2021/2 | Fachbeitrag | Digitalisierung

Die Zukunft der Wissensarbeit

Genau jetzt ist es an der Zeit, Arbeit - besonders im Rahmen von Remote Work - neu zu bewerten. Die ursprünglich durch Covid-19 erzwungene rasante Umstellung auf Remote Work in vielen Unternehmen stellt eine Chance dar, die Arbeit an sich nachhaltig zum Nutzen unseres sozialen sowie wirtschaftlichen Wohlergehens zu verändern. Wenn Unternehmen das Potenzial erkennen, sich anpassen und auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden eingehen, hat verteilte Arbeit das Potential, auf lange Sicht das Beste zu sein, was der Wissensarbeit passieren konnte. Aber um diese Chance zu nutzen, muss die Erfahrung der Arbeit selbst grundlegend neu überdacht werden. Unser Gründer und CEO, Drew Houston, sagte kürzlich, dass die Corona-bedingte Verlagerung der Büroarbeit hin zu Distributed Work genau betrachtet eine Autobahn sei, auf der keine Kehrtwende möglich und erlaubt ist. Dieser Wechsel stellt eine der größten Veränderungen in der Wissensarbeit seit der Erfindung dieses Begriffs im Jahr 1959 dar.

Wissensarbeit im Wandel

Die Entwicklung der Arbeit in den letzten 100 Jahren ist geprägt durch eine beschleunigte Veränderung von Organisationskultur, Prinzipien und Werten. Die fortschreitende Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung, Automatisierung und explosive Entwicklung von Informationstechnologien erschufen eine neue Art der Arbeit. Der Begriff "Wissensarbeit" wurde 1959 vom Ökonom Peter Drucker in seinem Werk "Landmarks of Tomorrow" als ein wesentliches Merkmal postmoderner Gesellschaften geprägt. Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter schaffen heute mit ihrem vereinten Wissen und dessen Organisation die elementaren Grundlagen des sozialen, ökonomischen und medialen Zusammenlebens der Gesellschaft in unserem digitalen Zeitalter. Durch die Pandemie steht die Wissensarbeit heute vor großen Umbrüchen. Unsere heutige Welt ist mehr denn je angewiesen auf Kollaboration, Teamarbeit und ein starkes soziales Wertesystem - alles erschwert durch die aktuell erforderliche physische Distanz. Mit der Strategie "Virtual First" hat Dropbox eine Antwort für die Zukunft der Wissensarbeit gefunden.

Der klassische Büroarbeitsplatz ist am Ende

Der Begriff "Arbeitsplatz" erhält durch Remote Work eine neue Dimension. In der Zeit der Corona-Pandemie ist die Wissensarbeit nun vollends ihrer physischen Büro-Umgebung entwachsen. Ein Arbeitsplatz ist nun "überall dort, wo gearbeitet wird", sei es ein physischer Raum, oder eine digitale Umgebung. Natürlich ging dieser Wandel nicht ganz reibungslos vonstatten. In einer von Dropbox beauftragten Studie der EIU (The Economist Intelligence Unit) wurden die Auswirkungen der rapiden Umstellung in Zahlen gefasst. Die Studie, in der 4.000 Angestellte aus den U.S.A., Kanada, Australien, Frankreich, Großbritannien, Japan, und Singapur über ihre Erfahrungen mit Remote Work befragt wurden, zeigt, dass der Wechsel zu verteilter Arbeit den Wissensarbeitenden auch neue Möglichkeiten erschloss, mehr Zeit in tief konzentrierter Arbeit zu verbringen. Viele Arbeitnehmer*innen können sich zu Hause besser konzentrieren als an einem klassischen Büroarbeitsplatz.

