Die Ergebnisse basieren auf dem "2026 European Law Enforcement Outlook" von Cognyte, einem Technologieunternehmen mit Fokus auf Lösungen für investigative Analytik. Für die Studie wurden 200 Fachkräfte aus Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden in ganz Europa befragt, die in den Bereichen Ermittlungen, Analyse und operative Einsätze tätig sind.
Daten ohne Kontext: Mehr als jede zweite Behörde fordert integrierte Lagebilder
Ein zentrales Ergebnis der Studie: 55 % der befragten Behörden sehen die dringende Notwendigkeit, unterschiedliche Datenquellen zu einem einheitlichen, operativ nutzbaren Lagebild zu verknüpfen. Hintergrund ist die wachsende Komplexität moderner Ermittlungen: Fälle erstrecken sich heute über mehrere Datenquellen, Organisationen und Länder hinweg und erfordern die Verknüpfung von Kommunikationsdaten, digitaler Forensik und offenen Quellen.
Diese Entwicklung erhöht den Druck auf die Behörden spürbar: 65 % berichten von steigenden Fallzahlen, wobei vor allem die Komplexität der Fälle die Ermittlungsarbeit erschwert. Gleichzeitig geben 46 % an, dass die Zahl relevanter Datenquellen pro Fall zunimmt. Auch der Bedarf an KI-gestützter Analyse wird dabei immer deutlicher: Ermittler verlieren im Schnitt rund 25 % ihrer Arbeitszeit durch fehlende Analysefähigkeiten, während gleichzeitig zentrale Technologien wie Videoanalyse (48 %), digitale Forensik (45 %) und OSINT-Auswertung (39 %) in vielen Behörden noch nicht ausreichend verfügbar sind.
"Ermittlungsbehörden verfügen heute über mehr Daten als je zuvor. Doch ohne die Fähigkeit, diese intelligent zu verknüpfen, bleibt ihr Potenzial häufig ungenutzt", so Torsten Oelze, Director bei Cognyte. "Der entscheidende Schritt ist der Übergang von isolierten Informationen hin zu einem integrierten, handlungsrelevanten Lagebild. Dazu braucht es Analyseplattformen, die Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen, automatisiert auswerten und in Echtzeit verfügbar machen. Erst so lassen sich Muster erkennen, Zusammenhänge herstellen und fundierte operative Entscheidungen treffen - gerade in zunehmend komplexen und dynamischen Ermittlungsumgebungen."
Neue Bedrohungsdynamik: Zusammenarbeit zwischen Kriminalität und Terror nimmt stark zu
Parallel zur Datenproblematik verändert sich auch die Struktur krimineller Netzwerke. 69 Prozent der Befragten berichten, dass die Zusammenarbeit zwischen kriminellen Gruppen und terroristischen Organisationen in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat.
Diese Kooperationen sind vielfältig und reichen von der Nutzung bestehender Schmuggelrouten (39 Prozent) über operative Unterstützung bei Angriffen (21 Prozent) bis hin zu Geldwäscheaktivitäten (19 Prozent). Dabei nutzen Terrororganisationen die bestehenden Infrastrukturen und Netzwerke der organisierten Kriminalität - und das über Grenzen hinweg. So sinken die Einstiegshürden für komplexe Angriffe, während die Anforderungen an Ermittlungen steigen und sich zunehmend ausdifferenzieren.
"Die zunehmende Verzahnung von organisierter Kriminalität und Terrorismus verändert die Spielregeln grundlegend", so Torsten Oelze. "Gerade weil diese Netzwerke immer enger zusammenarbeiten und grenzüberschreitend agieren, müssen auch Ermittlungsbehörden ihre Zusammenarbeit deutlich intensivieren - zwischen nationalen und internationalen Polizeibehörden, Nachrichtendiensten, Finanzermittlern sowie spezialisierten Einheiten. Programme wie P20 setzen hier an, indem sie die Grundlage für eine solche vernetzte Zusammenarbeit und integrierte Analyse schaffen. Entscheidend wird jedoch sein, diese Ansätze konsequent in operative, datengetriebene Entscheidungsprozesse zu überführen, um komplexe Bedrohungslagen frühzeitig zu erkennen und wirksam zu adressieren."
SIGINT: Traditionelle und isolierte Lösungen stoßen an ihre Grenzen
96 % der Befragten geben an, dass es in den vergangenen fünf Jahren deutlich schwieriger geworden ist, aus SIGINT-Quellen verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Signal Intelligence (SIGINT) - also die Analyse von Kommunikationsdaten wie Telefonaten, Textnachrichten und Internetverkehr im Rahmen gesetzlicher Befugnisse im Kontext autorisierter Ermittlungen zu kriminellen Aktivitäten - bleibt eine zentrale Säule moderner Ermittlungsarbeit. Die Studie zeigt jedoch, dass ihre Wirksamkeit zunehmend davon abhängt, wie gut verfügbare Daten analysiert und in einen größeren Kontext eingeordnet werden können. Verschlüsselte Kommunikations-Apps, alternative digitale Kanäle und fragmentierte Datenlandschaften erschweren diese Analyse erheblich und erhöhen den Bedarf an zusätzlichen Analysefähigkeiten und spezialisierter Expertise, um aussagekräftige Erkenntnisse zu gewinnen.
Vor diesem Hintergrund rücken bestehende Kompetenzlücken stärker in den Fokus. 48 % der Befragten nennen sowohl verschlüsselte Kommunikation als auch fehlende Expertise in Finanz- und Kryptobereichen als zentrale Herausforderungen. Der Engpass liegt damit vielfach nicht im Zugang zu Daten, sondern zunehmend in der Fähigkeit, diese effizient auszuwerten und miteinander zu verknüpfen. Entsprechend messen mehr als die Hälfte der Befragten (52 %) dem Ausbau digitalforensischer Kompetenzen eine hohe Priorität bei. Moderne Ermittlungsansätze setzen daher verstärkt auf eine Weiterentwicklung bestehender SIGINT-Fähigkeiten sowie deren Kombination mit weiteren Datenquellen und Analyseformen - etwa digitaler Forensik, OSINT und KI-gestützter Analyse , um auch bei eingeschränkter Datenverfügbarkeit ein belastbares und kontextreiches Lagebild zu erzeugen.
"Die Ergebnisse der Befragung zeigen klar: Nicht der Mangel an Daten ist heute die größte Herausforderung für Ermittlungsbehörden, sondern ihre sinnvolle Verknüpfung und Auswertung", so Torsten Oelze. "Integrierte Analyseplattformen, KI-gestützte Auswertung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden werden damit zu zentralen Voraussetzungen, um mit der Dynamik moderner Kriminalität Schritt zu halten und aus Daten schnell belastbare, operative Erkenntnisse zu gewinnen.
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