wissensmanagement - April / Mai 2021

Titelthema

Smart Work: Herausforderungen, Erfolgsfaktoren, Praxisbeispiele

Die digitale Transformation ist in den vergangenen zwölf Monaten erheblich schneller vorangeschritten als ursprünglich gedacht. Der Grund dafür war der branchenübergreifende co­ronabedingte Wechsel vom Büro ins Home-Office und die Notwendigkeit, quasi von heute auf morgen remote arbeiten zu müssen. Doch der Wandel ist damit längst noch nicht abgeschlossen. Die vielerorts über Nacht eingeführten "Notlösungen" müssen nun auf ihre Rechtssicherheit hin überprüft und für den permanenten Einsatz ausgerichtet werden. Von der E-Rechnung über Collaboration­Tools bis hin zu mobilen Datenzugriffen in Echtzeit gibt es hierbei noch viel tun. Worauf es dabei ankommt, wo die größten Stolpersteine liegen und wie andere Unternehmen diese Herausforderung angegangen sind, das erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe von "wissensmanagement - Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration".



Editorial

Digitalisierung ... – und dann?

von Oliver Lehnert

Schon heute steht fest: Die weltweite Covid-19-Pandemie war ein Digitalisierungsbeschleuniger. Quasi über Nacht wurde die zuvor analoge Zusammenarbeit in den virtuellen Raum verlegt. Nicht immer ging das reibungslos, aber mit pragmatischen Ansätzen ist es branchenübergreifend gelungen, das Tagesgeschäft aufrechtzuerhalten, auch in verteilten Teams und aus dem Home-Office heraus. Mittlerweile arbeiten die meisten Beschäftigten ganz selbstverständlich mit Teams, GSuite & Co. Häufig wollen sie die neu gewonnene Freiheit auch gar nicht mehr gegen ihr früheres Präsenz-Arbeitsleben eintauschen. Die Bürogebäude sind weitgehend verwaist und werden größtenteils auch nicht vermisst. Denn sogar der informelle Wissenstransfer in der Kaffeeecke ist mittlerweile vielerorts einem morgendlichen eMeet gewichen.


Praxis Wissensmanagement

Leadership 2.0 | Achtsamkeit – und ihre Rolle in der Arbeitswelt 4.0

von Johanna Rauls, Dr. Svea von Hehn

Achtsamkeit wurde aus dem "Öko-Regal" geholt und hat sich zum gesellschaftlichen Trend entwickelt. Viele Unternehmen und Organisationen in Deutschland und sogar mehr als die Hälfte aller mittelständischen und großen Unternehmen in den USA bieten bereits achtsamkeitsbasierte Weiterbildungen an [1]. Achtsamkeit wird dabei einerseits zur Stärkung der Gesundheit im betrieblichen Gesundheitsmanagement eingesetzt. Sie kommt aber immer häufiger auch zur Verbesserung der Zusammenarbeit und des Führungsstils im Training von Führungskräften und Teams zur Anwendung. Doch was ist Achtsamkeit eigentlich? Und bleibt dafür überhaupt ausreichend Zeit in unserer schnelllebigen Arbeitswelt, die uns gerade jetzt während der Corona-Pandemie vor immer neue Herausforderungen stellt? Eine der größten aktuellen Untersuchungen zu Achtsamkeit in Unternehmen erforscht die Effekte von Achtsamkeit am Arbeitsplatz. Das bisherige Ergebnis zum Ende der ersten Studienreihe mit mehr als 340 Teilnehmenden belegt, dass gerade in der Krise Achtsamkeit als wirksames Mittel gilt - sowohl für die individuelle Gesundheit als auch für den Führungsstil und die Zusammenarbeit.


