wissensmanagement - April/Mai 2026

Titelthema

Die Macht der Geschichten:
Storytelling und Storylistening im Wissensmanagement

Geschichten spielen in Organisationen eine größere Rolle, als oft angenommen: Sie prägen, wie Ereignisse interpretiert und Erfahrungen weitergegeben werden - und entscheiden darüber, welche Lehren aus Erfolgen und Fehlern gezogen werden. Während sich manche Narrative fast unbemerkt festsetzen, können bewusst eingesetzte Geschichten Wissen verständlicher machen, Lernen fördern und Veränderung unterstützen. Storytelling und Storylistening eröffnen dafür neue Möglichkeiten im Wissensmanagement. In der aktuellen Ausgabe von "wissensmanagement - Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration" erfahren Sie, wie organisationale Narrative entstehen, wie Geschichten Wissen transportieren - und wie Unternehmen das Potenzial von Erzählungen gezielt nutzen können.



Editorial

Wissen braucht Geschichten

von Nicole Lehnert

Geschichten sind mehr als nur eine schöne Verpackung für Inhalte. Sie entscheiden darüber, was wir verstehen, woran wir uns erinnern - und was wir weitererzählen. Gerade im Wissensmanagement wird das oft unterschätzt. Unternehmen investieren in Tools, Prozesse und Strukturen. Doch das strategisch wichtige Erfahrungswissen steckt nach wie vor in den Köpfen der Mitarbeitenden. Und es zirkuliert nicht von selbst. Es wird erst lebendig, wenn Menschen es teilen: in Geschichten. Im Dialog. Im gemeinsamen Verstehen. Diese Ausgabe von "wissensmanagement - Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration" widmet sich deshalb ab Seite 18 der Macht der Geschichten und dem Storytelling sowie Storylistening aus verschiedenen Perspektiven.


Praxis Wissensmanagement

Künstliche Intelligenz | Produktiver - aber dümmer? Wie generative KI die Lernfähigkeit von Menschen und Organisationen gefährdet

von Prof. Dr. Swetlana Franken

Generative KI verspricht erhebliche Produktivitätsgewinne in der Wissensarbeit: Texte, Analysen, Konzepte oder Codes können in kürzester Zeit erstellt werden. In vielen Organisationen wird KI daher primär als Effizienzwerkzeug eingeführt - mit messbaren kurzfristigen Erfolgen. Eine aktuelle PwC-Studie beziffert das Produktivitätswachstum im Zeitraum 2018 - 2024 in den Branchen, die am stärksten von KI betroffen sind, mit 27 Prozent und sagt bis 2040 eine Steigerung der Arbeitsproduktivität in Deutschland durch KI um 30 Prozent voraus. Doch was, wenn der Preis dieser Produktivitätsgewinne nicht monetär, sondern kognitiv ist? Die langfristige Nebenwirkung der Nutzung von generativer KI im Sinne einer schleichenden Erosion individueller und organisationaler Lern- und Urteilskompetenz erhält bislang weniger Aufmerksamkeit. Möglicherweise könnte sich der Verlust von Lernfähigkeit - und nicht der Verlust von Arbeitsplätzen - als das größere Risiko der KI-Nutzung erweisen.


Best Practice | M365: Digitale Vernetzung in der Sozialwirtschaft

von Nora Hoffmann

Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland - einer der größten Sozialverbände - zeigt, wie ein modernes Social Intranet nicht nur den Informationsfluss verbessert, sondern echte Teilhabe ermöglicht und ein neues Gemeinschaftsgefühl entstehen lässt - von der Kita bis zur Werkstatt, vom Vorstand bis zum Außendienst.


Collaboration | Was können Communities of Practice leisten?

von Tanja Laub

Wissensmanagement ist ein strategisches Thema in Organisationen. Und eines, das in der Praxis oft hinter den Erwartungen zurückbleibt. Wikis werden angelegt und nicht gepflegt. Schulungen vermitteln Wissen, das im Arbeitsalltag nicht umgesetzt wird. Wertvolles Erfahrungswissen bleibt in Abteilungen oder bei einzelnen Personen. Unsichtbar für den Rest der Organisation. Interne Communities of Practice sind ein Ansatz, der dieses Problem strukturell adressiert. Ein kontinuierliches Ökosystem: Mitarbeitende, die sich rund um ein gemeinsames Thema oder eine gemeinsame Praxis vernetzen, Wissen teilen und voneinander lernen, über Abteilungs-, Standort- und Hierarchiegrenzen hinweg.


