1999/10 | Fachbeitrag | TC-Toolbox

Eine Quelle für alle Formate und Sprachen

von Martin Holzmann

 

Von Martin

Holzmann

 

Inhaltsübersicht:

 

Cross-Media-Publishing

oder auch Single-Source-Publishing sind Schlagworte, die in der

technischen Dokumentation in letzter Zeit immer öfter zu hören

sind. Dieser Beitrag zeigt ein Beispiel-Projekt, bei dem diese Schlagworte

mit Leben gefüllt wurden: die TC-Toolbox von Ovidius für

Schneider Automation, eine SGML/XML-basierte Lösung.

 

 

Dieses Projekt

geht sogar noch einen Schritt weiter: Es integriert die Arbeitsschritte

Erstellen – Übersetzen – Publizieren in verschiedenen

Medien in einer Anwendung, so dass nahezu alle Aufgaben einer Dokumentationsabteilung

in einer Prozesskette zusammengefasst sind.

 

 

 

 

Unser

Projekt: die TC-Toolbox

 

 

Das Projekt

TC-Toolbox (TC = Technical Communications) wurde von Schneider Automation

mit dem Ziel gestartet, die Dokumentationserstellung zu rationalisieren

und dabei den besonderen Anforderungen dieses Unternehmens gerecht

zu werden.

 

 

Schneider Automation

ist einer der international führenden Hersteller automatisierungstechnischer

Produkte, mit Entwicklungs- und Fertigungsstandorten in Frankreich,

den USA und Deutschland. Produktentwicklungen finden standortübergreifend

statt; die technische Dokumentation muss sich diesen Randbedingungen

anpassen und ebenfalls verteilt arbeiten.

 

 

Einige Besonderheiten

des Unternehmens beeinflussen die Dokumentationserstellung zusätzlich:

 

 

  • Die technische Dokumentation wird immer am Entwicklungsstandort erstellt. Entwicklungsprojekte sind über die Standorte hinweg verteilt, so dass Autoren aus drei Ländern mit der Erstellung der Dokumentation für ein Produkt beschäftigt sind. Jeder dieser Autoren arbeitet in seiner Muttersprache, so dass sogar zum gegenseitigen Korrekturlesen eine Übersetzung erforderlich ist. Dies bedingt aber auch, dass es zwischen den Autoren sehr genaue Absprachen und Regeln geben muss, wie die Dokumentation zu strukturieren ist, bis hin zum eigentlichen Schreibstil. Der Kunde soll nicht erkennen, dass es sich um das Werk von vielen Autoren handelt.
     
  • Automatisierungstechnische Produkte bestehen aus Hard- und Software; erst die Gesamtheit ergibt das Produkt. Neben der herkömmlichen Papier-Dokumentation muss die Dokumentation als Windows-Hilfe zur Verfügung stehen, auch die Hardware-Dokumentation.
     
  • Dokumentation im Bereich der Automatisierungstechnik ist ein äußerst langlebiges Gut, genauso wie die Produkte selbst. Schneider Automation gewährt viele Jahre lang Liefergarantien für Produkte und Ersatzteile, weit über den eigentlichen Vermarktungszeitraum hinaus. Hiervon ist natürlich auch die Dokumentation betroffen.

 

 

 

 

 

 
konzept picture

Eine neue Herangehensweise an die Dokumentationserstellung und Übersetzung: eine einzige Quelle bei voller Unterstützung der Stärken und Besonderheiten der Zielformate

 

 

Seitenanfang

 

Ziele des Projektes und die Schlüsselelemente

zu deren Erreichung

 

 

 

 

 

Die Dokumentation

muss in verschiedenen Formaten zur Verfügung gestellt werden:

 

  • in der gewohnten Buchform
  • im HTML-Format
  • als Windows Help und
  • als HTML Help, dem Nachfolgeformat von Windows Help

 

All diese Formate

sollen aus einem einzigen Quellformat generiert werden. Eine Mehrfacherstellung

ist nicht praktikabel, da hierzu einerseits nicht die notwendigen

Kapazitäten an Autoren vorhanden sind und andererseits Inkonsistenzen

zwischen den verschiedenen Formaten zwangsläufig die Folge

wären. Das Schlüsselelement hierfür ist SGML/XML.

 

 

 

Die meisten

Standard-Publishing-Tools sind auf den einzelnen Autor zugeschnitten

und unterstützen die Zusammenarbeit in einer Gruppe nur bedingt.

Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ist bei diesen

Tools nur durch den Austausch von Dateien möglich. Dass diese

Dateien auch noch übersetzt werden müssen, bevor ein Autor

an einem anderen Standort überhaupt in der Lage ist, sie zu

verstehen, kommt noch erschwerend hinzu. Die Schlüsselelemente

hierfür sind der Einsatz eines Dokumentenmanagement-Systems

(DMS) und die Integration des Übersetzungsprozesses mit Hilfe

von Translation Memories (TM).

 

 

Die unterschiedlichen

Formate kennen unterschiedliche Methoden für Querverweise oder

Hyperlinks. In einem Buch findet man z.B. einen Verweis wie “siehe

Kapitel 5.3, Seite 128”, während man in einem der Online-Formate

nur ein unterstrichenes Wort findet, das bei Anwahl direkt zu der

gewünschten Textstelle führt.

 

 

 

Aber auch innerhalb

der Online-Formate gibt es unterschiedliche Arten von Hyperlinks:

HTML kennt z.B. nur den 1-auf-1-Link, ein unterstrichener Text führt

also immer genau zu einem anderen Topic. Dagegen unterscheidet Windows

Help zwischen Sprung und Popup (der Originaltopic bleibt angezeigt)

und kennt zusätzlich noch den 1-auf-n-Link (ein Absprungpunkt

liefert eine Auswahlliste von mehreren Zielen).

 

 

Ziel ist es,

dass im Quelldokument ein Hyperlink nur ein einziges Mal gesetzt

werden muss und dann jeweils passend umgewandelt wird. Auch muss

die Integrität der Hyperlinks zwischen einzelnen Dokumenten

gewährleistet sein. Wird z.B. ein Dokument gelöscht, auf

das ein Hyperlink aus einem anderen Dokument besteht, muss eine

passende Reaktion erfolgen. Das Schlüsselelement hierfür

ist ein Dokumentenmanagement-System, das nicht nur Informationen

über Dokumente verwaltet, sondern bis zu einem gewissen Grad

auch deren Inhalt.

 

 

Jeder, der

schon länger mit Dokumentationserstellung zu tun hat, kennt

das Problem: Ein Handbuch, das vor einigen Jahren geschrieben wurde,

soll überarbeitet werden. Nicht selten existieren die Programme,

mit denen das Dokument ursprünglich erstellt wurde, nicht mehr.

Mit etwas Glück lassen sich solche Dokumente dann in einem

anderen Programm öffnen; in den meisten Fällen werden

sie allerdings erheblich nachformatiert werden müssen. Doch

auch der völlige Verlust der Daten ist möglich. Ein Ziel

der TC-Toolbox ist, eben solche Risiken zu minimieren. Das Schlüsselelement

hierfür ist SGML/XML.

 

 

 

Insbesondere

die Online-Formate unterliegen einer ständigen Veränderung

oder werden zum Teil ganz und gar ersetzt. Beispiele sind Windows

Help und HTML Help oder der aufkommende Standard XML, der HTML ergänzen

wird. Es sollte möglich sein, einmal erstellte Dokumente in

neuen Formaten zu präsentieren, ohne diese zu überarbeiten.

Das Schlüsselelement hierfür ist SGML/XML.

 

 

Langjährige

Autoren verfügen über ein großes Maß an Erfahrung

im Umgang mit Textverarbeitungs- und DTP-Systemen. Sie haben gelernt,

mit diesen Systemen effizient zu arbeiten. Es ist nicht zumutbar

und verringert die Produktivität erheblich, wenn sich die Benutzung

eines Tools eher an Programmierern orientiert als an der gewohnten

Arbeitsumgebung; es sollte leicht handhabbar sein. Das Schlüsselelement

hierfür ist Adobe FrameMaker+SGML.

 

 

 

Abschließend

ist noch ein Punkt zu berücksichtigen, der in manchem SGML/XML-Projekt

der technischen Dokumentation vernachlässigt wird: Unterschiedliche

Medien benötigen unterschiedliche logische Dokumentstrukturen,

um ergonomische Kriterien zu erfüllen. Um dies zu erreichen,

werden die Dokumente nicht von einem Format in ein anderes gefiltert,

sondern sie werden konvertiert – und damit nicht nur formatmäßig

verändert, sondern auch strukturell angepasst.

