2021/3 | | Automatisierung

Die Zukunft der Employee Experience: 13 Prognosen für das Jahr 2021

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt und Unternehmen auf der ganzen Welt zum Umdenken gezwungen. Eine spannende Frage lautet daher: Wie wird die Employee Experience (EX) dieses Jahr aussehen? Wie werden die Unternehmen das Arbeitsumfeld ihrer Mitarbeiter gestalten? Die Chancen und Herausforderungen des kommenden Jahres haben Experience-Management-Scientists und Employee-Experience-Experten in Form von 13 Prognosen umrissen.

Bildquelle: (C) Gerd Altmann / Pixabay

1. Mehr Gemeinschaft in Zeiten des Homeoffice

Ein Gefühl der Zugehörigkeit ist für Beschäftigte, die zu Hause arbeiten, eminent wichtig. Das gilt besonders für Angestellte, die alleine leben und stärker darauf angewiesen sind, in einen beruflichen Kontext eingebunden zu sein. Aus diesem Grund werden die Personalabteilungen dieses Jahr vermehrt Initiativen zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls starten.

Die Lösung liegt aber nicht darin, die Arbeitsgewohnheiten aus den Zeiten vor Corona wiederaufzunehmen. Im Vordergrund steht stattdessen, wie man individuellen Arbeitsstilen, Persönlichkeiten und der Teamdynamik Rechnung tragen kann, um Produktivität, Zusammenarbeit, Unternehmenskultur, Innovation und Gemeinschaftssinn zu fördern. Diese Faktoren werden in den Blickpunkt rücken, wenn es um die Zuweisung von Angestellten zu virtuell arbeitenden Teams geht.

2. Das Wohl der Mitarbeiter im Blick

Initiativen zur Förderung des Mitarbeiterwohls werden zu einem wichtigen Bestandteil der Personalpolitik: um Talente zu gewinnen und zu binden, aber auch, um zu zeigen, dass dem Unternehmen die Sicherheit und Gesundheit ihrer Belegschaft am Herzen liegen.

Körperliche und seelische Gesundheit, finanzielles und soziales Wohl, Zufriedenheit am Arbeitsplatz - all das trägt wesentlich zum Gesamtbefinden des Arbeitnehmers bei. Unternehmen, die sich im Rahmen eines ganzheitlichen Konzepts dem Wohlergehen ihrer Mitarbeiter verpflichten, werden mit einem hohen Return on Investment belohnt.

3. Flexible Arbeitsmodelle werden häufiger

2021 wird immer deutlicher, dass es nicht ausreicht, der kompletten Belegschaft ein und dasselbe Standardmodell anzubieten. Stattdessen werden die Unternehmen ihre Arbeitsmodelle und -prozesse zunehmend flexibel gestalten, um den individuellen Bedürfnissen ihrer Angestellten gerecht zu werden. Das heißt, sie werden weitaus mehr flexible Arbeitsmöglichkeiten anbieten als zuvor, beispielsweise eine kompakte 4-Tage-Woche oder ein Modell, bei dem der Angestellte abwechselnd im Büro und im Homeoffice ist. Auf diese Weise können sie sich ihr Pensum besser einteilen und trotzdem noch im direkten Kontakt mit ihren Teamkollegen arbeiten.

4. Tägliches Feedback verändert die Employee Experience

Während sich die Beschäftigten an manche Formen des täglichen Feedbacks (wie den Gesundheitscheck bei Ankunft im Büro) gewöhnen, kommen weitere Vorgaben und Herausforderungen auf die EX-Verantwortlichen zu. Hierbei geht es vor allem um Themen wie Datenschutz, Vertraulichkeit und Sorgfaltspflicht - und die Frage, wie man die Beschäftigten zusätzlich unterstützen kann. Beispielsweise, indem die Personaler häufiger direkt bei ihren Teams nachfragen, wie ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessert werden kann.

