wissensmanagement - Februar/März 2019

Titelthema

Zwischen Datenüberflutung und Totalverlust:
Wissen im Spannungsfeld von digitalem und demografischem Wandel

Wir bewegen uns momentan zwischen mehreren Extremen: Auf der einen Seite können wir uns vor Informationen kaum retten. Massen unstrukturierter Daten strömen tagtäglich auf uns ein, werden auf internen Servern oder in externen Clouds gespeichert. Die Datenlage ist gut, der Mehrwert, den die Wirtschaft daraus generiert, jedoch noch vergleichsweise gering. Der Informationsflut und Datensammelwut steht jedoch ein drohender Totalverlust immaterieller Werte gegenüber. In den nächsten Jahren verabschieden sich hunderttausende erfahrene Fachkräfte aus der Generation der Babyboomer in den Ruhestand – und nehmen ihr wertvolles Wissen wahrscheinlich mit in Rente. Warum? Weil die Bedeutung impliziten Wissens in vielen Unternehmen offenbar noch nicht ausreichend bekannt ist, die Bedrohung noch wie Zukunftsmusik anmutet oder die Auftragsbücher schlichtweg zu voll sind, um Ressourcen für Wissenssicherung freisetzen zu können. Der demografische Wandel bedroht also die Wirtschaftskraft. Zur Pensionierungswelle gesellt sich außerdem der War for Talents: Fachkräfte sind rar und werden immer anspruchsvoller. Sich als attraktive Arbeitgebermarke zu etablieren, kostet Zeit und Geld. Von beidem gibt es zu wenig. Und die verfügbaren Ressourcen konzentrieren sich auf die digitale Transformation. Genau die hat das Zeug dazu, den drohenden Wissensverlust doch noch abzuwenden. Wie alternde Gesellschaft, Fachkräftemangel und Digitalisierung genau verwoben sind, das erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe von „wissensmanagement – Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration“.  


Editorial

Digitalisierung, Demografie und die Ressource Wissen: Was kommt auf uns zu?

von Oliver Lehnert

2019 könnte zu einem wahren Digitalisierungsjahr werden. Die Bundesbürger sind künstlicher In-telligenz und ihrem Einsatz im Alltag so aufgeschlossen wie nie zuvor. Sie können sich den Einsatz erst-mals flächendeckend vorstellen – vom Gesundheitswesen über die Polizeiarbeit bis hin zur intelligen-ten Verwaltung. Sogar für innovative Transportmittel, wie dem Hyperloop, sind sie aufgeschlossen. Die steigende Akzeptanz – und wahrscheinlich auch Neugier – trifft zeitlich mit einer neuen Ausbaustufe digitaler Lösungen zusammen. Das hat weitreichende Folgen und gibt einen Vorgeschmack auf den gesellschaftlichen Wandel, der uns bevorsteht. Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass die Detro-it Auto-Show 2019 ums Überleben kämpfen muss? Und zwar nicht weil niemand mehr Pkw fährt, son-dern weil sich die Hersteller mittlerweile eher auf Digitalisierungs- und Zukunftsevents zu Hause füh-len.

Praxis Wissensmanagement

IT-Sicherheit

Wirtschaftsspionage: Die reale Gefahr für das wettbewerbskritische Kernwissen

von Burkhart Freier

Wissen gilt – neben Boden, Arbeit und Kapital – als vierter Produktionsfaktor und hat längst wettbewerbskritische Dimensionen angenommen. Das gilt für die Big Player am Markt ebenso wie für Hidden Champions aus dem Mittelstand. Beide sind in Nordrhein-Westfalen ansässig. Und beide sehen – ebenso wie Forschungseinrichtungen – ihr wichtigstes Kapital zunehmend in Gefahr: Durch Wirtschaftsspionage wird immer wieder wertvolles Wissen abgegriffen. Konkurrierende Unternehmen sind daran ebenso beteiligt fremde Staaten und ausländische Nachrichtendienste. Doch wie gelingt es den Angreifern, an das Know-how zu kommen? Welche Wege nutzen sie? Und wie lässt sich dem Wissensabfluss effektiv entgegenwirken?


Trends

Die gläserne Firma: Sensibles Wissen in Gefahr

von David Wollmann

Unternehmen geben viele Informationen preis – ob auf der Webseite oder über die Social-Media-Kanäle. Cyber-Kriminelle verschaffen sich so wichtige Informationen für Social-Engineering-Angriffe. Unternehmen und Mitarbeiter unterschätzen die daraus resultierenden Risiken, denn gegen personalisierte Angriffe existieren keine formalen Abwehrmaßnahmen.