 

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Schlüsselelement

SGML/XML

 

 

 

SGML (= Standard

Generalized Markup Language) ist ein in ISO 8879 festgelegter Standard,

der eine Sprache beschreibt, mit der man Dokumentstrukturen definieren

kann. Ein SGML-Dokument ist ein reiner ASCII-Text, in dem die einzelnen

Textteile durch spezielle Auszeichnungen (Tags) markiert sind und

der nach festen Regeln strukturiert ist. Diese Strukturregeln werden

in einer eigenen Definitionsdatei festgelegt, der Document Type

Definition (DTD). Das SGML-Dokument enthält keinerlei Hinweise

auf seine optische Aufbereitung, ist also frei von Formatinformationen.

 

 

XML ist eine

Untermenge von SGML, definiert durch das W3C

Consortium, die für die Anwendung im Internet optimiert

ist und Balast aus SGML beseitigt. Es ist sowohl als Quellformat

als auch als zukünftiges Zielformat (im Web) nutzbar.

 

 

SGML/XML überführt

geschriebene Informationen in Daten. Ein normaler Text in einem

DTP-System ist eben nichts anderes als Text, der hier und da durch

Formatinformationen optisch strukturiert wird. Will der Autor diese

Formatierung ändern, so muss er dies von Hand durchführen.

 

 

 

Oftmals finden

sich in solchen Texten allerdings auch noch Daten, die entweder

aus einem anderen System übernommen oder aber in einem anderen

Dokument wiederverwendet werden könnten. Die technischen Daten

eines Produktes etwa könnten sowohl in einem Handbuch als auch

in einem Katalog identisch sein. Da es in einer normalen Textverarbeitung

allerdings nicht möglich ist zu erkennen, welcher Textausschnitt

denn nun die technischen Daten sind, müssen diese für

jede Anwendung wieder erfasst werden.

 

 

Mit SGML/XML

wird dieses Problem gelöst: Jeder Text wird durch einen Tag

identifiziert. Der Tag könnte in unserem Beispiel <Technische

Daten> .... </Technische Daten> lauten. Jetzt ist auch

innerhalb eines umfangreichen Dokuments zu erkennen, welcher Bereich

die technischen Daten beschreibt.

 

 

 

Wie weit man

bei der Aufspaltung in identifizierbare Textobjekte geht, hängt

von der Anwendung ab, die man damit realisieren will. Diese Aufspaltung

wird in der Document Type Definition festgehalten. Hier werden nicht

nur alle Elemente definiert, die es in einem Dokument geben darf,

das nach dieser DTD geschrieben worden ist, sondern es wird darüber

hinaus die Reihenfolge definiert, in der diese Elemente auftauchen

dürfen.

 

 

Aufgrund dieser

Eigenschaften lassen sich SGML/XML-Dokumente mit Hilfe von darauf

zugeschnittenen Programmen

 

  • wie eine Datenbank abfragen
  • beliebig umstrukturieren und
  • problemlos und verlustfrei in andere Formate konvertieren

 

Als Standard

sind SGML und XML zudem herstellerunabhängig. Im Markt gibt

es die verschiedensten Tools, mit denen SGML Dokumente erstellt,

manipuliert und publiziert werden können. Diese Tools können

beliebig miteinander kombiniert werden, da alles, was diese Tools

über ein Dokument wissen müssen, in der DTD enthalten

ist. Die Dokumentbasis ist also optimal geschützt.

 

 

 

SGML/XML-Dokumente

können vom Autor nur nach der in der DTD vorgegebenen Strukturregel

erstellt werden. Abweichungen von dieser Struktur lassen SGML/XML-Editoren

nicht zu (oder nur temporär in der Erstellungsphase). Autoren,

die an einem Projekt an verschiedenen Standorten arbeiten, erstellen

somit Dokumente, die zumindest strukturell zueinander passen. Dies

bedeutet nicht, dass die Dokumente auch inhaltlich zueinander passen,

hilft jedoch schon ein gutes Stück weiter. Es ersetzt allerdings

nicht die intensive Zusammenarbeit von Autoren auch über Ländergrenzen

hinweg.

 

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Schlüsselelement

Dokumentenmanagement-System (DMS)

 

 

Ein Ziel des

Projektes war es, Dokumente in vielen unterschiedlichen Publikationen

wiederverwenden zu können. Deshalb wurden die Dokumentationen

in viele kleine SGML/XML-Dokumente zerlegt, die dann modular wieder

zu einer Publikation zusammengefügt werden können. Dies

erhöht allerdings die Anzahl der Dokumente erheblich. Ohne

entsprechende Unterstützung geht der Überblick schnell

verloren.

