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wissensmanagement Heft 1 / 2000
EditorialWissensmanagement

Ein umfassendes Aufgabenspektrum

von Wolfgang Sturz

"Wissensmanagement? Damit willst Du alle zwei Monate ein Magazin füllen?" So äußerte sich kürzlich ein ehemaliger Studienkollege. Und ein anderer meinte: "Das Niveau der Beiträge in den beiden ersten Ausgaben ist ja wirklich sehr hoch. Aber gibt dieses Thema überhaupt soviel her, dass dieses Niveau auch auf Dauer beibehalten werden kann?"

"Wissensmanagement? Damit willst Du alle zwei Monate ein Magazin füllen?" So äußerte sich kürzlich ein ehemaliger Studienkollege. Und ein anderer meinte: "Das Niveau der Beiträge in den beiden ersten Ausgaben ist ja wirklich sehr hoch. Aber gibt dieses Thema überhaupt soviel her, dass dieses Niveau auch auf Dauer beibehalten werden kann?"

Solche Aussagen zeigen, dass die Bandbreite des Themas Wissensmanagement noch längst nicht jedem klar ist. Wissensmanagement ist mehr als eine Datenbank, in der Prozeduren gesammelt sind. Wissensmanagement ist auch mehr als eine Sammlung von Lehrbüchern. Wissensmanagement umfasst das aktive Auseinandersetzen mit sämtlichen Aspekten der Wissenserarbeitung, der Wissenssammlung, der Wissensverwaltung und der Wissensweitergabe. Und allein mit diesen wenigen Stichworten wird schon etwas deutlicher, wie groß das Spektrum der Aufgabe Wissensmanagement ist.

Wissenserarbeitung ist eigentlich nichts anderes als Forschung und Entwicklung. Wie stellen Unternehmen aber sicher, dass Forschung und Entwicklung in die richtigen Bahnen gelenkt werden? Wie gewährleistet man, dass nicht an mehreren Standorten gleichzeitig zum selben Thema geforscht wird? Wie führen Konzerne bei den vielen Fusionen, die heute in Mode sind, die Forschungsarbeiten der ehemals selbständigen und oft im Wettbewerb stehenden Unternehmen zusammen?

Dann geht es weiter zum Thema Wissenssammlung: Wie nutze ich das unternehmensinterne und das weltweit verfügbare Wissen für meine Zwecke? Eine Aufgabenstellung, die sich nicht mal eben schnell durch eine einfache Patentrecherche abhaken lässt.

Und wenn dann das Wissen aus eigenen oder fremden Forschungsergebnissen verfügbar ist, stellt sich die Frage nach der Verwaltung und auch der Verwertung: Wissen muss abrufbar sein. Für die Verwaltung sind intelligente Systeme, aber vor allem auch motivierte Mitarbeiter erforderlich. Und die Verwertung des verfügbaren Wissens ist dann noch einmal ein getrenntes Thema: Konzerne wie IBM und Motorola verdienen durch eine geschickte Vermarktung ihrer Patente über Lizenzen jährlich Milliardenbeträge - Wissensmanagement mit ungeahnten Potenzialen.

Und zuletzt die Wissensvermittlung: Wissen muss weitergegeben werden. Früher erfolgte die Wissensvermittlung vom Vater zum Sohn, vom Meister zum Lehrling; heute sind ausgefeiltere Konzepte erforderlich. Der Erfolg eines Unternehmens ist direkt abhängig vom Wissensstand seiner Mitarbeiter. Dieser Wissensstand wird durch Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen erhöht. Lebenslanges Lernen ist angesagt. Das gilt für die Mitarbeiter, sofern sie nicht auf der Strecke bleiben möchten, und das gilt für Unternehmen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen - die Lernende Organisation ist die Unternehmensform der Zukunft.

Wissensmanagement? Ja, wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Thema in den nächsten Jahren mehr Hefte füllen könnten als derzeit geplant. Auch bei der jetzigen Ausgabe war bereits der Rotstift angesagt: Es lagen uns mehr gute Beiträge vor, als wir aufnehmen konnten. Die Wahl ist uns nicht leicht gefallen.

Wir hoffen, dass Ihnen das Spektrum an Beiträgen gefällt. Viel Spaß beim Lesen!

Ihr

Dr.-Ing. Wolfgang Sturz

Herausgeber

P.S.: Wissensmanagement bedarf vieler Freiwilliger, die ihr Wissen gerne teilen. Es ist also immer ein Dialog erforderlich. Wir möchten diesen Dialog ermöglichen, indem Sie jede Autorin und jeden Autor persönlich anschreiben können; dazu finden Sie unter jedem Beitrag nun eine E-Mail-Adresse. Für Leserinnen und Leser ohne E-Mail-Anschluss: Wir freuen uns auch über jeden Leserbrief, der uns per gelber Post erreicht.


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