War for Talents: Der Konkurrenzdruck wächst

Einstellungsstopps oder unattraktive Gehaltspakete spielen derzeit nur eine untergeordnete Rolle, wenn es um die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften geht. Vielmehr sehen sich Personalentscheider aktuell vor allem mit Vertragsangeboten anderer Unternehmen an Top-Bewerber und Gegenangeboten des derzeitigen Arbeitgebers bei der Personalsuche konfrontiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des spezialisierten Personaldienstleisters OfficeTeam, einem Geschäftsbereich von Robert Half, unter 200 HR-Managern in Deutschland.

Der Wettbewerb um die besten Mitarbeiter hat in der Personalbeschaffung stark an Bedeutung gewonnen. So bestätigen 34 Prozent aller befragten Personalmanager, dass sehr gut qualifizierte Bewerber heutzutage zwischen mehreren konkreten Jobangeboten wählen können. Weitere 31 Prozent erleben Gegenangebote gegenwärtiger Arbeitgeber als große Hürde bei der Einstellung neuer Fach- und Führungskräfte. Interessanterweise beschäftigen drohende Einstellungsstopps für offene Positionen nur knapp jeden fünften HR-Manager (19 Prozent). Ebenfalls als wenig dringliche Herausforderung wird das Thema wettbewerbsfähiger Vergütungspakete und Nebenleistungen gesehen. Nur 16 Prozent sehen sich bei der Ausgestaltung der Konditionen in einer schwächeren Verhandlungsposition.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Verkürzung von Entscheidungswegen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben im Personalmanagement sein wird. Über ein Drittel der Befragten beklagt extensive Interviewprozesse und Auswahlverfahren als eine der größten Herausforderungen im Recruiting. „Mehrere Bewerbungsrunden und lange Entscheidungsprozesse werden in einer wachsenden Anzahl an Unternehmen zum Standard“, beobachtet Rike Begemann, Director OfficeTeam mit Sitz in Frankfurt. „Für die einzelnen Abteilungen hat dies schwer wiegende Folgen, denn die Personallücke muss meist durch bestehende Mitarbeiter geschlossen werden und zehrt auf Dauer an der Motivation und Leistungsfähigkeit. Personalentscheider sollten sich in diesem Fall Verstärkung über qualifiziertes Zeitarbeitspersonal holen, die für einen befristeten Zeitrahmen wichtige Aufgaben erledigen und somit das Team spürbar entlasten.“

Die Dynamik langwieriger Auswahlverfahren wird sich zudem weiter verstärken, da die Gesamtzahl eingegangener Bewerbungen in 33 Prozent der Personalabteilungen durch neue digitale und mobile Technologien, soziale Netzwerke und sonstige Online-Kanäle steigt. Um aus dieser Bewerbungsflut die besten Kandidaten zu identifizieren, haben 73 Prozent der Personalmanager bereits moderne Videokonferenztechnologien für Interviewprozesse eingesetzt. 16 Prozent der Befragten planen künftig vermehrt Erstgespräche über Video zu führen, um einen besseren Eindruck vom Bewerber zu gewinnen. Knapp 60 Prozent der HR-Manager bestätigten, dass sie das Auswahlverfahren und engere Auswahllisten auf diese Weise vorstrukturieren. Videointerviews gewinnen zudem an Bedeutung für HR-Führungskräfte, die Bewerber aus ganz Deutschland (41 Prozent) oder aus dem Ausland (34 Prozent) anwerben.

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