 

 

 

Die verteilte

Arbeitsweise von Schneider Automation macht es zusätzlich erforderlich,

dass Dokumente den Autoren aller Standorte zur Verfügung stehen.

Auch hierfür ist ein DMS zwingend notwendig.

 

 

Das Dokumentenmanagement-System

muss die folgenden Funktionen abdecken:

 

  • Zugriff der Autoren zu den Dokumenten verwalten: Es muss sichergestellt sein, dass nicht mehrere Autoren gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Die Autoren müssen außerdem erkennen können, wer ein Dokument erstellt hat, Informationen über die Gültigkeit eines Dokuments erhalten etc.
     
  • Versionen der Dokumente verwalten: Dokumente werden oftmals mehrfach überarbeitet, weil sich das Produkt ändert, das sie beschreiben. Die alten Versionen sind deswegen nicht ungültig, sie beschreiben nur eine andere Version des Produktes und müssen gegebenenfalls auch wieder publiziert werden können.
     
  • Translation Memories dokumentbezogen verwalten: Verwaltung und Pflege der Translation Memories (TM) sind ohne die Einbindung in ein DMS mit erheblichem Aufwand verbunden. Werden Dokumente übersetzt, muss die automatische Vorübersetzung anhand der dazu passenden TM erfolgen. Nicht jede Übersetzung kann als Grundlage der Übersetzung eines beliebigen anderen Dokuments dienen; sie muss vielmehr entsprechend dem Themengebiet zugewiesen werden. Dies kann mit Hilfe des DMS automatisch erfolgen.
     
  • Konsistenz der Querverweise zwischen Dokumenten sicherstellen: Querverweise setzen die Autoren zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Publikation noch nicht fertiggestellt ist. Im Laufe der Erstellung können Dokumente, auf die Querverweise existieren, verändert oder gar gelöscht werden. Hier muss das DMS entsprechende Unterstützung bieten, die den Autor z.B. beim Löschen davor warnt, dass er nun ein Querverweisziel entfernt hat und nun auch noch ein anderes Dokument überarbeiten muss – nämlich das, von dem der Verweis ausging. Diese Funktion bedingt, dass das DMS nicht nur Informationen über ein Dokument hat, sondern auch den Inhalt eines Dokuments teilweise interpretieren kann.
     
  • Zusammenstellung der Endprodukte unterstützen: Die einzelnen Module, aus denen sich eine Publikation zusammensetzt, müssen in einer Art Stückliste hierarchisch zusammengestellt werden. Diesen Vorgang muss das DMS unterstützen. In der Stückliste muss enthalten sein:
    -die Dokument-ID
    -die Dokumentversion
    -die Dokumentsprache
    Anhand dieser Stückliste kann die Publikation zu jedem Zeitpunkt wiederhergestellt werden.
     

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Schlüsselelement

Translation Memories (TM)

 

 

Im Bereich

der technischen Dokumentation stellt nicht die komplette Neuübersetzung

eines Dokuments den Normalfall dar, sondern das Nachübersetzen

von Ergänzungen und Korrekturen an einem bestehenden Dokument.

Hier wird beim herkömmlichen Übersetzungsprozess viel

Arbeit darauf verwendet, dass der Autor alle Änderungen in

einem Dokument markiert und dem Übersetzer somit mitteilt,

was er zu bearbeiten hat. Der Übersetzer muss dann mit dem

gleichen Programm wie der Autor die fremdsprachigen Dokumente bearbeiten

und neu formatieren. Die meisten dieser Schritte werden durch Translation

Memories überflüssig.

 

 

 

 

 

 

 
tm picture

Der Übersetzungsprozess mit Translation Memories

 

 

Der

erste Schritt bei der Übersetzung mit einem TM-System ist,

dass die Textinformation von der Format- und Grafikinformation

getrennt wird. Der Übersetzer erhält nur einen Text;

Formatierungsarbeiten und die Notwendigkeit, das gleiche Programm

wie der Autor zu benutzen, entfallen. Ist der Text übersetzt,

wird die Formatinformation wieder zum Text hinzugefügt. Ein

fertig formatiertes Dokument ist das Resultat.