Virtual First bedeutet Individualität First

In der Wissensarbeit hat sich gezeigt, dass die individuelle Ausrichtung der Arbeit nach Bedürfnissen und Lebenswirklichkeiten und der ökonomische Erfolg des Unternehmens sich nicht gegenseitig ausschließen. Egal ob man nachtaktiv oder ein Frühaufsteher ist, die Tagesplanung von Kinderbetreuung abhängt oder man ganz einfach zu einer bestimmten Tageszeit am produktivsten ist: Nicht nur der Platz, an dem gearbeitet wird, ist nun flexibel, auch die Zeit ist es! Die traditionelle "Arbeitswoche" hat ausgedient. Gearbeitet wird, wann immer die arbeitende Person am produktivsten ist. Vorausgesetzt, man hat alle dafür benötigten Informationen und Tools immer zur Hand. Genau deshalb verfolgen die Philosophie und das Design von Dropbox das Ziel, alles, was zum effektiven Arbeiten und Kollaborieren benötigt wird, an einem Ort zusammenzuführen.

Daneben erfordert die Auflösung der Grenzen von Raum und Zeit eine radikale Änderung der Denkweise und eine neue Priorisierung. Vor allem ist nun ein Umdenken auf Führungsebene gefordert. Denn gibt es weder feste Büros, noch feste Arbeitszeiten, muss ein neues System zur Messung der Leistungserbringung erdacht werden. Statt Präsenzzeit sollten Ergebnisse und gemeinsam erreichte Ziele gemessen werden. Eine vertrauensbasierte, offene Bewertungskultur wird langfristig begeisterte Mitarbeitende und neue Talente mit dem richtigen Mindset anziehen und ans Unternehmen binden. Eine Loslösung vom physischen Arbeitsplatz bedeutet gleichzeitig auch die Eröffnung völlig neuer Möglichkeiten auf dem Talentmarkt: Talentierter Unternehmensnachwuchs kann nun von überall auf der Welt rekrutiert werden und vom Wohnort aus arbeiten. Virtual First bietet volle Flexibilität für Unternehmen und Mitarbeitende. Besonders, weil Virtual First die Möglichkeit bietet, sich bei Bedarf zur Kreativarbeit in Gruppen in eigens dafür vorgesehenen oder angemieteten Räumlichkeiten auch weiterhin physisch zu treffen.

Aufbruch in eine neue Ära der Arbeit

Die Pandemie hat uns an die Schwelle zu einer neuen Zeit gebracht. Mit der durch Covid-19 zusätzlich beschleunigten Digitalisierung erlebt die Arbeitswelt den vielleicht größten Wandel seit der industriellen Revolution. Einmal beschritten, führt kein Weg zurück in den ursprünglichen Trott. Zwar muss noch genauer spezifiziert werden, wie die Arbeit maßgeblich digital mit punktuellen physischen Zusammenkünften von Teams wirklich gelebt werden kann, aber der Startschuss ist gesetzt. Dropbox nimmt als eine der führenden Plattformen für verteiltes Arbeiten ihre Möglichkeiten und Verantwortung wahr, den Wandel aktiv mitzugestalten. Die neue Virtual First-Strategie des Unternehmens ermöglicht neuartige, nicht-lineare Arbeitsweisen, die dem individuellen, nicht-linearen Verlauf des eigenen Lebens optimal angepasst werden können. Nutzen wir dieses Potential, werden die neuen Erfahrungen weit über das hinausgehen, was physische Räume unterbringen können!


Die Autorin:

Andrea Trapp ist Director of Business EMEA bei Dropbox und leitet ihre Teams aus München heraus. Die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Expertin für Change Management war 17 Jahre lang - zeitweise auch im Ausland - in europaweiten Führungs- oder Vorstandspositionen internationaler Tech- und PropTech-Unternehmen tätig. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte lagen stets auf den Themen Construction & Manufacturing und auf der Optimierung von Transformationsprozessen. Dabei versteht sie sich als Coach und Mentorin ihrer Teams

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Innovative Weiterdenker: Fördern statt ausbremsen

WISSENplus
Jetzt in der Krise und auch danach brauchen die Unternehmen Ideen: neuartige, wilde, kühne, unkonventionelle Ideen. Viele solcher Ideen. Abwehrmechanismen sind dabei fatal. Wo diese weitläufig Einzug halten, kommt alles zum Stillstand, weil nichts mehr hinterfragt, Wissen nicht mehr geteilt und Umwälzendes frühzeitig abgeblockt wird. ...

