2026/9 | Fachbeitrag | Künstliche Intelligenz

83 Prozent der Beschäftigten fürchten die Kündigung aufgrund eines KI-Fehlers

KI verspricht mehr Effizienz – doch viele Beschäftigte zahlen dafür mit wachsender Unsicherheit. Zwar sparen Nutzerinnen und Nutzer durch KI im Schnitt 1,5 Stunden pro Tag, zugleich wächst die Sorge vor Fehlern, fehlender Kontrolle und persönlichen Konsequenzen. Die GoTo-Studie „The Pulse of Work in 2026“ zeigt, wie tief die Vertrauenslücke inzwischen reicht. Befragt wurden 2.500 Beschäftigte und IT-Führungskräfte weltweit zu Chancen, Risiken und dem praktischen Einsatz von KI im Arbeitsalltag.



Die Ergebnisse zeigen sowohl das Potenzial als auch die Risiken von KI am Arbeitsplatz. Beschäftigte, die KI nutzen, schätzen, dass sie dadurch im Schnitt 1,5 Stunden pro Tag einsparen können. Das unterstreicht das Potenzial der Technologie, Produktivität zu steigern und Routineaufgaben zu reduzieren. Ohne klare Leitplanken fällt es vielen jedoch schwer, mit den damit verbundenen Risiken umzugehen: 83 Prozent der Befragten befürchten, für einen KI-Fehler verantwortlich gemacht oder sogar entlassen zu werden. 26 Prozent geben an, KI deshalb schon einmal bewusst nicht genutzt zu haben. Besonders betroffen sind kleinere Unternehmen: Nur 16 Prozent der kleinen und 32 Prozent der mittelgroßen Unternehmen verfügen über eine KI-Richtlinie, verglichen mit 47 Prozent der Großunternehmen. Damit fehlt der Mehrheit der Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eine klare Orientierung für den sicheren Umgang mit den Tools. Dieser Umstand verstärkt die Verunsicherung zusätzlich.

Die Daten zeigen zudem: Die Angst vor KI-Fehlern ist nicht unbegründet. Etwa jede vierte IT-Führungskraft berichtet, dass KI bereits Fehler verursacht hat, die sich negativ auf Kund:innen ausgewirkt haben (28 Prozent) oder das Unternehmen finanziell belastet haben (30 Prozent). Selbst in Unternehmen, die bislang nicht betroffen waren, sorgt sich ein Großteil der IT-Führungskräfte (88 Prozent), dass KI künftig einen Fehler mit Auswirkungen auf ihr Unternehmen verursachen könnte.

„Unsere Studie markiert einen Wendepunkt für Unternehmen“, sagt Rich Veldran, CEO von GoTo. „Allein in den USA liegt das Potenzial für Effizienzgewinne durch einen wirksamen KI-Einsatz bei mehr als 2,9 Billionen US-Dollar*. Doch ohne klare Leitplanken wird das Potenzial von KI durch Angst, Missbrauch und ungeklärte Risiken untergraben. Wenn Beschäftigte sich nicht trauen, über KI-Fehler zu sprechen – und diese Fehler bereits Kund:innen und Geschäftsergebnisse beeinträchtigen –, dann ist das kein Technologieproblem. Unternehmen, die diese Lücke mit klaren Verantwortlichkeiten, Schulungen und Richtlinien schließen, werden nicht nur die Akzeptanz verbessern. Sie werden die Unternehmen sein, die die Nase vorn haben.“

Weitere zentrale Ergebnisse:

  • KI als Ausrede: Während manche Beschäftigte Angst haben, für KI-Fehler verantwortlich gemacht zu werden, nutzen andere die aktuellen Grenzen der Technologie für sich. 31 Prozent sagen, KI helfe ihnen, echte Verantwortung bei der Arbeit zu vermeiden. 30 Prozent empfinden es als sicherer, KI die Schuld zu geben, als eigene Fehler zuzugeben. 15 Prozent geben bereits offen zu, KI für einen selbst verursachten Fehler verantwortlich gemacht zu haben.

