Strategische Zielsetzung als Grundlage langfristiger Vermögensplanung
Bevor ein konkreter Plan entworfen werden kann, muss zunächst ein Ziel definiert werden. In Unternehmen wird die Ausgangslage dafür ganzheitlich betrachtet, von den erforderlichen Ressourcen über die anvisierte Positionierung bis hin zu messbaren Größen, mit denen sich der Fortschritt erfassen lässt. Diese Eckpfeiler des strategischen Managements funktionieren in der privaten Vermögensplanung ähnlich.
Während Unternehmen ihre Marktposition und Marktdurchdringung sowie Budgets und Ressourcen in den Fokus rücken, analysieren Privatpersonen ihre bereits vorhandenen Vermögenswerte, die aktuelle Asset-Allokation, ausstehende Verbindlichkeiten, liquide Mittel und laufende Einnahmen sowie Ausgaben. Idealerweise wird das angestrebte Ziel dabei konkretisiert. "Finanzielle Freiheit" oder "finanzielle Absicherung" sind legitime, aber auch relativ weitgefasste und pauschale Ziele. Hilfreicher sind klar definierte Ziele, zum Beispiel das Schließen einer zuvor ermittelten Lücke in der Altersvorsorge, die Finanzierung einer Immobilie oder der langfristige inflationsbereinigte Erhalt des Familienvermögens.
Erwartungsgemäß können sich die Planungshorizonte je nach Ziel unterscheiden. Der Erhalt des Familienvermögens ist eine langfristige Lebensaufgabe, die Finanzierung einer Immobilie hingegen ein mittelfristig angestrebtes Ziel. In Relation zum Ziel ist zudem regelmäßig zu prüfen, ob die Vermögensstrategie weiterhin für das eigens gesetzte Ziel arbeitet. An dieser Stelle zeigen sich erneut Parallelen gegenüber dem strategischen Management und den im Unternehmen festgelegten Zielen.
Bei der Prüfung sollte vor allem die Asset-Allokation eine Schlüsselrolle spielen. Wie das US-amerikanische CFA-Institut angibt, entstehen etwa 90 % aller Renditeschwankungen durch die Asset-Allokation und nur weniger als 10 % durch die spezifische Einzeltitelauswahl. Damit zeigen sich erneut Überschneidungen zum Unternehmensalltag, wo die grundlegende Unternehmensarchitektur und langfristige Entscheidungshorizonte relevanter für die Zielerreichung als gewöhnliches, täglich stattfindendes operatives Rauschen sind.
Risikomanagement und Diversifikation: Was Anleger von Unternehmen lernen können
Unternehmen müssen fortlaufend Risiken evaluieren. Privatanleger ebenso, wenn auch in einem kleineren, dafür aber zugleich übersichtlicheren Rahmen. Das Grundprinzip des unternehmensorientierten Risikomanagements, zu dem die Identifizierung von Gefahren ebenso wie die Analyse potenzieller Auswirkungen und gegensteuernder Maßnahmen zählen, greift im übertragenen Sinn ebenso in der privaten Vermögensverwaltung.
Das Risikomanagement spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Zunächst ist objektiv die eigene Risikotoleranz einzuschätzen. An dieser Stelle neigen Privatanleger häufig zur Selbstüberschätzung. Sie sprechen sich selbst also eine hohe Risikotoleranz zu, diese gerät aber bereits bei kleineren Verwerfungen an den Märkten erheblich ins Schwanken. Die Folge dessen sind oftmals Kurzschlussreaktionen, wobei speziell diese sowohl im Vermögensaufbau als auch in der Vermögensverwaltung eine akute Gefahr darstellen.
Das US-Analyseinstitut Morningstar fasst es treffend zusammen: Umso häufiger Anleger handeln und aktiv eingreifen, desto niedriger ist durchschnittlich deren Rendite. Derartige, oftmals ungünstige Affekt-Reaktionen lassen sich verhindern, indem das Risikomanagement von Beginn an auf solide Beine gestellt wird - inklusive Vorsorgemaßnahmen und der Bewertung etwaiger Folgen, sofern identifizierte Risiken eintreten.