Best Practice | Nachhaltiges CRM bei Baufritz & Yamaichi Electronics

von Jens Gieseler

Die Einführung eines Customer Relationship Management (CRM)-Systems sollte das Top-Management beschließen und zwar für alle Abteilungen, die mittelbar mit Kunden zu tun haben. Denn CRM ist vor allem eine Unternehmens-Strategie und weniger ein Technik-Thema. Das ist ein Ergebnis der "CRM-Studie 2020", die die vier CRM-Dienstleister itdesign, Maibron Wolff, Muuuh! Consulting und die Sievers Group initiiert haben. So geht es den 800 befragten Geschäftsführern besonders darum, die Kommunikation zwischen Vertrieb, Marketing und Service zu erhöhen (36%), ein einheitliches Management der Kundenkontaktpunkte zu entwickeln (29%) oder das Kundenpotenzial besser auszuschöpfen (26%). Aufgaben, die eines gemeinsamen Denkens und Handelns bedürfen.


Weiterbildung | Agile Lernprozesse bei DB Systel

von Simone Lombard, Prof. Dr. Bernd Wallraff

Agiles Arbeiten hat sich mittlerweile bei vielen Unternehmen durchgesetzt. Es soll zu kürzeren Produktzyklen und einer schnelleren Entwicklung führen. Hierfür müssen die agilen Teams in Unternehmen stetig lernen und besser werden. Am Beispiel der DB Systel GmbH wurde erforscht, wie man im agilen Arbeiten die Lernkurve deutlich steigern kann. Hierfür wurde ein solches Team über mehrere Monate wissenschaftlich begleitet. Die DB Systel nimmt eine Vorreiterrolle für agile Transformation innerhalb der Deutschen Bahn ein.


Best Practice | Wissen im Vertrieb: Zu viele Ideen sind gefährlich

von Philip Semmelroth

Ein Vorsprung an Wissen war schon immer vorteilhaft - beim Überleben in der Wildnis, beim Entwickeln neuer Produkte und beim Überzeugen von Menschen. Doch im digitalen Zeitalter reichen reine Informationen nicht mehr aus, um den Wettbewerb abzuhängen. Wer heute erfolgreich sein will, muss Wissen klug einsetzen - und darf sich nicht alleine auf Sachverstand verlassen.


Titelthema

Changemanagement | Future of Work: Zwischen Home-Office & Digitalisierung 4.0

von Andreas Köninger

Corona stellt die Arbeitswelt auf den Kopf. Büroräume stehen größtenteils leer, stattdessen fungieren die eigenen vier Wände als Workingspace und Teammeetings werden kurzerhand virtuell abgehalten. Doch wo und wie findet Arbeit in Zukunft statt? Eines wird bereits jetzt deutlich: Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Kaum ein Ereignis hat die Arbeitswelt von einem Tag auf den anderen so schlagartig verändert wie die Pandemie - Gesellschaft, Volkswirtschaft, Unternehmen und Arbeitnehmer sind gleichermaßen von den Auswirkungen betroffen. Anstatt in Schockstarre zu verharren, erweist sich die Krise wie so oft als eine Art Chancenkatalysator. Unternehmen stellen Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte infrage, entwickeln als Ersatz zukunftsfähige Lösungen und zeigen, wohin der nächste Schritt führen kann. Für den Einzelnen lautet die Devise: Wer mutig handelt, wird belohnt.


Digitalisierung | Digitale Fitness: Weit mehr als Tools & Infrastrukturen

von Lutz Hirsch

Beschleunigt durch die weltweite Pandemie ist ein Ruck durch die Unternehmenswelt gegangen, der fast von heute auf morgen das Thema Digitalisierung und digitale Fitness ganz oben auf die Agenda gesetzt hat. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Begriff der digitalen Fitness und was braucht es, um digital fit zu sein?


Lernen & Weiterbilden | Remote Learning: Präsenzunterricht per Online-Stream

von Silke Blumenröder

Aufgrund der Corona-Maßnahmen konnten mehrere Monate keine Präsenzkurse in Weiterbildungs-Einrichtungen stattfinden. Den Unterricht in den virtuellen Raum zu verlegen, war oft nicht nur für Bildungsinstitute, sondern auch für Lehrende und Lernende eine Herausforderung.


