2021/9 | Fachbeitrag | Automatisierung

Nachhaltige Digitalisierung von Versicherungsunternehmen

Versicherungsunternehmen sollten die beiden Megathemen unserer Zeit, Digitalisierung und Nachhaltigkeit, unbedingt zusammen denken. Für die Entwicklung der nachhaltigen Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Cloud-Computing, Blockchain, Big Data und Quanten-Computing legen wir heute schon den Grundstein.

Bildquelle: (C) ar130405 / Pixabay

In der Versicherungswirtschaft bieten sich hier erhebliche Potentiale und Synergien, die es zu nutzen gilt. Denn Tech-Giganten, Start-ups und die direkten Wettbewerber können das eigene Business jederzeit angreifen. Volldigitale Unternehmen wie zum Beispiel Google und Amazon verändern Kundenerwartungen über Marktgrenzen hinweg und Kundenzentrierung gewinnt weiter an Relevanz. Versicherungsunternehmen sollten das eigene Geschäftsmodell daher immer wieder reflektieren und den Bedürfnissen der Kunden anpassen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Die Versicherungswirtschaft sollte neue Technologien nutzen, um sich neu zu definieren, sich auf das digitale Zeitalter des Kundenerlebnisses vorzubereiten und eine exzellente Zukunft zu gestalten. Eine digitale Transformation trägt allgemein dazu bei, Geschäftsmodelle und das Kundenerlebnis zu optimieren, um Versicherungsnehmer in ihrer täglichen Lebenswelt besser zu unterstützen. Eine nachhaltige Digitalisierung führt zu mehr Nachhaltigkeitsinnovation, Qualität, Produktivität, Transparenz und Sicherheit, denn auch Cyber-Security ist eine tragende Säule. Sie ist weder Selbstzweck noch ein schnelles Projekt, um eine Technikkomponente neu einzuführen. Es geht im Kern darum, das Unternehmen ganzheitlich und nachhaltig für die neuen Anforderungen fit und damit zukunftsfähig zu machen. Anforderungen gibt es zahlreiche - und gerade hier ist besonders auf Nachhaltigkeit zu achten.

Die zentralen Fragen für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit sind:

  1. Wie gut ist die Veränderungsgeschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit im Sinne von Agilität?
  2. In welche Bereiche und Projekte muss im Rahmen der Business Transformation investiert werden, um bei dem zunehmenden Veränderungstempo mitzuhalten und Chancen zu nutzen?
  3. Welche digitalen Lösungen und Services braucht es, um diese Themen abbilden zu können?

Allgemein sollten sich Unternehmen daher mit folgenden Themen zur Zukunftssicherung beschäftigen:

  1. Die Etablierung einer agilen und projektorientierten Organisation bzw. Einheit, welche ein "Change the Business" bzw. "Innovate the Business" mit entsprechender Geschwindigkeit sicherstellen kann.
  2. Neue und zukunftsfähige Geschäftsmodelle, Services und Produkte zeichnen sich durch eine innovative Kundenzentrierung und digitale Prozesse aus - überraschend, begeisternd, personalisiert und automatisiert.
  3. Zur erfolgreichen Projektrealisierung sollten die digitalen Schlüsseltechnologien von Anfang an in drei Zielperspektiven Machbarkeit, Erwünschtheit und Nachhaltigkeit betrachtet und nach bestmöglichen Lösungen gesucht werden.

Transformer's Dilemma: Agile und projektorientierte Organisation

Es ist kein Geheimnis, dass Versicherungsunternehmen auch in der heutigen Welt mit den sich verändernden Märkten und Kundenbedürfnissen Schritt halten müssen, um erfolgreich zu sein. Das "Transformer's Dilemma" besteht darin, gleichzeitig neben dem Betrieb des Kerngeschäfts ("Run the Business"), dieses zu digitalisieren ("Change the Business") und innovative bzw. disruptive Geschäftsmodelle zu entwickeln ("Innovate the Business"). Die nachstehende Abbildung stellt dies übersichtlich dar:

