigen Nutzen – eine

 

Win/Win-Situation.

 

 

 

Der internetbasierte Auftritt des Instituts mit Hilfe einfach zu

 

nutzender Recherche-Optionen für jedermann wird nun dazu beitragen,

 

die sinnvolle Nutzung einer unerschöpflichen Quelle von innovativen

 

Ideen in die Unternehmen zu tragen. Ein erwünschter Nebeneffekt

 

ist dabei auch, künftig mit dem eigenen intellektuellen Kapital

 

sensibler umzugehen. Ohne die netzbasierte IT-Welt und den Einsatz

 

hoch spezialisierter Such- und Retrieval-Technologien wären

 

diese Ziele kaum zu erreichen.

 

 

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