2010/6 | Fachbeitrag | Open Innovation

Deutsche Post auf Ideensuche

von Ragna Schwarz

Inhaltsübersicht:

 

„Wer seine Kunden faszinieren will, braucht neue, außergewöhnliche Ideen!“, sagt Diplom-Marketing- und Kommunikationswirt Marcus Berthold, der zusammen mit Diplom-Ideenmanager Reinhard Karner jun. der Gründer und Gesellschafter der weltweit einzigartigen Ideen- Plattform ist: brainfloor.com. Dabei handelt es sich um ein Open Innovation Portal, mit dessen Hilfe Wirtschaftsunternehmen neue, außergewöhnliche Ideen zu ihren Fragestellungen erhalten. Es erschließt systematisch den kollektiven Ideenreichtum von kreativen Querdenkern. Ein Brainstorming-Portal ist gerade in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise von großem Nutzen: „Gerade jetzt ist es für Unternehmen wichtig, Innovationen auf dem Markt zu platzieren. Mit Innovationen werden Unternehmen einzigartig und unterliegen nicht mehr dem Problem der Vergleichbarkeit – wie es beim Preis immer der Fall ist“, sagt Reinhard Karner.

 

Seit dem Start der virtuellen Denk-Gemeinschaft im April 2008 ist die Kreativ-Community auf rund 2.500 ideenreiche Querdenker angewachsen. Über 100 Unternehmen haben das Portal bislang genutzt und den Ideengebern konkrete Fragen aus dem Geschäftsalltag gestellt. Das Konzept, dem sich die Macher von brainfloor verschrieben haben, nennt sich Open Innovation und nutzt das Potenzial kollektiver Kreativität und Intelligenz für Wirtschaftszwecke.

 

Megatrend Open Innovation

 

„Die Geschwindigkeit und Begeisterung, mit der viele Ideengeber ihre Ideen formulierten, fanden wir bemerkenswert“, fasst Petra Knöpke, Senior Expertin der Deutschen Post zusammen. Auch Firmen wie Bosch, Jack Wolfskin, Südsalz, IMAX und viele mittelständische Unternehmen arbeiten mit brainfloor.com. Selbst der Marktriese Google bat seine Fangemeinde im Internet um Ideen zu einer perfekten Handysoftware und bekam rund 2.000 Ideen zugeschickt. Kein Wunder, dass der führende deutsche Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx Open Innovation als „Megatrend“ bezeichnet. So wie Google nutzt auch brainfloor.com die Ideen der Masse. Auf der Internet-Plattform treffen Unternehmen und Ideengeber aufeinander und das Prinzip ist einfach: Die Firmen stellen eine konkrete Frage, die Ideengeber antworten. So war eine Fluggesellschaft erfolgreich auf der Suche nach neuen Serviceideen, ein Salzhersteller stellte die Frage nach neuen Produkten, eine Versicherung entdeckte neue Vertriebskanäle und ein Sportverband holte sich Einfälle für eine neue Trendsportart. Innovationsberater unterstützen die Kunden aktiv und helfen dabei, Fragestellungen optimal zu formulieren – denn „je gezielter eine Fragestellung, desto passender die Antworten.“, erklärt Berthold.

 

Auf brainfloor.com treffen sich Ideengeber (BrainWorker) und Ideensucher (BrainUser)

Auf brainfloor.com treffen sich Ideengeber (BrainWorker) und Ideensucher (BrainUser)

 

Jeder hat Ideen! Jeder braucht Ideen!

