wissensmanagement - April/Mai 2019

Titelthema

Hier geht's lang!
Von Holokratie bis Agilität - Führung im digitalen Wandel

Agile Teams, verteiltes Arbeiten und innovative Raumkonzepte prägen den Unternehmensalltag im Digital Business. Die klassische Führungskräftelaufbahn mit ihrer vorbestimmten Entwicklung in Hierarchiestufen hat damit ausgedient. Der erfolgreiche Leader 4.0 dient vielmehr als Sparringspartner und Motivator. Er ist eine inspirierende Persönlichkeit, die das Team und seine einzelnen Mitglieder zu High Performern macht. Er schafft es, die richtigen Köpfe zusammenzubringen und den idealen Rahmen für Höchstleistungen zu schaffen. Zudem verfügt er über ein Gespür für Trends und Technologien – und platziert sie im Kontext der jeweiligen Zielgruppe. Doch im digitalen Wandel braucht es nicht nur entsprechende Leader, sondern auch eine Unternehmenskultur, die den dringend erforderlichen Führungswandel nicht nur zulässt, sondern aktiv fördert. Was bedeutet das in der Praxis? Wer sind Digital Leader? Wodurch zeichnen sie sich aus? Und weshalb gelingt es ihnen, kreative Methoden, innovative Tools und die besten Talente nahezu magisch anzuziehen? Antworten und Praxisbeispiele für den Führungswandel im Zuge der Digitalisierung – und welche Rolle die Ressource Wissen dabei spielt – erhalten Sie in der aktuellen Ausgabe von „wissensmanagement – Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration“.


Editorial

Wer A sagt, muss auch B sagen – oder: Kein digitaler Wandel ohne neue Führungskultur

von Oliver Lehnert

Der digitale Wandel ist in aller Munde. Er steht ganz oben auf der Agenda der Unternehmen. Und ist mit Hilfe innovativer IT-Lösungen im Handumdrehen umsetzbar. Der viel beschriebene Modern Workplace beschert Mitarbeitern dabei ganz neue Möglichkeiten: mehr Flexibilität, mehr Selbstbestimmung, mehr Gestaltungsspielraum. Und auch die Firmen profitieren: Zufriedene Mitarbeiter sind nachweislich produktiver und weniger wechselwillig. Wer den Turnaround schafft und New Work etabliert, kreiert also eine Win-win-Situation.

Praxis Wissensmanagement

Best Practice

Sich selbst kennen, um andere zu verstehen: Abteilungsübergreifende Kommunikation bei Ritter Sport

von Peter Boltersdorf

Seit über 100 Jahren steht die Alfred Ritter GmbH & Co. KG – besser bekannt als Ritter Sport – für Schokolade im praktischen Format; aber auch für partnerschaftliche und familiäre Zusammenarbeit auf allen Hierarchieebenen. Mit nunmehr rund 1.500 Mitarbeitern weltweit, von denen etwa 1.000 am Weltmarken-Standort im baden-württembergischen Waldenbuch arbeiten, wuchs das Familienunternehmen über die letzten Jahrzehnte vom Mittelständler zum Global Player. Eine erfolgreiche Entwicklung, die den Schokoladenhersteller – wie viele andere Unternehmen – vor eine unternehmenskulturelle Herausforderung stellt, kann sie doch ein zunehmendes Silo-Denken der einzelnen Abteilungen mit sich bringen.


Best Practice

Ganzheitliche Digitalisierung: Entsorgungsunternehmen PreZero setzt auf Telematik

von Jens Uwe Tonne

Als fünftgrößter Entsorger Deutschlands, der mit einer über 1.100 Fahrzeuge starken Flotte in ganz Europa unterwegs ist, ergibt sich für PreZero und seine rund 3.000 Mitarbeiter heute gerade im Bereich der Prozessautomatisierung ein enormes Optimierungspotenzial. In Zeiten vor der Digitalisierung händigte die Disposition ihren Fahrern Tourenplan, Tagesberichte und Lieferscheine noch in gedruckter Form aus. Am Ende der Tour landeten die handschriftlich bearbeiteten Unterlagen wieder bei der Disposition zur finalen manuellen Erfassung. Das ist heute größtenteils Vergangenheit!


