Lernen im Jahr 2030

Betriebliche Weiterbildung, verstanden im Sinne eines permanenten Entwicklungsprozesses, ist der Schlüssel zum beruflichen (Individuum) und wirtschaftlichen (Unternehmen) Erfolg. So verspricht jeder in Weiterbildung investierte Euro einem Unternehmen 13 Euro mehr Gewinn, wie eine aktuelle Studie zeigt. Dieselbe Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Trainings in den sogenannten „Soft Skills“ wie Team- und Konfliktfähigkeit deutlich höhere Renditen einbringen als zum Beispiel IT- oder Marketingkurse. Ein Bildungscontrolling kann diese Zusammenhänge transparent machen, sofern Bildung im Unternehmen auf demselben Niveau wie andere Funktionen controllt wird. Daran mangelt es jedoch derzeit noch.

Ein anderer Mangel korrespondiert damit: Es wird in der Weiterbildungsbranche noch zu wenig zukunftsgerichtet gedacht, geplant, konzipiert und gehandelt. Dieses Ergebnis weist auf eine schwache Zukunftskompetenz der Akteure hin, der die vorliegende Studie abhelfen möchte. Dafür wurden innerhalb eines Zeitraums von mehreren Monaten im Jahr 2012 in Form einer Delphi-Studie insgesamt 102 Weiterbildungsexperten zum Thema „Zukunft der betrieblichen Weiterbildung 2030“ befragt: Entscheidungsträger aus Instituten, Fachhochschulen und Universitäten, privaten und öffentlichen Bildungsorganisationen, aber auch freiberufliche Trainer, Kunden von Trainingsanbietern, Trend- und Zukunftsforscher, Vertreter von Bildungsausschüssen, Ministerien und IT-Dienstleistern. Die befragten Experten lieferten knapp 2.000 Diskussionsbeiträge.

Ergebnisse zum Einfluss der Politik

  • Regelmäßig wird aus der Mitte der Branche eine angeblich mangelnde Unterstützung von politischer und gesetzgeberischer Seite beklagt. Diese hauptsächlich auf Fachkongressen geäußerte Kritik übersieht, dass die von politischer Seite bereits zur Verfügung gestellten Maßnahmen, Förderungen und Rahmenbedingungen auch akzeptiert und abgerufen werden sollten.
  • Wer darauf hofft, dass durch politische oder gesetzliche Intervention der Markt für die betriebliche Weiterbildung bis zum Jahr 2030 eine deutliche Belebung erfährt, erhält von den befragten Experten eine klare Absage.

 Ergebnisse auf Anbieterseite

  • Die Experten erwarten bis 2030 eine starke Bewegung im Markt, teils beeinflusst von der technischen Entwicklung, Stichwort „Virtual Classroom Teaching“, teils beeinflusst von gesellschaftlichen Forderungen, Stichwort „Chefs mit Charakter“.
  • Der Markt bleibt fragmentiert und damit wenig attraktiv für erfolgreiche Marktoffensiven von internationalen Großanbietern.
  • Im Zusammenhang mit der steigenden Bedeutung, die dem Nachweis des Wertschöpfungsbeitrages von betrieblicher Bildung zukommt, wird auch die Individualisierung von Trainings an Bedeutung gewinnen.

Ergebnisse der Trainingsteilnehmer

  • Die stetig steigenden Anforderungen an Führungskräfte führen zu neuen Trainingsangeboten. Aktuelles Beispiel: „Offline-Kompetenz.“
  • Die Weiterbildung entdeckt ein neues Kernthema: die Persönlichkeit des Chefs. Charakter und Authentizität, aber auch spezifische Denkmuster wie „erlernter Optimismus“ werden Inhalte von Maßnahmen.
  • Dass Bildung ein Konsumgut wird wie z.B. heute das Mobiltelefon oder der Tablet PC, ist unwahrscheinlich, könnte aber in bestimmten Mileus Wirklichkeit werden, nämlich dort, wo Menschen einen Lifestyle of Personal Development pflegen – einen Lebensstil der individualisierten Persönlichkeitsentwicklung (in Ergänzung zur formalen Personalentwicklung).

Ergebnisse der auftraggebenden Unternehmen

  • Formale Qualitätsnachweise wie Akkreditierung und Zertifizierung von Trainern  und Maßnahmen werden auch künftig keine Erfolgsgarantien, wohl aber bedeutsame Hygienefaktoren bei der Auswahl von Weiterbildungsanbietern sein.
  • Betriebliche Weiterbildung wird nicht im großen Stil in die angestammte Domäne der Unternehmensberatungen eindringen können.
  • Eine starke Markenbildung ist keine überragende Strategie zur Festigung der Marktposition eines Anbieters, sondern eher Wegweiser für Nachfrager im Dschungel des Weiterbildungsmarktes.
  • Qualität und Glaubwürdigkeit eines Anbieters sind Treiber des Markterfolgs – aber nicht gleichbedeutend mit Marktmacht.
  • Erste Anzeichen einer Akademisierung von Training und Personalentwicklung als Ausdruck eines gesteigerten Qualitätsbewusstseins deuten sich an.
  • Die These mit der stärksten Zustimmung innerhalb der Befragung lautet: Der Markt fordert einen transparenten und nachvollziehbaren Ausweis des Weiterbildungsmehrwertes (Return on Education).

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