2024/4 | Fachbeitrag | Künstliche Intelligenz / Robotic

5 strategische Schritte für den sicheren KI-Einsatz

von Thomas Sengotta

Der Hype um ChatGPT veranlasst viele Unternehmen, KI-Anwendungen zu implementieren, um möglichst schnell das umfassende Potenzial von KI zu nutzen. Sie zielen zum Beispiel auf eine Effizienzsteigerung, eine Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder eine Verbesserung des Kundenservices ab. Weitere Anwendungsszenarien betreffen neuartige Datenanalysen oder ein optimiertes Risikomanagement. Projekte werden dabei in der Regel gestartet, ohne dass eine KI-Strategie - also eine ganzheitliche Sicht auf die Einführung - vorhanden ist. Doch eine solche Sicht ist umso wichtiger, je mehr KI-Lösungen eingesetzt werden.

Bildquelle: (C) Gerd Altmann / Pixabay

Bei der unternehmensweiten Implementierung von KI nimmt eine durchdachte Strategie eine Schlüsselrolle ein. Sie betrachtet nicht nur die Vorteile der KI, sondern auch die damit verbundenen Veränderungen, Auswirkungen und Risiken. Folglich sollten Unternehmen KI immer auf Basis eines soliden Strategie-Frameworks einführen. Es muss nach CGI vor allem die folgenden fünf Kernkomponenten beinhalten.

1. Strategische Grundausrichtung

Der Einsatz von KI sollte immer im Einklang mit der übergeordneten und langfristigen Unternehmensstrategie stehen. Unternehmen müssen definieren, wie und wo KI zum Erfolg beitragen kann und soll. Dabei geht es um die Umsetzung konkreter Geschäftsziele, etwa wenn ein Unternehmen die Produktivität steigern, Prozesse optimieren oder Kundeninteraktionen verbessern will.

2. Data Governance

Ein unverzichtbares Element ist eine Data-Governance-Strategie. Unternehmen müssen klare Richtlinien für das Management der Daten festlegen, etwa im Hinblick auf die Datenerfassung und -speicherung sowie die Qualitätssicherung. Darüber hinaus beinhaltet ein Governance-Modell auch die Etablierung eines Benutzermanagements mit der unternehmensweiten Verwaltung von Rollen und Rechten im KI-Kontext.

3. Change Management

Unerlässlich ist die Entwicklung eines Change-Management-Plans, um die Einführung von KI zu unterstützen. Schließlich hat der KI-Einsatz auch Auswirkungen auf die Unternehmensprozesse sowie die Arbeitsweise der betroffenen Mitarbeitenden. Beim Aufbau einer KI-Umgebung müssen Unternehmen deshalb auch immer die prozessualen und kulturellen Aspekte im Blick haben. Um den Mitarbeitenden einen effizienten Umgang mit den KI-Systemen zu ermöglichen, sind überdies oft Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich.

4. Sicherheitsmaßnahmen

Ohne robuste Sicherheitsmaßnahmen kann der Einsatz von KI auch mit Risiken verbunden sein. Es führt kein Weg daran vorbei, KI-Systeme immer konsequent vor Cyberbedrohungen zu schützen und Infrastruktur, Modelle sowie Daten zuverlässig zu sichern. Die Schutzmaßnahmen reichen dabei von einer Feinjustierung der Benutzerrechte bis hin zu einem kontinuierlichen Monitoring.

5. Langfristiger Fahrplan

Die KI-Entwicklung kennzeichnet ein permanenter Wandel. Gerade im Bereich der generativen KI ist eine globale Marktdynamik vorhanden, die die Festlegung eines einmaligen KI-Zielzustandes unmöglich macht. Die Erstellung eines Fahrplans für die langfristige Entwicklung des KI-Rahmens ist somit immer empfehlenswert. Dieser Rahmen sollte flexibel ausgelegt sein, sodass Unternehmen aufkommende Branchentrends und Technologien künftig berücksichtigen beziehungsweise integrieren können.

"Bei jeder Einführung von KI ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Bereiche wie Datenmanagement, Sicherheit und Ethik berücksichtigt, von entscheidender Bedeutung. Gerade auch Aspekte wie Transparenz und Nachvollziehbarkeit, Ergebnisqualität oder Überwachbarkeit der KI-Modelle dürfen nicht zu kurz kommen. Unternehmen sollten deshalb ein KI-Strategie-Framework anwenden und eine fundierte Strategie definieren. Nur so können sie die Chancen dieser Technologie optimal nutzen und gleichzeitig mögliche Risiken in den Griff bekommen", erklärt Thomas Sengotta, Director Consulting bei CGI Deutschland.