Industrie 4.0

ERP und Industrie 4.0 bei mittelständischen Fertigungsunternehmen

von Reinhold Walz

Die vierte industrielle Revolution klingt nach Science-Fiction. Sie ist aber bereits in vollem Gange. Mit Industrie 4.0 (I4.0) findet ein Paradigmenwechsel in der Produktion statt. Software wird zum Produktionsfaktor. Die Digitalisierung der Produktion ist dabei der grundlegende Prozess, dem sich auch kleine und mittelständische Unternehmen nicht verschließen können. Speziell haben sie das Problem, dass auch die bestehenden Produktionsanlagen aufgrund ihrer Langlebigkeit von bis zu 20 Jahren und mehr I4.0-tauglich gemacht werden müssen.

Titelthema

Leadership 2.0

Hier geht’s lang! Von Holokratie bis Agilität – Führung im digitalen Wandel

von Christian Rampelt

Die mit der Digitalisierung einhergehende steigende Konnektivität, die zunehmende internationale Verflechtung und die veränderte Informationsverarbeitung haben vor allem eines zur Folge: steigende Komplexität. Die sich verändernde Welt spiegelt sich im Begriff VUKA wider. Das Akronym steht für die gegenwärtig prägenden Kernpunkte Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Das bedeutet für Unternehmen, dass es immer schwieriger wird, Prognosen zu zukünftigen Entwicklungen zu erstellen. Märkte, die sich rasant verändern und entwickeln, erhöhen den Wettbewerbsdruck. Um ihm standzuhalten, müssen Unternehmen mit einer zunehmenden Menge an Informationen zurechtkommen und schneller Entscheidungen fällen – obwohl die Ausgangslage immer unüberschaubarer wird. Die digitale Transformation in Kombination mit dem demografischen Wandel, der einen Fachkräftemangel zur Folge hat, stellt Unternehmen, und somit Führungskräfte, vor zahlreiche Schwierigkeiten.


Digitalisierung

Alles neu? Führung und Menschenbild in digitalen Zeiten

von Ingo Radermacher

Digitalisierung bedeutet: Alles wird anders, alles neu – auch und gerade in Sachen Management und Führung? So zumindest der Eindruck. Agilität, New Work, Holokratie... – nur wenige von unüberschaubar vielen Schlag oder auch Buzz-Worten, mit denen ebendiese Botschaft – „Alles neu!“ – verkündet wird. Doch: Ist dem wirklich so?


Unternehmenskultur

Agil ist gut, hybrid ist besser – ein Kommentar

von Herbert Schober-Ehmer

1980 (!) meinte Peter Drucker: „Die größte Gefahr in turbulenten Zeiten ist nicht die Turbulenz, sondern nach der Logik von gestern zu handeln.“ Oder anders gesagt, Neugier, Offenheit, Vitalität, Flexibilität (und das verstehe ich unter Agilität) war schon immer eine Voraussetzung, um als Unternehmen auf den Märkten erfolgreich zu bestehen. Was hat es dann mit dem Hype auf sich? Bevor der „Zwischenhype“ – Agilität als Hype zu entlarven – in Medien und Kongressen en vogue wurde, konnte man den Eindruck gewinnen, als würde nur „Agil-Sein“ über Sein oder Nicht-Sein eines Unternehmens entscheiden. Andere wichtige Erfolgsfaktoren wurden – zumindest vorübergehend – ausgeblendet. Erst 2018 hat eine McKinsey-Studie zu diesem Thema sogar bürokratischen Aspekten ihren berechtigten Platz eingeräumt.


Best Practice

Nur dabei statt mittendrin: Moderne Führung bei Microsoft Deutschland

von Markus Köhler

In der Debatte um die Veränderung der Arbeitswelt diskutieren wir Konzepte der Flexibilisierung wie Home-Office und mobiles Arbeiten, Vertrauensarbeitszeit und -ort – das Ende der Präsenzkultur. Wir sprechen über die veränderten Erwartungen der Arbeitnehmer, über Vielfalt, offene Unternehmenskultur. Über neue Technologien wie künstliche Intelligenz und das Aufbrechen von Wissenssilos. Über lebenslanges Lernen, Qualifizierung und Reskilling. Diese Entwicklungen emanzipieren Arbeit von Ort und Zeit, machen unseren Arbeitsalltag diverser und ermöglichen Arbeitnehmern mehr Selbstbestimmung, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Konsequent umgesetzt, tragen diese Maßnahmen dazu bei, die Fachkräftelücke zu schließen, schaffen die Basis für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und den nötigen Raum für Innovation.


