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wissensmanagement Heft 4 / 2002
EditorialWissensmanagement

Der Ball des Wissens

von Dr.-Ing. Wolfgang Sturz

Die Fußballeuphorie liegt hinter uns, und Deutschland hat es trotz anfänglicher Skepsis geschafft, Vizeweltmeister zu werden. Nun müssen wir uns wieder unseren eigenen persönlichen Herausforderungen stellen. Was kann der Wissensmanager vom Fußballspiel lernen, dem Spiel, bei dem sich alles um den Ball dreht, so wie sich bei wettbewerbsbereiten Unternehmen alles um das Wissen drehen sollte?

Die Fußballeuphorie liegt hinter uns, und Deutschland hat es trotz anfänglicher Skepsis geschafft, Vizeweltmeister zu werden. Nun müssen wir uns wieder unseren eigenen persönlichen Herausforderungen stellen. Was kann der Wissensmanager vom Fußballspiel lernen, dem Spiel, bei dem sich alles um den Ball dreht, so wie sich bei wettbewerbsbereiten Unternehmen alles um das Wissen drehen sollte?

Erfolg im Fußballspiel bedarf der Kreativität. Ohne Ballkreativität entsteht Betonspiel, das allenfalls durch gegnerische Fehler gewonnen werden kann. Erfolgreiche Unternehmer warten nicht auf solche Fehler, sondern motivieren ihre Teams, ständig selber auf kreative und spielerische Art neues Wissen zu entwickeln und zu erproben, um dann im entscheidenden Moment einen (wirtschaftlichen) Volltreffer zu landen. Einfach Glück? Oder doch das Glück das Tüchtigen?

Erfolg im Fußballspiel beruht auf Teamarbeit. Der primadonnenhafte Fußballartist, der den Ball an sich reißt und nicht mehr abgibt, gerät in seiner eigenen Mannschaft ins Abseits. Treffer kann der Alleingänger trotz seiner Ballkünste kaum erzielen. Erfolgreiche Unternehmer wissen, dass die fähigsten Mitarbeiter zu einer Gefahr werden, wenn sie Herrschaftswissen horten und nicht teilen.

Erfolg im Fußballspiel beruht auf Technik. Der Fußballer muss wissen, wie sich ein Ball verhält, und er kann komplexe Bananenflugbahnen in Bruchteilen von Sekunden erahnen. Der moderne Wissensarbeiter muss wissen, wie sich Wissen verhält, wo das Wissen gerade ist, und wohin mit dem Wissen gesteuert werden muss. Ohne fundierte Prozesse und Technologien für das Wissensmanagement läuft nichts.

Erfolg im Fußballspiel wird in harter Vorbereitung erarbeitet. Den 90 Minuten im WM-Finale geht für jeden Spieler jahrelanges Training voraus. Welcher Unternehmer schult und trainiert heute seine Teams mit dem Ziel, den Wissensvorsprung gegenüber Wettbewerbern zu halten und auszubauen?

Erfolg im Fußballspiel stellt sich nur ein, wenn genügend Ehrgeiz vorhanden ist. Ohne einen unbändigen Siegeswillen kann nicht gewonnen werden. Moderne Unternehmer müssen prüfen, ob Ihre Teams diesen ausgeprägten Willen haben, auf dem Markt wirtschaftliche Treffer zu landen. Oder ist Ihr Team mit dem bisher erreichten Wissensstand zufrieden, satt und genügsam geworden?

Erfolg im Fußballspiel hängt ab von der richtigen Atmosphäre. Ohne diese verschwinden die Spitzenfußballer zu anderen Vereinen. Den Teams mit einer guten und motivierenden Führungsstruktur hingegen halten die Spieler die Treue. Body Drain kann für einen Verein der Anfang vom Ende sein - genauso wie Brain Drain für Wirtschaftsunternehmen. Gute Unternehmer wissen übrigens, dass Brain Drain weniger durch spannende Angebote von außen sondern viel öfter durch unzufriedenstellende Randbedingungen im Inneren ausgelöst wird.

Erfolg im Fußball bedarf nicht zuletzt der Nachwuchsförderung. Der Deutsche Fußballbund hat dies erkannt und alle Bundesligavereine verpflichtet, sogenannte Junioren-Leistungszentren einzurichten, in denen Fußball mit Jugendlichen gelebt wird. Und was macht die Wirtschaft? Manches Unternehmen hat die Anzahl der Ausbildungsplätze reduziert. Moderne High-Tech-Unternehmen bieten oft gar keine Ausbildungsplätze an. Und in den klassischen Ausbildungsberufen reduziert sich die Wissensvermittlung auf reines Faktenwissen - nach dem Motto "Nach Deiner Ausbildung hast Du für den Rest Deines Lebens ausgelernt". So ein Ausbildungskonzept ist genau so erfolgreich wie ein Junioren-Leistungszentrum, in dem die Kunst des Fußballspielens nur aus Bilderbüchern vermittelt wird. Hier ist übrigens auch die Bildungspolitik gefordert. Die jüngst wieder aufgeflammte PISA Diskussion zeigt, dass es den deutschen Schülern an Verständnis fehlt, an Wissen, wie mit Wissen umzugehen ist, wie es selbständig und eigenverantwortlich erworben werden kann und letztlich was mit Wissen erreicht werden kann. Logisch, dass dann auch die Bereitschaft, sich mit Faktenwissen auseinanderzusetzen und dies aufzunehmen, ins Bodenlose sinkt. Die gesellschaftliche Verantwortung für die Wissensweitergabe an nachfolgende Generationen ist jedenfalls immens.

Viel Spaß beim spielerischen, ehrgeizigen und kämpferischen Umgang mit Ihrem persönlichen Wissen wünscht Ihnen

Ihr Wolfgang Sturz

P.S.: Am 11. Juni hat das Fachmagazin wissensmanagement auf der IKM in Ludwigshafen zusammen mit dem Institut für Knowledge Management e.V. erstmals eine Best Practice Meisterschaft für Wissensmanagementsysteme ausgetragen. Nicht zwei, sondern vier Teams kamen ins Finale. Gewonnen hat Aventis Pharma. Mehr dazu lesen Sie ab Seite 12.


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