2016/5 | Fachbeitrag | Best Practice

Continental: Reifenhersteller auf der digitalen Überholspur

von Hannah Winter-Ulrich

Inhaltsübersicht:

1871 als „Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie“ in Hannover gegründet, zählt Continental heute zu den Top 5 der Automobilzulieferer. Das Traditionsunternehmen entwickelt und produziert mit rund 208.000 Mitarbeitern in 53 Ländern verschiedenste Produkte: Reifen, Bremssysteme, Komponenten und Systeme für Antriebe und Fahrwerke, Instrumentierung, Infotainment-Lösungen, Fahrzeugelektronik und technische Elastomerprodukte. Die Sparte Reifen ist neben Chassis & Safety, Powertrain, Interior und ContiTech eine Division des Konzerns und bietet für jedes Fahrzeug den passenden Reifen: von Pkw und Motorräder über Lkw, Busse und Baustellenfahrzeuge bis hin zu Spezialfahrzeugen und Fahrrädern. Damit Continental die eigene Website als Marketing- und Vertriebsinstrument besser nutzen kann, hat es die User Experience optimiert und die technologische Basis modernisiert.

Überarbeitung der Website

„Über 50 Prozent der Konsumenten recherchieren online über Reifen“, erklärt Wiebke Wallenwein, Teamleiterin Online-Marketing bei Continental Reifen Deutschland und interne Projektleiterin für den Website-Relaunch. „Dabei dient unsere Website als wichtige Beratungs- und Informationsquelle.“ Damit der Internetauftritt aktuellen Nutzungsgewohnheiten und technologischen Anforderungen entspricht, musste er im responsiven Webdesign umgesetzt werden, eine zielgruppenspezifische Navigationsführung unterstützen, SEO-optimiert sein, schnellere Ladezeiten erlauben und ein nutzerfreundliches Backend haben. Herzstück des Internetauftritts sollten zwei Funktionen bilden: Tirefinder und Dealer Locator.

Im Frühjahr 2014 begab sich Continental auf die Suche nach einem Dienstleister, der ein neues Konzept erarbeitet und ein modernes Design entwirft – und hat sich für arvato Systems entschieden.

Ein Master, fünf Prototypen

Von August 2014 bis Jahresende hat der IT-Spezialist ein neues Konzept und verschiedene Produktseiten entworfen. „Die Reifensparte von Continental gliedert sich in fünf Units“, erklärt Dietmar Schulte, Gesamtprojektleiter von arvato Systems. „Da die Geschäftsbereiche Pkw, Lkw, Motorrad, Fahrrad und Nutzfahrzeuge unterschiedliche Anforderungen hatten, haben wir fünf Prototypen gestaltet.“ Die Autoreifen-Produktseite diente als Master, auf dem der IT-Dienstleister die Inhalte verortet hat.

Aufgrund des engen Zeitplans kamen agile Entwicklungsmethoden zum Einsatz. „Wir haben die Aufgaben in vierwöchigen Sprints schrittweise abgearbeitet“, erinnert sich Schulte. Nachdem Continental das Konzept abgesegnet hatte, erfolgten die Adaption des Masters für die anderen Units und die Überführung ins Design. „Für mehr Lebendigkeit haben wir Videos integriert“, so Schulte. Ein Nutzertest im Marktforschungslabor, mit dem arvato Systems Anwendungsszenarien, wie etwa die Suche nach Autoreifen und Händlern, mithilfe von Eye Tracking durchgespielt und durch eine Umfrage analysiert hat, brachte das gewünschte Ergebnis. „Wir mussten nur noch Kleinigkeiten anpassen“, freut sich Schulte.