Ebenfalls wichtig ist die Diversifikation. Klumpenrisiken sind für Unternehmen potenziell existenzbedrohend. Sofern ein Unternehmen beispielsweise lediglich eine populäre App anbietet und nahezu alle Umsätze mit dieser generiert, gerät das Unternehmen unmittelbar in eine Schieflage, sobald diese App an Popularität verliert. Ähnliche Folgen ließen sich in der Praxis in Deutschland zuletzt bei den Zulieferern für deutsche Autobauer beobachten. Wer als Zulieferer nur einen Autobauer beliefert, gerät automatisch in Schwierigkeiten, sobald dieser Autobauer seine Produktion drosselt oder ganze Werke schließt.
In der privaten Vermögensverwaltung geht es ebenso darum, die getätigten Investitionen breit zu streuen. Möglichkeiten dafür gibt es reichlich:
- verschiedene Asset-Klassen nutzen, zum Beispiel Aktien, Anleihen, ETFs und Edelmetalle
- über geografische Regionen diversifizieren
- Investitionen in verschiedene, nicht voneinander abhängige Branchen tätigen
- Geld über Investitionen mit unterschiedlichem Risikoprofil investieren
Fortlaufend sind dabei externe und interne Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Das sind bei der privaten Vermögensplanung zum Beispiel die Inflation, Zins- und Marktveränderungen, persönliche Lebensereignisse und Veränderungen, die mit der Zeit eintreten. Zinsanpassungen können zu erheblicher Volatilität führen, Marktveränderungen können hingegen speziell getätigte Einzelinvestitionen beeinflussen.
Zudem kann sich das Leben jederzeit ändern: Dabei ist ein Puffer einzuplanen, der in solchen Phasen der Veränderung genutzt werden kann, um nicht in möglicherweise ungünstigen Marktphasen Investitionen liquidieren zu müssen. Aus diesem Grund sind individuelle Risikoprofile und eine diversifizierte Vermögensstruktur auch deutlich wichtiger als kurzfristige Rendite. Was im Vermögensaufbau zählt, ist das, was nach Jahrzehnten des Vermögensaufbaus zu Buche steht. Nicht die Veränderung im Portfolio, die innerhalb einer Woche eingetreten ist.
Strategische Entscheidungen langfristig umsetzen und kontrollieren
Unternehmen erheben fortlaufend Daten und analysieren anhand dieser ihre eigenen Entscheidungen. Der Ansatz des strategischen Controllings ist auf private Vermögensstrukturen übertragbar. Klassisch bietet sich dafür zunächst ein Soll-Ist-Vergleich an, mit dem die tatsächlich stattgefundene Vermögensentwicklung den zuvor gesetzten Zielen gegenübergestellt wird.
In festgelegten Intervallen ist zu prüfen, ob die Vermögens- und Portfoliostruktur weiterhin zur Lebenssituation und Risikotoleranz passt und ob sich beispielsweise Klumpenrisiken über die Zeit gebildet haben. Sofern diese identifiziert wurden, sind entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Wer all diese Schritte, Analysen, Bewertungen und Maßnahmen nicht selbst durchführen beziehungsweise ergreifen kann oder möchte, kann all das alternativ in die Hände von Fachleuten geben. Eine individuelle Vermögensverwaltung könnte dabei eine Option sein, die die persönlichen Anlageziele und Risikobereitschaft in Einklang mit der langfristigen Planung bringt.
Das schafft Vorteile, zum Beispiel durch die kontinuierliche systematische Betrachtung der Vermögensstrukturen und die Überprüfung der Asset-Allokation sowie der gewählten Strategie. Marktveränderungen können Fachleute sachlich einordnen. Sofern sich die Lebensumstände oder Anlageziele verändern, bieten sie zugleich Lösungen an und nehmen anschließend die Neuausrichtung im Praktischen vor.
Langfristige Vermögensplanung ist ein fortlaufender Prozess, der eine klare Strategie voraussetzt
Die Überschneidungen zwischen dem strategischen Management und der privaten Vermögensverwaltung sind zahlreich. Klare Zielsetzungen und ein objektives sowie systematisches Risikomanagement sind in beiden Fällen unabdingbar. Außerdem benötigt es regelmäßige Erfolgskontrollen und gegebenenfalls Anpassungen an stattfindende Veränderungen. Entscheider können das, was sie im Unternehmen bereits im Management anwenden, also parallel in ihrer privaten Vermögensplanung nutzen.