5. Diversitäts- und Inklusionsstrategien nehmen an Fahrt auf

Der Fokus auf Diversität, Chancengleichheit und Inklusion und auf die Unterstützung von Mitarbeitern aus unterrepräsentierten Gruppen wird sich 2021 kontinuierlich verstärken. Doch statt lediglich Ziele und Quoten festzulegen, werden sich die Unternehmen mit der Alltagsrealität unterrepräsentierter Gruppen beschäftigen, die Position des beauftragten Managers stärken und eine solide Strategie ausarbeiten müssen: in Richtlinien, bei Neueinstellungen, Vergütungskriterien, Diskussionen um Beförderungen und Leistungskalibrierungen, Nachfolgeplanungen und künftigen Personalprozessen zur Mitarbeiterförderung. Hierfür wird eine wachsende Zahl an Unternehmen die Prinzipien des Human Experience Management (HXM) - wie beispielsweise Job-Design und -Architektur - (wieder-) entdecken, um für mehr Diversität, Chancengleichheit und Inklusion zu sorgen. Auf diese Weise können sie ihre Mitarbeiter außerdem beim Erwerb von Fähigkeiten unterstützen, die für die künftige Arbeitswelt erforderlich sind.

6. Weniger Collaboration-Tools für eine bessere Zusammenarbeit

Um die interne Zusammenarbeit zu erleichtern, wird der Arbeitsalltag der Mitarbeiter "verschlankt". Statt die Zahl der verwendeten Tools, Prozesse und Systeme ständig zu erhöhen, werden die Unternehmen ihre technische Employee Experience verbessern: mit weniger Systemen und Plattformen, die jedoch optimal genutzt werden.

7. Agile Befragungsmethoden für erweiterten Aktionsradius

Die Vorteile agiler Befragungsmethoden - nämlich die Möglichkeit, unter wechselnden Voraussetzungen prompt zu reagieren - sind mittlerweile bekannt. Aus diesem Grund werden 2021 mehr Unternehmen knappe, gezielte Umfragen in kürzeren Abständen durchführen und Daten zum gesamten Mitarbeiterlebenszyklus sammeln und miteinander verknüpfen - von der Bewerbung, dem Onboarding und dem Engagement bis hin zum Austritt. Einerseits eine riesige Chance, einen besseren, datenbasierten Überblick zu gewinnen und den Aktionsradius von EX-Experten zu vergrößern.

Andererseits geht mit dem verstärkten Einsatz von Pulsumfragen und Feedbacksystemen nach dem "Always-on"-Prinzip auch eine höhere Fehlerquote einher. Häufig starten die Unternehmen Umfragen, ohne zuvor sorgfältig zu erwägen, was sie erfragen und wie sie die Ergebnisse prüfen und umsetzen wollen. Doch aus Fehlern lernt man: Irrtümer geben den EX-Profis Gelegenheit, ihre Umfragen weiterzuentwickeln.

8. HR und IT schaffen gemeinsam eine bessere technische Experience

Schon vor Corona befand sich die Arbeitswelt mitten im Digitalisierungsprozess. In den meisten Unternehmen wurde diese Entwicklung durch die Pandemie beschleunigt, denn sie mussten den Mitarbeitern alle Tools bereitstellen, um weiterarbeiten zu können. IT und Technik werden daher auch 2021 ein wesentlicher Bestandteil einer ganzheitlichen Employee Experience sein.

Die Konsequenz ist eine Zusammenarbeit zwischen dem IT-Bereich und der Personalabteilung, um nicht nur den Bedarf an Ressourcen zu ermitteln, sondern auch um die Herausforderungen des technischen Arbeitsalltags zu meistern.