Gebäude- und Raumgestaltung | Kreative Raumkonzepte fördern die Innovationskraft

von FH-Prof. Mag. Dr. Thomas Wala

Empirische Untersuchungen bestätigen, dass innovative Unternehmen in aller Regel profitabler sind als weniger innovative Unternehmen. [1] Aus technologischem Know-how und kreativen Ideen entstehen in innovativen Unternehmen regelmäßig neue Produkte oder kostengünstigere Produktionsprozesse, die auf immer härter umkämpften Käufermärkten zu Differenzierungs- oder Kostenvorteilen gegenüber der Konkurrenz führen und sich letztlich in messbaren Erfolgsgrößen wie Umsatz, Gewinn oder Rentabilität niederschlagen. Eine erfolgreiche Innovationsarbeit ist somit von entscheidender Bedeutung für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. [2] Dafür müssen von der Unternehmensleitung aber nicht nur die oft diskutierten organisatorischen und kulturellen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Auch die räumlichen Aspekte spielen für die erfolgreiche Innovationsarbeit eine maßgebliche Rolle.


Digitalisierung

Trends | Industrie 4.0: Der Mensch lenkt den Erfolg

von Markus Dohm

Das Industrial Internet of Things (IIoT) entscheidet darüber, dass der produzierende Mittelstand und Konzerne sowie der Produktionsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen. Die Herausforderung liegt vordergründig in der Vernetzung von Maschinen und Werkzeugen in nahtlos digitalen Ende-zu-Ende Prozessketten. Die Technik, das Fachwissen der Ingenieure, IT-Experten, Produktionsplaner und Kommunikationstechniker sind vorhanden. Worüber zu selten diskutiert wird, ist die Frage, welche Kompetenzen die Fach- und Führungskräfte für das Industriezeitalter 4.0 brauchen. Ein Plädoyer für ein digitales Mindset und neue Kompetenzen.


Kommunikation | Verständlich informieren – firmenintern und extern

von Dr. Matthias Ballod

Nicht nur in wissensintensiven Unternehmen, sondern in jedweder Organisation ist verständliche, klare Kommunikation kein Luxus, sondern Basisanforderung. Denn: Erst eine "gemeinsame Sprache" ermöglicht und sichert erfolgreichen kommunikativen Austausch von Wissen. Sprache kann Barriere oder Brücke sein, jedenfalls ist sie beim Wissensmanagement der zentrale Baustein. Umso verwunderlicher, dass dem Kriterium "Verständlichkeit" nicht mehr Aufmerksamkeit zu Teil wird.


Gesetzgebung | GeschGehG: Knowledge Sharing trotz Geheimnisschutz?

von Julia Dönch

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG) im April 2019 haben sich die Anforderung an den Schutz vertraulicher Informationen geändert. Vertrauliche Informationen wie z.B. Know-how, technische Zeichnungen, Kundenlisten oder Kalkulationen sowie sonstiges Wissen im Unternehmen müssen durch "angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen" (vgl. § 2 Nr. 1 GeschGehG) gesichert werden, um rechtlich als Geschäftsgeheimnisse zu gelten. Fehlt es an solchen angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen, gilt eine Information nicht als Geschäftsgeheimnis und ist somit schutzlos vor Zugriffen und der Nutzung durch Dritte. Seit Inkrafttreten des GeschGehG hat die Rechtsprechung konkretisiert, was unter angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen zu verstehen ist. Diese Urteile haben auch Auswirkungen auf das Knowledge Sharing in Unternehmen.


Human Resources

Demografie | Wissen von 350.000 Beschäftigten in Gefahr - pro Jahr

von Nicole Lehnert

Innerhalb der nächsten 20 Jahre geht die Zahl der Erwerbstätigen deutlich zurück - von heute 52 Millionen auf nur noch 45 Millionen. Das sind sieben Millionen weniger Menschen, die in Call Centern, in Weiterbildungsinstituten, in der Forschung & Entwicklung, in der Produktion oder der Planung arbeiten. Pro Jahr bedeutet das ein Rückgang von 350.000 Beschäftigten. Das Fatale daran: Diese Entwicklung ist nicht mehr umkehrbar. Im Gegenteil: Sie hat bereits begonnen; die erste große großen Pensionierungswelle der frühen Vertreter aus der Babyboomer-Generation ist derzeit in vollem Gange. Aufgrund der geringen Geburtenraten in den 1990ern können ausscheidende Fach- und Führungskräfte allerdings immer seltener nachbesetzt werden. Daraus entsteht die riesige Lücke von 350.000 Arbeitnehmern pro Jahr. Betroffen sind Unternehmen aller Größen und Branchen.

