2023/3 | Fachbeitrag | Automatisierung

Agilität: Auf dem Weg zum Composable Enterprise?

Neue Marktgegebenheiten und der digitale Wandel fordern von Unternehmen mehr Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. In diesem Zusammenhang wird immer häufiger vom Ansatz des Composable Enterprise gesprochen. Diesem Konzept zufolge bestehen Unternehmen oder auch ganze Branchen aus unterschiedlichen Bausteinen, die immer wieder neu zusammengestellt, ausgetauscht, einzeln oder insgesamt erneuert und flexibel angepasst werden können. Dieses Grundprinzip der Modularität - Composability - ermöglicht Unternehmensteams vorhandene digitale Fähigkeiten zu nutzen, um neue Lösungen zu entwickeln, ohne jedes Mal bei null anzufangen. Das erhöht die Agilität bei der digitalen Transformation, entlastet das IT-Team und schafft mehr Zeit für Innovationen.

Bildquelle: (C) Gerd Altmann / Pixabay

Ein wichtiges Tool der Composability ist die Low-Code-Technologie. Das Baukastenprinzip von Low-Code ermöglicht es, mit vorgefertigten Komponenten und Konnektoren eine jederzeit skalierbare Anwendung mit geringem Zeit- und Kostenaufwand zu entwickeln und auf die Bedürfnisse des Unternehmens und der Mitarbeiter anzupassen. So steigert sich durch Low-Code die Agilität im Unternehmen und ermöglicht den Aufbau eines effektiven digitalen Ökosystems. Das Potenzial von Low-Code als Treiber der Digitalen Transformation wird heute branchenübergreifend gesehen und die Technologie, die sich immer mehr zu einer Kerntechnologie entwickelt, wird in diversen Branchen genutzt - von der Finanzwelt, in Logistik und Industrie oder im öffentlichen Sektor.

Composability definiert das moderne Unternehmen - mit Low-Code automatisieren

Die Analysten von Gartner definieren ein "Composable Enterprise" als ein Unternehmen, das aus verschiedenen Variablen besteht, die jederzeit neu zusammengesetzt werden können, um sich sowohl intern als auch extern neu zu organisieren. Die Fähigkeiten einer Organisation zur Entwicklung von Strategien oder der Durchführung der digitalen Transformation ist abhängig von der Kompositionsfähigkeit der Geschäftsarchitektur. Je flexibler zusammensetzbar diese ist, umso einfacher ist es für Unternehmen, neue Strategien und Digitalisierungsprozesse umzusetzen. Gleichzeitig steigt die Resilienz, die Organisation wird weniger anfällig für Störungen und passt sich verändernden Marktbedingungen besser an.

Mit Hilfe von Low-Code-Plattformen können Unternehmen durch die Verknüpfung von IT und Fachbereichen ein Framework etablieren, das die Effektivität und Effizienz der Anwendungsentwicklung steigert. Zusätzlich können interne Workflows und Prozesse mit Hilfe von Technologien wie Low-Code automatisiert und stetig nach Bedarf verändert werden. So kann nicht nur die Digitalisierung erfolgreich gemeistert, sondern auch auf Marktveränderungen, disruptive Trends, Technologieentwicklungen und das Wettbewerbsumfeld erfolgreich reagiert werden. Besonders die vergangenen Pandemiejahre haben das bestätigt. In den letzten Jahren stellte sich vor allem heraus, dass zuvor effiziente Businessmodelle aufgrund fehlender Agilität schnell zu einem plötzlichen Hindernis wurden. Organisationen, die modulare Strukturen aufbauten, waren in der Lage, entsprechend zu agieren und Auswirkungen der Disruption zu reduzieren.