9. Frauen fördern und binden

Wegen Prioritäts- und Zuständigkeitskonflikten haben viele Firmen im Corona-Jahr weibliche Fachkräfte verloren. Laut einer McKinsey-Studie zur Arbeitssituation der US-amerikanischen Frauen (Women in the Workplace 2020) "denken mehr als ein Viertel der Frauen über etwas nach, was vor nur sechs Monaten undenkbar gewesen wäre: im Beruf zurückzustecken oder ganz aufzuhören."

2021 wird daher mit neuem Elan darauf hingearbeitet, systembedingte Barrieren zu überwinden, die immer noch den beruflichen Aufstieg von Frauen hemmen. Zu diesem Zweck müssen Maßnahmen gegen die Benachteiligung von Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen zur Priorität erklärt werden. Hierbei geht es auch um die oberen Führungsränge, in denen Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert sind.

10. Mitarbeiter-Feedback auch über soziale Medien

In diesem Jahr wird das aktive Einholen von Feedback durch passives "Zuhören" ergänzt: Auch das, was die Mitarbeiter auf internen Plattformen und/oder in sozialen Medien äußern, fließt in die Rückmeldungen ein. So gewinnen die Unternehmen einen umfassenden Überblick über die Themen, die ihren Angestellten wichtig sind. Der EX-Manager der Zukunft wird beide Formen des Employee Listening nutzen, um Erkenntnisse für seine Employee-Experience-Programm zu sammeln.

11. Ruhigere Phasen sorgen für eine bessere Balance und Konzentration

Auch die Art und Weise, in der sich die Unternehmen um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter kümmern, ist reif für eine Erneuerung: 2021 werden die Arbeitgeber Stunden, Tage oder gar Wochen einführen, in denen unternehmensweit keine Meetings abgehalten oder neue Aufgaben gestartet werden dürfen. So haben die Beschäftigten mehr Zeit, ihr Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu kriegen.

12. Einstellung ehemaliger Mitarbeiter

Da viele Unternehmen im letzten Jahr qualifizierte Mitarbeiter verloren haben, müssen sie 2021 Möglichkeiten zum Wiedereinstieg schaffen. Dazu sollten sie flexible Arbeitsmodelle oder Teilzeitverträge anbieten, also Arbeitskonzepte, die sich für den jeweiligen Mitarbeiter am besten eignen.

13. EX-Daten in Reichweite

2021 wollen die Unternehmen die Möglichkeit haben, EX-Daten zu analysieren und einzubinden. Wichtig wird ihnen der Zugriff auf zentrale EX-spezifische Kennzahlen sein, die auf allen Betriebsebenen leicht zu kommunizieren und zu verstehen sind - denn diese Zahlen geben Aufschluss darüber, wie es den Menschen im Unternehmen geht.


Die Autorin:

Dr. Vanessa Kowollik ist EX XM Scientist bei Qualtrics und unterstützt Kunden bei der Entwicklung und Skalierung von Mitarbeiter-Experience-Programmen. Davor arbeitete Kowollik als Senior Consultant bei IBMs Talent Management Solution, wo sie an der Leitung der Mitarbeiterbefragung beteiligt war. Kowollik verfügt über zehn Jahre Erfahrung in der Personalbetreuung verschiedener Branchen wie dem Bankwesen, der Telekommunikation und dem verarbeitenden Gewerbe. Zu ihrem Fachbereich gehören Umfragen zum Mitarbeiter-Engagement und Pulsbefragungen, 360°- und 180°-Umfragen, Personalauswahl und -bewertung sowie die Entwicklung von Kompetenz-Frameworks. Kowollik erwarb ihren Doktor in Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Oklahoma im Bereich Cognitive Skill Acquisition.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Personalisierter, autorisierter Zugang zu Informationen - mit dem Need-to-know-Prinzip

Die tägliche Datenflut hat viele negative Folgen. Zwei Konsequenzen stechen jedoch als besonders nachteilig und gefährlich heraus: Erstens überfordert sie viele Menschen mit einer Unmenge für sie unnötiger Daten, aus denen sie relevante Informationen erst mühsam und zeitaufwändig herausfiltern müssen. Und zweitens birgt sie enorme Sicherheitsrisiken, weil häufig vertrauliche oder sicherheitsreleva...