Arbeitserleichterung für Redakteure

Da der Go-live für Juli 2015 geplant war, galt es bei der Implementierung keine Zeit zu verlieren. „Wir haben Continental empfohlen, das bisherige CMS CoreMedia nicht abzulösen, sondern auf die neue Version 8 umzusteigen, deren Usability sehr gut ist“, sagt Niklas Berger, technischer Projektleiter von arvato Systems, „im Gegensatz zum Java-Editor, den Continental bislang zur Verwaltung des eigenen Dokumentenmodells verwendet hat.“ Das CoreMedia Studio ermöglicht bspw. das „Preview Driven Editing“: Klicken Redakteure in der Seitenvorschau eine Komponente an, öffnet sich automatisch das Eingabeformular.

Für Entlastung sorgt auch die Anbindung des CMS an die Reifendatenbank. Anwender müssen einige Produktmerkmale eines Reifens nicht mehr manuell in das CMS einpflegen, sondern diese werden automatisch auf der jeweiligen Detailseite veröffentlicht.

Video-Content und Schnelligkeit überzeugen

Zugunsten der gewünschten Endgeräte- und Browserunabhängigkeit ist die Seite im responsiven Webdesign umgesetzt. Für die optimale Darstellung von Bewegtbild-Content hat der IT-Dienstleister ein Videomanagement-System integriert, das verschiedene Formate unterstützt und die Videos auf allen Endgeräten ideal darstellt. Die Anbindung des CMS an ein Content Delivery Network (CDN) zwecks Lastverteilung garantiert die Auslieferung der Mediendateien in der bestmöglichen Qualität.

Daneben überzeugt die neue Website durch ihre Performance. „Verschiedene Elemente werden gemäß ihrer Wichtigkeit geladen“, erklärt Niklas Berger. „Erst die sichtbaren Inhalte, während unsichtbare Komponenten im Hintergrund nachgeladen werden.“

Usability spürbar verbessert

Heute arbeiten rund 200 Nutzer mit dem neuen CMS. Die Arbeit für die Redakteure hat sich dabei stark vereinfacht: Im CoreMedia Studio können sie neue Produkte und Inhalte sehr viel schneller als zuvor einstellen – zumal etliche Produkteigenschaften wegen der Datenbankanbindung nicht mehr manuell einzugeben sind.

Arbeitserleichterung verschafft auch das responsive Webdesign: Egal, für welchen Kanal – Nutzer müssen die Inhalte nur einmal im CMS erfassen. „Die Anwender sind von der Nutzerfreundlichkeit des neuen Systems begeistert“, freut sich Wallenwein. Neben den Redakteuren profitieren auch die Besucher von der Website-Performance – unnötig lange Wartezeiten gehören der Vergangenheit an. Außerdem steht der Reifen in vielerlei Hinsicht im Vordergrund: Dank Tirefinder und Dealer Locator finden die Besucher schnell den gesuchten Reifen bzw. Händler. Zudem unterstreichen großformatige Bilder, Videos und Animationen den Charakter von Continental als Premium-Marke.

Rollout in 50 Ländern

Die globale Seite der Reifensparte ist seit Ende Juli 2015 online, weitere 50 nationale Varianten in 40 Sprachen sollen folgen: Bis Ende 2015 gingen bereits 30 europäische Länder mit dem neuen Design online, im Jahresverlauf 2016 soll der Rollout in den asiatischen Märkten und in den USA erfolgen. Bei der landesspezifischen Anpassung verfolgt Continental einen dezentralen Ansatz: „Wir stellen jedem Markt eine Kopie der Masterseite zur Verfügung“, sagt Wiebke Wallenwein. „Die Kollegen vor Ort pflegen dann die notwendigen Übersetzungen ein und ergänzen diese um lokale Inhalte.“

Ausblick

„Trotz enger Deadlines haben wir in gut funktionierenden Teams partnerschaftlich zusammengearbeitet“, fasst Wallenwein das Projekt zusammen. Mit dieser positiven Erfahrung nimmt Continental weitere Projekt in Angriff: So will es auch Design und Backend der Händler-Bestell-Plattform anpassen. Außerdem ist das Konzept für den Website-Relaunch der Zweitmarken wie Uniroyal oder Semperit bereits in Arbeit. So bleibt Reifenhersteller auch digital auf der Überholspur.

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