2007/7 | Fachbeitrag | implizites Wissen

Ideenmanagement: Unbekanntes Terrain betreten

von Anja Förster und Peter Kreuz

Inhaltsübersicht:


Bewährte Strategien und praxiserprobte Maßnahmen münden zu häufig in festgefahren Denkstrukturen. Doch auf dem Weg zu neuen Märkten und innovativen Produkten bedarf es mehr als althergebrachter Handlungsmuster. Hier sind kluge Köpfe gefragt, die es wagen, neue Strategien auszuprobieren. Sie betreten damit unbekanntes Terrain – fernab der ausgetretenen Wege. Gerade in gewachsenen Unternehmen stoßen sie dabei häufig auf Gegenwehr. Sie ecken an. Aber oftmals sind es gerade die neuen, unbequemen Entscheidungen, die Veränderungsprozess erfolgreich voranbringen.

Kreative Ideen entwickeln

„Im Begriff Business-Querdenker steckt ein wichtiges Wort, nämlich ‚denken’. Und das ist eine wesentliche Aktivität in diesem Zusammenhang: Neue Ideen zu entwickeln, funktioniert nicht nach dem Verfahren: Und wo lassen Sie denken? Man kann diesen Prozess nicht an Berater outsourcen. Auch Benchmarking hilft da nicht weiter“, erklären Anja Förster und Dr. Peter Kreuz, Business-Querdenker aus Leidenschaft sowie Management-Trainer und Buchautoren. Zum Querdenker braucht man vier Dinge: Erstens einen unvoreingenommenen Blick auf bestehende Märkte und Zielgruppen. Zweitens den Mut, Branchendogmen konsequent in Frage zu stellen. Drittens das Rückgrat, Neues auch umzusetzen, oftmals gegen die institutionalisierte Bedenkenträger und scheinbar unverrückbare ökonomische und gesellschaftliche Wahrheiten. Und viertens eine gehörige Portion Sturheit, denn Querdenker glauben an ihre Idee und setzen sie durch. Ihr Credo: Das Unmögliche ist oft auch das Unversuchte.

Der Weg zum Business-Querdenker

Für alle, die zu einem erfolgreichen Business-Querdenker werden möchten, haben Förster und Kreuz folgende Tipps:

  1. Warten Sie nicht zu lange: Hoffen Sie nicht auf den genialen Geistesblitz oder den begnadeten Einfall, den vor Ihnen noch niemand je hatte: In gewissem Sinne ist Innovation eine kluge Kombination von Elementen, die bereits da waren.

  2. Scheitern Sie schneller: Versuchen Sie nicht, die Zahl der Flops zu verringern, denn dann kommt der Innovationsprozess meist zum Erliegen. Der Schlüssel zu effizienter Innovation besteht darin, schneller zu scheitern, nicht weniger häufig.

  3. Vergessen Sie die Vergangenheit: Das Problem besteht nicht darin, neue innovative Gedanken in Ihren Kopf hineinzubekommen, sondern darin, die alten wieder loszuwerden.

  4. Setzen Sie sich unvernünftige Ziele: Erst dann werden Sie beginnen, nach bahnbrechenden Ideen zu suchen. Niemand übertrifft seine eigenen Erwartungen.

  5. Experimentieren Sie: Dramatische Innovationserfolge sind häufiger das Ergebnis regelbrechender Experimente als großer Strategien oder ausgefeilter Prozesse.

  6. Akzeptieren Sie Rückschläge: Rückschläge sind unvermeidlich. Sie werden viele Schlachten verlieren, bevor Sie den Krieg gewinnen.

  7. Lassen Sie sich von den Bedenkenträgern nicht runterziehen: Jede Neuerung hat Gegner. Das garantierte Kennzeichen einer lausigen Innovation: Sie hat keine Feinde in Ihrer Organisation.

  8. Betrachten Sie die Dinge anders: Impressionismus, Kubismus, Postmoderne, jede Innovation in der Kunst basierte auf einer neuen Vorstellung von der Welt. Nicht Pinsel und Leinwand veränderten sich, sondern die Art, wie der Künstler die Welt wahrnahm.

  9. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Meckern Sie nicht über die Politik, das Wetter oder die anderen. Sie selbst müssen die Veränderung sein, die Sie in der Welt sehen wollen.

  10. Werden Sie süchtig nach Veränderung: Fragen Sie sich immer wieder: Was verändert sich? Welche Chance ist darin enthalten? Tun Sie dies mindestens ein dutzend Mal pro Woche.

