E-Government: Digitale Verwaltung im internationalen Vergleich

Die Nutzung von E-Government in Deutschland nimmt wieder zu. 2,4 von 5 durchschnittlichen Behördenkontakten im Jahr werden bereits online erledigt. Kritikpunkte sind das nicht ausreichende Angebot und zu wenig Informationen über das bestehende digitale Angebot.

Ende September hat das Bundeskabinett das Programm "Digitale Verwaltung 2020" beschlossen. Damit soleln die internen Prozesse der Verwaltung durchgängig digitalisiert, vernetzt und medienbruchfrei gestaltet werden. Der eGovernment MONITOR gibt die Nutzerperspektive auf digitale Verwaltungsangebote wieder. So hätten 49 Prozent der Deutschen hätten gerne ein umfangreicheres Online-Angebot. Die Studie zeigt aber auch, dass die vorhandenen Online-Angebote zu wenig bekannt sind. 76 Prozent geben an, dass sie Online-Angebote nicht intensiver nutzen, weil ihnen die digitalen Angebote unbekannt sind. In den Vergleichsländern Österreich, der Schweiz und Schweden ist die Zufriedenheit mit E-Government-Angeboten deutlich höher.

 
Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern und Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, bemerkt zum eGovernment MONITOR 2014: „Die Sorge um die Sicherheit der eigenen Daten, als auch die kürzlich bekannt gewordenen Fälle von Identitätsdiebstahl, haben auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Sicherheit der E-Government-Angebote der deutschen Verwaltung erschüttert. Es ist eine gemeinsame Aufgabe aller Verantwortlichen, egal ob im Bund, in den Ländern oder in den Kommunen, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen”.
 
"Mit der Leitlinie für die Informationssicherheit in der öffentlichen Verwaltung hat der IT-Planungsrat bereits im vergangenen Jahr hierfür eine wichtige Grundlage gelegt. Darauf müssen wir in den kommenden Jahren konsequent und flächendeckend aufbauen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen“. Dr. Alfred Zapp, Vizepräsident der Initiative D21 ergänzt: „Für Wirtschaftsunternehmen und die Bürger ist die deutsche Verwaltung ein Standortfaktor. Der eGovernment MONITOR zeigt in diesem Jahr deutlich: Es sind nicht die viel zitierten 1,5 Behördenkontakte, sondern durchschnittlich fünf Behördenkontakte, die ein Bürger pro Jahr hat. Darunter sind bereits 2,4 Online-Kontakte. Eine moderne Verwaltung muss daher zwingend zur digitalen Lebenswelt der Bürger passen. Wir sind überzeugt, dass Verwaltung zur Bremse im System wird, wenn sie sich nicht den Lebens- und Wirkungsrealitäten der Bürgerinnen und Bürgern anpasst”.
 
Prof. Dr. Helmut Krcmar vom institute for public information management (ipima) an der TU Müchen erklärt, wie digitale Verwaltungsangebote gestaltet werden sollten: „Der Nutzen bzw. die Anwendungsmöglichkeiten von Infrastrukturkomponenten wie der neue Personalausweis (nPA) sollten möglichst vielfältig sein. Auf diese Weise können Anschaffungskosten gerechtfertigt werden und Routine und Sicherheit in der Anwendung von Technik entstehen”. Dr. Petra Wolf, ipima, ergänzt: „Der Mehrwert von E-Government-Anwendungen zeigt sich für unterschiedliche Zielgruppen in unterschiedlicher Weise. Behörden sollte daher die Zusammensetzung der Einwohner und Unternehmenslandschaft als Ausgangspunkt für die Auswahl der Online-Angebote nehmen und so den lokal spezifischen Bedarf adressieren”.

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