Titelthema

Persönliches Wissensmanagement | Peritus sum: Ich bin ein Experte!

von Joachim Lorenz

Ich kann mich noch gut erinnern - ein Teilnehmer in meinem Digital Business Modeling-Kurs hatte mich dreimal darauf aufmerksam gemacht: "Joachim, du zeigst immer wieder Sweetspots auf, allerdings fehlt mir die Tiefe." Der Wissensdurst des Teilnehmers war erstaunlich, und ich hatte Schwierigkeiten, zu identifizieren, welches Wissen der Teilnehmende genau braucht. Ehrlicherweise hatte ich den Begriff "Sweetspot" zum ersten Mal gehört und wusste nur ansatzweise, was er damit meint. In meiner Reflexion fand ich dann doch ziemliches Interesse daran, mich näher damit zu beschäftigen und habe daraus ein kleines Modell entwickelt.


Leadership 2.0 | Lernkultur: Geschichten über Fehler bringen uns weiter

von Anne M. Schüller

Explizites Wissen darüber, weshalb Fehler passieren, wie man sie gut aus der Welt schafft und was man fundiert daraus lernt, ist fundamental. Denn wenn das Umfeld komplex und die Zukunft unvorhersehbar ist, werden Fehlversuche zur Normalität. Um sich eine fehlertolerante Lernkultur zu erschließen, sind Storylistening, Storytelling und eine Erzählwerkstatt erste Wahl


Kommunikation | Die Macht der Geschichten: Organisationale Narrative – warum sie sich durchsetzen und wie man sie durchbricht

von Maximilian Bache

In Organisationen entscheidet sich Wirklichkeit selten allein über Fakten. Häufig setzen sich zunächst jene Deutungen durch, die emotional anschlussfähig, einfach kommunizierbar und sozial wiederholbar sind. Leistungen werden umgedeutet, Verantwortlichkeiten verschoben, komplexe Sachverhalte auf eingängige Narrative reduziert. Die Folgen sind Verunsicherung, Handlungsdruck und strukturelle Spannungen. Narrative Konflikte lösen sich selten kurzfristig. Organisationale Systeme reagieren träge, während Deutungsmuster sich über Jahre stabilisieren oder verändern. Dieser Beitrag geht davon aus, dass solche Prozesse nicht linear verlaufen, sondern in typischen systemischen Zeiträumen. Wirksame Intervention erfordert daher Phasensensibilität und die Ausrichtung an drei Wirkhebeln: Dokumentation (zeitliche Kohärenz), Träger (psychische Stabilität und Integrität) sowie Zeit (systemische Ermüdung). Ziel ist nicht der Sieg über Narrative, sondern die langfristige Wiederherstellung von Kohärenz, Handlungsfähigkeit und organisationaler Integrität.


Digitalisierung

Implementierung | KI-Chatbots: Was über ihre Akzeptanz entscheidet

von Muhamed Kamal Alyouzbashi, Gabriele Dopler, Raphael Ebner

Der Einsatz KI-gestützter Chatbots nimmt in Organisationen kontinuierlich zu. Trotz technologischer Fortschritte bleibt die tatsächliche Nutzung jedoch häufig hinter den Erwartungen zurück. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in fehlendem Vertrauen in die Verlässlichkeit der Systeme und enttäuschten Nutzungserwartungen. Entscheidend für ihre Akzeptanz sind daher neben wahrgenommener Nützlichkeit und Benutzerfreundlichkeit insbesondere transparente Systemgrenzen, eine verlässliche Wissensbasis sowie geeignete Mechanismen zur Vermeidung von Fehlinformationen. Diese Erkenntnisse ergeben sich aus der Entwicklung des Studienberatungs-Chatbots "Helia" an der Hochschule Burgenland. Das Projekt zeigt, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen dazu beitragen können, Vertrauen in KI-gestützte Chatbots aufzubauen und ihre nachhaltige Nutzung zu fördern.


Changemanagement | Digitaler Wandel: Technologie ist selten das Problem

von Ralf Rémy

Digitale Transformation ist heute allgegenwärtig. Cloud-Lösungen, künstliche Intelligenz, Automatisierung und neue Kollaborationstools versprechen Tempo, Effizienz und Innovation. In vielen Organisationen bleibt die Wirkung jedoch hinter den Erwartungen zurück. Ein häufiger Grund: Die Technik funktioniert; die Veränderung hingegen nicht. Während Prozesse digital werden, bleiben die Arbeitsweisen gleich. Zusammenarbeit funktioniert nur fragmentiert. Wissen steckt weiterhin in Silos und kreative Potenziale liegen brach. Das Kernproblem liegt selten in der Technologie. Es liegt im Verständnis von Transformation. Denn digitale Transformation wirkt erst dann, wenn sie neue Formen der Zusammenarbeit ermöglicht. Sie entfaltet ihre Kraft, wenn Menschen vernetzt denken, gemeinsam gestalten und Wissen teilen. Erst dann wird Veränderung zur Bewegung. Und erst dann kann Transformation zu einer echten Erfolgsbewegung werden.