Der Autor:

Thomas Sengotta ist Director Consulting bei CGI Deutschland.

Bildquelle: (C) CGI

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Re- & Upskilling: Lebenslanges Lernen - der Status quo

WISSENplus
Lebenslanges Lernen ist heute nötiger denn je. Angesichts globaler Megatrends wie dem demografischen Wandel, dem beschleunigten technologischen Fortschritt und einer zunehmenden weltweiten Vernetzung, gewinnt die kontinuierliche Weiterbildung zunehmend an Bedeutung, um mit den Veränderungen Schritt halten zu können. Eine aktuelle Studie unter deutschen Erwerbstätigen von YouGov im Auftrag des Proj...

Weiterlesen

Generative KI braucht einen Plan

Alle wollen GenAI und zwar am besten sofort. Ein undurchdachtes "Einfach-mal-drauf-los" ist aber keine gute Idee, denn dabei droht generative KI zu einem teuren, sinnfreien und unter Umständen sogar gefährlichen Abenteuer zu werden. Hier lesen Sie die fünf wichtigsten Fragen, die Unternehmen vorab klären sollten....

Weiterlesen

KI macht aus Enterprise-Search-Lösungen Plattformen für das Wissensmanagement

WISSENplus
Enterprise-Search-Lösungen erleichtern die Informationsbeschaffung in Unternehmen und Behörden immens. Large Language Models (LLMs) und Generative KI heben neuerdings die Arbeitseffizienz und die Qualität der Suchergebnisse noch einmal auf ein neues Level. So werden aus traditionellen Unternehmenssuchen echte Plattformen für das Wissensmanagement....

Weiterlesen

Was bedeutet das neue EU KI-Gesetz für die Zukunft von Chatbots?

Mit der Zunahme von KI-gesteuerten Chat-Dienste werden automatisierte Kundengespräche immer mehr zu einem Wettbewerbsvorteil. Aufgrund ihrer leistungsstarken Fähigkeiten und ihrer weiten Verbreitung ist die generative KI mittlerweile auch in das Blickfeld der Politik gerückt. Die Gesetzgeber der EU haben deshalb neue Vorschriften in das KI-Gesetz aufgenommen, die sich direkt mit dem Aufkommen von h...

Weiterlesen

KI in der Praxis: Welche Rolle spielt der „Faktor Mensch“?

WISSENplus
Generative KI ist im Job-Alltag angekommen: Umfragen zufolge verwendet beinahe jeder Zweite beispielsweise ChatGPT bereits im beruflichen Kontext. Doch viele Unternehmen sind noch nicht durchgreifend auf das KI-Zeitalter vorbereitet. Es braucht es zum einen Leitlinien für die Anwendung, außerdem eine hohe Lernbereitschaft der Nutzer. Gefragt ist daher eine Kultur, die KI-Implementierung und -Einsatz über...

Weiterlesen

„Risiken entstehen, wenn man nicht weiß, was man tut!“

WISSENplus
Risiken gehören zum Unternehmensalltag - ob extern oder intern, wirtschaftlich oder strategisch, rechtlich oder finanziell. Peter Drucker, Wirtschaftsvordenker und Ur-Vater des Wissensmanagements, sagte einmal "Es gibt Risiken, die einzugehen du dir nicht leisten kannst und es gibt Risiken, die nicht einzugehen du dir nicht leisten kannst!". Neben der Weisheit, das eine vom anderen zu unter...

Weiterlesen

Fachkräftemangel: Wie wichtig ist Weiterbildung wirklich?

WISSENplus
Die Hälfte der Deutschen wünscht sich mehr Weiterbildung im Job, hat dafür aber weder genug Zeit noch Geld. Das ist das Resultat einer Meinungsumfrage, die das Job-Netzwerk XING vergangenes Jahr gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Appinio durchgeführt hat. Fast alle Befragten (94 Prozent) gaben an, dass Weiterbildung eine positive Auswirkung auf die persönliche Entwicklung habe. Die Umfrage...

Weiterlesen

Generative KI: Von der gehypten Technologie zum Alltagstool

Kommt Generative AI 2024 in der Praxis an? Diese Frage hat der IT-Dienstleister adesso aktuell 400 Führungskräften der deutschen Wirtschaft gestellt. Das Ergebnis ist eindeutig: Unternehmen bereiten sich jetzt auf eine Welt vor, in der die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) so alltäglich sein wird wie heute E-Mails, Instant Messaging oder Collaboration-Tools....

Weiterlesen