2020/9 | Fachbeitrag | Digitalisierung

Studie: Die HR-Welt blickt positiv in eine digitalere Zukunft

von Judith Wegener

Inhaltsübersicht:

Veränderung als Chance

Nicht überraschen dürfte, dass die überwiegende Mehrheit (82 Prozent) sagt, die Pandemie habe den Unternehmensalltag grundlegend verändert. Die Veränderungen sind allseits bekannt: Home Office, Kurzarbeit, Arbeiten im virtuellen Raum und damit verbunden ein hohes Maß an Flexibilität und geforderter Führungskompetenz. Erstaunliche 95 Prozent sehen in den Veränderungen auch Chancen und Möglichkeiten und blicken trotz angekündigter Wirtschaftskrise positiv in die Zukunft. Von Veränderungsfrust scheint in den Personalbereichen keine Rede zu sein, und das, obwohl die Meisten glauben, der Arbeitsmarkt werde sich auch langfristig weiter verändern.

Die neue Rolle von HR

Es zeigt sich, dass sich die Rolle von Personal verändert hat. In der Mehrheit der befragten Unternehmen ist der Personalbereich auch Krisenberater (80 Prozent). Ein ebenso hoher Prozentsatz der Befragten bietet Unterstützungsangebote für seine Mitarbeiter an, damit diese sich besser in der Krise zurechtzufinden. Dies ist besonders erfreulich als dass es den Personalabteilungen die Chance verschafft, unmittelbar unterstützend wirksam zu sein und dem „die verwalten doch nur“ – Image entgegenzuwirken. Negative Auswirkungen auf Projekte im Personalbereich sind zum Befragungszeitpunkt eher gering, nur ein Viertel der Befragten gab an, dass Projekte im Personalbereich tatsächlich gestoppt wurden.

Digitalisierung als großer Gewinner

Der große „Gewinner“ der Covid-19-Pandemie ist sicherlich – und das nicht überraschend - das Thema Digitalisierung. 90 Prozent der Unternehmen bilden mehr Themen als vorher digital ab, 80 Prozent davon planen das dauerhaft beizubehalten. Die größte Auswirkung hat das bei den Themen von Personal aktuell auf die Bereiche Training und Recruiting. So bildet die Hälfte der Befragten nun ihr Recruiting digital ab und geht davon aus, dass dies auch nach der Pandemie weiterhin so sein wird. Ähnliches gilt für Angebote im Bereich (Präsenz-) Training.

Home-Office-Modelle mit wachsender Akzeptanz

Zudem hat die Pandemie zu einer besseren Akzeptanz des Arbeitens im Home Office geführt, auch das wird nach Einschätzung der Befragten bleiben, denn alle bisherigen Argumente dagegen wurden durch den aufgezwungenen Praxistest widerlegt. Viele berichten davon, dass es viel besser geklappt hat als gedacht und die Reibungsverluste geringer sind als erwartet. Dies führt nach Einschätzung der Befragten aber gleichzeitig zu neuen Herausforderungen für Führungskräfte, denn wie führt man ein Team virtuell, wenn man es vorher jeden Tag gesehen hat?

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, die Covid-19-Pandemie ist beides: sie ist ein Beschleuniger für kurzfristige Digitalisierung und Überleben im Krisenmodus und sorgt für langfristige, dauerhafte Veränderungen des Arbeitsalltags. Wenn also, wie von den Befragten prognostiziert, die digitalen Elemente dauerhaft bleiben, wird dies aus unserer Sicht langfristig auch das Verständnis von Führung und die Rolle von Führungskräften verändern. Auch die Art und Weise, wie in Unternehmen gelernt wird, steht vor einem Wandel. Galten vor der Covid-19- Zeit Online-Lernangebote noch als schlechter Ersatz, so sind diese inzwischen bereits akzeptierte, etablierte und gleichwertige Angebote. Lernen hört ja schließlich nicht auf, bloß, weil man sich nicht mehr an einem Ort treffen kann. Im Gegenteil: Für die Führungskräfte in den Unternehmen fängt es nach Covid-19 erst richtig an.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Cleveres Umdenken: Von HR 4.0 zur Arbeitswelt 5.0