Digitalisierung

Die digitale Transformation der Banken – eine Kulturfrage

von Horst Schmidt

Die Bankenwelt ist zurzeit in einem radikalen Umbruch. Welche Institute aus diesem Prozess als Gewinner hervorgehen und welche zu den Verlierern zählen, ist vor allem eine Kulturfrage.


Best Practice

Schwäbisch Hall auf dem Weg zur Bank 4.0

von Claudia Klug

Die Arbeitswelt der Zukunft wird durch die technischen Umwälzungen radikal verändert. Neue Berufsbilder entstehen, alte fallen weg. Neue Aufgaben und Arbeitsplätze im digitalen Umfeld werden geschaffen, zahlreiche Routineaufgaben sollen dagegen Algorithmen und Programme übernehmen. Viele der derzeit gängigen Studien prophezeien einen Beschäftigungsrückgang. Doch ganz gleich, wel-che Zahlen über wegfallende Arbeitsplätze auch immer grassieren: Wie die Beschäftigungsbilanz in der digitalen Ökonomie tatsächlich ausfallen wird, haben die betroffenen Unternehmen selbst in der Hand. Dazu gehört auch die Bankenwelt. Sie können den Wandel (noch) weitgehend mitgestalten. Es ist also Zeit für eine Bestandsaufnahme und für die Frage: Lassen sich die Vorstellungen und Sorgen der Mitarbeiter und die Wünsche der Kunden überhaupt zusammenbringen?

Titelthema

Wissenstransfer

Alt trifft Jung: Besserer Wissenstransfer dank intergenerativer Kommunikation

von Bettina Führmann, Michaela Moser

Infolge des demografischen Wandels erhält der intergenerative Wissenstransfer eine besondere Bedeutung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Dabei kann das Gelingen der Kommunikation zwischen Älteren und Jüngeren zu einem zentralen und gleichzeitig limitierenden Einflussfaktor werden.


Demografie

Digitaler vs. demografischer Wandel: Was ist wichtiger?

von Nicole Lehnert

Es gibt zwei riesige Herausforderungen, die derzeit nahezu alle Unternehmen – unabhängig von Größe und Branche – eint: die digitale Transformation und der demografische Wandel. Während die Einführung neuester IT-Lösungen, kollaboratives Arbeiten und vernetztes Denken meistens ganz oben auf der Agenda stehen und die Zukunftsfähigkeit der Organisation sichern sollen, führen die unaufhaltsamen demografischen Veränderungen hingegen oft ein Schattendasein. Mit fatalen Folgen für das implizite Kapital der Firmen.


Lernen & Weiterbilden

Wie Mitarbeiter ihre Digitalkompetenz entwickeln

von Andreas Grieger

Die Veränderungen durch die Digitalisierung sind in mehrfacher Hinsicht eine Revolution. Dies bedeutet auch, dass Mitarbeiter ihre Kompetenzen an die veränderten Anforderungen anpassen müssen. Das Stichwort heute: strategische Entwicklung der Digitalkompetenz.

Digitalisierung

Leadership 2.0

Digitale Transformation: Wer ist verantwortlich?

von Reiner Czichos

„Wir sind bei der digitalen Transformation auf einem guten Weg. Unsere IT-Abteilung hat jetzt gerade wieder eine App gebaut, mit der wir die Kundendaten für alle Außendienstmitarbeiter verfügbar machen. Klasse, was das IT-Team mal wieder geleistet hat.“ So äußerte sich sehr stolz der Vorstand eines mittelständischen Unternehmens in einem „Future Meeting“. Zu befürchten ist nur, dass Vorstand und Unternehmen noch nicht in der Realität angekommen sind.


Implementierung

Digitalisierung mal zwei: IT-Fallstricke bei M&A-Projekten

von Stephan Jansen

Firmenübernahmen sind komplexe Projekte – auch weil heute in den Unternehmen fast alle Prozesse computer- bzw. netzgestützt ablaufen. Wer bei der IT-Integration nach der Maxime „Es darf wenig kosten und soll gestern erledigt sein“ verfährt, erleidet meist Schiffbruch.


