2022/8 | Fachbeitrag | Analytics

Process Mining als Game Changer für Automatisierungsprojekte

Mit der Automatisierung von Prozessen sollte auch ihre Optimierung einhergehen. Das scheitert in der Praxis aber oft daran, dass Unternehmen die Schwächen ihrer Abläufe gar nicht genau kennen oder vermeintlich ideale Prozesse auf Basis subjektiver Einschätzungen definieren. Process Mining kann diese Probleme lösen kann.

Bildquelle: (C) Gerd Altmann / Pixabay

Technologien wie RPA, KI oder Case-Management bieten Unternehmen heute umfassende Möglichkeiten zur Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse. Was dabei aber oft zu kurz kommt: Mit der Automatisierung von Abläufen sollte auch ihre Optimierung einhergehen. Auch die intelligenteste Automatisierung kann aus einem schlechten keinen guten Prozess machen. Bei den üblichen Vorgehensweisen in Automatisierungsprojekten lassen Unternehmen das Optimierungspotenzial aber häufig komplett liegen oder schöpfen es nur unzureichend aus.

"Ein weit verbreiteter Ansatz ist die Orientierung an den Ist-Prozessen. Unternehmen automatisieren die vorhandenen Abläufe, ohne zu hinterfragen, ob sie überhaupt noch aktuellen oder gar künftigen Anforderungen gerecht werden", erklärt Florian Lauck-Wunderlich, Senior Project Delivery Leader bei Pegasystems. "Das kann dann beispielsweise dazu führen, dass sie ineffiziente Prozesse automatisieren. Dadurch haben sie dann am Ende einfach nur automatisierte ineffiziente Prozesse."

Ein zweiter gängiger Ansatz ist die Orientierung an Soll-Prozessen. Prozessexperten und Product Owner definieren vorab die aus ihrer Sicht optimalen Abläufe, anschließend werden die Automatisierungen entwickelt und frühzeitig und regelmäßig von den Endnutzern getestet, um sie anhand ihres Feedbacks kontinuierlich zu optimieren. "Sowohl die Einschätzungen der Prozessexperten und Product Owner als auch das Feedback der Endnutzer basieren auf subjektiven Wahrnehmungen und können deshalb voreingenommen sein oder kein ganzheitliches Bild vermitteln", so Lauck-Wunderlich. "Das kann dazu führen, das Unternehmen nicht zielgerichtet genug oder nicht ausreichend optimieren."

Mit Process Mining lassen sich die Defizite beider Ansätze beheben. Diese Technologie kann anhand der Daten, die in den IT-Systemen der Unternehmen vorhanden sind, Geschäftsprozesse rekonstruieren und visualisieren. Dazu nutzt sie Petri-Netze und ermöglicht, die Realität der vorhandenen Prozesse objektiv abzubilden und dadurch ihre tatsächlichen Schwächen aufzuzeigen. So wird beispielsweise offensichtlich, wenn bestimmte Prozessstrecken unnötig viel Zeit beanspruchen oder Informationen nicht zielgerichtet weitergeleitet werden.

"Process Mining ist ein echter Game Changer für Automatisierungsprojekte", so Lauck-Wunderlich. "Indem diese Technologie die unbestreitbare Prozessrealität transparent macht, stellt sie sicher, dass Unternehmen auf die Schwächen ihrer Abläufe aufmerksam werden, die richtigen Annahmen treffen und kohärent schlussfolgern können, wie sie ihre Prozesse optimal aufbauen und ausführen."

Seine Stärken kann Process Mining nach Ansicht des Experten am besten in Kombination mit einer Plattform ausspielen, die es Nutzern ermöglicht, Prozesse mit Low-Code-Technologie zu gestalten und zu automatisieren: "Process Mining und Low-Code-Automatisierungsplattformen bilden die perfekte Symbiose. Unternehmen haben damit die Möglichkeit, die identifizierten Schwächen in ihren Prozessen schnell und einfach zu beseitigen und ihre Abläufe dann unkompliziert durch datengestützte Entscheidungsfindung zu automatisieren."


Der Autor:

Florian Lauck-Wunderlich ist Senior Project Delivery Leader bei Pegasystems. Das Unternehmen liefert innovative Software, mit der sich komplexe Arbeitsprozesse drastisch vereinfachen lassen. Orgaisationen können dadurch gezieltere Entscheidungen treffen und ihren Tätigkeiten besser nachkommen. Pegasystems hilft weltweit führenden Markenunternehmen dabei, die größten geschäftlichen Herausforderungen zu meistern: den Customer Lifetime Value erhöhen, den Kundenservice optimieren und die betriebliche Effizienz steigern. Die Pega-Technologie nutzt Echtzeit-KI und intelligente Automatisierung, weist eine skalierbare Architektur auf und bietet eine Low-Code-Plattform. Damit können Unternehmen schnell auf Veränderungen reagieren und sich erfolgreich für die Zukunft rüsten.