PBCs als Schlüssel agiler Anwendungsentwicklung

Die Essenz der Low-Code-Technologie sind vorgefertigte sogenannte Packaged Business Capabilities, kurz PBC, die alle wesentlichen Funktionen bereits enthalten und eine optimale Wiederverwendung für die agile Entwicklung von Applikationen ermöglichen. So wird zum Beispiel eine komplexe Engineering-Anwendung als 3D-Modell in einer einzelnen Datei gespeichert und anderen Abteilungen, wie der Einkaufsabteilung, zur Verfügung gestellt. Der Einkauf setzt es in einen völlig neuen datentechnischen Kontext, beispielsweise für die Materialbeschaffung. Unterschiedliche Bereiche können das Projekt per PBCs auf der Low-Code-Plattform per Drag & Drop in die eigene Software ziehen und damit weiterverarbeiten. Vereinfacht wird die Applikationsentwicklung unter anderem durch eine grafische Entwickleroberfläche, auf der die vorgefertigten Komponenten und Module zu einer vollständigen Anwendung zusammengesetzt werden können.

Das treibt vor allem den Innovationsgeist und das digitale Mindset innerhalb eines Unternehmens an, denn Mitarbeitende, die keine professionellen Programmierkenntnisse haben, können bei der Entwicklung von Anwendungen mitwirken. Gartner bezeichnet solche IT-fremden Personen als "Citizen Developer". Bei Mendix sprechen wir von "Fusion Teams". Durch die Einbindung in den Entwicklungsprozess können diverse Fachabteilungen an der Erstellung von Anwendungen teilhaben und dazu beitragen, die digitale Transformation des Unternehmens voranzutreiben. Da Organisationen bereits seit Jahren mit einem kleinen beziehungsweise schrumpfenden Entwickler-Pool konfrontiert sind, kann Low-Code dieses eventuelle Risiko mindern und dem Fachkräftemangel durch die Unterstützung von Citizen Developern entgegenwirken.

Auch bei fragmentierten IT-Infrastrukturen können Low-Code-Plattformen Abhilfe schaffen. Diese sind oft über Jahre gewachsen und immer wieder um einzelne Punktlösungen erweitert worden. Dank zahlreicher Konnektoren können Low-Code-Plattformen integriert werden und so auch Legacy-Systeme um entsprechende Funktionen ergänzen. Deren Austausch ist oft kostspielig und durchaus mit Geschäftsrisiken verbunden. Diese Fähigkeiten zur Integration sind Gründe, warum die Low-Code-Technologie in vielen Unternehmen als Innovations- und Digitalisierungstreiber eingesetzt wird.

Insbesondere der geringere Zeit- und Kostenaufwand sind bei der Konzeption und parallelen Erstellung von Unternehmensanwendungen mit Low-Code ein großer Vorteil. Durch das Zusammenspiel von IT und Business, sowie unterschiedliche Entwicklungsumgebungen für die jeweilige Anwendergruppe, ist es möglich, innerhalb weniger Tage eine vollständige Applikation zu entwickeln oder anzupassen. Aus bestimmten Grundfunktionen, die immer wieder für Applikationen innerhalb eines Unternehmens benötigt werden, lassen sich Templates erstellen, die als Basis für zukünftige Anwendungen dienen. So können Ressourcen gespart und stattdessen in weitere Digitalisierungsinitiativen investiert werden.



Der Autor:

Stefan Brotzler ist Country Lead Industries DACH und Director Enterprise Sales DACH bei Mendix. Die Siemens-Tochter Mendix versetzt Unternehmen mit ihrer branchenführenden Low-Code-Plattform in die Lage, Anwendungen schneller als je zuvor zu entwickeln, fördert die agile Zusammenarbeit zwischen IT- und Business-Experten und erhält der IT die Kontrolle über die gesamte Anwendungslandschaft. Als Low-Code-Engine der Siemens Xcelerator-Plattform sowie über das engagierte Partnernetzwerk und den umfangreichen Marketplace unterstützt Mendix fortschrittliche Technologielösungen, die Abläufe rationalisieren, IT-Staus beseitigen, Automatisierung ermöglichen sowie die Produktivität von Entwicklern drastisch steigern.

Web: www.mendix.com/de/

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