 


Leadership 2.0 | Trust-based Leadership – eine neue Modeerscheinung?

von Dr. Arlena Jung

Die Rede von Vertrauen hat Konjunktur. Eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens wird als entscheidender Wettbewerbsfaktor dargestellt, ein vertrauensbasierter Führungsstil als Schlüssel zur Entwicklung eines kooperativen, ergebnisorientierten Miteinanders gepriesen und zuweilen auch Vertrauen als Ersatz für Hierarchie und Macht wahrgenommen. Dass zwischenmenschliche Beziehungen ohne Vertrauen schwierig sind, darin dürften sich alle einig sein. Dass Vertrauen für Führungskräfte ein schwieriges Thema sein kann, ist auch verständlich - insbesondere in einem kompetitiven Umfeld, in dem konfligierende Ziele und Interessen aufeinandertreffen und Führungskräfte die Konsequenzen für die Qualität der Arbeitsergebnisse ihrer Mitarbeiter mitzuverantworten haben. Warum aber der plötzliche Hype um Vertrauen? Handelt es sich nicht um etwas so Grundsätzliches, dass es in unserer modernen Arbeitswelt kaum eine qualitativ andere Bedeutung haben kann als bisher?


Wissenstransfer | Future Learning: Coaching im Jahr 2030

von Dr. Alexander Brungs

Coaching ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Personalentwicklung auf verschiedensten Hierarchieebenen in zahlreichen deutschen Unternehmen geworden - vom Praktikanten bis zum CEO. Gründe für den steigenden Bedarf sind vor allem veränderte Bedingungen und Anforderungen des modernen Führungsalltages: steigende Komplexität, eine höhere Informationsdichte, eine veränderte Führungskultur sowie zunehmender Leistungsdruck. Dies alles vollzieht sich auch unabhängig von der Covid19-Pandemie, die manche entsprechende Entwicklung aber massiv beschleunigt hat.


Trends

Teamarbeit | Welche Kompetenzen benötigen virtuelle Teams?

von Prof. Dr. Andreas Lischka, Dr. Johanna Gelberg

Die vergangenen Monate haben gezeigt: Zusammenarbeit und insbesondere Projektabstimmungen in virtuellen Teams funktionieren. Werkzeugen wie Teams, Zoom oder Adobe Connect haben daran einen entscheidenden Anteil. Und doch ist die IT auch für die Vernetzung kein Erfolgsgarant. Es bestehen nach wie vor Optimierungspotenziale für das digitale Miteinander. Das Forschungsprojekt WiViTe [1] geht daher der Frage nach, wie sich virtuelle Meetings noch effizienter gestalten lassen und welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit erfüllt sein müssen.


Projektmanagement | Der neue Scrum Guide: Alle Neuerungen im Überblick

von Jörg Brüggenkamp, Prof. Dr. Peter Preuss

Scrum ist ein Rahmenwerk (Framework), mit dem Menschen in die Lage versetzt werden sollen, produktiv und kreativ Produkte mit höchstmöglichem Wert zu liefern. Die beiden Scrum-Erfinder, Ken Schwaber und Jeff Sutherland, beschrieben ihr Rahmenwerk erstmals im Jahr 2010. Im vergangenen November erschien die mittlerweile siebte Auflage des Guides. Er trägt den Titel "The Scrum Guide. The Definite Guide to Scrum: The Rules of the Game", was sicherlich ein Indikator dafür ist, dass in näherer Zukunft keine weiteren Aktualisierungen geplant sind.

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