2020/7 | Fachbeitrag | Dokumentenmanagement

Die E-Rechnung kommt! Fristen, Hintergründe & Chancen

von Thomas Kuckelkorn

Inhaltsübersicht:

Unternehmen sollten die E-Rechnung als Chance begreifen. Über das Rechnungswesen hinaus schafft sie die Grundlage für die Digitalisierung weiterer Prozesse. Und garantiert ihnen die Wettbewerbsfähigkeit am Markt. Die papierlose Übermittlung hilft beim Bürokratieabbau, indem sie Vorgänge standardisiert und automatisiert. Sie ist umweltbewusst, schont personelle Ressourcen und beschleunigt Prozesse. Zudem steigert sie die Qualität der Daten, da Fehler durch manuelle Übertragung entfallen.

Der zeitliche Ablauf

Bereits im April 2014 haben das Europäische Parlament und der Rat die Richtlinie 2014/55/EU verabschiedet. Sie regelt die elektronische Rechnungsstellung bei öffentlichen Aufträgen von beispielsweise Verwaltungen, Hochschulen oder Krankenhäusern. Während die Verordnung etwa in Österreich, der Schweiz, Italien und Ungarn längst umgesetzt ist, mahlen die bürokratischen Mühlen hierzulande gemächlicher. Sukzessive wurden in Deutschland erst der Bund, dann die Länder und Kommunen zur Umsetzung verpflichtet. Als Letzte sind nun deren Lieferanten und Dienstleister gefragt: Ab Ende November müssen sie ihre Rechnungen an öffentliche Verwaltungen in vorgeschriebener digitaler Form erbringen. Ausnahmen gibt es nur wenige, wie etwa Direktaufträge bis zu einem Auftragswert in Höhe von 1.000 Euro.

Ein PDF ist keine E-Rechnung

Wer jetzt meint, er könne künftig einfach seine Rechnung als PDF per E-Mail verschicken, irrt. Die Europäische Norm für die elektronische Rechnungsstellung gibt genaue Vorgaben in Bezug auf Inhalt und Format. Nach ERechV gilt die XRechnung als Standard. Sofern sie der ERechV entsprechen, sind auch andere Formate möglich, etwa ZUGFeRD 2.0.

Die Lösung: ein cloudbasierter Dienst

Diverse Softwareunternehmen bieten für die Abwicklung von E-Rechnungen Standard-Lösungen an, die im Bestfall in die bestehende Unternehmenssoftware und -technik integriert werden können. Inzwischen ist es jedoch unrealistisch, bis zum 27. November ein Produkt auszuwählen und zu implementieren. Softwareanbietern, deren Produkte noch nicht ERechV-konform sind, läuft ebenfalls die Zeit davon: Inzwischen ist es kaum noch möglich, etwa eine ERP-Lösung um die nötigen Funktionalitäten zu erweitern.

Unproblematisch ist hingegen die Auslagerung der Prozesse in einen cloudbasierten Dienst. Der Service funktioniert denkbar einfach: Unternehmen, die eine E-Rechnung benötigen, schicken ein Dokument als PDF an eine spezifische E-Mail-Adresse. Eine Capture-Plattform in der Cloud erkennt die relevanten Daten wie Rechnungs- und Kundennummer, Kontodaten etc. Schließlich bekommen die Unternehmen eine compliancekonforme Rechnung nach ERechV zurück. Auch Softwareanbieter können von diesem Dienst profitieren, indem sie ihn in ihr Portfolio integrieren.

Flexibel, skalierbar, sicher

Hohe Flexibilität, größtmögliche Datensicherheit und optimierte Arbeitsprozesse - das sind die großen Pluspunkte eines cloudbasierten Dienstes. Wer diesen Service nutzt, spart Kosten für den Ausbau der eigenen IT-Infrastruktur und deren Instandhaltung. Rentabel ist zudem das Abrechnungsmodell "Pay-per-Use": Der Anwender zahlt pro Rechnung statt für eine Softwarelizenz, bei der Laufzeit und Datenvolumen festgelegt sind. Ein Cloud-Spezialist bietet außerdem höchste Sicherheitsstandards, die gerade für KMU schwer realisierbar sind.

Das Fazit: Die Rechnungsabwicklung gemäß ERechV ist ohne viel Aufwand und große Investitionen möglich, und sie bietet den hiesigen Unternehmen zahlreiche Vorteile. Doch die Zeit tickt! Wer in der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt mit Mitbewerbern Schritt halten will, muss sich sputen!

