2020/5 | Fachbeitrag | Digitalisierung

Anträge & Co: Transparentes Wissen in der sozialen Arbeit

von Doris Hörler, Sarah Silic

Inhaltsübersicht:

Organisationales Wissen und seine Verfügbarkeit

Das Wissen von Organisation teilt sich in das individuelle Wissen der Mitarbeiter und das kollektive Wissen auf, beide Teile bilden die Wissensbasis, inklusive Daten und Informationsbestände. Als Grundlage des Wissens in einer Organisation zählen zusätzlich Bücher, Fachzeitschriften und Datenbanken sowie das informelle Verhalten der Teammitglieder. Das kollektive Wissen bleibt der Organisation erhalten, wohingegen das individuelle Wissen bei einer Personalrochade verloren geht. Um den Wissensbestand bestmöglich nutzen zu können, ist es unabdingbar, Wissen zugänglich zu machen und die Größe des Wissensbestandes stetig zu aktualisieren. [2]

Wie gelingt Wissensaufbau?

Der Wissensaufbau von einfachen bis zu komplexen Inhalten kann nur durch eine Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten einer Organisation gelingen. Die Beteiligten gewinnen aus Daten und Informationen Wissen. Je nach Handlungsfeld und Erfahrung wird dieses Wissen ausgebaut. Es unterliegt diversen Einflüssen, wie Wettbewerbsfähigkeit, Erfahrungen, Erlebnissen, Anschauungen, Überzeugungen. Im Sinne einer kollaborativen Zusammenarbeit werden Beteiligte durch verschiedene Impulse von außen gezwungen, neue oder andere Entscheidungen zu treffen. Hier kann aus Erfahrung gelernt werden. Daraus entstehen Kompetenzen, die jeder Beteiligte gewinnen kann. Das Ziel von kompetenzorientiertem Wissensmanagement ist es, den Wissensaufbau bzw. den Wissenserwerb für alle Beteiligte nutzbar zu machen. Nicht nur der Einzelne erfährt einen Kompetenzzuwachs, sondern auch die Organisation. Der Zuwachs an Wissen fließt in die Entwicklung neuer Prozesse ein und stellt einen fortwährenden Lernprozess am Arbeitsplatz dar. [3]

Existierende Informationsplattformen im Usability-Test

Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden drei existierende Informationsplattformen aus dem Bereich "Soziale Arbeit" untersucht. Dazu gehörten die Webportale des Landes Burgenland und der Arbeiterkammer. Beide wurden im Untersuchungszeitraum relaunched und punkten mit guter Strukturierung (Bildung von Kategorien) und farblich ansprechend gestalteten Haupt- und Unterseiten. Was allen untersuchten Informationsplattformen fehlt, ist die Möglichkeit, auf kurzen Suchwegen - ohne Zwischenklicks - kompakte Informationsblätter zu Förderungsvoraussetzungen sowie das passende Antragsformular der gesuchten Förderung zu erhalten.

Auch die Homepage der österreichischen Studienbeihilfebehörde zählte zum Untersuchungsgegenstand. Sie sticht mit einer interaktiven Komponente heraus, bei der je nach persönlicher Situation die passende Beihilfe abgefragt werden kann. Unter dem Aspekt der ökonomischen Besonderheiten sozialer Organisationen und deren Wirkmacht als Partizipationsraum für deren NutzerInnen [4] sollte der Wissenstransfer jedoch stets ein Maß beinhalten, das in der Beratungssituation auch noch erfassbar bleibt.

SozföH – neue Informationsplattform mit optimierten Prozessen

Prozesse aus dem stabilisierenden Wissensmanagement sind immer dann notwendig, wenn stetig wiederkehrende Situationen ein rasches Handeln erforderlich machen. Da aber alt bekanntes Wissen nicht zu neuen Lösungen in neu auftretenden Problemfällen führt, muss jeweils dynamisch neu reagiert werden. [5] Genau diese Zusammenhänge bilden die Grundlage einer ganz neuen Informationsplattform, die aus den Erkenntnissen der Untersuchung an der FH Burgenland entstanden ist.

Unter dem Namen "SozföH" ist sie eine kompakte Zusammenstellung von Förderungen und finanziellen Hilfen im Bundesland Burgenland, gegliedert nach Kategorien. Das stringente Design der Info-Blätter schafft Organisiertheit im "Förderdschungel". Durch eine klare Gliederung und pointierte Auflistung des erforderlichen Antragsweges erfolgt eine didaktische Reduktion, die nach der Reflexion der konsumierten Beratungsleistungen der sozialen Organisation auch die Wahrscheinlichkeit der Antragsstellung erhöht. Das Projekt soll den Mitarbeitern sozialer Organisationen in der täglichen Fallarbeit eine Hilfestellung sein.

Die Informationsplattform wurde mit Wordpress erstellt und ist bis jetzt erst teilweise befüllt. Eine mögliche weitere Stufe im Projekt könnte die Entwicklung einer App sein, mit deren Hilfe die an die jeweilige persönliche Situation angepasste mögliche abrufbare Förderung automatisiert angezeigt wird.

Anmerkung:

Der Artikel entstand in enger Zusammenarbeit mit Petra Pahr-Gold. Sie ist als Lehrerin tätig und aktuell auch Studentin im Masterstudiengang Angewandtes Wissensmanagement an der FH Burgenland.

Quellen:

  • [1] www.wordpress.sozfoeh.com
  • [2] Reichelt Andreas (2014): Organisationales Lernen und Wissensmanagement in Einrichtungen der Sozialen Arbeit. Saarbrücken: Publisher Akademikerverlag.
  • [3] Sauter W., Scholz Ch. (2015): Kompetenzorientiertes Wissensmanagement. Gesteigerte Performance mit dem Erfahrungswissen aller Mitarbeiter. Wiesbaden: Springer Fachmedium.
  • [4] Anastasiadis M (2019): Soziale Organisationen als Partizipationsräume. Zwischen Aktivierung, Ökonomisierung und Gestaltung: Perspektiven Sozialer Arbeit. Weinheim Basel: Beltz Juventa.
  • [5] Ackermann B., Krancher O., North K., Schildknecht K., Schorta S. (2018): Erfolgreicher Wissenstransfer in agilen Organisationen, Hintergrund - Methodik - Fallbeispiele. Wiesbaden: Springer Fachmedium.

 

 

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