2017/11 | Fachbeitrag | Digitalisierung

Arbeitgeber punkten mit E-Recruiting und Transparenz

von Steffen Michel

Inhaltsübersicht:

Der Mensch des digitalen Zeitalters erwartet bei allen Anfragen individuelle und zeitnahe Reaktionen – auch im Bewerbungsprozess. Karriereinteressierte suchen heute in erster Linie online nach passenden Jobangeboten. Von einem potenziellen Arbeitgeber erwarten sie daher zeitgemäße Zugangswege zum Bewerberverfahren, schnelle Reaktionszeiten, eine persönliche Ansprache und kurze Bewerbungsprozesse. Die HR-Abteilungen der Unternehmen müssen reagieren, wollen sie im Kampf um begehrte Talente nicht das Nachsehen haben. Eine intelligente Recruiting-Software ist in diesem Fall ein probates Werkzeug. Mit ihr können Personaler sämtliche Prozessschritte digital abwickeln – von der Personalanforderung und der Stellenausschreibung, über die Online-Bewerbung bis zur endgültigen Einstellung. Dadurch verkürzt sich die Zeitspanne zwischen dem Eingang einer Bewerbung und einer Zu- oder Absage erheblich.

Employer Branding – mit E-Recruiting eine einfache Sache

Je drängender das Problem des Fachkräftemangels wird, desto notwendiger sind zeitgemäße Maßnahmen. Arbeitgeber sollten im Recruiting daher von Anfang an auf ein positives Employer Branding setzen. Dies belegt auch die aktuelle Umfrage „Global Recruiting Trends 2017“ des Business-Netzwerks Linkedin: 80 Prozent der weltweit über 4.000 befragten Personaler gaben an, dass sie im Employer Branding eines der wirksamsten Werkzeuge der Talentakquisition sehen. Denn die Zeiten, in denen sich Recruiter zurücklehnen und auf qualifizierte Bewerber warten konnten, sind endgültig vorbei. Heute müssen HR-Experten auch aktiv auf geeignete Kandidaten zugehen. Auch soziale Netzwerke gewinnen hierfür zunehmend an Bedeutung. Active Sourcing in sozialen Netzwerken wie Xing oder Linkedin ist etwa eine gute Möglichkeit, um spannende Kandidaten zu finden.

Online-Stellenausschreibungen attraktiv und responsiv gestalten

Ein positives Employer Branding beginnt bereits beim ersten Kontakt mit dem Bewerber – und damit meist mit der Stellenausschreibung. Ein prägnanter Stellentitel sorgt dafür, dass der Blick eines Bewerbers hängen bleibt. Ist eine Positionsbezeichnung unklar oder nicht aussagekräftig, wird ein Karriereinteressierter die Online-Stellenanzeige möglicherweise gar nicht erst öffnen. Für beide Seiten unter Umständen eine vertane Chance.

Ein attraktives und modernes Layout erhöht die Konversionsrate der Stellenanzeige zusätzlich. Moderne Recruiting-Lösungen bieten hierfür professionelle Templates. Auch das Thema responsive Design spielt bei Stellenausschreibungen eine zentrale Rolle, wie eine aktuelle Studie der Universität Bamberg zeigt. Demnach nutzt bereits zirka ein Drittel der Karriereinteressierten das Smartphone für die Suche nach Stellenangeboten. In Zeiten, in denen sich die Arbeitnehmer den Arbeitgeber aussuchen können, werden sich Bewerber daher kaum die Mühe machen, eine Stellenanzeige, die mobil nicht lesbar ist, nochmals am heimischen Rechner abzurufen. Deshalb müssen digitale Stellenausschreibungen so gestaltet werden, dass sie auch am Smartphone komfortabel zu lesen sind.

Die Stellenbeschreibung ist das eine, das Unternehmen, seine Mitarbeiterpolitik und die Unternehmenskultur das andere. Die ausgeschriebene Stelle sollte detailliert beschrieben werden, damit der Bewerber sich ein Bild über die geforderten Fähigkeiten machen kann. Ergänzt werden sollte dies durch eine Beschreibung des Unternehmens und der Unternehmenskultur. Aussagekräftig, ehrlich und informativ sollte dieser Abschnitt gestaltet werden, um Interesse zu wecken und Vertrauen aufzubauen. Finanzielle Anreize und Boni können hier zur Sprache kommen, denn sie sind ein wichtiges Entscheidungskriterium und können den Ausschlag für eine Bewerbung geben. Aber auch Werte und Visionen eines Unternehmens sind wichtige Punkte auf der Bewertungsskala von Bewerbern. Hierzu zählen beispielsweise Programme für die Fort- und Weiterbildung. Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Zugkraft von familienfreundlichen Modellen, beispielsweise eine firmeneigene Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeitmodelle und eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Präsenz auf sozialen Kanälen zeigen

Eine zeitgemäße Employer-Branding-Strategie sollte auch Social Recruiting beinhalten. Denn für viele Menschen sind soziale Netzwerke heute ein fester Bestandteil ihres Alltags. Das deutsche Business-Portal Xing und sein englischsprachiges Gegenstück Linkedin eignen sich vor allem für die Suche nach berufserfahrenen Kräften. Recruiter können hier Stellenanzeigen posten oder interessante Kandidaten per Direktnachricht ansprechen (Active Sourcing). Facebook, Snapchat und Co hingegen sind vor allem für die Imagebildung wichtig. Über diese Schiene lassen sich potenzielle Bewerber mit News aus dem Unternehmen versorgen, unkompliziert Einblicke in aktuelle Entwicklungen und den Arbeitsalltag geben und so die Arbeitgebermarke schärfen. Kontinuität ist dabei das A und O. Personaler sollten sich darüber im Klaren sein, dass diese Kanäle permanent mit neuem, spannendem Input „gefüttert“ werden müssen und schnelle Reaktionszeiten gefragt sind. Sonst verlaufen diese Aktivitäten im Sande.

Komfortable Antwortoption ist essentiell

Der Bewerbungsprozess selbst muss dem Kandidaten so einfach wie möglich gemacht werden. Mit einem modernen Online-Recruiting-Portal, das über eine unkomplizierte und intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche verfügt, können Arbeitgeber punkten. Je einfacher und komfortabler es ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Bewerbungsvorgang auch abgeschlossen wird. Gleichzeitig präsentieren sich Unternehmen so als zukunftsorientierter Arbeitgeber, der auf moderne Technologie setzt.

Auf dem Vormarsch sind inzwischen „One-Click-Bewerbungen“. Hat ein Unternehmen beispielsweise mit seinem Online-Recruiting-Tool Schnittstellen zu Xing geschaffen, können Personaler ganz einfach einen entsprechenden Button – wie „Mit meinem Xing-Profil bewerben“ – in die dort aktive Stellenausschreibung einbauen. Die auf den Business-Portalen hinterlegten Bewerber-Informationen lassen sich auf diese Weise unbürokratisch an den Wunsch-Arbeitgeber übermitteln.

Kein E-Recruiting ohne eine Bewerbermanagement-Software. Sie informiert zeitnah über Bewerbungen und sortiert diese vor. Die geprüften Unterlagen werden dann an die jeweiligen Entscheider weitergeleitet – medienbruchfrei und mit nur einem Knopfdruck. Eine schnelle Bearbeitung und Reaktion auf eine Bewerbung ist nicht nur eine höfliche Geste, sondern auch eine Form der Wertschätzung gegenüber potenziellen neuen Mitarbeitern – und damit ein wichtiges Instrument für das Employer Branding. Im Kampf um qualifizierte Kräfte kann das schnell zum Zünglein an der Waage werden.

 

 

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