 

 

 

 

 

Handelt es

sich nun um eine Nachübersetzung, wird der neue Text mit allen

bereits übersetzten Texten verglichen und jene Teile, die schon

übersetzt vorliegen, werden automatisch wieder in die Datei

eingebunden. Der Übersetzer erhält so ein gemischtsprachliches

Dokument und muss nur noch den tatsächlich neuen Anteil übersetzen.

Der Rest geht wie zuvor: Die Formatinformation wird hinzugefügt,

und das Dokument ist fertig.

 

 

Zusätzlich

stellt ein TM-System in der Regel eine ausgereifte Terminologiedatenbank

zur Verfügung und hilft somit, die Qualität der Übersetzung

zu verbessern.

 

 

 

Der Einsatz

eines TM-Systems bietet die folgenden Vorteile:

 

  • Es spart Kosten, da Doppelübersetzungen entfallen.
  • Es verringert den Vorbereitungsaufwand für den Autor: Die Differenzen zwischen zwei Versionen sucht das TM-System selbst heraus.
  • Es erhöht die Konsistenz der Übersetzung, da gleiche Texte immer gleich übersetzt werden.
  • Die Terminologieunterstützung erhöht die Konsistenz der benutzten Termini und verringert ebenfalls die Kosten der Übersetzung, da die Terminologie automatisch in den Text übernommen werden kann.

 

 

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Schlüsselelement Adobe FrameMaker+SGML

 

 

FrameMaker+SGML

ist die Kombination einer Desktop-Publishing-Software mit einem

SGML/XML-Editor. FrameMaker bietet ausgezeichnete Layout- und Gestaltungsmöglichkeiten;

die Unterstützung von SGML/XML ermöglicht es, Dokumente

strukturiert zu erstellen, d.h. dem Autor eine klare Führung

beim Editieren zu geben. Mit Hilfe der Struktur – die in Form

eines Baumes dargestellt wird, wie er vom Windows Explorer her bekannt

ist – ist es dem Autor möglich, sehr schnell und effektiv

Strukturänderungen am Dokument vorzunehmen.

 

 

 

Die Umstellung

auf eine vollständig strukturierte Editierumgebung ist eine

starke Veränderung in der Arbeitsweise von Autoren. Reine SGML/XML-Editoren

unterscheiden sich von dem, was ein Autor als Editierumgebung gewohnt

ist, erheblich. Die Kombination von DTP und SGML/XML-Editor beseitigt

diese Anfangshürde nahezu vollständig.

 

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Der

Clou: die Konvertierung

 

 

Viele unterschiedliche

Tools (von Microsoft Word bis hin zu Doc-To-Help) haben sich auf

die Fahnen geschrieben, aus einer Quelle auf Knopfdruck die unterschiedlichsten

Formate zu erzeugen. Diese Fähigkeit ist auch ohne Zweifel

vorhanden. Ob diese Formate allerdings tatsächlich medienspezifisch

aufbereitet werden, steht auf einem anderen Blatt. All diese Formatkonvertierungen

sind mehr oder weniger lineare Konvertierungen: Die Struktur des

Ausgangstextes wird – ohne diese Struktur zu verändern

– in ein anderes Dateiformat konvertiert. Wenn diese unterschiedlichen

Formate dann aber auch unterschiedliche Medien bedeuten, wird diese

Vorgehensweise problematisch.

 

 

 

Probleme mit

herkömmlichen Tools entstehen an zwei Stellen:

 

  1. bei der Anpassung an verschiedene Medien: Ein Fall, der wohl in jeder Dokumentation vorkommt, ist eine Abbildung mit einem dazugehörigen Titel. Dieser Titel sollte nun aus ergonomischen Gründen in einer Papier-Dokumentation als Bildunterschrift auftauchen. In einer Online-Dokumentation sollte der Titel hingegen als Bildüberschrift erscheinen, da hier nicht gewährleistet ist, dass der Leser auf seinem Bildschirm Text und Bild gleichzeitig sieht. Dies ist eine Veränderung der Struktur des Dokuments und durch einen linearen Konverter nicht mehr zu erreichen. Das Ergebnis eines herkömmlichen Tools ist also strukturell entweder ein Buch am Bildschirm oder ein Online Dokument auf dem Papier.
     