Studie

Wie funktioniert Führung heute?

von Markus Gehrt

Wie sieht erfolgreiche Führung aktuell aus? Gerade die Digitalisierung der letzten Dekade hat die gesamte Arbeits- und Wirtschaftswelt massiv verändert. Dabei dauert der Umbruch nach wie vor an. Autoritäre, rigide Führungsstile und klassische Hierarchiestrukturen, wie sie vor gar nicht so langer Zeit geübte Praxis waren, funktionieren heute nicht mehr – sowohl aufgrund ihrer mangelnden Flexibilität angesichts einer immer dynamischeren Geschäftswelt als auch aufgrund anderer Bedürfnisse der Mitarbeiter. Parallel ist die Digitalisierung des eigenen Unternehmens mehr Führungsaufgabe denn je.


Paradigmenwechsel

Mit Führungsintelligenz zur positiven Unternehmenskultur

von Bernd M. Wittschier

Eine Herausforderung, vor der Führungskräfte stehen, ist: Angesichts der disruptiven, oft revolutionären Umbrüche durch den digitalen Wandel muss die Frage gestellt werden, ob es nicht an der Zeit ist, einen Kulturwandel in Gang zu setzen. Dabei sollten die Erfordernisse, die durch die Digitalisierung entstehen, Berücksichtigung finden. Natürlich – das ist eine riesige und langfristige Aufgabe. Umso wichtiger ist es, den Kulturwandel mit positiven Inhalten zu füllen. Positive Unternehmenskultur – was heißt das konkret?

Digitalisierung

Künstliche Intelligenz

Potenziale & Risiken: Was kann künstliche Intelligenz leisten?

von August-Wilhelm Scheer

Wir erleben derzeit den zweiten Aufguss des Themas Künstliche Intelligenz (KI) , und der ist stärker als der erste, der damals entsprechend dem klassischen Gartner-Hype-Cycle verlief und zu einem tiefen Absturz führte. Die Renaissance der KI folgt einem neuen Hype-Zyklus. Gründe dafür sind, dass höhere Rechenleistungen, größere Datenmengen, weiterentwickelte Algorithmen und neue Business-Modelle zur Verfügung stehen. Diese Entwicklungen verstärken sich gegenseitig und es ist Zeit, einen sachlichen Blick auf die sich daraus ergebenden Chancen und auch Risiken zu richten.


Customer Relationship Management

Smarte Kundenkommunikation: Ich sehe die KI vor lauter Chatbots nicht

von Volker Gruhn

Neue Technologien haben die Angewohnheit, die Vergangenheit zu kopieren: Die ersten Automobile sahen aus wie Kutschen, die ersten Filme wie Theateraufführungen. Zu Beginn einer Entwicklung fällt es Menschen schwer, sich vom Bewährten zu lösen. Ein Trend, der sich auch beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) abzeichnet. An der Schnittstelle zum Kunden orientieren sich viele KI-Projekte an gegebenen Prozessen. Ein Beispiel sind textbasierte Dialogsysteme, so genannte Chatbots. Auf zahlreichen Websites und in Apps haben sich die automatisierten Helfer inzwischen breit gemacht. Anwender tragen ihre Anliegen in Textform ein, der Chatbot erwidert mit einer flüssig lesbaren Antwort. Ähnliche Serviceangebote bieten Unternehmen seit Jahren an. Im Unterschied zu früher sitzt auf der anderen Seite des Dialoges aber kein Servicemitarbeiter, sondern eine trainierte KI-Anwendung.


Human Resources

Sind künstliche Assistenten die besseren Personaler?

von Michael Grotherr

Die möglichst exakte Reproduktion von Intelligenz ist die Vision derjenigen, die beim Thema künstliche Intelligenz (KI) den digitalen Fortschritt vorantreiben. Die Anwendungsbereiche von KI sind vielfältig und daher ziehen smarte Systeme immer mehr in die unterschiedlichsten Bereiche der Arbeitswelt ein – einschließlich des Personalwesens und haben damit bereits nachhaltige Auswirkungen auf die Rolle des Menschen in den bestehenden Prozessen.


