Mangelnde IT-Infrastruktur und Daten bremsen Einsatz digitaler Zwillinge

Digitale Zwillinge spielen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie eine herausragende Rolle - das sagt die Mehrheit der Unternehmen in einer aktuellen Bitkom-Umfrage. Unter digitalen Zwillingen versteht man eine Art Computer-Klon eines Geräts, einer Maschine, Anlage oder sogar einer ganzen Fabrik. Mit ihm lassen sich Abläufe simulieren, überwachen, planen und steuern. Dazu braucht es große Mengen an Echtzeitdaten sowie eine leistungsfähige technische Infrastruktur. Aus Sicht der Industrie gibt es hier noch Defizite. Mehr als die Hälfte der deutschen Industrieunternehmen (57 Prozent) ist der Auffassung, dass die notwendigen Daten zum Einsatz digitaler Zwillinge fehlen. Und auch bei der technischen Infrastruktur läuft nicht alles rund: Fast die Hälfte (48 Prozent) sieht Mängel in der IT-Infrastruktur als Grund dafür, dass der Einsatz digitaler Zwillinge häufig scheitert. Das zeigen Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die anlässlich der Industriemesse Hannover unter 555 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes durchgeführt wurde.


Kurz gefasst

  • Digitale Zwillinge gelten für die Mehrheit der Industrieunternehmen als wichtiger Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit, werden jedoch bislang nur eingeschränkt genutzt.
  • Ein zentrales Hindernis ist der Mangel an verfügbaren und nutzbaren Daten, den mehr als die Hälfte der Unternehmen als größte Herausforderung nennt.
  • Auch Defizite in der IT-Infrastruktur bremsen den Einsatz, sodass digitale Zwillinge in vielen Fällen nicht erfolgreich umgesetzt werden können.
  • Gleichzeitig sehen Unternehmen große Potenziale, etwa für effizientere Produktionsprozesse, vorausschauende Wartung und neue Geschäftsmodelle.
  • Neben technologischen Voraussetzungen wird insbesondere die Bereitschaft zum Datenteilen als entscheidender Erfolgsfaktor für die Zukunft hervorgehoben.

"Digitale Zwillinge haben herausragende Bedeutung für die Zukunft der deutschen Industrie", sagt Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert. "Die Technologie braucht vor allem eines: Daten. Alle Industrieunternehmen sollten sich mit der Thematik und den Erkenntnissen von Initiativen in diesem Bereich intensiv beschäftigen und diese im eigenen Unternehmen und in Produkten anwenden. Wichtig ist auch, die Daten nicht nur selbst zu nutzen, sondern die Offenheit, diese auch mit anderen sinnvoll zu teilen."

Die deutsche Industrie sieht bei digitalen Zwillingen noch Aufholbedarf. Mehr als ein Fünftel (23 Prozent) sieht sich hier vorne (3 Prozent an der Spitze; 20 Prozent als Vorreiter). 60 Prozent sehen ihr Unternehmen aber eher als Nachzügler und 14 Prozent sind der Auffassung, sie hätten den Anschluss verpasst. Dabei hat die deutsche Industrie die Bedeutung digitaler Zwillinge als Wettbewerbsfaktor erkannt. 6 von 10 Industrieunternehmen (62 Prozent) rechnen ihnen eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit zu (27 Prozent sehr groß; 35 Prozent eher groß). Etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent) misst dieser Technologie hingegen eine geringe Bedeutung bei (21 Prozent eher gering; 15 Prozent sehr gering).

Auch mit Blick auf die Abläufe und Prozesse innerhalb der Produktion steht die deutsche Industrie digitalen Zwillingen mehrheitlich positiv gegenüber. Fast 8 von 10 Industrieunternehmen (79 Prozent) sind der Auffassung, digitale Zwillinge ermöglichten eine vorausschauende Wartung und vermieden so ungeplante Ausfälle. Fast 6 von 10 (58 Prozent) sagen, digitale Zwillinge machten Produktionsprozesse effizienter. Ebenso viele (58 Prozent) sehen darin eine Chance, völlig neue Geschäftsmodelle zu verwirklichen. Und auch der Nachhaltigkeitsfaktor ist für die Industrie relevant. Zwei Drittel (66 Prozent) sehen in der Technologie eine Möglichkeit, Emissionen zu reduzieren. Rückert: "Auch die Politik ist gefordert, Unternehmen gezielt zu unterstützen - etwa durch niedrigschwellige KI-Förderprogramme für den Mittelstand."

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