  2. bei der Übersetzung: Das Umsetzen in ein anderes Format geschieht zwar auf “Knopfdruck”, für ein gutes Hilfe-System beispielsweise ist jedoch noch eine ganze Menge Nacharbeit notwendig: Soll das Dokument übersetzt werden, muss man sich entscheiden, was die Quelle ist und übersetzt wird und was das Ziel ist und damit nach der Übersetzung wieder aufbereitet werden muss.

 

 

In einem SGML/XML-Dokument

lässt sich jedes Element eindeutig identifizieren. Um bei dem

Beispiel mit dem Bild und dem dazugehörigen Titel zu bleiben,

könnte dies in SGML/XML z.B. folgendermaßen aussehen:

 

  • Es gibt ein Element Abbildung.
  • Das Element Abbildung besteht aus:
    -Bild
    -Titel

 

 

Die Reihenfolge

von Bild und Titel kann nun für das Editieren fest definiert

sein, z.B. zuerst das Bild und dann der Titel. Dies spielt jedoch

für die Ausgabe auf Papier oder als Online-Dokument keine Rolle.

Da die Elemente identifizierbar sind, können diese vor der

Konvertierung in das eigentliche Zielformat in jede gewünschte

Reihenfolge gebracht werden.

 

 

 

 

 

 
clou picture

Der Clou: die Konvertierung

 

 

 

 

Das

Ergebnis:

 

 

&nb

  • Für jedes Zielformat/Medium kann die optimale Struktur durch Konvertierung der SGML/XML-Daten gewonnen werden.
  • Veränderungen im Zielformat (z.B. HTML wird erweitert) können durch eine Veränderung der Konvertierung berücksichtigt werden, ohne dass dies eine Änderung der Quelldatei bedingt. Die Quelldaten sind tatsächlich optimal geschützt.

 

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Wie arbeiten die Schlüsselelemente zusammen?

 

 

 

Das

Zusammenspiel der einzelnenSchlüsselelemente gestaltet sich

wie folgt:

 

 

&nb

  1. Die Dokumentation wird aus vielen kleinen SGML/XML-Dokumenten aufgebaut. Diese werden mit FrameMaker+SGML erstellt.
  2. Die Dokumente werden zentral im Datenpool gespeichert.
  3. Das Dokumentenmanagement-System übernimmt die Verwaltung aller Dokumente im Datenpool.
  4. Die SGML/XML-Dokumente werden unter der Kontrolle des DMS dem Translationsprozess übergeben.
  5. Die übersetzten Dokumente werden wieder im Datenpool gespeichert.
  6. In einem getrennten Prozessschritt werden die Ausgabeprodukte durch Konvertierung aus den SGML/XML-Daten hergestellt.

 

 

 

 

 

 
zusammen picture

Wie arbeitet alles zusammen?

 

Seitenanfang

Fazit

 

Die

dargestellte Reorganisation des Dokumentationsprozesses mit der

TC-Toolbox führt zusammenfassend zu folgenden Vorteilen:

 

 

 

&nb

  • Papier-, HTML- und Hilfe-Dokumente sind konsistent.
  • SGML/XML-Dokumente können mehrfach in verschiedenen Publikationen verwendet werden; hierdurch wird die Dokumentationserstellung beschleunigt.
  • Die Übersetzung ist zeitlich quasi parallel zur Originalsprache verfügbar; internationale Märkte können schneller bedient werden.
  • Verteilte Dokumentationserstellung ist tatsächlich möglich, selbst über Ländergrenzen hinweg.
  • Das jeweilige Zielformat wird optimal unterstützt.
  • Eine Anpassung an neu aufkommende Standardformate ist problemlos möglich – ohne die Quelle zu ändern. Die Dokumentbasis ist auf lange Zeit geschützt.

 

 

 

 

Einen

Nachteil gibt es allerdings auch: Die TC-Toolbox ist keine Standardlösung.

Sie ist vielmehr eine Applikation, die immer an die Anforderungen

des jeweiligen Unternehmens angepasst werden muss.

 

 

Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen

haben aber gezeigt, dass sich die Aufwände bei Schneider

Automation nach ca. einem Jahr produktiven Einsatzes wieder amortisiert

haben. Weitere Projekte, die auf der gleichen Architektur ansetzen,

können in Zukunft preiswerter erstellt werden.

 

 

Fit

zu sein für den globalen Wettbewerb ist auch für die

technische Dokumentation eine Herausforderung, aber keine unlösbare

Aufgabe.

 

 

 

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