  • Richtlinien allein reichen nicht: Selbst wenn KI-Richtlinien vorhanden sind, wird wenig getan, um verantwortungsvolle Nutzung zu fördern. 91 Prozent der Beschäftigten sind der Meinung, ihr Unternehmen könnte mehr dafür tun. 42 Prozent geben zu, KI-Ergebnisse verwendet zu haben, obwohl sie diese für minderwertig hielten oder Fehler beziehungsweise erfundene Informationen vermuteten.

  • Leistungsdruck fördert Missbrauch: 58 Prozent der Beschäftigten fühlen sich unter Druck gesetzt, KI zu nutzen, um ihre Produktivität zu steigern. Bei vier von zehn Angestellten fließt die KI-Nutzung in die Leistungsbeurteilung ein. 45 Prozent würden lieber Fehler mit KI riskieren, als „langsam“ oder „ersetzbar“ zu wirken.

  • Schweigen statt Sprechen: Manche Beschäftigte berichten, dass ihre Bedenken zu KI übergangen werden oder sie sich nicht trauen, diese anzusprechen. 32 Prozent spüren unausgesprochenen Druck, KI zu vertrauen und über ihre Fehler zu schweigen. 14 Prozent haben KI-Fehler gegenüber einer Führungskraft angesprochen und wurden gebeten diese für sich zu behalten.

  • KMU bei agentischer KI ohne ausreichende Vorbereitung: KMU setzen zunehmend auf agentische KI, ohne dafür ausreichend vorbereitet zu sein. 56 Prozent der kleinen Unternehmen nutzen oder testen bereits agentische KI, verglichen mit 64 Prozent der Großunternehmen. Gleichzeitig fühlen sich 24 Prozent der IT-Führungskräfte in KMU nicht ausreichend vorbereitet, um agentische KI sicher zu verwalten.

  • Menschliche Fähigkeiten werden wichtiger: Da KI zunehmend Routineaufgaben übernimmt, gewinnen menschliche Fähigkeiten an Bedeutung. Mehr als die Hälfte (68 Prozent) der Beschäftigten nennt kreatives Denken und Anpassungsfähigkeit als wichtigste Fähigkeiten, die es zu erhalten gilt. Unternehmen, die neben der KI-Einführung auch in diese Fähigkeiten investieren, werden den größten Nutzen aus KI ziehen.

„Wir beobachten eine neue Art von Druck am Arbeitsplatz: Beschäftigte glauben, sie müssten KI nutzen, um nicht ersetzbar zu wirken, haben aber gleichzeitig Angst vor den Konsequenzen, falls etwas schiefgeht. Genau diese Kombination führt dazu, dass KI unüberlegt eingesetzt wird“, sagt Dan Schawbel, Managing Partner bei Workplace Intelligence. „Viele Unternehmen beschleunigen die Einführung von KI, ohne die notwendigen Schulungen, Richtlinien und Unterstützung bereitzustellen. Unternehmen, die diese Lücke schließen, werden das volle Potenzial von KI ausschöpfen und gleichzeitig eine produktivere und selbstbewusstere Belegschaft aufbauen.“


* Basierend auf der Annahme, dass es in den USA 102.525.000 Wissensarbeiter:innen gibt (Quelle: Federal Reserve Economic Data) mit einem Stundenlohn von 44,08 US-Dollar(Quelle: Federal Reserve Economic Data), die durch den Einsatz von KI wöchentlich 13 Stunden einsparen könnten.



Der Autor:

Rich Veldran ist CEO von GoTo, einem Anbieter von Cloud-Kommunikations- und IT-Lösungen, der sich für eine Arbeitswelt ohne Grenzen einsetzt. Mit den Flaggschiffprodukten GoTo Connect, LogMeIn Resolve und LogMeIn Rescue bietet das GoTo-Portfolio sichere, zuverlässige und KI-fähige Lösungen, die für kleine und mittelständische Unternehmen einfach zu implementieren und für Unternehmen weltweit skalierbar sind.

Bildquelle: (C) GoTo

Web: www.goto.com/resources/pulse-of-work-ebook-2026

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