 

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Digitalisiert & vernetzt: Daten im (Work-)Flow

Daten gelten als Gold des 21. Jahrhunderts. Sie haben sich als vierter Produktionsfaktor neben Boden, Arbeit und Kapital fest etabliert. In vielen Organisationen tragen sie - als elementarer Wissensbaustein - mittlerweile sogar mit mehr als 60 Prozent zur Wertschöpfung bei. Doch trotz ihrer wachsenden Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit werden Daten in vielen Organisationen nach wie vor vernachlässig...

Weiterlesen

Die wahren Grenzen von KI: Nicht Performance und Komplexität limitieren KI-Projekte

WISSENplus
Höher, schneller, weiter: Innerhalb weniger Jahre ist Künstliche Intelligenz von einer Zukunftsvision zu einer Schlüsseltechnologie der digitalen Transformation avanciert. Doch mit ihrer zunehmenden Verbreitung verschiebt sich die entscheidende Frage. Es geht längst nicht mehr nur darum, ob KI leistungsfähig genug ist, sondern wie sich sensible Daten schützen, regulatorische Anforderungen einhalten un...

Weiterlesen

Das Co-Brain - Ihr digitaler Doppelgänger

WISSENplus
Zuckerberg (CEO Meta) tut es. Siemiatkowski (CEO Klarna) tut es. Und auch Khosrowshahi (CEO Uber) tut es. Sie alle lassen mithilfe künstlicher Intelligenz digitale Doppelgänger von sich erstellen. Mitarbeitende oder auch Kunden sollen künftig mit den Doppelgängern von Mark, Sebastian und Dara chatten können. Damit stellen diese CEOs einen neuen, interaktiven Kommunikationskanal zur Verfügung. Doch die...

Weiterlesen

Wie Weiterbildung im KI-Zeitalter für Selbstvertrauen statt Stress sorgen kann

KI verändert, wie Menschen arbeiten, welche Fähigkeiten sie benötigen und was Arbeitgebende von ihnen erwarten. Das eröffnet Beschäftigten die Chance, neue Kompetenzen aufzubauen, bringt aber auch wachsende Unsicherheit darüber mit sich, wie sich ihre Rolle entwickelt und ob ihre Fähigkeiten weiterhin gefragt bleiben. Wie aus dem Work Relationship Index 2026 des Technologiekonzerns HP hervorgeht, arb...

Weiterlesen

Wenn Potenzial auf Arbeitsalltag trifft: KI im Realitätscheck

Erstmals nutzt laut Bitkom mit 57 Prozent die Mehrheit der deutschen Unternehmen Künstliche Intelligenz. Noch vor einem Jahr waren es gerade einmal 36 Prozent. Die Entwicklung ist rasant - und gleichzeitig von großer Unsicherheit begleitet. So befürchten nach Angaben einer aktuellen GoTo-Studie 83 Prozent der Beschäftigten, dass Fehler beim KI-Einsatz für sie persönlich Konsequenzen haben könnten - b...

Weiterlesen

Vom Suchen zum Fragen: Wie KI den Zugang zu Unternehmenswissen verändert

WISSENplus
In vielen Organisationen ist Wissen längst dokumentiert und abgelegt. Dennoch ist es im Arbeitsalltag häufig schwer zugänglich. Künstliche Intelligenz verändert genau diesen Punkt. Sie schafft neue Wege, um vorhandene Informationen zugänglich und nutzbar zu machen und damit den Zugang zu Wissen grundlegend zu vereinfachen....

Weiterlesen

Je intelligenter die KI, desto wichtiger die menschliche Erfahrung

WISSENplus
Ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr Copilot, Claude oder ein internes ChatGPT ausgerollt hat, hat zunächst ein Zugangsproblem gelöst. Das Wissensproblem dagegen nicht – es hat es lediglich sichtbarer gemacht. Denn KI verändert den Wissensstand einer Organisation nicht. Sie zeigt nur schneller, wie er tatsächlich aussieht. Die eigentliche Veränderung reicht aber viel weiter: KI verändert nicht n...

Weiterlesen

Expertentipp: Die fünf größten Stolpersteine bei KI-Projekten

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst von einem Innovationsthema zu einer strategischen Priorität geworden. Doch zwischen dem technischen Potenzial und dem tatsächlich erzielten Geschäftswert klafft häufig noch eine erhebliche Lücke. Viele KI-Initiativen verharren im Pilotstadium und führen nur begrenzt zu messbaren Verbesserungen im Kerngeschäft. Fünf typische Stolpersteine zeig...

Weiterlesen