Performance-Check | Kommt jetzt der KI-Kater? Warum auf den KI-Hype nun eine strategische Feinjustierung folgen muss

von Tara DeZao

In diesem Jahr erreicht der Hype-Zyklus von KI seinen ersten Tiefpunkt und wir erleben eine Welle von eingestellten Projekten. Viele Unternehmen müssen erkennen, dass sie KI ohne ganzheitliche Strategie eingesetzt haben. Folgerichtig wird es eine deutliche Verlagerung von taktischen Maßnahmen hin zu strategischen Ansätzen geben. In den nächsten Monatn gehören diejenigen zu den Gewinnern, die diszipliniert und methodisch mit KI umgehen. Als wichtigste Faktoren dafür schälen sich erstens eine robuste Strategie und zweitens eine klare Zielvorstellung heraus. Unternehmen, die KI in strukturierte Arbeitsabläufe mit transparenter Governance und klar definierten menschlichen Kontrollpunkten einbetten, werden sich als die Gewinner der Post-Hype-Ära herausstellen - die Zeit der reinen Jubler dagegen ist vorbei. Umso wichtiger wird es sein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, die enormen Möglichkeiten von KI organisatorisch richtig umzusetzen. Agentenbasierte KI ist dabei nur ein Teil des Puzzles. Es geht um weit mehr als nur Automatisierungsoptionen. Wichtig sind Risikokontrolle, Governance und ein klares Verständnis dafür, wo und wie der Mensch sinnvoll eingebunden werden kann.


Human Resources

Weiterbildung | Was Mitarbeitende künftig wissen müssen: Neue Anforderungen in der KI-gestützten Arbeitswelt

von Lucas Beyer, Prof. Dr.-Ing. Stefan Schweiger

Die digitale Transformation fordert ein völlig verändertes Kompetenzprofil von Mitarbeitenden. KI-Souveränität, Data-Science-Kompetenzen und agile Selbstorganisation werden in einer volatilen Arbeitswelt zu Basisanforderungen. Starre Hierarchien der Vergangenheit werden mit flexiblen Arbeitsformen kontrastiert, die eine Grundlage bieten, wie Unternehmen den Spagat zwischen technologischem Anspruch und der Berücksichtigung menschlicher Bedürfnisse meistern können. Ein Fokus liegt dabei auf der Eigenverantwortung beim Wissenserwerb als Schlüssel zum langfristigen Erfolg in einer vernetzten Welt.


Leadership 2.0 | Wie gelingt es, Mitarbeiter intrinsisch zu motivieren?

von Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann, Thomas Achim Werner

Viele Unternehmen versuchen mit Anreizen wie Prämien und Boni die Motivation ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. Doch diese so genannte extrinsische Motivation erweist sich meist als Strohfeuer. Nachhaltiger wirkt ein Steigern der inneren bzw. intrinsischen Motivation.


Trends

Cloud Computing | Microsoft Azure, AWS oder Google Cloud Platform? Cloud first – aber welche? Eine Entscheidungshilfe!

von Alexander Müllner-Gilli

Die Cloud gilt als Kerntechnologie für die Digitalisierung. Doch viele Unternehmen sind sich noch unsicher, wie sie die Transformation angehen sollen. Die Wahl des ersten Hyperscalers will gut überlegt sein, denn sie schafft die technische Grundlage für die künftige Geschäftsentwicklung.


Interview | Digitale Souveränität ist keine Standortfrage!

von Johanna Wende

Digitale Souveränität ist zu einem zentralen Schlagwort der Verwaltungsmodernisierung geworden. Doch was bedeutet sie konkret - und wie lässt sie sich praktisch umsetzen? Johanna Wende, Leiterin des Geschäftsbereichs Government bei IBM Deutschland, erklärt im Interview, warum digitale Souveränität vor allem Wahlfreiheit bei Technologien bedeutet, welche Rolle eine übergreifende Datenstrategie spielt und warum Kompetenzaufbau sowie Wissensmanagement entscheidend sind, damit Verwaltungen langfristig handlungsfähig bleiben.

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