WISSENplus
Digitale HR-Prozesse findet man heute bereits in den meisten Personalabteilungen. Dank der Arbeitswelt 4.0 verfügen viele HRler schon über das richtige Mindset in puncto Digitalisierung. So haben sie sich unter anderem von lang bewährten, oft manuellen administrativen Arbeitsabläufen getrennt und sind aufgeschlossen gegenüber digitalen Technologien. In der Version 5.0 stellt sich allerdings nicht...

Weiterlesen

Wissensmanagement ohne KI ist nur noch Dokumentenablage

Künstliche Intelligenz verändert das Wissensmanagement grundlegend. An die Stelle strukturierter Dokumentenablage treten zunehmend produktive Assistenzsysteme. Nur durch ein solches KI-gestützte Upgrade bleibt das organisationale Wissensmanagement langfristig wettbewerbsfähig. Im Gespräch mit "wissensmanagement - Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration" erklärt ...

Weiterlesen

Produktiver - aber dümmer? Wie generative KI die Lernfähigkeit von Menschen und Organisationen gefährdet

WISSENplus
Generative KI verspricht erhebliche Produktivitätsgewinne in der Wissensarbeit: Texte, Analysen, Konzepte oder Codes können in kürzester Zeit erstellt werden. In vielen Organisationen wird KI daher primär als Effizienzwerkzeug eingeführt - mit messbaren kurzfristigen Erfolgen. Eine aktuelle PwC-Studie beziffert das Produktivitätswachstum im Zeitraum 2018 - 2024 in den Branchen, die am stärksten ...

Weiterlesen

Das Büro der Zukunft

WISSENplus
Remote Work, Home Schooling, Versorgungsengpässe - das Jahr 2020 hat viele Unternehmen an die Belastungsgrenze gebracht. Eine besonders große Herausforderung stellte das mobile Arbeiten dar. Aber die bisherige Bilanz sieht größtenteils gut aus: Aus der Notwendigkeit heraus, eine Business Continuity zu gewährleisten, haben viele Unternehmen in kürzester Zeit enorme Fortschritte gemacht. Die groß...

Weiterlesen

Learning-Content erstellen: Mit diesen KI-Tools klappt’s! Ein Erfahrungsbericht.

Immer mehr KI-Tools unterstützen dabei, Lernangebote zu konzipieren, Inhalte aufzubereiten oder Trainingsmethoden weiterzuentwickeln. Von der Recherche über die Erstellung didaktischer Materialien bis hin zur Visualisierung von Präsentationen eröffnen sich neue Möglichkeiten, Lernprozesse effizienter und zugleich abwechslungsreicher zu gestalten. Doch welche Anwendungen sind im Arbeitsalltag tatsächli...

Weiterlesen

M365: Digitale Vernetzung in der Sozialwirtschaft

WISSENplus
Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland - einer der größten Sozialverbände - zeigt, wie ein modernes Social Intranet nicht nur den Informationsfluss verbessert, sondern echte Teilhabe ermöglicht und ein neues Gemeinschaftsgefühl entstehen lässt - von der Kita bis zur Werkstatt, vom Vorstand bis zum Außendienst....

Weiterlesen

Effizientere Prozesse, transparente Workflows: Die Zukunft der Immobilienbranche ist digital

Viele Immobilienverwalter halten in ihren internen Workflows und der Kundenkommunikation immer noch an papiergebundenen Prozessen fest - mit allen Nachteilen, die sich daraus ergeben. Die zeigen sich etwa am Beispiel der Rechnungsverarbeitung. Die notwendige Belegprüfung, zum Beispiel durch den Vermögensverwalter eines institutionellen Immobilieninvestors, ist mit Papierbergen kaum kontaktlos realis...

Weiterlesen