Unsicherheit bremst Entscheidungen und entwickelt sich zum gesamtwirtschaftlichen Risiko

Unsicherheit ist für viele Menschen in Deutschland zum ständigen Begleiter geworden, allerdings mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten zwischen den älteren und jüngeren Generationen. Eine aktuelle Umfrage von BearingPoint zeigt, wie stark diese Unterschiede Entscheidungen, Karrieren und Erwartungen an Führung prägen und wie sich dies auf die Gesamtwirtschaft auswirkt.

Politische und wirtschaftliche Unsicherheit führt dazu, dass Menschen in Deutschland Entscheidungen zunehmend vertagen. Zugleich zeigen sich deutliche Generationsunterschiede in Sorgen und Prioritäten. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint macht sichtbar: Während ältere Altersgruppen vor allem Energiepreise und Versorgungssicherheit beschäftigen, verbinden jüngere Menschen Unsicherheit stärker mit digitaler Wettbewerbsfähigkeit, KI und ihrer beruflichen Zukunft.

Entscheidungen werden aufgeschoben

Die unsichere politische und wirtschaftliche Lage wirkt sich bereits konkret auf das Verhalten aus: 17 Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen Monaten größere Anschaffungen (z.?B. Auto, Haushaltsgeräte oder Elektronik) aufgeschoben zu haben. Acht Prozent nennen vertagte Entscheidungen rund um Geldanlagen und Altersvorsorge, sechs Prozent verschobene Schritte in der Lebensplanung. Jeweils rund fünf Prozent betreffen aufgeschobene Jobwechsel bzw. Karriereschritte sowie Immobilienkauf oder -miete. Insgesamt gibt fast jeder dritte Befragte an, Entscheidungen aufgrund von Unsicherheit aufgeschoben zu haben. Ein Befund, der laut BearingPoint auch gesamtwirtschaftliche Folgen hat.

"Wenn Entscheidungen systematisch aufgeschoben werden, verliert eine Volkswirtschaft an Tempo. Das ist ökonomisch relevanter als kurzfristige konjunkturelle Schwankungen", kommentiert Iris Grewe, Regionalleiterin Central/East und globale Leiterin Consulting Ecosystem bei BearingPoint. "Was im Privaten als Zögern beginnt, kann sich in der Folge gesamtwirtschaftlich zu einem Investitionsstau verdichten."

Grafik: Aktuelle Umfrage zur Unsicherheit | Bildquelle: (C) BearingPoint

Pessimistischer Zukunftsblick: Sorge um die nächste Generation als Standortfaktor

Auch der Blick in die Zukunft ist bei vielen Befragten deutlich pessimistisch: 19 Prozent glauben, dass es der nächsten Generation wirtschaftlich auf jeden Fall schlechter gehen wird, weitere 38 Prozent halten dies für wahrscheinlich. Demgegenüber erwarten nur zehn Prozent eine wahrscheinlich bessere und zwei Prozent eine auf jeden Fall bessere Entwicklung.

"Wenn eine Generation nicht mehr daran glaubt, dass es ihr wirtschaftlich besser gehen wird, ist das nicht nur ein subjektives Empfinden von Handlungsunfähigkeit, sondern ein reales Risiko für den Standort", so Iris Grewe.

KI wird zur Zukunftsfrage einer Generation

Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede zwischen den Generationen beim Thema Künstliche Intelligenz. Während insgesamt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung den technologischen Rückstand Deutschlands bei KI als größte Sorge nennt, liegt der Anteil bei den 18- bis 24?Jährigen mit 13 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den 45- bis 54?Jährigen (sechs Prozent) und mehr als viermal so hoch wie bei den über 55?Jährigen (drei Prozent).

Für jüngere Generationen ist digitale Wettbewerbsfähigkeit damit kein abstraktes Zukunftsthema, sondern eng mit den eigenen Berufs- und Lebensperspektiven verknüpft. Entsprechend ausgeprägt sind auch Sorgen rund um KI und Automatisierung: 28 Prozent der unter 25?Jährigen geben an, dass ihnen diese Entwicklungen mit Blick auf ihren aktuellen oder künftigen Arbeitsplatz besondere Sorgen bereiten - deutlich mehr als in allen anderen Altersgruppen.