Datentransfer

Doc, TIFF, PDF & Co.: Fünf Schritte zum einheitlichen Dokumentenzugriff

von Bodo Boer

Dokumente treffen auf den unterschiedlichsten Wegen und in den verschiedensten Formaten in Unternehmen ein. Somit haben es Mitarbeiter mit einem ganzen „Zoo“ zu tun. Oft ist dieser nicht oder nur unzureichend organisiert, sodass sich zum Beispiel die Recherche nach Dokumenten schwierig gestaltet.

Human Resources

Wissenszuwachs

Menschen über das Ohr erreichen: Podcasts liefern auditive Lernerlebnisse

von Leila Haidar

Viele Menschen nutzen Hörbücher und Podcasts, um beispielsweise die Zeit im Auto sinnvoll zu nutzen. Die Öffentlich-Rechtlichen Sender sowie immer mehr Plattformen bieten sogar kostenlosen Content zu Wissens- oder Unterhaltungsthemen. Weshalb sind die Sound-Dateien derzeit so hip? Und wie können Unternehmen sie für das Wissensmanagement nutzen?


Recruiting

Mit einer Weiterbildungsakademie Topkräfte (an)locken & binden

von Carsten Kutzner

Unternehmen können im War for Talents Pluspunkte sammeln, indem sie ihre Mitarbeiter und Führungskräfte – die bereits angestellten und die zukünftigen – mithilfe spezifischer Motivationstreiber an sich binden. Zu den wirkmächtigsten Treibern zählt die Weiterbildung. Entsprechende Aktivitäten üben insbesondere auf die High Potentials, die sich jeden Tag weiterentwickeln wollen, eine ungeheure Sogwirkung aus. Dazu gehört die Gründung einer unternehmensinternen Weiterbildungsakademie.


Unternehmenskultur

Wandel braucht Führungspersönlichkeiten mit Haltung

von Dr. Anke Nienkerke-Springer

Jeder Transformations- und Veränderungsprozess braucht Unterstützer, die dessen Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit glaubwürdig begründen und begleiten, sodass er auch von den Mitarbeitern getragen wird. Er kann nicht von oben herab verordnet werden, sondern sollte von der Basis aus gelebt werden. Hochglanzflyer, in denen neue Unternehmenswerte propagiert werden, genügen nicht. Eine entscheidende Bedeutung kommt den Führungskräften zu, die den Wandel vorleben und zeigen, welche Haltung sie dazu entwickelt haben.

Trends

Industrie 4.0

Künstliche Intelligenz & Intuition – (k)ein Widerspruch?

von Jürgen Rippel, Christian Liederer, Markus Klusmann

Industrie 4.0 und die digitale Revolution sind in aller Munde. Alles marschiert in diese Richtung. Es ist so, als ob ein unsichtbarer Schalter umgelegt wurde. Es handelt sich dabei um eine Richtung, die sich noch aus der Quelle des fünften Kondratieff (Informationstechnologie und künstliche Intelligenz) speist. [1] Letztlich geht es um die Marktdurchdringung der digitalen Möglichkeiten. Dieses Potenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Aus diesem Grund macht es Sinn, sich der künstlichen Intelligenz (KI) vorurteilsfrei zu öffnen und den Nutzen für die Menschheit herauszustellen. Diese Nutzenüberlegung führt zu einem bisher vernachlässigten Sparringpartner – die spirituelle Intelligenz (SI). Wie sieht es mit ihr aus? Steht sie zur KI im Widerspruch oder bedingen beide einander?


Unternehmenssteuerung

OKR – die neue Wunderwaffe aus dem Silicon Valley?

von Dr. Daniela Kudernatsch

Viele High-Tech-Unternehmen im Silicon Valley nutzen die Objectives and Key Results, kurz OKR genannte Management-Methode, zur Strategieumsetzung und zum Erreichen ihrer ambitionierten Ziele. Seit ein, zwei Jahren entdecken auch Unternehmen im deutschsprachigen Raum diesen Ansatz.


Teamarbeit

Agil, kreativ, innovativ: Design statt Group Thinking

von Ulrike Stahl

Agile Methoden wie Kanban, Scrum oder Design Thinking stehen bei Unternehmen momentan hoch im Kurs. Mitarbeiter und Teams sollen damit beweglicher werden und so ihre Leistung steigern. Immer mehr Informationen und Wissen, komplexe Aufgabenstellungen und volatile Arbeitsumgebungen fordern zu Recht ein neues Mindset. Aber wie muss dieses neue Denken und Handeln tatsächlich aussehen, um die Herausforderungen heute und morgen zu lösen?

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