2003/12 | Fachbeitrag | Präsenztrainings

Effiziente Symbiose von Präsenztrainings und E-Learning

von Wolfgang Fitznar

Inhaltsübersicht:

So mancher Branchenkenner war noch vor nicht allzu langer Zeit der Ansicht, E-Learning könne die herkömmlichen Präsenzschulungen ersetzen. Das war falsch. Das klassische Training ist so lebendig wie eh und je. Das E-Learning aber ist inzwischen den Kinderschuhen entwachsen und deshalb liegt es nahe, die erfolgreichen Lernansätze miteinander zu verknüpfen und die Vorteile der beiden Disziplinen in einem Weiterbildungskonzept zu integrieren, dem Blended Learning.

Blended Learning heißt: Präsenztrainings werden konsequent mit E-Learningangeboten ergänzt, beispielsweise webbasierte Vor- und Nachbereitungskurse. So können beide Lernformen ihre größte Wirksamkeit entfalten und bringen den Unternehmen die optimale Effizienz in ihren Trainingsprojekten. Das Präsenztraining beispielsweise ermöglicht es, die Teilnehmer individuell zu betreuen und Lerninhalte flexibel zu gestalten, so dass die Kurse an die spezifischen Anforderungen live angepasst werden können. Auch in der Praxisorientierung sind die klassischen Trainings unschlagbar. Der Trainer steuert die Motivation der Teilnehmer und schafft es durch das moderierte Lernen in der Gruppe, besonders viel Wissen zu vermitteln. Unterstützt wird das Training mit vorbereitendem E-Learning (Pre-Training), um die einzelnen Wissensniveaus der Teilnehmer zu homogenisieren, und mit nachbereitendem beziehungsweise vertiefendem E-Learning (Post-Training), um das Wissen mit Langzeiteffekt zu stabilisieren und zu verfeinern.

 

Effiziente Präsenztrainings

Schicken Unternehmen beispielsweise ihre Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen und Niederlassungen zu einem Seminar für ein neu einzuführendes Customer-Relationship-Management-System, stellen die Trainer oft fest, dass die Voraussetzungen der einzelnen Teilnehmer äußerst unterschiedlich sind. Einen Teil des Seminars muss er dann darauf verwenden, eine gemeinsame Basis zu schaffen. Damit geht wertvolle Zeit verloren, und Seminarziele werden nicht erreicht. Blended Learning begegnet dieser Erfahrung, indem vor dem eigentlichen Präsenztraining Bedarfsanalysen, Online-Tests und Vorbereitungskurse via E-Learning stattfinden. So ist garantiert, dass alle Teilnehmer über einen homogenen Wissensstand verfügen. Damit lassen sich die Effizienz des Präsenztrainings steigern und Präsenzzeiten gleichzeitig verkürzen. Darüber hinaus ist sichergestellt, dass über- oder unterqualifizierte Mitarbeiter keine Trainings besuchen, für die sie nicht geeignet sind.

Während des Seminars selbst kommt den Lernenden der ausgeprägte Praxisbezug von Präsenzveranstaltungen zugute. Geht es beispielsweise um die Einführung einer neuen Software, hilft es den Teilnehmern, wenn sie an die komplexen Neuerungen und Funktionsweisen mit Hilfe eines kompetenten und motivierenden Trainers herangeführt werden. Erkennen Mitarbeiter Lernfortschritte, nimmt außerdem ihre Angst vor dem Umgang mit der neuen Software ab und steigert die Akzeptanz. Das Präsenztraining bringt den Stein ins Rollen, den die Lernenden dann am Arbeitsplatz oder zuhause mittels E-Learning leicht weiterbewegen können.

E-Learning-Angebote helfen den Mitarbeitern, das Gelernte aktiv in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Den Trainern kommt in dieser Phase des Post-Trainings die Rolle des Online-Tutors zu, dessen Aufgabe nicht am letzten Seminartag endet, sondern der seine Teilnehmer auch in der Folge betreut und ihnen beratend zur Seite steht. Durch die virtuelle Zusammenarbeit in Projektgruppen oder Lerngemeinschaften - so genannten Communities - kann E-Learning eine motivierende Lernerfahrung bieten: Die Seminarteilnehmer erhalten die Möglichkeit, im gegenseitigen Austausch die Umsetzung des Gelernten in die Praxis mit den Erfahrungen anderer Seminarteilnehmer abzugleichen, sich gegenseitig in der Implementierung zu unterstützen, bei Problemen den Rat des Tutors oder der Kollegen zu suchen oder auch gemeinsam Projektaufgaben zur Vertiefung des Gelernten online zu bearbeiten. Wichtige Aufgabe des Trainers in Präsenzveranstaltungen im Rahmen von Blended-Learning-Angeboten ist, den Teilnehmern nicht nur Fakten zu vermitteln, sondern im pädagogisch versierten und praxiserfahrenen Dialog auch die Selbstlernkompetenz der Teilnehmer zu erweitern.

Diese ermöglicht, das Gelernte nach dem Präsenztraining eigenverantwortlich zu vertiefen und zu überprüfen.

Blended Learning: 1 + 1 = 3

Den Unternehmen bringen Blended-Learning-Programme, wie zum Beispiel des Anbieters öffentlich geförderter IT-Qualifizierungen CDI, das Beste aus zwei Welten: die motivierende, flexible Lernsituation der Präsenzveranstaltung sowie die zeit- und ortsungebundene Lernbegleitung ihrer Mitarbeiter via kostensparendem E-Learning. So wächst mit Blended Learning zusammen, was zusammen gehört: alle Aspekte der Weiterbildung, die klassisches und elektronisch gestütztes Lernen bieten. Als flexibles Integrationsmodell verknüpft Blended Learning Präsenzveranstaltungen und E-Learning entsprechend dem individuellen Lernbedarf. Damit erhalten die Unternehmen das beste Mittel, um unter verschärften Wettbewerbsbedingungen zu bestehen: hochqualifizierte und motivierte Mitarbeiter.

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