 

Die Motivation für die Ideengeber (BrainWorker), qualitativ hochwertige Ideen abzugeben, ist bares Geld pro abgegebener Idee – vorausgesetzt, sie wurde von den Ideensuchern (BrainUser) mindestens mit der Schulnote „ausreichend“ bewertet. Über ein praxiserprobtes Bewertungssystem können Firmen ihre Ideen in Form von Noten bewerten. Diese werden in einem Qualitätsindex für Ideengeber registriert, was natürlich zusätzlich den persönlichen Ehrgeiz der BrainWorker anstachelt. Und die sind dabei völlig unterschiedlich: „Unsere Community setzt sich aus über 2.500 kreativen Köpfen zusammen“, so Berthold. „Sie besteht aus völlig unterschiedlichen Menschen: Studenten, Hausfrauen, Doktoren, potenziellen Kunden, Stammkunden, Sportlern, Berufstätigen und Experten aus allen Branchen und Bereichen, die Spaß daran haben, Ideen zu entwickeln. Jeder kann und soll mitmachen!“

 

Unternehmen können genau kalkulieren, wie viel Geld sie in eine Ideen Lounge investieren wollen. Der Ideensucher bestimmt im Vorfeld, wie viele Ideen zu einer Frage abgegeben werden sollen. Eine so genannte Ideen Lounge kann ab Euro 3.500 gestartet werden. Wer die abgegebenen Ideen nicht selber bewerten will, kann das auch den brainfloor-Mitarbeitern überlassen.

 

Web- versus Live-Ideenworkshop

 

Das Interessante daran, die Ideensuche ins Internet zu verlagern, ist die größere Effektivität und Effizienz im Vergleich zu einem Live-Ideenworkshop. Je mehr Ideen in einer Ideen Lounge abgegeben werden, desto höher die Chance, dass die Top-Idee, die sprichtwörtliche „Rolle unterm Koffer“, dabei ist. Auch Mehrfachnennungen der BrainWorker haben einen klaren Vorteil: „Nachdem wir wissen, dass Ideen meist aus Bedürfnissen entstehen, sehen wir Wiederholungen als klare Aufforderung an den Ideensucher, diese Idee umzusetzen.“, so Reinhard Karner.

 

Aus Erfahrung empfiehlt brainfloor, eine Ideen Lounge mit mindestens 500 Ideen zu eröffnen. Bis alle Ideen eingegangen sind, vergeht je nach Fragestellung unterschiedlich viel Zeit. Um die gewünschte Anzahl von Ideen zügig zu erhalten, promotet brainfloor einzelne Ideen Lounges aktiv auf der Plattform. Derzeit werden ca. 100 Ideen pro Tag pro Frage abgegeben. Das ist eine überdurchschnittliche Beteiligung und zeigt das enorme Interesse der Menschen, die Zukunft aktiv mit zu gestalten.

 

Industriespionage den Riegel vorschieben

Im Gegensatz zu anderen Brainstorming-Portalen ist die brainfloor-Plattform nicht öffentlich. Die Ideen sind ausschließlich für den Ideensucher einsehbar und somit ist Industriespionage ausgeschlossen. Prinzipiell können Fragen zu fast allen Themenbereichen gestellt werden, unabhängig von Branche und Firmengröße. Darüber hinaus beschäftigt sich ein Ideengeber durchschnittlich 7,5 Minuten mit einer gestellten Frage und der dazugehörigen Marke, so ist eine unvergleichbare Werbequalität gewährleistet.

 

Bewerben mal anders herum

Doch nicht nur für Unternehmen bildet brainfloor.com eine ideenreiche Plattform. Auch Privatpersonen nutzen das Online-Brainstorming. „Eine unserer BrainUser war eine Dame, die wollte, dass alle von ihr ausgewählten Firmen um ihre Arbeitskraft als Sekretärin und Buchhalterin buhlen“, erzählt Marcus Berthold „Für sie haben wir auch eine Ideen Lounge eingerichtet.“ Seit Mitte November steht die Userin wieder mitten im Arbeitsleben. Die Ideen, die abgegeben wurden, waren zwar etwas schräg – letztendlich aber genau das Richtige, um sich von den Mitbewerbern zu unterscheiden. Und genau darum geht es: sich von den Wettbewerb abzuheben und die Wünsche seines Kunden zu realisieren, noch bevor er sie selber kennt. Jeder hat Ideen! Jeder braucht Ideen!

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