Weiterlesen

Ab in die Cloud - jetzt aber richtig!

WISSENplus
Cloud Computing ist eine Schlüsseltechnologie für die nächsten Schritte der digitalen Transformation. Dabei ist die Technologie seit Jahren am Markt verfügbar. Also alter Wein in neuen Schläuchen? Keineswegs. Bislang ging es oft um das bloße Verlagern von Anwendungen aus Rechenzentren in die Cloud. Doch moderne Ansätze bieten mehr. Ihr ganzes Potenzial spielt die Cloud erst aus, wenn Entwicklun...

Weiterlesen

Back to the Basics: Überleben in der Leadership-Inflation!

WISSENplus
Angesichts des inflationären Gebrauchs des fast schon inhaltslosen Begriffs "Leadership" ist eine Neuorientierung erforderlich. Statt sich mit der x-ten Leadership-Variante zu beschäftigen, sollten die Führungskräfte wieder verstärkt das hautnahe persönliche Gespräch mit den Mitarbeitenden suchen....

Weiterlesen

Text Mining: Dokumente analysieren, Insights generieren

WISSENplus
Im Zeitalter von Big Data ist die automatisierte Verarbeitung textueller Informationen für Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Bereits im Jahr 1995 verbreiteten Ronen Feldman und Ido Dagan innerhalb der wissenschaftlichen Community eine Technik, die sie als "Knowledge Discovery in Texts" bezeichneten. Über die Jahre hinweg entwickelte sich daraus das "Text Mining", das sich...

Weiterlesen

Menschen wollen Leistung erbringen!

WISSENplus
Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan beschreibt die grundlegenden psychologischen Bedürfnisse, die beim Menschen eine hohe Motivation und Wohlbefinden bewirken. Laut der beiden Wissenschaftler ist ein wesentlicher Treiber des Menschen das Bedürfnis nach Kompetenz - also die positive Erfahrung, eine Tätigkeit zu beherrschen. Für das Performance Management ist es demzufolge entscheidend, i...

Weiterlesen

Hochschule 4.0: Universität Witten / Herdecke bringt Struktur in administrative Prozesse

Zur Zeit ihrer Gründung im Jahr 1982 war die Universität Witten/Herdecke die erste und einzige deutsche Hochschule in privater Trägerschaft. Mit mittlerweile über 600 Mitarbeitern und mehr als 2.600 Studierenden teilt sich die Universität in zwei Fakultäten: Gesundheit sowie Wirtschaft und Gesellschaft. Sie betrachtet Vielfalt als große Entwicklungschance und pflegt eine Kultur der Beteiligung ...

Weiterlesen

Präsenz, online, hybrid: Corona hat das Recruiting nachhaltig verändert

WISSENplus
Bisher waren digitale Recruitingprozesse in Deutschland weitgehend auf Online-Bewerbersysteme beschränkt, d.h. auf den Prozess der Stellenausschreibung und die Verwaltung der Unterlagen und des Recruitingprozesses in Form von Workflows oder aber Online-Tests. Virtuelle Interviews waren hingegen eher unüblich. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Kienbaum zeigt jedoch, dass während der Cor...

Weiterlesen

Wissen ist (k)ein Wegwerfprodukt!

Deutschland gilt als Land der Dichter und Denker. Auch als Land der Ideen wurde es dank einer Initiative der Bundesregierung schon bezeichnet. Mit einem Blick auf die Meilensteine der Industriegeschichte ist es zudem ein Land der Erfinder. Auto, Flugzeuge und Computer haben hier ihre Geburtsstunde. Es ist also seit jeher das Wissen in den Köpfen der Menschen, das die Wirtschaft vorangebracht hat. Bis...

Weiterlesen