E-Privacy: Nur jeder Zehnte kennt die Konsequenzen

Das EU-Parlament hat sich für Datenschutz in der allerstrengsten Form entschieden: Die rigoroseste von mehreren konkurrierenden Fassungen der E-Privacy-Verordnung soll als Gesprächsgrundlage für die Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten der EU dienen. Viele bekannte, alltägliche Web-Angebote müssten nach diesen Regeln eingestellt werden. Jeder zweite Deutsche (52 Prozent) hat zwar schon davon gehört, dass die Datenschutzregelungen auf EU-Ebene neu verhandelt werden. Aber nur jeder Zehnte (11 Prozent) hat eine genaue Vorstellung davon, wie das neue Reglement das Netz verändern würde, wenn es in dieser Form beschlossen wird. Dies ergab eine Adhoc-Verbraucherumfrage der Agentur Frau Wenk unter 1001 Internetnutzern. „Der Text, der jetzt Verhandlungsgrundlage wird, gibt die ganze Wunschliste der Datenschützer wieder“, erläutert Andrea Buzzi, Geschäftsführerin der Agentur. „Es kann aber gut sein, dass das Internet dadurch kaputtgeschützt wird.“

So soll es zukünftig beispielsweise illegal werden, den Zugang zu einer Website davon abhängig zu machen, dass der Nutzer Cookies akzeptiert. Damit erhalten die Betreiber keine Informationen mehr über das Internet-Nutzungsverhalten ihrer Besucher. Solche Daten werden beispielsweise genutzt, um Werbung einzublenden, die den Interessen des Nutzers entspricht. Mit anderen Worten: Die Website-Betreiber sollen weiter kostenlos ihre Dienstleistung erbringen. Ihre Möglichkeiten, diese mit Werbung zu finanzieren, werden jedoch massiv eingeschränkt. „Wenn das wirklich in dieser Form Gesetz wird, müssen wir davon ausgehen, dass viele Angebote eingestellt werden und andere die bisherige Qualität nicht aufrechterhalten können. Dafür wird einfach das Geld fehlen“, so die Geschäftsführerin der auf Kunden aus der Digitalwirtschaft spezialisierten Kommunikationsagentur.

Den Bürgern in Deutschland ist bislang nicht bewusst, dass sie mit einem Kahlschlag bei ihren beliebtesten Web-Angeboten wie beispielsweise Nachrichtenseiten rechnen müssen. Zwar haben 51 Prozent der befragten Deutschen mit Internetzugang wahrgenommen, dass das Thema auf EU-Ebene verhandelt wird. Nur zehn Prozent geben jedoch an, dass sie die Konsequenzen der Regelungen voll und ganz einschätzen können. Weitere 39 Prozent haben zumindest eine vage Vorstellung, mit welchen Konsequenzen sie rechnen müssen. Jeder zweite Deutsche (49 Prozent) hingegen ist völlig ahnungslos, was die Neuregelung für ihn bedeutet. Jüngere Internetnutzer haben das Thema intensiver verfolgt: In der Altersgruppe bis 35 Jahre wissen 16 Prozent, was sie erwartet. Ab 55 Jahren haben sich nur sechs Prozent der Befragten mit den möglichen Konsequenzen beschäftigt.

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