Von Mouse-Jigglern bis zu offenen Tabellen: Wie Beschäftigte Geschäftigkeit vortäuschen

Jeder Vierte, der im Homeoffice arbeiten kann, hat schon einmal die Maus bewegt oder automatisiert bewegen lassen, um online aktiv zu erscheinen. Andere schalten sich stumm in Meetings und erledigen nebenbei etwas anderes oder planen E-Mails bewusst für besonders frühe oder späte Uhrzeiten. Gleichzeitig zeigt die Befragung: Eine strengere digitale Überwachung würde bei vielen Beschäftigten vor allem eines erhöhen – den Stress.

Laut Workplace Visibility Report 2026 von LiveCareer®, einer Umfrage unter 1.000 erwerbstätigen Fachkräften in Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland, haben unter den Beschäftigten, für die Homeoffice infrage kommt, 25 % ihre Maus bewegt oder eine Software zur automatischen Mausbewegung genutzt, um auf beruflichen Plattformen weiterhin als "aktiv" zu gelten. 22 % haben an einer Besprechung teilgenommen, während sie stummgeschaltet waren und nebenbei etwas anderes erledigten. 19 % haben E-Mails so geplant, dass sie früh am Morgen oder spät am Abend versendet werden.

Im Büro sehen die Strategien anders aus. Unter den Beschäftigten, für die die Arbeit vor Ort infrage kommt, haben 14 % eine Tabelle oder ein Dokument geöffnet gelassen, falls jemand vorbeikommt. Ebenfalls 14 % haben Zeit im Kalender für konzentriertes Arbeiten blockiert, 12 % einen Umweg zur Toilette oder Küche genommen und 6 % eine Jacke über dem Stuhl hängen lassen oder einen Kaffeebecher auf dem Schreibtisch stehen lassen.

Beschäftigte berichten außerdem, dass sie sich unwohler fühlen, wenn sie während der Arbeitszeit persönliche Angelegenheiten erledigen und dabei vor Ort im Büro sind. Fast ein Drittel (32 %) gibt an, im Büro die größten Schuldgefühle oder Ängste in solchen Situationen zu empfinden. Bei der Arbeit im Homeoffice sagen das dagegen nur 9 %.

Eine stärkere Überwachung könnte jedoch neue Probleme schaffen. 62 % geben an, dass eine strenge, minutengenaue Überwachung ihrer digitalen Aktivitäten ihren Stress erhöhen würde. 29 % hätten dadurch das Gefühl, dass ihr Arbeitgeber ihnen weniger vertraut, und 16 % würden erwägen, sich einen anderen Job zu suchen.

"Bei der Arbeit beschäftigt zu wirken, ist nichts Neues. Doch die Signale, die Beschäftigte gezielt beeinflussen, haben sich verändert", sagt Dr. Jasmine Escalera, Karriereexpertin bei LiveCareer. "Ein grüner Aktivitätsstatus, eine strategisch zeitlich geplante E-Mail oder eine geöffnete Tabelle können den Eindruck von Aktivität vermitteln, ohne dem Arbeitgeber viel über die Qualität der Arbeit zu verraten. Arbeitgeber sollten darauf achten, Sichtbarkeit nicht mit Leistung zu verwechseln."

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Jeder Vierte simuliert Aktivität: 25 % der Beschäftigten im Homeoffice nutzen automatische Mausbewegungen oder bewegen die Maus bewusst, um den "Aktiv"-Status in Slack oder Teams zu halten.

  • Digitale Signale werden manipuliert: 22 % nehmen an Meetings teil, bleiben aber stumm, um nebenbei andere Dinge zu tun. Weitere 19 % planen E-Mails so, dass sie früh morgens oder spät abends verschickt werden.

  • Auch im Büro wird Geschäftigkeit vorgetäuscht: 14 % lassen Tabellen offen, falls Kollegen vorbeigehen, und 6 % nutzen den alten Trick mit der zurückgelassenen Jacke oder Kaffeetasse.

  • Im Büro haben Beschäftigte häufiger ein schlechtes Gewissen: 32 % empfinden die größten Schuldgefühle oder Ängste, wenn sie im Büro persönliche Aufgaben erledigen. Bei der Arbeit im Homeoffice sind es dagegen nur 9 %.

  • 62 % befürchten mehr Stress durch eine minutengenaue digitale Überwachung: 37 % rechnen mit deutlich mehr Stress, weitere 25 % mit etwas mehr Stress.

