2020/7 | Fachbeitrag | Digitalisierung

Studie: HR blickt positiv in eine digitalere Zukunft

von Judith Wegener

Inhaltsübersicht:

Veränderung als Chance

Nicht überraschen dürfte, dass die überwiegende Mehrheit (82%) sagt, die Pandemie habe den Unternehmensalltag grundlegend verändert. Die Veränderungen sind allseits bekannt: Home Office, Kurzarbeit, Arbeiten im virtuellen Raum und damit verbunden ein hohes Maß an Flexibilität und geforderter Führungskompetenz.

Erstaunliche 95% sehen in den Veränderungen auch Chancen und Möglichkeiten und blicken trotz angekündigter Wirtschaftskrise positiv in die Zukunft. Von Veränderungsfrust scheint in den Personalbereichen keine Rede zu sein - und das, obwohl die meisten glauben, der Arbeitsmarkt werde sich auch langfristig weiter verändern.

Neue Rolle von HR

Es zeigt sich, dass sich die Rolle von Personal verändert hat. In der Mehrheit der befragten Unternehmen ist der Personalbereich auch Krisenberater (80%). Ein ebenso hoher Prozentsatz der Befragten bietet Unterstützungsangebote für seine Mitarbeiter an, damit diese sich besser in der Krise zurechtzufinden. Dies ist besonders erfreulich als dass es den Personalabteilungen die Chance verschafft, unmittelbar unterstützend wirksam zu sein und dem "die verwalten doch nur"-Image entgegenzuwirken.

Negative Auswirkungen auf Projekte im Personalbereich sind zum Befragungszeitpunkt eher gering, nur ein Viertel der Befragten gab an, dass Projekte im Personalbereich tatsächlich gestoppt wurden.

Digitalisierungsprojekte im Aufwind

Der große "Gewinner" der Covid-19-Pandemie ist sicherlich - und das nicht überraschend - das Thema Digitalisierung. 90% der Unternehmen bilden mehr Themen als vorher digital ab, 80 % davon planen das dauerhaft beizubehalten. Die größte Auswirkung hat das bei den Themen von Personal aktuell auf die Bereiche Training und Recruiting. So bildet die Hälfte der Befragten nun ihr Recruiting digital ab und geht davon aus, dass dies auch nach der Pandemie weiterhin so sein wird. Ähnliches gilt für Angebote im Bereich (Präsenz-) Training.

Homeoffice wird zum neuen „Normal“

Zudem hat die Pandemie zu einer besseren Akzeptanz des Arbeitens im Homeoffice geführt, auch das wird nach Einschätzung der Befragten bleiben, denn alle bisherigen Argumente dagegen wurden durch den aufgezwungenen Praxistest widerlegt. Viele berichten davon, dass es viel besser geklappt hat als gedacht und die Reibungsverluste geringer sind als erwartet. Dies führt nach Einschätzung der Befragten aber gleichzeitig zu neuen Herausforderungen für Führungskräfte, denn wie führt man ein Team virtuell, wenn man es vorher jeden Tag gesehen hat?

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, die Covid-19-Pandemie ist beides:

  • Sie ist ein Beschleuniger für kurzfristige Digitalisierung und Überleben im Krisenmodus und
  • sorgt für langfristige, dauerhafte Veränderungen des Arbeitsalltags.

Wenn also, wie von den Befragten prognostiziert, die digitalen Elemente dauerhaft bleiben, wird sich das langfristig auf das Verständnis von Führung und die Rolle von Führungskräften auswirken. Auch die Art und Weise, wie in Unternehmen gelernt wird, steht vor einem Wandel. Galten vor der Covid-19-Zeit Online-Lernangebote noch als schlechter Ersatz, so sind diese inzwischen bereits akzeptierte, etablierte und gleichwertige Angebote. Lernen hört ja schließlich nicht auf, bloß, weil man sich nicht mehr an einem Ort treffen kann. Im Gegenteil: Für die Führungskräfte in den Unternehmen fängt es nach Covid-19 erst richtig an.