Unsicherheit bremst vor allem junge Karrieren

Die Studie zeigt zudem, dass wirtschaftliche und politische Unsicherheit insbesondere bei Berufseinsteigern konkrete Auswirkungen auf Karriereentscheidungen hat. Elf Prozent der 18- bis 24-Jährigen und zehn Prozent der 25- bis 34-Jährigen geben an, geplante Jobwechsel oder Karriereschritte aufgeschoben zu haben. Bei den über 55-Jährigen sind es lediglich zwei Prozent.

Das deutet darauf hin, dass jüngere Beschäftigte den Arbeitsmarkt aktuell als deutlich instabiler wahrnehmen und Risiken stärker abwägen. Bemerkenswert ist zudem: Die jüngste Altersgruppe sorgt sich im Vergleich weniger um klassische Wohlstandsthemen wie Lebenshaltungskosten oder Konjunktur, dafür aber überdurchschnittlich stark um technologische Umbrüche und Qualifikationsanforderungen.

Führungsqualität wird zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Talente

Vor diesem Hintergrund gewinnt Führung eine neue strategische Bedeutung. Mehr als jeder zweite Beschäftigte unter 35 Jahren (54 Prozent) würde den Arbeitgeber wechseln, wenn er dort bessere Führung erwarten könnte, selbst bei gleichem Gehalt. In der Altersgruppe über 55 Jahren trifft dies nur auf rund 23 Prozent zu.

Für junge Talente sind damit Entscheidungsstärke, Transparenz und Orientierung mindestens genauso wichtig wie monetäre Anreize. Gefragt sind Führungskräfte, die auch unter Unsicherheit handlungsfähig bleiben und klare Zukunftsperspektiven aufzeigen.

"Führung ist kein Kulturthema mehr. In der Krise entscheidet sie darüber, ob Staat, Unternehmen und die Gesellschaft handlungsfähig bleiben", sagt Iris Grewe. "Insofern ist Führung ein ökonomischer Hebel. Denn sie bestimmt, wie schnell und wie klar Organisationen unter Unsicherheit Entscheidungen treffen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. In diesem Zusammenhang wird Unsicherheit dann zum wirtschaftlichen Faktor, wenn sie Entscheidungen verzögert. Denn Wachstum entsteht nicht aus der Vermeidung von Risiken, sondern durch bewusste und kontrollierte Risikobereitschaft."

Energie und Geopolitik bleiben Sorgen der Älteren

Während sich jüngere Menschen stärker auf KI und Arbeitsmarktentwicklungen fokussieren, dominieren bei den über 45-Jährigen andere Unsicherheitsfaktoren. Mehr als 60 Prozent der 45- bis 54-Jährigen und der über 55-Jährigen nennen Energieversorgung, Energieabhängigkeiten und Energiepreise als größte Sorge. Das sind deutlich mehr als in den jüngeren Altersgruppen.

Zudem zeigen die Ergebnisse, dass Personen mit höheren Bildungsabschlüssen stärker durch geopolitische Konflikte beunruhigt sind als Menschen mit niedrigeren Abschlüssen, während höhere Einkommen und formale Qualifikation die Sorge um Energiepreise spürbar reduzieren.

Stadt, Land, Ost, West: regionale Muster, aber der größte Bruch verläuft entlang Lebensphasen und Absicherung

Neben den Generationeneffekten zeigen sich auch Unterschiede entlang des Lebensumfelds: Im ländlichen Raum sind Sorgen um Energieversorgung und Verteidigungsfähigkeit stärker ausgeprägt, während in städtischen Regionen Themen wie digitale Infrastruktur und KI häufiger als relevant genannt werden.

Auch zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es Akzentverschiebungen: Menschen in Ostdeutschland nennen geopolitische Konflikte häufiger als Sorge (55?Prozent vs. 50?Prozent), während in Westdeutschland ein höherer Bedarf an Verteidigungsfähigkeit gesehen wird (31?Prozent vs. 23?Prozent).

In der Gesamtschau gilt jedoch: Die größten Unterschiede im Erleben von Unsicherheit verlaufen weniger entlang der Region, sondern vor allem entlang von Altersgruppen, finanzieller Absicherung sowie Lebens- und Besitzstatus.

Mehr Infos: www.bearingpoint.com

Unsere Empfehlungen