Bildquelle: (C) Pegasystems

Web: www.pega.com/de

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Sind wir bereit fürs Metaverse?

Fragt man die Bevölkerung nach dem Potenzial, das der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) mit sich bringt, so ist sich die Mehrheit einig: Von der Notaufnahme bis zum Sportunterrricht stecken darin weitreichende Potenziale. In den Bereichen Medizin, Bildung, Verwaltung und Polizei seien die Chancen dabei besonders groß, ergab eine Erhebung des Digitalverbands Bitkom. Schon innerhalb der nächsten ...

Weiterlesen

Business Intelligence bei HDI, WHO und Samsung

WISSENplus
Wenn es um Informationen von Unternehmen, deren Standorte, Produkte oder Services geht, sollten sie dort bereitgestellt werden, wo Menschen danach suchen. Sie müssen schnell verfügbar sein, die jeweiligen Fragen beantworten und Konsistenz aufweisen, um Verwirrung zu vermeiden. Und wo suchen die meisten Menschen heute, wenn sie etwa eine Frage zu ihrer KFZ-Versicherung oder zu COVID-19 haben? Genau! ...

Weiterlesen

Technischer Support: Den richtigen Keilriemen findet die KI

Egal, ob Kunden beim technischen Support anrufen oder einen Service-Techniker vor Ort benötigen: Sie erwarten heute eine schnelle Lösung ihres Problems. Lange Wartezeiten am Telefon oder mehrfache Nachfrage-Anrufe frustrieren sie und sorgen für Unzufriedenheit. Kommt ein Service-Techniker zur Reparatur einer Maschine vorbei, sollte sie bei seiner Abfahrt wieder einsetzbar sein. Weitere Verzögerungen od...

Weiterlesen

Fälschungen & Plagiate: Produktwissen als Risikofaktor

WISSENplus
Deutsche Unternehmen leiden unter einem immer größer werdenden Problem, das sich nicht so leicht greifen lässt: Produktfälschungen und der damit einhergehende Ärger der Kunden. Üblicherweise kauft ein Kunde vermeintliche Originalware, ob nun ein komplett neues Produkt oder Ersatzteile für den schon vorhandenen Artikel. Ohne es zu wissen, ersteht der Kunde jedoch eine Fälschung von meist minder...

Weiterlesen

Smarte Behörde: Geodatenverknüpfung vereinfacht Informationszuordnung und -suche im Tiefbauamt Zug

Geodaten sind für viele Branchen und Abteilungen ein wichtiger Aspekt bei der Informationszuordnung und -suche. Bisher gibt es aber meist einen Bruch zwischen DMS- und GIS-Anwendungen. Mit der Entwicklung und Einführung eines georeferenzierten Dokumentenmanagementsystems hat das Tiefbauamt Zug gemeinsam eine offene Lösung geschaffen, die auch großes Potenzial für die Nutzung durch andere Branchen biet...

Weiterlesen

Wie gelingt erfolgreiches Skillmanagement?

WISSENplus
Der Fachkräftemangel nimmt in seiner Dramatik permanent zu. Für Personaler entwickelt sich das Thema zu einem Riesenproblem: Wachstum gelingt nur mit kompetenten Mitarbeitern. Skill- und Kompetenzmanagement gelten als die Königswege bei der Lösung des Problems: Mache mehr aus deinen Mitarbeitern, lautet hier das Credo. Doch es ist nicht einfach, die eigenen Mitarbeiter zu halten und zu qualifizier...

Weiterlesen

Wissenverlust-Risikoanalyse: Ist Ihr organisationales Wissen in Gefahr?

WISSENplus
Das Management von Wissen soll einerseits dessen maximale Nutzung sicherstellen, andererseits aber auch dessen ungeplanten Verlust vermeiden. Die neu entwickelte Methode der Wissensverlust-Risikoanalyse (WVRA) sucht systematisch nach akuten Gefahren von Wissensverlusten innerhalb des Unternehmens, um sie zielgerichtet und prioritätsgesteuert zu eliminieren....

Weiterlesen

Trustworthy AI: Unternehmen wünschen sich beim Thema KI mehr Kontrolle

Wenn Unternehmen über den Einsatz Künstlicher Intelligenz nachdenken, müssen sie sich mit grundlegenden Fragen beschäftigen: Wie können die Verantwortlichen Entscheidungen, die eine KI-Anwendung trifft, transparent gestalten? Wie beherrschen sie mögliche Risiken des KI-Einsatzes? Die Antworten darauf sind wesentlich für die Akzeptanz der Technologie durch Verbraucherinnen und Verbraucher. Der IT-Die...

Weiterlesen