Weiterlesen

„Schau hin!“ Video-Tutorials auf dem Vormarsch

WISSENplus
Als am 03. August 1984 um 10:14 Uhr Michael Rotert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Telematik an der Universität Karlsruhe, die Botschaft von Deborah Brittner aus dem US-Bundesstaat Massachusetts auf seinem Terminal erhielt, konnte er nicht erahnen, dass dies die Geburtsstunde einer neuen Art der Informationsverteilung sein würde: Deborah Brittner war eine Mitarbeiterin des CSNET, ei...

Weiterlesen

B2B-Kommunikation im menschlichen und digitalen Wandel: 8 Tipps für 2021

Mit der fortschreitenden Digitalisierung wird auch die Kommunikation immer vielfältiger und komplexer. Zugleich hat die Corona-Krise aufgezeigt, wie erfolgsentscheidend es ist, überhaupt zu kommunizieren. Die passende und authentische Kommunikation von Mensch zu Mensch ist - auch für B2B-Unternehmen - das A und O, um sich insbesondere durch schwierige Zeiten zu manövrieren. Daraus lassen sich wert...

Weiterlesen

Medizintechnik: Hirngerechtes Lernen bei Ypsomed

WISSENplus
Das international tätige Schweizer Medizintechnik-Unternehmen Ypsomed AG formt gerade proaktiv seine Zukunft. Das inhabergeführte Traditionsunternehmens wandelt sich dank innovativer Wissensmanagement-Ansätze zu einem agilen Player. Herzstück dieses Change-Prozesses sind smarte Weiterbildungsformate und eine offene Unternehmenskultur....

Weiterlesen

Resilienz? Keine Zeit für so was!
Wie Führungsversagen beendet wird und was Toyota dazu beiträgt

WISSENplus
Für unternehmerische Zukunftsfähigkeit sind drei Erfolgsfaktoren unverzichtbar: Ressourcenerhaltende bzw. nachhaltige Produktion, sinnvolle Digitalisierung und fördernde Führungskultur. Für die ersten beiden wirkt die Viruspandemie wie ein Kompressor. So sorgen Lockdown-befeuerte digitale Auf- und Durchbrüche für nachhaltigen Wandel bei Heimarbeitsplätzen und virtuellen Meetings; nicht nur Großunte...

Weiterlesen

Gegen den Homeoffice-Frust: Fünf goldene Regeln für das Führen auf Distanz

Während der erste Lockdown vollkommen überraschend über die Führungskräfte hereingebrochen ist, haben sie nun bereits erste Erfahrungen mit dem Führen auf Distanz. Auf diesen sollten sie gezielt aufbauen, um bei ihren Mitarbeitern Frust, Einsamkeit und Überarbeitung im Homeoffice zu vermeiden. Jenny Gruner ist Director Digital Marketing bei Hapag-Lloyd. Sie beschreibt ihre fünf goldenen Regeln, wie ...

Weiterlesen

Die Zukunft der Employee Experience: 13 Prognosen für das Jahr 2021

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt und Unternehmen auf der ganzen Welt zum Umdenken gezwungen. Eine spannende Frage lautet daher: Wie wird die Employee Experience (EX) dieses Jahr aussehen? Wie werden die Unternehmen das Arbeitsumfeld ihrer Mitarbeiter gestalten? Die Chancen und Herausforderungen des kommenden Jahres haben Experience-Management-Scientists und Employee-Experience-...

Weiterlesen

Business Messaging: Die Zukunft der mobilen Kommunikation

Mailen Sie noch oder chatten Sie schon? Messenger-Dienste sind aus der privaten Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Auch im beruflichen Bereich gewinnen sie zunehmend an Relevanz. Dabei ist das Thema gar nicht so neu, wie man vermuten mag. Bereits 2001 nennt Gartner den Begriff "Enterprise Instant-Messaging" erstmals in seinem Hype Cycle. Und 2007 konstatiert der Marktforschungsexperte, dass En...

Weiterlesen