Abbildung: Säulen der Transformation

Ein strategisch geführtes Unternehmen lässt sich, etwas abstrakt definiert, in diese Säulen unterteilen. Die beste Strategie kann allerdings nur so gut sein wie ihre Umsetzung. Natürlich braucht Strategieumsetzung Zeit, aber "die Schnellen fressen die Langsamen" im Sinne eines digitalen Darwinismus. Erfolgreiche Strategien können sogar zu negativen Konsequenzen führen, wenn sich an entscheidenden Stellen nichts verändert oder die Veränderungsgeschwindigkeit nicht passt. Ein nachhaltige Unternehmensentwicklung gelingt, wenn zwischen strategischer Planung und operativer Umsetzung die richtige Spannung herrscht. Daher ist ein skalierbares wirkungsvolles Framework für die agile bzw. projektorientierte Strategieumsetzung von zentraler Bedeutung.

Die Transformation macht organisatorische Veränderungen, ein Kultur-Update und eine starke Vernetzung des Unternehmens in strategischen Partnerschaften bzw. Ökosystemen erforderlich. Technologietrends sollten jederzeit auf dem Radar sein und entsprechende Prozesse sollten auf Start-up-Geschwindigkeit ausgerichtet und nach jeweils passenden Leistungskennzahlen, KPIs (Key Performance Indicators) oder OKRs (Objectives and Key Results) gesteuert werden.

Folgende Vorteile bietet eine Business Transformation:

  1. Erhöhte Effizienz: Neue integrierte Technologien sind die Basis für eine intelligente Automatisierung. Intelligente Systeme und Edge Computing ermöglichen einen sofortigen Dateneinblick und unterstützen so eine schnelle Entscheidungsfindung.

  2. Gesteigerte Produktivität: Der Einsatz digitaler Technologien kann den Output maximieren und Ressourcenverschwendung reduzieren.

  3. Verbesserte Kapitalrendite (ROI) und Skalierbarkeit: Eine höhere Effizienz und gesteigerte Produktivität münden in einer besseren Kapitalrendite und Skalierbarkeit. Die Investitionen in neue digitalisierte Systeme amortisieren sich häufig schnell.

  4. Gesteigerte Nachhaltigkeit: Business Transformation ermöglicht es Unternehmen, intelligente Managementsysteme zu implementieren, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und ihr Image zu verbessern.

  5. Erhöhte Sicherheit: Automatisierte Prozesse tragen dazu bei, menschliches Eingreifen auf ein Minimum zu reduzieren. Robotik und künstliche Intelligenz bieten bessere Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten, können Arbeitskräfte entlasten und das IT-Sicherheitsrisiko minimieren.

Letztlich zeigt sich, dass für die exzellente Entwicklung hin zu einem KI-gestützten und datengetriebenen Versicherungsunternehmen vor allem die Organisation und die Menschen entscheidend sind. Hier gilt die Weisheit, welche der Begründer des modernen Managements Peter Drucker, einst so formulierte: "Unternehmenskultur verspeist Strategie zum Frühstück." Was für Strategie allgemein gilt, ist auch für technologische Strategien, Initiativen und Programme gültig: Nur wenn die organisatorischen Rahmenbedingungen stimmen, nur wenn die Mitarbeiter mitgenommen werden, nur wenn sie den Sinn hinter Technologie verstehen und ihnen bewusst wird, welche Vorteile der Einsatz bringt, dann werden sie bereit sein, neue Wege (mit) zu gehen. Unternehmen sollten Technologie daher aus dem Blickwinkel der Menschen im Sinne einer nachhaltigen Digitalisierung sehen und verstehen.


Die Autoren:

 

Roland Roider ist Vorstandsvorsitzender der Haftpflichtkasse und führt diese in eine exzellente Zukunft. Als Vertriebs- und Marketingvorstand und ausgewiesener Versicherungsexperte verantwortete Herr Roider bis 2019 die erfolgreiche Markt- und Markenentwicklung der Haftpflichtkasse.
Marco Englert ist Leiter Unternehmensentwicklung & PMO der Haftpflichtkasse und steuert die Zukunftsstrategie und Transformation. Er ist Experte für eine digitale und nachhaltige Unternehmensführung und steht für ein Excellence-Mindset, welches die Kernthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit verbindet und Unternehmen zukunftsrobust macht.

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