  11. Suchen Sie nach dem, was nicht da ist: Wenn Sie das nächste Mal zu einem Branchenkongress gehen, fragen Sie sich: Worüber spricht niemand? Es gibt einen Grund dafür, warum es normalerweise Außenseiter sind, die Branchen neu erfinden.

  12. Reisen Sie: Vertrautheit ist der Feind der Innovation. Reisen macht Sie zum Fremden. Es verunsichert Sie. Es beraubt Sie Ihrer Vorurteile. Es zeigt Ihnen neue Perspektiven.

  13. Haben Sie Freude an dem, was sie tun: Reden Sie nie von Arbeitszeit, sondern sagen Sie: Das wird eine interessante Woche! Und sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter sich freuen, am Montag wieder zur Arbeit zu kommen.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Lernen aus Erfahrung: Was die Generation 50plus alles weiß

WISSENplus
Angesichts des demografischen Wandels wird die Frage nach Instrumenten, mit denen das Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter in der Firma gehalten werden kann, immer bedeutsamer. Denn Fakt ist: Der Wirtschaftsstandort Deutschland und unsere Unternehmen können sich langfristig und nachhaltig nur behaupten, wenn diese die Ressourcen und Potenziale aller Führungskräfte und Mitarbeiter optimal nutzen – gera...

Weiterlesen

Innovationsmanagement in KMU? Status Quo, Probleme und Lösungen

WISSENplus
Die Bedeutung der Innovation als strategischer Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor hat zur Etablierung von systematischen Lösungen für Innovationmanagement in Großunternehmen geführt. Die meisten Konzerne verfügen über Konzepte zur Strategieentwicklung und Zukunftsforschung, Abteilungen für F&E, strukturierte Innovationsprozesse sowie spezielle Institutionen für Ideenmanagement. Anders sieht es bei ...

Weiterlesen

Wenn weniger mehr ist: Die Informationsflut ausbremsen

WISSENplus
Wenn sich Konzerne heute damit beschäftigen, die Arbeitswelt „menschlicher“ zu machen, natürlich vor allem deshalb, weil die Ausfallkosten durch erkrankte Mitarbeiter zu einem unangenehmen Kostenfaktor geworden sind. Eine Führungskraft mit Burn-out-Syndrom, die für Monate ausfällt, ist eine teure Angelegenheit für das Unternehmen. Im Folgenden soll jedoch die Situation eher aus Sicht des Mitarbeit...

Weiterlesen

Einstiegsdroge oder Sackgasse?

In den vergangenen Monaten fragten Unternehmen bei mir verstärkt Unterstützung zum Thema „persönliches Wissensmanagement" an, in der Regel in Form einer kleinen internen Weiterbildung für die Mitarbeiter. Sicherlich spielt hierbei der individuelle Leidensdruck der Mitarbeiter hinsichtlich Information Overload und die gestiegenen Ansprüche an die Effizienz der eigenen Wissensarbeit eine Rolle....

Weiterlesen

Erzähl doch mal!

WISSENplus
Hand aufs Herz, was ist eine spannendere Bettlektüre: die Gebrauchsanweisung eines Smartphones oder ein skandinavischer Krimi? Die meisten würden wohl den Roman wählen. Zwar haben SMS, Chat oder E-Mail laut Stiftung Lesen die Buchlektüre von der Liste der Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen verdrängt. Dennoch gehören das Erzählen und die Geschichten zu den ältesten und wichtigsten Kulturtechnike...

Weiterlesen

Burnout – Aufklärung und Wissenstransfer tun not

Die Nachrichten sind momentan voller Krisen – Unternehmen kämpfen um das Überleben, Manager bangen um ihr Lebenswerk. Hinter jeder Neuigkeit stecken Schicksale und Menschen, für die jeder Wechsel eine enorme Herausforderung bedeutet. Mit diesen vielfältigen Rahmenbedingungen nehmen das Phänomen Burnout und die Brisanz dieses Themas enorm zu. Insbesondere Führungskräfte und HR-Experten können und s...

Weiterlesen

Die persönliche Zukunftslandkarte – Orientierungshilfe für den eigenen Weg

WISSENplus
Das Konzept einer Zukunftslandkarte ist aus der Strategieentwicklung und Zukunftsplanung im Unternehmen bekannt. Doch die Methodik lässt sich in Form einer persönlichen Zukunftslandkarte auch für Einzelpersonen zum zukunftsorientierten Coaching nutzbringend einsetzen. Der Vorteil: Sie vermittelt dem Coachee ein individuelles Gesamtbild zu Grundlagen und Chancen seiner persönlichen Handlungsalternativen;...

Weiterlesen