Arbeiten in der digitalen Welt: Was bringt die Zukunft?

Mit der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich Arbeit und  Arbeitsmärkte immer deutlicher. Klassische Industrie- und Büroarbeit wird zunehmend verdrängt. Es entstehen flexible und mobile Beschäftigungsverhältnisse und neue Formen der Zusammenarbeit. Das Wissen wird zur zentralen Ressource. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hat der Münchner Kreis gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein Expertenpapier zur „Arbeit in der digitalen Welt“ erarbeitet. „Die Herausforderung besteht heute darin, in einer hochdynamischen Umwelt neue Organisationsformen für Unternehmen und Institutionen zu entwickeln“, sagte Prof. Arnold Picot, Mitglied des Vorstandes des Münchner Kreis. Der wachsende Innovationsdruck und die Unbeständigkeit der Märkte zwingen dabei zu erhöhter Flexibilität und Agilität. „Junge Generationen treten ins Erwerbsleben ein, deren Werthaltungen mit herkömmlichen Organisationsformen von Weisung und Kontrolle oft nur schlecht vereinbar sind. Neue digitale Werkzeuge der Kooperation bieten den Unternehmen aber enorme Chancen, diesen Trend zum allseitigen Vorteil zu nutzen“, so Picot weiter. Der Erfolg von Arbeit wird dabei immer mehr dadurch definiert, wie kooperativ und kreativ Wissensarbeiter sind und wie intelligent sie sich vernetzen.

Die Kernaussagen des Expertenpapiers im Überblick:

Die Digitalisierung eröffnet der Arbeit und der Zusammenarbeit neuartige Potenziale. Dies gilt sowohl für die Gestaltung von Arbeitsinhalten und -prozessen als auch für die Organisation von Arbeit. Die Digitalisierung erleichtert vor allem den Zugang zu intelligenten Tools, Instrumenten, Automatisierungs-, Produktions- und Vernetzungstechnologien wie auch den Zugang zu global verteilten Informationen, Wissen, Kompetenzen, Ressourcen, Arbeitspartnern und Märkten. Oft ermöglicht sie diesen Zugang auch erst.

In Folge lassen sich insbesondere drei wesentliche Effekte erkennen:

  • Existierende Arbeitsprozesse lassen sich durch den Einsatz intelligenter Tools und Technologien effizienter und effektiver gestalten oder durch ganz neuartige, digital unterstützte Prozesse beziehungsweise Prozesstechnologien ersetzen.
  • Die Nutzung neuartiger Tools und Instrumente eröffnet vor allem im Bereich der Wissensarbeit zusätzliche Potenziale zur flexibleren Gestaltung der Arbeitsprozesse in zeitlicher, örtlicher und inhaltlicher Dimension – sowohl für die Unternehmen als auch für jeden Einzelnen. Die Flexibilisierung der Arbeitsprozesse führt zu der Entstehung neuartiger Arbeitsmodelle, die  bisherige Arbeitsmodelle ergänzen und zu einer zunehmenden Entgrenzung von Arbeit und Freizeit führen können.
  • Insbesondere im Bereich der bisher im mittleren Qualifikations- und Lohnniveau angesiedelten Berufsfelder ist mit einer stärkeren Automatisierung und Rationalisierung durch die Digitalisierung zu rechnen. Die bisher am unteren und oberen Qualifikationsrand eingeordneten, schwer automatisierbaren, eher erfahrungsbasierten Berufsfelder gewinnen nicht nur eine stärkere Relevanz. In diesem Bereich ist auch mit der Entstehung neuer Berufe zu rechnen. Dagegen verlieren routinebasierte Tätigkeiten im Bereich des mittleren Qualifikationsniveaus durch zunehmende technische Automatisierung an Bedeutung.

Um die Chancen dieser drei Effekte zu nutzen, lassen sich verschiedene Implikationen und Handlungsfelder erkennen:

  • Offenheit für neuartige Arbeitsformen und Arbeitsmodelle einerseits und für die Bildung von Netzwerken im Arbeitskontext sowie zur Interessensvertretung innerhalb der sich neu herausbildenden Arbeitsgruppen wie beispielsweise Smart Worker oder Crowdsourcee (Auftragnehmer auf einer Crowdsourcing-Plattform) andererseits.
  • Führungsmodelle, Anreizsysteme und Führungskompetenzen, die den veränderten Anforderungen gerecht werden. Neue Arbeitsmodelle in flacheren Hierarchien erfordern Führung auf Distanz und konsensuale Führung.
  • Stärkere Fokussierung der Aus- und Weiterbildung auf Fähigkeiten zur Entwicklung, Pflege,  Betrieb und Nutzung digitaler Systeme und auf die nicht automatisierbaren, eher erfahrungsbasierten Berufe im Bereich manueller und wissensbasierter Arbeit. Dabei sind sowohl die Verantwortlichen für die Weiterentwicklung des Bildungssystems als auch die Unternehmen als Verantwortliche für die Lern- und Weiterentwicklungskultur gefordert.
  • Anpassung und Deregulierung etablierter sozialer Sicherungssysteme an die sich in der digitalen Arbeitswelt neu entwickelnden Anforderungen. So verlieren beispielsweise klassische Regelungen bezüglich Arbeitsschutz und Arbeitszeit an Relevanz, wenn Arbeitsprozesse sowohl örtlich als auch zeitlich flexibel organisiert werden.
  • Veränderung des Stellenwertes der Arbeit vom vormals eher das Leben strukturierenden Element zum zukünftig freier gestaltbaren Element.

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