 

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kollege KI in der Praxis: 4 Beispiele, wie digitale Agenten den Alltag erleichtern

In vielen Industrieunternehmen verzögern sich Abläufe immer noch durch manuelle Routinetätigkeiten. Das Prüfen von Kundenaufträgen, das Überwachen von Lagerbeständen oder die Materialbeschaffung binden Mitarbeitende und ziehen Prozesse in die Länge. Dabei könnten all diese Aufgaben längst sicher und zuverlässig automatisiert erledigt werden. Doch wie kann der "Kollege KI" den Allta...

Weiterlesen

Was Mitarbeitende künftig wissen müssen: Neue Anforderungen in der KI-gestützten Arbeitswelt

WISSENplus
Die digitale Transformation fordert ein völlig verändertes Kompetenzprofil von Mitarbeitenden. KI-Souveränität, Data-Science-Kompetenzen und agile Selbstorganisation werden in einer volatilen Arbeitswelt zu Basisanforderungen. Starre Hierarchien der Vergangenheit werden mit flexiblen Arbeitsformen kontrastiert, die eine Grundlage bieten, wie Unternehmen den Spagat zwischen technologischem Anspruch...

Weiterlesen

Kommt jetzt der KI-Kater? Warum auf den KI-Hype nun eine strategische Feinjustierung folgen muss

WISSENplus
In diesem Jahr erreicht der Hype-Zyklus von KI seinen ersten Tiefpunkt und wir erleben eine Welle von eingestellten Projekten. Viele Unternehmen müssen erkennen, dass sie KI ohne ganzheitliche Strategie eingesetzt haben. Folgerichtig wird es eine deutliche Verlagerung von taktischen Maßnahmen hin zu strategischen Ansätzen geben. In den nächsten Monatn gehören diejenigen zu den Gewinnern, die diszi...

Weiterlesen

ERP & DMS: Die Cloud macht den Unterschied

WISSENplus
Unternehmen setzen immer stärker auf die Flexibilität, die ihnen Cloud-basierte ERP-Software bietet. Durch Kombination einer ERP-Lösung mit einem Dokumentenmanagement-System (DMS) aus der Cloud können Anwenderunternehmen ein regelrechtes "Kraftpaket" für durchgängige, digitale Prozesse schnüren. Doch nicht alle DMS-Lösungen eignen sich für ein effektives Zusammenspiel. Bei der Auswa...

Weiterlesen

Studie: Die HR-Welt blickt positiv in eine digitalere Zukunft

Wie sieht eigentlich das „Neue Normal“ in den Personalabteilungen aus? Gibt es bleibende Veränderungen oder geht es nach dem Krisenmanagement wieder zurück zu „business as usual“? Im Rahmen einer meta | five Studie wurden im Mai 2020 rund 50 Unternehmensvertreter, vorwiegend führende Mitarbeitende aus Personal-Abteilungen verschiedener Branchen dazu befragt, inwieweit sich ihr beruflicher Alltag...

Weiterlesen

Firmen-Events digital moderieren

WISSENplus
Je vernetzter die Strukturen in Unternehmen und je komplexer ihre Problemlösungen sind, umso größer ist der Bedarf an bereichs- und oft sogar unternehmensübergreifender Abstimmung und Kooperation. Entsprechend viele Workshops und Meetings fanden zumindest bis zum Ausbruch der Corona-Krise in den Unternehmen statt; zudem Kick-offs und Tagungen, an denen oft Hunderte und zuweilen sogar Tausende von ...

Weiterlesen

Wissensmanagement ohne KI ist nur noch Dokumentenablage

Künstliche Intelligenz verändert das Wissensmanagement grundlegend. An die Stelle strukturierter Dokumentenablage treten zunehmend produktive Assistenzsysteme. Nur durch ein solches KI-gestützte Upgrade bleibt das organisationale Wissensmanagement langfristig wettbewerbsfähig. Im Gespräch mit "wissensmanagement - Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration" erklärt ...

Weiterlesen