  • Überwachung könnte auch das Vertrauen und die Mitarbeiterbindung beeinträchtigen: 29 % würden sich durch eine strenge Überwachung weniger wertgeschätzt und weniger vertraut fühlen. 16 % würden erwägen, sich einen anderen Job zu suchen, wenn eine solche Überwachung eingeführt würde.

Beschäftigte im Homeoffice steuern ihre digitale Präsenz

Unter den Beschäftigten, für die Homeoffice infrage kommt, haben:

  • 25 % ihre Maus bewegt oder eine Software zur automatischen Mausbewegung genutzt, um auf Slack, Teams oder ähnlichen Plattformen weiterhin als "aktiv" zu gelten.

  • 22 % an einer Besprechung teilgenommen, während sie stummgeschaltet waren und nebenbei etwas anderes erledigten, um lediglich "dabei zu sein".

  • 19 % E-Mails so geplant, dass sie früh am Morgen oder spät am Abend versendet werden.

  • 15 % eine gemeinsam genutzte Tabelle oder ein Dokument geöffnet gelassen.

  • 11 % Zeit im Kalender als "Fokuszeit" oder "konzentriertes Arbeiten" blockiert.

Auch Beschäftigte im Büro haben ihre eigenen Strategien

Unter den Beschäftigten, für die die Arbeit vor Ort infrage kommt, haben:

  • 31 % ihre Kaffeepausen verlängert.

  • 16 % eine Telefonkabine oder einen Besprechungsraum für ein privates Telefonat genutzt.

  • 15 % längere Zeit Nachrichten oder Artikel gelesen.

  • 14 % eine Tabelle oder ein Dokument geöffnet gelassen, falls jemand vorbeikommt.

  • 14 % Zeit im Kalender für konzentriertes Arbeiten blockiert.

  • 12 % einen Umweg zur Toilette oder Küche genommen, um länger abwesend zu sein.

  • 6 % eine Jacke über dem Stuhl hängen lassen oder einen Kaffeebecher auf dem Schreibtisch stehen lassen.

Beschäftigte haben im Büro häufiger ein schlechtes Gewissen, wenn sie private Aufgaben erledigen

Fast ein Drittel der Beschäftigten (32 %) gibt an, sich am meisten schuldig oder unwohl zu fühlen, wenn sie im Büro persönliche Aufgaben erledigen. Das sind mehr als dreimal so viele wie die 9 %, die dieses Gefühl vor allem bei der Arbeit im Homeoffice erleben. Weitere 20 % fühlen sich in beiden Situationen gleichermaßen unwohl, während 25 % angeben, in keiner der beiden Situationen solche Gefühle zu haben.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Frage nach der Sichtbarkeit von Arbeit über das Homeoffice hinausgeht. Beschäftigte nennen deutlich häufiger das Büro als den Ort, an dem sie sich am meisten schuldig oder unwohl fühlen, wenn sie während des Arbeitstags persönliche Angelegenheiten erledigen.

Mehr Überwachung könnte den Stress erhöhen, ohne das Problem der Sichtbarkeit zu lösen

Auf die Frage, wie sie sich fühlen würden, wenn ihr Unternehmen jede Minute ihrer digitalen Aktivitäten streng überwachen würde, antworteten die Beschäftigten:

  • 37 % würden sich deutlich gestresster fühlen.

  • 25 % würden sich etwas gestresster fühlen.

  • 29 % hätten das Gefühl, dass ihr Arbeitgeber ihnen weniger vertraut.

  • 16 % würden erwägen, sich einen anderen Job zu suchen.

  • 15 % sagen, dass eine solche Überwachung sie nicht wesentlich beeinflussen würde.

Insgesamt geben 62 % an, dass eine strenge Überwachung ihren Stress in irgendeiner Form erhöhen würde.

Die Ergebnisse stellen Arbeitgeber vor eine Herausforderung. Digitale Tools erleichtern es zwar, zu sehen, ob jemand online oder aktiv zu sein scheint. Beschäftigte können jedoch viele dieser Signale gezielt beeinflussen. Eine intensivere Überwachung kann daher zwar die Sichtbarkeit erhöhen, liefert aber nicht unbedingt ein klareres Bild von der tatsächlichen Arbeitsleistung.

Für Arbeitgeber ist deshalb möglicherweise eine andere Frage entscheidender: Wirken Beschäftigte jede Minute aktiv, oder spiegeln die eingesetzten Maßnahmen tatsächlich die Qualität und die Ergebnisse ihrer Arbeit wider?

Mehr Infos: www.livecareer.de/

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