Kommunikation

Agilität und künstliche Intelligenz als Leitbilder für erfolgreiches Marketing

von Anna Schüler

Um sich vom Marketing der Menge positiv abzuheben und dennoch relevante Zielgruppen zu erreichen, muss ein Unternehmen immer noch eins sein: kreativ. Je origineller und kundenbezogener der Marketingmix, desto erfolgreicher ist er. Für diese Kreativität sind allerdings Freiräume notwendig – ohne dass Mitarbeiter durch nervige Routinearbeiten und einem x-Stunden-Tag im Büro abgelenkt werden. Künstliche Intelligenz (KI) kann dabei helfen, den lästigen Ballast loszuwerden. Doch Vorsicht ist geboten, denn selbst die kreativste Marketingidee verpufft im Leeren, wenn sie an den Interessen der Zielgruppen vorbeigeht. Deshalb muss das Marketing auch im Jahr 2019 agil sein.

Human Resources

Studie

Wie gelingt erfolgreiches Networking?

von Kerstin Bruns, Miriam Sowa

Der Nutzen von Netzwerken wird viel und kontrovers diskutiert: „Netzwerken ist für eine erfolgreiche berufliche Karriere enorm wichtig – Netzwerken kostet nur Zeit und Geld. Netzwerken muss zielgerichtet und strukturiert angegangen werden – Netzwerken gelingt auch ohne Systematik und Verbindlichkeit. Netzwerken nervt und strengt an – Netzwerken ist interessant und macht Spaß.“ Aber: Was wird unter dem Begriff „Netzwerken“ überhaupt verstanden? Welche Zielsetzungen verfolgen Netzwerkende? Wann lohnt es sich für den Einzelnen? Welches sind kritische Erfolgsfaktoren und No-Gos beim Auf- und Ausbau des eigenen Netzwerks? Welche persönlichen Voraussetzungen sind wichtig? Und welche Rolle spielen heutzutage digitale Netzwerke? Eine empirische Studie liefert die Antworten!


Prozessmanagement

Nachhaltige Wissensmanagement-Prozesse: Welchen Einfluss hat die Unternehmenskultur?

von Monika Reaper

Wissensmanagement ist aus der Sicht heutiger Konzerne und globaler Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Organisationen versprechen sich von der Einführung von Wissensmanagement eine Bündelung ihrer Ressourcen, transparentere Prozesse, und nicht zuletzt die Erhöhung ihrer Wettbewerbsfähigkeit im Marktumfeld. Von daher liegt es für die meisten Führungskräfte und Stakeholder auf der Hand, dass Wissensmanagement zum Erfolg des Unternehmens beitragen muss.

Trends

Innovationsmanagement

Absorptive Capacity: Die Fähigkeit zu innovieren

von Marion Weissenberger-Eibl, Tim Hampel

Die Öffnung der Unternehmensgrenzen zur Nutzung externen Wissens und Technologien hat in den vergangenen Jahren große Relevanz erlangt. Für die erfolgreiche Umsetzung von Open Innovation finden sich zahlreiche Beispiele. Die Idee, der auf drei Meter präzisen Georeferenzierung von weltweiten Standorten des Start-Ups what3words fand bei Daimler innerhalb eines Jahres Eingang in die Serienprodukte. LEGO produzierte bereits acht Sets, die von Fans auf der Plattform LEGO Ideas eingereicht wurden und durch P&G’s Connect + Develop Programm wurden bereits mehr als 2.000 Rahmenverträge mit weltweiten Partnern abgeschlossen. Jedoch lassen sich ebenso Negativbeispiele aufzeigen: Apple lehnte es lange Zeit trotz Nutzer-Feedback ab, das Design ihrer Computermaus auf zwei Tasten zu erweitern und Twitter wies anfangs die Nutzung des „Hashtag“ Symbols mit der Begründung zurück, dies sei nur etwas für Nerds. Diese Beispiele verdeutlichen: Die erfolgreiche Umsetzung von Open Innovation ist nicht dem Zufall geschuldet, sondern einer spezifischen organisatorischen Fähigkeit – der Absorptive Capacity.


Big Data

Knowledge Graph in der Medizinischen Forschung: Das komplexe System „Mensch“ verstehen

von Dirk Möller

Große, heterogene Datensätze – kurz Big Data – gehören in der medizinischen Forschung zum Alltag. Daten werden erhoben, ausgewertet und dienen schließlich als Basis für weitere Forschungsansätze. Neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), Natural Language Processing (NLP) oder Graphtechnologie verändern hier grundlegend die Arbeitsweise von Wissenschaftlern und eröffnen dem Daten- und Wissensmanagement eine neue Dimension.

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